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Frühjahr. Meisterschaft. Delmenhorst. BSJ



»Mann kann nicht alles machen«, sagte der Mensch und machte gar nichts.

Diesen Spruch, eine eigene Variation eines bekannteren (und im Original auch noch tiefsinnigeren) Ausspruchs Marie von Ebner-Eschenbachs, den ich just dieser Tage in einer Bremer Tageszeitung entdecken konnte, stelle ich meinem (unbeabsichtigten) Beitrag zur neuen Rochade voran, damit er einige Leute zum Denken anregt. Namen nenne ich hier keine, die Leute, denen meine Kritik gilt, wissen hoffentlich, daß sie gemeint sind.

Eine meiner letzten »Amtshandlungen« als Turnierleiter der in letzter Zeit oft gescholtenen Bremer Schachjugend war die Austragung der Bremer Jugendeinzelmeisterschaften 1994 im nahe Bremen gelegenen Städtchen Delmenhorst. Zu diesem Turnier habe ich schon vor zwei Ausgaben die Tabellen abdrucken lassen, dazu einige von Ulrike Schlüter mit der Hand eingegebene Partien, in der festen Überzeugung, der Bericht würde ja schon pünktlich bei der Müller&Stieglitz Tippgemeinschaft (MüST) eintreffen. Dem war auch eine Ausgabe später nicht so, so daß ich jetzt selber zur Feder greife und schreibe.

Vom 21. bis zum 26. März trafen sich im Gymnasium Willmsstraße in der Delmenhorster Innenstadt 72 schachbegeisterte Jugendliche, um eine Woche der Osterferien nur dem uns allzu bekannten Daddelsport zu frönen. Der Spielort war sehr angenehm und für die Meisterschaft sehr gut geeignet, eine große Gruppe Delmenhorster Spieler unterstütze zudem das Wohlbefinden von Spielern, Betreuern und den zahlreichen Zuschauern mit Essen & Trinken zu niedrigen Preisen. Lobenswert, daß teilweise sogar Kuchen verschenkt wurde... Kulinarisch gesehen eine prima Meisterschaft.

Arnd Lauber (Delmenhorster Zweitligist) trat dieses Jahr bei den Ältesten als Favorit an, hörte etwas von »Preisgeld« und war nicht mehr zu stoppen. Achteinhalb Punkte bescherten ihm seinen fünften Titel in Folge. Nur einmal konnte er übrigens nicht gewinnen; das war 1989, als er sein Waterloo gegen einen schreibenden Ex-Turnierleiter erlebte (letzterer zehrt übrigens heute noch von seinem damaligen Erfolg - es sollte sein einziger gegen A.L. bleiben). Arnd darf dieses Jahr noch einmal an der Deutschen teilnehmen - nächstes Jahr wird die DJEM mit Vor- und Hauptrunde gespielt, um eine für Geldgeber attraktiv besetzte Deutsche Meisterschaft zu erhalten. Die Überraschung des Jahres wurde Roman Sommer (Findorffer Kartenfreunde), der nicht nur Tobias Jugelt (Anm.: hier schlägt die Rechtschreibprüfung Jubelt oder Kugelt vor - jegliche Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig und unbeabsichtigt.) (DSK) nach hartem Kampf ausschaltete sondern auch gegen alle anderen außer Platz eins gewinnen konnte. Nu darf Roman sich bis nächstes Jahr Bremer Jugendvizemeister nennen, einen Titel, den er sicherlich verteidigen will (klappt aber bestimmt nicht). Vierter (DSK) und Fünfter (FSF) Mahlstedt und Mossakowski; dat war’s auch wieder (Nach mir die Sintflut). Bemerkenswert: DWZ-Spektrum von 2163 (1.) bis 903 (18.).

Bei den unter 17jährigen gab es einen Stichkampf zwischen den Findorffern Christian Lankenau und Claas Reckmann (spielt für Delmenhorst), nachdem es nach Ablauf der regulären Spielzeit durch Simultanremisen acht zu acht gestanden hatte. Diesen konnte Bremens alle-zwei-Jahre-wenn-Arnd-Lauber-in-einer-höheren-Klasse-spielt-Meister trotz großer Vorbereitung von Claas GEWINNEN. J'adoube, das war die CapsLock-Taste. Danach kamen nur noch Andreas Samjeske (TVA) und viel, viel Freizeitschach... Erfreulich noch anzumerken, daß es in Osterholz-Scharmbeck wieder massig Jugendarbeit gibt (Jugendwart seit '93 ist Uwe Bergemann, auch DWZ/Elo-Referent des LSB). 16 Teilnehmer.

