Deutsche EM U17 in Steinsfurt
Arnd Lauber (Delmenhorster SK)


Bericht erschienen in den Bremer Schachmusikanten


Am 23. Juli fuhr ich in Bremen los. Nach fünfstündiger Fahrt wurde ich am Bahnhof von Sinsheim (Baden) abgeholt und in den Turniersaal in Steinsfurt gebracht, bald darauf in die Unterkunft in Neckarbischofsheim. Die Fahrten zwischen diesen drei in der Nähe von Heidelberg gelgenen Orten war ein organisatorisches Problem, das aber von den Vereinsmitgliedern mit Privatautos gut gelöst worden ist. Die Mahlzeiten wurden meist in Hotels eingenommen; sie waren gut. Das Rahmenprogramm war abwechslungsreich; man konnte schwimmen gehen, Tennis oder Tischtennis spielen oder Heidelberg besichtigen.

Bei einem während der DEM veranstalteten Blitzturnier belegte ich den fünften Platz.

Das Turnier fing für mich sehr gut an, ich gewann gegen den Niedersachsenmeister Simon Kapteina. Am nächsten Tag allerdings dachte ich gegen Daniel Hausrath (NRW, Elo 2310) viel zu lange nach und verlor in beidseitiger schwerer Zeitnot im 39. Zug durch Zeitüberschreitung. In der dritten Runde schaffte ich es gegen Ulrich Voigt (Sachsen) nicht, ein klar günstigeres Endspiel zu gewinnen. In der vierten Runde gewann ich gegen Peter Ottmann (Württemberg). Jetzt folgten vier Remisen gegen Wilde (Schleswig-Holstein), Hetey (Berlin), Schulzke (Ausrichter) und Capris (Bayern) trotz teilweise sehr aussichtsreichen Stellungen. In der neunten und in letzten Runde spielte ich gegen Stefan Brettschneider, der mit einem Sieg Erster geworden wäre. Nach siebeneinhalb Stunden Spielzeit konnte ich ein etwas schlechteres Endspiel aber Remis halten. Neuer Deutscher Meister wurde Daniel Hausrath mit 6,0 / 9 vor den punktgleichen Laszlo Hetey, Holger Pröhl (Berlin) und Erich Schulzke. Ich belegte den 8. Rang unter 24 Teilnehmern.

Leider war das Land Bremen wegen finanzieller Nöte nicht in der Lage, mein Startgeld (DM 100,-) und einen Betreuer voll zu finanzieren. Wolfgang Haar (Hamburg) betreute mich dennoch mehrere Tage gut.

