Bremer Jugendeinzelmeisterschaften Findorff und Delmenhorst dominierten


Osterzeit - Schachzeit. So wie jedes Jahr fanden auch in diesem Jahr die Bremer Jugendeinzelmeisterschaften in den Osterferien statt.

Zum 100jährigen Jubiläum und zum 10jährigen Bestehen der Abteilung Schachsport übernahm der TVArbergen dankenswerterweise die Ausrichtung. Dank eines umfangreichen Rahmenprogramms (Tischtennis und Fußball) fanden die Meisterschaften in einer ungewohnt, aber angenehm ruhigen Atmosphäre statt. Für das leibliche Wohl sorgten zahlreiche Arberger Helfer, die der Turnierleitung auch sonst hilfreich zur Hand gingen. (Leider kann man aber auch die beste Bockwurst nach einer Woche nicht mehr sehen).

Die Beteiligung bei den Meisterschaften ließ leider zu wünschen übrig. Es nahmen insgesamt nur 63 Teilnehmer in fünf Klassen an dem Turnier teil. Dies ist im Verhältnis zum letzten Jahr ein starker Rückgang (1992 spielten 80 Teilnehmer mit). Ursache hierfür könnte der verkehrstechnisch schlecht zu erreichende Spielort gewesen sein. (Nächstes Jahr - vielleicht in Delmenhorst - werden wir hoffentlich wieder mehr Spieler sehen..)

Vielfach bedauert wurde von den Spielern auch die termingleiche Ansetzung der BJEM und der Offenen Bremer Meisterschaft. Dieses in Zukunft zu verhindern, sollte Aufgabe des LSB-Turnierleiters sein.

Kommen wir zu den einzelnen Turnieren:

In der A-Jugend (U-20) gab es einen klaren Doppelsieg für die Findorffer Axel Lankenau und Torsten Hölscher. Beide erreichten 7 Punkte aus 9 Partien. Axel gewann den inzwischen gespielten Stichkampf mit 1:. Das Turnier war gekennzeichnet durch das Scheitern der im Vorfeld als Favoriten gehandelten Jugelt, Wittfoth und Klünger. Während Tobias Jugelt (Delmenhorster SK) sich immerhin noch mit einem dritten Platz ins Ziel retten konnte, war Marc Klünger (SG Brinkum) durch seine Nachtschichten als Zivildienstleistender wohl doch zu sehr gehnadicapt. Kai-Uve Wittfoth (TV Arbergen) scheiterte letztendlich mit einer langen Rochade an den Findorffern. Tobias Jugelt mußte sich nach einem etwas unglücklichen Ausgang einer Partie die Frage stellen lassen, ob er denn auch im Verein spiele.

In der B-Jugend (U-17) gab es den erwarteten Zweikampf zwischen Arnd Lauber (DSK) und Christian Lankenau (Findorff). Beide beherrschten das Feld der insgesamt zwanzig Teilnehmer souverän. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die beiden es nötig haben, gleichzeitige Remisabsprachen mit ihren Gegnern zu treffen. Der Stichkampf endete mit einem 1:-Sieg für Arnd Lauber, der somit seinen Titel erfolgreich verteidigen konnte. Platz drei in dieser Gruppe belegte der Findorffer Roman Sommer. Der im Vorfeld ebenfalls hoch gehandelte Landesjugendturnierleiter (so sein voller Titel) Gustaf Mossakowski bestätigte jedoch die These, daß Funktionäre nicht besonders gut Schach spielen können. Negativ fiel der Ausstieg eines Teilnehmers nach der 7. Runde auf. Die Begründung lautete, er würde in den Urlaub fahren. Auf Nachfrage erfuhr man dann, daß bei einer besseren Plazierung die Reise um zwei Tage verschoben worden wäre. Ein merkwürdiges Verhalten.

In der C-Jugend (U-15) stand der erste Platz eigentlich schon vor Beginn des Turniers fest. Ohne die anderen Teilnehmer schlechter machen zu wollen, man hätte dem späteren Sieger Jens Osmer vom TV Arbergen auch den Pokal mit der Post schicken können, dann hätte er Zeit und Geld gespart. Die Plätze zwei und drei belegten Florian Brodde (SVTG) und Matthias Kahmann (Gröpelingen). Insgesamt stritten nur 13 junge Recken um den Titel.