In die Mitte die Mädels: dieses Jahr vier Teilnehmerinnen und eine bei den D-Jugendlichen, macht zusammen fünf. Tendenz: steigend, seit sich Michael Bruns dieser Problematik angenommen hat (nein, er kriegt (noch) keinen Nachwuchs..). Vorjahressiegerin Stefanie S. aus F. trat nicht zur Titelverteidigung an, so war der Weg frei für die Arberger Nachwuchsspielerin Natascha Fahrenholz, die souverän mit allen nur möglichen Punkten gewann. Weil's nur so'n paar sind, seien hier alle Namen der folgenden Plätze noch einmal genannt: Petra Wenke (2/DSK), Angelika Prinz (3/Stotel-Loxstedt) und Anne-Kathrin Paul (4/Syke). Ein Schnellschachturnier am letzten Tag rundete die doppelrundige Meisterschaft ab. Davon sind mir leider nicht die Ergebnisse bekannt. Pech gehabt.

Bei den unter 15jährigen gab es viele neue Gesichter, trotzdem gewann ein altbekanntes: Daniel Margraf vom Ausrichterverein konnte hier Vorjahresmeister Jens Osmer (TVA) auf den dritten Platz verweisen. Julian Blumenstingl (Werder) darf sich mit dem Vizetitel schmücken, während ein neues Gesicht (aber auch schon um die 15 Jahre alt), Simon Strübbe aus OHZ, den vierten Platz belegte. Der fünftplazierte Michael Gorodinsky, neuer Ostimport der BSG muß sich die Frage gefallen lassen, ob er denn der Rochade mächtig ist, in der Partie gegen Daniel »vergaß« er diese und verlor durch Schach auf der Grundreihe nebst materiellen Verlust. 17 Teilnehmer.

Die jüngsten (U-13) waren am schnellsten fertig - bis auf den letzten Tag, da waren in der A-Jugend schon alle Partien fertig und in der D-Jugend kämpften einige noch um die Punkte. Letztendlich bekamen alle eine Urkunde für ihre Teilnahme - die Qualität wird nächstes Jahr bestimmt besser (die der Urkunden). Sieger wurde Marian Schrader von der SG Bremerhaven vor Gerhard Riewe (DSK). In Bremerhaven gibt es jetzt wieder neues, frisches Jugendschach - wer meinen Bericht zur BSSM (Schulschach heißt das) gelesen hat, wird die Bremerhavener auch da wiederfinden. Spannend war es für mich hier vor allem deshalb, weil ich die meisten Leute noch nie gesehen hatte, geschweige denn von dem ihnen vorauseilenden Ruhm etwas gehört. Etwas weniger als die Hälfte der Teilnehmer war sogar unter 11 Jahren, hier konnte der Neu-Arberger Björn Scholvin den Pokal in die Hand nehmen. Jüngster Teilnehmer war Henrik Beiß vom TVA, einziges Mädchen Katja Fahrenholz (TVA). Vorjahres-U11-Sieger Sergé Runge (FSF) landete in dem dichtgedrängten Teilnehmerfeld dieses Jahr auf Platz zehn. 17 Teilnehmer.

Zur Siegerehrung kamen nach aufwendiger Rechenarbeit seitens der souveränen Turnierleitung Ulrike Schlüter & Burkhard Mentz und meiner Wenigkeit der Bürgermeister von Delmenhorst, Herr Otto (so hieß der, glaube ich) und der Vorsitzende des Delmenhorster SK, Herr Fritz Pundt. Zu dritt meisterten wir dann die Preisvergabe (Pokale, Medaillen, Urkunden sowie Geldpreise), die Teilnehmer traten am 26. März nach sechs anstrengenden Tagen ihre Rückreise an.

Gustaf Mossakowski


 

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© 2000 Bremer Schachjugend. Letzte Änderung: 16.04.2000
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