Arnd Lauber

Lauber - Kapteina (DEM U17 1992, Runde 1)
1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Le7 4.d5: d5: 5.Dc2 c6 Nach 5.... Sf6 könnte Weiß doch noch in die Variante 3.... Sf6 einlenken. 6.Lf4 Ld6!? Ein paradox wirkender Tempoverlust, dessen Idee es ist, mittels ... Se7 den Zug ... Lf5 ohne Schwächung ... e6 durchzusetzen, die Hauptvariante ist 6. ... g7 7.e3 Lf5 8.Dd2! Sf6 9.f3 c5 10.Lh6!, wonach sich der Zug ... g6 schon bemerkbar macht. 7.Lg3 Interessant wären auch 7.Sd5: Le6 ( ... Da5+ 8.Sc3 Lf4: 9.De4+ ) 8.Ld6: d6: 9.Sc3 Dd4 10.Sf3 Db4 oder 7.Ld6: Dd6: 8.e3 Se7 ( ... Dg6 ) 9.e3 ??? (Anm. d. TL) g6 10.f3 . 7.... Se7 8.e3 Lf5 9.Ld3 Nach 9.Dd2 0-0 10.f3 Te8 hat Schwarz Entwicklungsvorsprung. 9.... Ld3: 10.Dd3: 0-0 Es ist Schwarz gelungen, seinen schlechten Läufer abzutauschen, dafür hat er aber Probleme mit dem Se7, der über f6 nach e4 gehört und der Bindung Ld6-Dd8, die den Zug ... Sd7 unmöglich macht. Nach einem Tausch auf g3 greift Weiß über die h-Linie an. 11.Sf3 Sg6?! Auf g6 hat der Springer keine Funktion, Alternativen waren 11.... Dd7 mit der Idee ... Sbd7 oder 11.... f5 . 12.Tb1!? Weiterhin wird die Rochade zurückgehalten, um die schwarze Entwicklung zu hemmen. 12.... a5 13. a3 Besser 13.Sa4. 13.... a4 13.... f5!? Schwarz will am Damenflügel die Initiative ergreifen. Der weitere Plan ist Sb8- d7-b6-c4 oder Sg6-e7-c8-d6-(b6)-c4. 14.Dc2 Erzwingt 14.... b5 15.0-0 Lg3: 16.hg3: Te8 Nach 16.... Sbd7 17.b3 b3: 18.Tb3:! Sb6 19.Ta1! ( 19.a4!? ) setzt Weiß im nächsten Zug a4 durch und Schwarz behält eine Schwäche auf c6, z.B. 19.... Te8 20.a4 a4: 21.Tba3 nebst 22.Sa4: . 17.Sa2?! Besser ist 17.b3 im Sinne der vorherigen Variante. 17.... Te6 18.Sb4 Se7 19.Se5 überführt auch den zweiten Springer auf den Damenflügel. 19.... f6 20.Sd3 Sc8 20.... Sd7? 21.Sc5! mit für Weiß günstigem Springerabtausch. 21.Sc5 Te7 22.b3 b3: 23.Sb3: Te6? 23.... Dd6! 24.Sc5 Te7 25.a4 a4: 26.Sa4: Tea7 27.Sc5? 27.Sb2 mit Belagerung des Bc6, jetzt gelingt der sS nach c4 27.... Sd6 28.Sb3 Sc4 29.Dc1 Dd6 30.Sd2 Sd2:? Leichtfigurentausche begünstigen Weiß, da dadurch der statische Charakter der Stellung aufgewertet wird. Besser wäre 30.... Sa3. 31.Dd2: Sa6 32.Sd3! Mit diesem Springer muß c6 angegriffen werden. 32.... c5 Statt einer langwierigen Verteidigung des Bc6 besitzt Schwarz lieber einen Isolani. 33.c5: Sc5: 34.Sf4! 34.Sc5: Dc5: 35.Tfd1 Ta5 36.Dd4 Dd4: 37.Td4: und das Endspiel ist auch nach dem Fall von d5 nicht zu gewinnen ( aber nicht 37.... Td8? 38.e4+- ). 34.... Td7 35.Tfd1 Tad8 36.Tb7 Dc6 37.Da5 Sb7 38.Db6 Db6: 39.Tb6: Sc5 40.Tb5 Der Bauerngewinn ist schon einmal gesichert; aber da alle Bauern auf einem Flügel sind, ist der Gewinn sehr schwierig. Am besten wäre jetzt 40.... Se4 41.Tbd5: Td5: 42.Td5: und sowohl im Springerendspiel 42.... Td5: 43.Sd5: nebst g4 und f3 ( 43.... h5? 44.f4+-; 43.... f5?? 44.Se7+- ) als auch 42.... Ta8 43.Sd6 nebst g4, f3 hat Weiß Gewinnchancen. In beiden Endspielen kann Weiß sich einen Freibauern auf der e-Linie bilden. 40.... g5? Ein Panikzug mit nur noch wenig Sekunden auf der Uhr. 41.Sh5! 41.Tc5 f4: 42.gf4: d4= 41.... Se4 42.f3 Sc5 43.Sf6:+ Kh8? Dieser Zug verliert endgültig. Das Turmendspiel nach 43.... Kf7 44.Sd7: Td7: 45.Tbb1 Sb1: Tb1: ist für Schwarz nicht gerade angenehm, aber beide Seiten müssen noch sehr genau spielen. 44.Sd7: Sd1: 45.Sf6 Und Schwarz ist in einem Mattnetz, es droht 46.Td5:, 46.Sd5: und 46.Tb7 und Matt auf h7. 1-0

(Noch eine Anmerkung des TL: Die nicht vollständige Kostenübernahme resultiert aus einerseits ständig steigenden Kosten und andererseits aus der Tatsache, daß wir noch ein paar mehr Sachen in Bremen haben, wie z.B. öfter als früher Jugendkader. Allgemein zur Kostenfrage sei gesagt, daß es den Teilnehmerbeitrag (DM 100,-) auch noch nicht so lange gibt. In anderen Landesverbänden wird zumeist noch weniger bezahlt als in Bremen. Man wird als Bremer erstaunt angesehen, wenn man erzählt, der kleinste Landesverband zahlt Spieler und Betreuer komplett!)


 

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© 2000 Bremer Schachjugend. Letzte Änderung: 31.03.2000
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