In der D-Jugend (U-13) gewann souverän Daniel Margraf (DSK). Den zweiten Platz belegte genauso klar Felix Mengel (SVTG). Platz drei ging an Gerhard Riewe (DSK). Leider war auch hier die Teilnehmerzahl mit neun Spielern sehr gering. Negativ fiel die Unsportlichkeit eines Teilnehmers auf, der gegen die Verlegung einer Partie war und so seinen Gegner zwang, mit 39 Fieber zu spielen. Hier sind die Jugendwarte gefordert, ein solches Verhalten sollte ganz schnell unterbunden werden.

Den (inoffiziellen) Titel eines E-Jugendmeisters (U-11) gewann Sergé Runge aus Findorff. Er und die anderen beiden E-Jugendlichen spielten in der D-Jugend mit, und dieses mit erstaunlichem Erfolg.

Last but not least - die Mädchenmeisterschaft (U-20w). Hier setzten sich ganz klar Stefanie Speckert aus Findorff und Kerstin Wessels vom SVTG mit je 7 aus 8 durch. Den erforderlichen Stichkampf gewann Stefanie Speckert, die sich nun endlich, nach einigen vergeblichen Anläufen Bremer Mädchenmeisterin nennen darf. Die U-15w Wertung gewann Petra Wenke vom DSK. Weiterhin bleibt anzumerken, daß der Vorsitzende der Bremer Schachjugend zur Eröffnung des Turniers leider nicht anwesend war. Erst kurz nach Beginn der ersten Runde traf er ein. Er erklärte dann innerhalb der nächsten fünf Stunden etwa ein dutzendmal, daß er keine Zeit hätte. Nun ja.

Ulrike Schlüter und Burkhard Mentz

(Anm. des BSJ-TL: Herzlichen Dank an die beiden Turnierleiter Ulrike Schlüter und Burkhard Mentz für den reibungslosen Ablauf der BJEM. Der Spielort, die Sporthalle Heisiusstraße, war für die BJEM 1993 sehr gut geeignet. Zusätzlicher Dank gebührt Burkhard Mentz, der den Preis für den besten Jugendlichen U11 stiftete, da die vorgesehene Medaille beim Einkauf vergessen wurde.)

(Nun noch die beiden Schönheitspreise, ausgesucht von Torsten Duckstein, die mit jeweils einem Abonemment der Bremer Schachmusikanten - gestiftet von Bernhard Künitz - prämiert wurden.)

Lasarsch,R - Lankenau,A BEM U-20 1993 (2/3)

1.e4 c5 2.d4 cd 3.c3 dc 4.Sxc3 Sc6 5.Sf3 d6 6.Lc4 e6 7.0-0 Sf6 8.De2 Le7 9.Td1 e5 Schwarz muß diesen Zug machen, da Weiß selbst ziemlich unangenehm mit 10.e5 drohte! 10.h3 0-0 11.Lg5 Die Theorie empfiehlt 11.Le3, was nach 11... Le6 12.Lxe6 fe 13.Tac1 Tc8 14.b4 a6 in Pokojowczyk-Gligoric, Jugoslawien 1971, gleiches Spiel ergab 11... Le6 12.Lxe6 fe 13.Dc4 Pachmann gibt hier an: 13.Lxf6 Lxf6 14.Sb5 Le7 15.Dd3 Dd7 16.Td2 Tad8 17.Tad1 a6! 18.Sxd6 Dc7 19.Db3 Lxd6 20.Dxe6+ Kh8 21.Txd6 Sd4! und Schwarz steht besser (Ilic-Sofrevski, 1975) 13... Dd7 14.a3 Tac8 15.Da2 Sh5!? Schwarz entschließt sich, erst einmal nicht den Zentrumsdurchbruch ... d5 anzustreben und setzt statt dessen auf den Angriff am Königsflügel. Nun liegt das Qualitätsopfer auf f3 in der Luft. 16. Sb5 Tcd8?! Feige gespielt! Interessant und vielversprechend für eine praktische Partie wäre hier 16... Txf3 gewesen:

