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Ziele der Allgemeinen Jugendarbeit

aus: DSJ-Forum 06/94: Ergebnisse einer Arbeitstagung, zusammengefaßt von Rolf Schlösser

Sport treiben, weil's »in« ist

Unter der Überschrift »Die Probleme des DFB mit der Jugend« veröffentlichte der Kölner Stadt-Anzeiger am 16./17. Juli '94 eine nicht nur für den Fußball aufschlußreiche Meldung des Sportinformationsdienstes (sid). Dort heißt es u. a.:

»Im DFB-Bereich ist in den vergangenen zehn Jahren die Zahl von A- und B-Jugend-Mannschaften von 25.000 auf 13.800 zurückgegangen. [...] «Die Jahrgänge werden immer schlechter. Das hat eine ganze Menge mit der fehlenden Masse, aber auch mit dem Aussterben des Straßenfußballs zu tun», klagt Edwin Boekamp [...]. Dabei hat die «Fußball-Basis» F- und E-Jugend kaum Einbußen zu verzeichnen. Erst im Alter von 14 bis 18 Jahren treten die Jung-Kicker gleich scharenweise aus den Vereinen aus.. [...]

Kinder betreiben heute «In»-Sportarten wie Tennis oder Golf. Auch das Prestigedenken der Eltern spielt dabei eine wichtige Rolle, Trendsportarten wie Mountainbiking garantieren zudem ein «geiles Outfit», Anerkennung in der Teenie-Gemeinschaft und den Sportartikelherstellern Millionenbeträge. «Ein wichtiger Grund für den drastischen Rückgang ist sicher der Pillenknick», meint Bernd Barutta [...]. Gab es 1962 noch 670.000 männliche Neugeborene, so waren es 1975 nur noch 404.000. Das eintönige Training unter Betreuern, die mehr Eltern denn ausgebildete Übungsleiter sind, gilt als weiteres Motiv für Austritte.

Boomt in Deutschland derzeit der Basketball, so ist das vor allem ein Verdienst der Industrie. Die «streetball»-Initiative von adidas lockte die Jugend nach Olympia 1992 mit dem «Dream Team» unter die Körbe auf Parkplätze und Schulhöfe [...]. Schuhe von «Air Jordan», NBA-Jacken und die obligatorischen Kappen der amerikanischen Vereine sind für Deutschlands Nachwuchs beinahe Pflicht.«

Dieser kleine Auszug (Hervorhebungen vom Autor) belegt eindrucksvoll, worauf wir im DSJ-FORUM immer wieder hinweisen: zu einer erfolgreichen Vereins- und insbesondere Jugendarbeit gehört eben mehr als der reine sportliche Teil.

Die DSJ hat in ihrem »Konzept 2000« die Allgemeine Jugendarbeit als einen Schwerpunkt manifestiert (vgl. DSJ-FORUM 4/94). Am 11./12. Juni fand in Köln eine Arbeitstagung zu diesem Thema statt. Insgesamt 11 Teilnehmer aus 6 Landesverbänden folgten der Einladung der DSJ.

Bereiche der Jugendarbeit

Anhand der Zielvorgaben des Kinder- und jugendplanes des Bundes überlegten die Teilnehmer, was auf und von der DSJ-Ebene umgesetzt werden könnte:

Politische Bildung

Internationale Jugendarbeit

Kulturelle Bildung

Sportliche Jugendbildung

Eingliederung junger Aussiedler, Ausländer; Jugendarbeit mit Behinderten

Umsetzung der Zielvorgaben

Workshops, Berücksichtigung der Zielvorgaben bei Rahmenveranstaltungen von Meisterschaften oder Kadermaßnahmen, spezielle Lehrgänge, Modellmaßnahmen etc. werden als denkbare Realisierungsmöglichkeiten erörtert. An verschiedenen Punkten der Arbeit kann es sinnvoll sein, mit anderen Fachverbänden zusammen zu arbeiten, um deren Erfahrungen zu nutzen. Darüber hinaus sind gemeinsame Aktionen mit sozialen Organisationen wie »Aktion Sorgenkind«, »UNICEF«, »SOS-Kinderdörfer« sehr sinnvoll.

Die DSJ tritt als eine Einheit auf, die - vom Verein bis zur Spitze - ein gemeinsames soziales Ziel verfolgt: die Heranbildung der Kinder und Jugendlichen zu verantwortungsbewußten Mitgliedern der Gesellschaft.

Aktuelle Arbeitsschwerpunkte

Jugendschachfestival

Als öffentlich wirksame und bis in die Vereine orientierte Maßnahme ist die Durchführung eines »Jugendschachfestivals« an vier aufeinanderfolgenden Tagen (Termin steht noch nicht fest) geplant. In Münchener Schulen wird für Vereins- und Schulgruppen (insgesamt ca. 300 bis 500 Teilnehmer) ein buntes Schach- und Sportangebot, Musik & Tanz etc. geboten. Parallel dazu finden Workshops für Trainer und Jugendleiter statt. Zudem wird erwogen, zu dem Festival auch ausländische Delegationen einzuladen.

Schach mit Behinderten

Ein langfristig angelegtes Projekt in Zusammenarbeit mit dem Breiten- und Freizeitsport-Bereich des DSB wird angestrebt, um über Modellmaßnahmen mit ungefähr zwei Jahren Laufzeit, Anleitungen für Vereine erstellen zu können.

DSJ-Schwerpunkte bei Lehrgangsmaßnahmen

Ein »pädagogisches Anforderungsprofil« für Übungs-/Jugendleiter unter Beachtung des Schwerpunktes Arbeit mit nicht-leistungsorientierten Kindern und Jugendlichen soll erstellt werden.

Packen wir's an...

Der Bereich Allgemeine Jugendarbeit umfaßt ein weites und facettenreiches Feld. Zeigen wir allen (»Über wirkungsvolle Gegenmaßnahmen herrscht beim DFB Ratlosigkeit«, sid), wie erfolgreiche Jugendarbeit aussehen kann. Erfolgreich nicht unbedingt im Sinne der Mitgliederzahlen, sondern im Sinne, einen bescheidenen Teil zur gesellschaftlichen Entwicklung geleistet zu haben.

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© 1993 Rolf Schlösser / Deutsche Schachjugend