Bremer Schachmeister 2007 ist der 16jährige Peter Lichmann

Bremen hat mit Peter Lichmann einen neuen Landesmeister! Mit einem sensationellen Ergebnis von 7,5 Punkten aus 8 Partien gelangen dem sympathischen 16jährigen gleich mehrere Kunststücke: Der Werderaner löste den geradezu als Abonnements-Meister anzusehenden Gerlef Meins (ebenfalls Werder Bremen) ab, er ist zugleich Bremer U16-Meister und Bremer Landesmeister der Erwachsenen und er gewann die mit 8 Runden recht kurze Meisterschaft mit einem glatten Punkt Vorsprung – herzlichen Glückwunsch, Peter!

Ein Remis hätte ihm in der letzten Runde bereits genügt, um Erster zu werden, denn Verfolger Gerlef Meins hätte zwar dann die gleiche Punktzahl und sogar die gleiche erste Feinwertung, aber die um einen Hauch schwächere zweite Feinwertung aufgewiesen. Es ist jeder Bewunderung und großem Dank würdig, dass Peter Lichmann auch während seiner letzten Partie an ein Remis offenbar noch nicht einmal dachte. Sollte es ihm nun gelingen, auch die Deutsche Meisterschaft der U16 zu gewinnen, hätte Deutschland mit ihm einen würdigen, netten und jeder weiteren Entwicklung fähigen Spieler bei den Weltmeisterschaften dieser Altersklasse … aus Bremen.

Auf Platz 3 finden wir mit Simon Prudlo einen Spieler, der tatsächlich ausschließlich im Berliner Betriebsschach aktiv ist, ansonsten keinem Verein angehört, sich aber seine ordentliche Elo-Zahl bei zahlreichen Open in und um Deutschland herum erarbeitet hat. Der nachfolgende Platz 4 wurde recht überraschend von dem bisher nicht jedem bekannten, sehr sympathischen Bremen Norder Andrew Kavalek belegt; vielleicht wird man von ihm zukünftig noch mehr Positives hören können.

Bremer Seniorenmeister 2007 ist Boris Tchetchelnitski, BSG, der das Feld seiner Altersklasse praktisch die ganze Zeit anführte; nur Boris Milstein, Jürgen Christoph Korn und Peter Gerhardt, überraschend dann auch Manfred Hedke, schienen vielleicht doch noch zu ihm aufschließen zu können.

Bremer Frauenmeisterin 2007 ist Maike Janiesch, Werder Bremen, die eben nur das Pech hatte, dass sie nicht noch ein, zwei Freundinnen zum Mitspielen animieren konnte, so dass ihr der vorbereitete Geldpreis vorenthalten bleiben musste … es fanden sich nur zwei Teilnehmerinnen, so dass der Preis laut Ausschreibung nicht ausgeschüttet wurde. Tjaja, der neue Präsident des Landesschachbundes Bremen, Dr. Oliver Höpfner, ist eben der vormalige Schatzmeister, da wird aufs Geld geachtet! Die Bremer Meisterin wird im kommenden Jahr mit der des Jahres 2008 einen Stichkampf um den Teilnahmeplatz an der Deutschen Meisterschaft austragen, weil die Damen auf nationalem Niveau (noch) nur alle zwei Jahre ihre Beste küren.

Es gab, wie ich finde, aber noch mehr echte Sieger dieses Wettbewerbs. Zu nennen sind hier der 13., Matthias Steiner, erwachsenener Enkel der „Hedke-Dynastie“, der mit einer DWZ von 1868 zuletzt an den vordersten Tischen spielte und ein riesiges Turnier hinlegte. Das kann man erst recht von dem ihm nachfolgenden Simon Bart, Werder Bremen, sagen, der nicht „nur“ bester Jugendlicher (nach Peter Lichmann) wurde, sondern der auch mit einer DWz von nur 1772 unter den ersten Fünfzehn einer Landesmeisterschaft landete und dabei ganz lässig vier Spieler mit einem Rating von größer als 1900 hinter sich ließ … Chapeau!

Nordseemeister 2007 wurde Thomas Ratjen, der das Leherheider Stadtduell auf dem 7. Platz für sich entwscheiden konnte. Zwar ist dieser Titel natürlich nur inoffiziell, aber vielleicht verstetigt er sich ja … Glückwunsch, Thomas!

Einige Teilnehmer kamen von weit her, so aus Göttingen, Berlin, Feuerbach etc. Andere hätten sehr viel weniger weite Wege gehabt, so aus Bremen-Nord oder aus Delmenhorst, es gelang ihnen aber nicht, sich zur Teilnahme in Bremerhaven zu entscheiden. Auffällig ist auch das Fehlen vieler Spieler der DWZ-Gruppe um 1500 herum. Die Konsequenz für den Landesschachbund muss sein, die Zusammenarbeit gerade mit den Turnierleitern der Vereine weiter zu verstärken, um auf die guten Möglichkeiten für Spieler der unteren DWZ-Bereiche, Preise und Ehre zu erreichen, aufmerksam zu machen und das Turnier insgesamt als den gesellschaftlichen Schach-Treff des Jahres und die Möglichkeit, seine Spielstärke zu verbessern, im allgemeinen Bewusstsein der zentralen Vorständler der Vereine zu verankern.

Sehr gefreut habe ich mich über die recht starke Teilnahme junger und jugendlicher Spieler, die nicht nur schöne Ergebnisse erzielten, sondern auch mit mancher imponierend geführter Partie auftraten. Die Zukunft deutet sich an. Freuen wir uns darauf.

Endstand der Offenen Bremer Meisterschaft 2007

Ralf Mulde