A: 17.Lxe7 Dxe7 18.gf Sf4 19.Txd6 (19.Kh2? Dh4 -+; 19.Kf1 Dg5 Ke1 Dg1+ verliert ein Tempo gegenüber der Textvariante) 19... Dg5+ 20.Kf1 Dg2+ 21.Ke1 Dg1+ 22.Kd2 Dxf2+ und der weiße König muß die c-Linie betreten, auf der dann mittels ... Sd4+ terminiert wird.
B: 17.gf?! Lxg5 18.Txd6 Df7 19.Dxe6 (19.Txe6 Tf8 nebst ... Sf4 mit Vorteil für Schwarz) 19... Dxe6 20.Txe6 Sf4 21.Td6 a6 22.Sc3 Sd4 23.Tad1 Sxf3+ und Schwarz steht deutlich besser.
C: 17.Sxd6! Lxg5 (17... Lxd6? 18.gf und Weiß steht besser; 17... Tcf8 18.Sf5! Dc8 19.Se7 +-; aber es geht auch 17... Tff8 18.Sxc8 Dxc8 19.Lxe7 Sxe7 20.Tac1 Sc6 21.b4 De8! mit unklarer Stellung) 18.Sxc8 Dxc8 19.gf unklar. Da Schwarz auch in Variante c gute Angriffsmöglichkeiten erhält, wäre 16... Txf3!? auf jeden Fall einen Versuch wert gewesen.
17.Le3 Tf6 Opfert den a-Bauern, um den Druck auf der halboffenen f-Linie zu erhöhen. 18.Sxa7 Tdf8 19.Sxc6 Dxc6 Hier scheitert 19... bc natürlich an 20.Sxe5 20.Tac1 Schwierige Verwicklungen, die für Schwarz günstig sind, entstehen nach 20.Lg5 (20.Sg5 Dd7 bringt Weiß auch nicht weiter):
A: 20... Txf3? 21.gf! (21.Dxe6+? T3f7 22.Lxe7 De8! -+; 21.Lxe7? Txf2! 22.Dxe6+ Kh8 23.Lxf8 Txg2+ 24.Kxg2 [24.Kh1? Dxe4 -+; 24.Kf1 Tf2+ =] 24... Dxe4+ mit Dauerschach) 21... Lxg5 22.Dxe6+ nebst 23.Txd6 ist gut für Weiß.
B: 20... Tg6! (mit der Idee ... Txf3 bzw. ... Lxg5) 21.Lxe7 (21.h4 h6 und weiter wie im Text; 21.g4 Txf3 22.Lxe7 [22.Kg2 Dxe4 -+] 22.Txh3! 23.te1 [23.Txd6 Dxe4 24.Td8+ Kf7 25.Tf8+ Kxe7 -+] 23... Txg4+ 24.Kf1 Da6+ 25.Te2 Th1 matt) 21... Txf3 Txd6 Dxe4 23.Txe6 (23.Td8+ Kf7 -+) 23... Txg2+! 24.Kxg2 Sf4+ -+ z.B. 25.Kg1 Tg3+ 26.Kf1 Tg1+ 27.Kxg1 Dg2 matt.
20... Dxe4 21.Sg5 21.Tc4 Dg6 22.Tg4 De8 nebst ... d5 ist gut für Schwarz. Mit dem Textzug will Weiß den schwachen Punkt e6 unter Beschuß nehmen, was Schwarz mit dem geplanten ... d5 verhindern will. 21... Dg6 22.Tc7 Ld8 23.Td7!? 23.Txb7 d5 nebst ... h6 -+. Nach 23.Td7!? geht 23... h6 nicht wegen 24.Sxe6! Txe6 25.T1xd6 Tfe8 26.Txd8 +- 23... d5 24.T1d5:!? Interessant, aber zu riskant. Die Idee besteht in 24... ed 25.Dxd5+ Kh8 26.Txd8 und Weiß hat Kompensation für die Qualität, so scheitert z.B. 26... h6 an 27.Se6! Txd8 28.Dxd8+ Kh7 29.Sf8+ und Weiß steht besser. Doch ... 24... Lb6!! Dieser Zug widerlegt die weiße Absicht. Es droht einfach ... ed nebst Turmgewinn. 25.Sxe6 Alles andere verliert ebenfalls: A: 25.Lxb6 ed 26.Le3 h6 -+ B: 25.Txe5 Lxe3 26.fe Dc2!! Nach diesem Zug ist die weiße Stellung forciert verloren. Es droht 27... Tf1+ 28.Kh2 Dxg2+ 29.Kxg2 T8f2 matt. Weiß muß also f2 decken oder verstellen: B1: 27.Sf3 (27.Da1 Df2+ 28.Kh1 Dg3 -+) 27... Tg6 28.g4 (28.Td2 Dc1+ 29.Kh2 Sg3! -+, 28.Tg5 Txf3 29.Td8+ [29.Txg6 Dxg6 -+] 29... Kf7 30.Td7+ Ke8 31.Txg6 Dxg6 -+; 28.Sh4 Df2+ -+) 28... Txf3 29.Td8+ Kf7 30.Td7+ Kf8! 31.Td8+ Ke7 -+ B2: 27.Se4 Tf1+ 28.Kh2 Dc1 29.Dxe6+ h8 30.Txh5 Th1+ 31.Kg3 Dxe3+ 32.Kh4 Tf4+ 33.g4 Txh3+ 34. Kg5 Tff7 matt 25... Lxe3 26.Sxf8 Erlaubt eine hübsche Schlußkombination, aber an der weißen Niederlage ändern auch andere Züge nichts mehr! 26... Dxg2+!! Dieses Damenopfer erzwingt das Matt! 27.Kxg2 Txf2+ 28.Kg1 28.Kh1 Sg3+ 29.Kg1 Te2 matt. Wegen dieser Variante konnte Schwarz übrigens nicht schon 25.Sxe6 mit 25... Dxg2+ beantworten, da Weiß nach 26.Kxg2 Txf2+ 27.Lxf2 Txf2+ 28.Kh1 Sg3+ 29.Kg1 Te2+ mit 30.Td4! die Diagonale des Lb6 verstellen kann! 28... Txf8+ (?) In Zeitnot "vergißt" Schwarz, bereits hier mit 28... Te2+ sofort matt zu setzen. 29.Kg2 Tf2+ 30.Kg1 Te2+ und Weiß gab auf, bevor 31.Kf1 mit 31... Sg3 matt gesetzt wird! 0-1 (Kommentiert von Axel Lankenau)

Wittfoth,K-U - Jugelt,T BEM U-20 1993 (7/3) - Staunton Gambit

1.d4 f5 2.e4 fe Weiß hofft durch das Bauernopfer auf Entwicklungsvorsprung und eine Schwächung des schwarzen Königsflügels. 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Sc6 Schwarz strebt lebhaftes Figurenspiel an. Schlechter ist natürlich ... d5 wegen 6.Lxf6 und Dh5+. 5.f3 Hauptfortsetzung ist 5.d5 5... ef stärker ist 5... e5! 6.Sxf3 e6?! Nach dieser Fortsetzung stellt der Lc8 eine unglückliche Figur dar. 7.Ld3 Le7 8.a3 Der Läufer auf d3 soll vor möglichen Angriffen des Springers geschützt werden. 8... 0-0 9.De2 Die lange Rochade wird vorbereitet. Weiß hat bereits eine sehr schöne Stellung 9... d5 10.0-0-0 Se4?! Schwarz versucht durch Abtausch eine Stellungsvereinfachung zu erreichen und übersieht dabei die folgende Abwicklung: 11.Lxe7 Sxc3? Das kleinere Übel war wohl 11.Dxe7 12.Lxh7+ Das muß Schwarz übersehen haben. 12... Kh8 12... Kxh7 scheitert natürlich wegen 13.Sg5+ und schnelles 1-0. 13.bc Dxe7 14.La3 Dxa3+? Auf Bauernraub sollte man in dieser Stellung verzichten. 15.Kd2 Kb1 ist etwas genauer. 15... De7 Die Dame muß die wichtigen Einbruchsfelder unter Kontrolle halten. Aber die Stellung ist bereits hoffnungslos. 16.h4! Df6 17.Tdf1 Die schwarze Dame steht sehr unglücklich. 17... Ld7 18.Sg5 Dh6 19.Kd1 Und nun? Nichts geht mehr. Es droht Qualitätsgewinn auf f7. 19... Txf1+ Racheschach! 20.Txf1 Dxh4 21.Df3 und Scharz gibt auf. Er kann das Matt nicht verhindern. Auch 21... Se7 nutzt nichts mehr. Nach 22. Df8+ Txf8 23.Txf8+ Sg8 folgt 24.Sf7# 1-0

(Kommentiert von Torsten Duckstein)

Torsten Duckstein


 

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© 2000 Bremer Schachjugend. Letzte Änderung: 01.04.2000
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