Delmenhorster Mannschaft brachte Weihnachtsgeschenke mit nach Hause

von Ulrich Giese

Zweimal 4,5:3,5, mit diesem Ergebnis machte sich das Team des Delmenhorster SK ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Während in Delmenhorst am 12./13. Dezember im Zuge der Schneeschmelze Land unter drohte und ein Krisenstab eingerichtet wurde, zeigten die Schachspieler in Bochum endgültig, daß sie in dieser Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden.

»Boden gutmachen« hieß dagegen die Devise des bisher punktlosen Gastgebers Bochum, der leicht favorisierten Schachspieler aus Castrop Rauxel (4 Mannschaftspunkte) und dem Team des SV Werder Bremen (2 Mannschaftspunkte). Am Sonnabend gelang dies jedoch nur den Bochumern, die Werder Bremen deutlich mit 5,5:2,5 schlugen. Daß die Hanseaten an den ersten beiden Brettern lediglich durch Hracek einen halben Punkt holten, konnte in Anbetracht der beiden Bochumer Super-GM Georgiev (2660) und Krasenkow (2655) nicht verwundern. Geschmerzt haben dürften Mannschaftsführer und Trainer C.D. Meyer aber die Niederlagen von Knaak gegen Keitlinghaus (2485) und Heissler gegen Ellers (2425). Auch die Remis von Babula und Meins gegen die nominell schwächeren Bosch und Reschke entsprachen sicherlich nicht den taktischen Vorüberlegungen des Werderaner Trainers. Der attraktivste Bremer Spieler, die Frauengroßmeisterin Kachiani-Gersinska, sorgte mit ihrem Sieg gegen de Gleria dann auch für den einzigen spielerischen Lichtblick.

Bei den Delmenhorstern erspielten diesmal die »Hinterbänkler« die entscheidenden Punkte. An den ersten drei Brettern konnten die »Legionäre« nur einen Punkt holen, wobei Conquest an Brett 3 gegen den Schweizer Gallagher verlor, Hodgson und Agdestein gegen Rozentalis und Sterren Remis spielten. In diese Punktelücke sprangen Lauber, der noch ungeschlagene Beckemeyer und Jugelt, die Appel, Dinstuhl und Hermesmann schlugen. Den halben Punkt zum 4,5:3,5 steuerte dann noch Gisbrecht bei, während Breutigam dem Bochumer Brendel unterlag.

Am Sonntag standen die Spieler des SV Werder Bremen sicherlich unter starken Druck, galt es doch mit einem Sieg gegen Castrop Rauxel ein endgültiges Absinken in die Tabellenniederungen zu verhindern. Dabei zeigten sich die Verlierer des Vortages gut erholt. Heissler schlug an Brett 6 Appel, der an diesem Wochenende punktlos blieb, Knaak bezwang Gallagher und Kindermann erreichte gegen Sterren ein Remis. Unbefriedigend dagegen das Ergebnis für Babula, nach einem Remis am Vortag unterlag er am Sonntag Seul. Die übrigen Bremer Spieler spielten Remis.

Auch die Delmenhorster, die sich gegenüber Sonnabend an Brett 1 mit Ian Rogers verstärkten, kamen an den beiden ersten Brettern gegen Bochums stärksten Mannschaftsteil nicht über ein Remis (Hodgson gegen Krasenkow) hinaus. Im Gegensatz zu Werder Bremen konnten die Delmenhorster jedoch die Bochumer Schwächen an den weiteren Brettern nutzen. Agdestein an Brett 3 besiegte Keitlinghaus, Conquest (Brett 4) gewann gegen Bosch. Der untere Mannschaftsteil sah seine Aufgabe wohl schon am Sonnabend für erfüllt an und einigte sich mit seinem jeweiligen Gegenüber auf ein Remis.

Um einen Platz, nämlich den 4., konnten sich die Delmenhorster mit nun 9:3 Punkten an diesem Bundesligawochenende verbessern. Solingen und Köln Porz sind mit jeweils 12:0 Punkten längst dem übrigen Feld enteilt. Für die vor diesem Spieltag ebenfalls noch verlustpunktfreien Dresdner gab es dagegen eine deutlich Niederlage gegen Solingen (1,5:6,5) und am Sonntag noch einen Punktverlust gegen Wattenscheid. Sollten die Delmenhorster weiterhin so gut drauf sein und ihr Glück bei knappen Entscheidungen anhalten, könnten sie Dresden den dritten Platz streitig machen. Garanten des Delmenhorster Erfolgs sind sicherlich die vier »Legionäre«, wobei der Engländer Hodgson und der Norweger Agdestein mit jeweils 75% herausragen. Aber auch der übrige Mannschaftsteil zeigt keine Schwächen. Bis auf Breutigam, der aus 4 Partien nur einen Punkt erzielte, bewegen sich alle deutschen Spieler auf oder über der 50 Prozentmarke.

Werder Bremen konnte sich ebenfalls um einen Platz verbessern. Platz 11 mit 4:8 Punkten entspricht aber sicherlich nicht den Vorstellungen der Verantwortlichen. Mit dem Sieg gegen Castrop-Rauxel konnte am Sonntag noch Schadensbegrenzung betrieben werden, in den Vorjahren hätten die Hanseaten in ähnlicher Konstellation aber sicherlich 3 oder mehr Mannschaftspunkte erzielt. GM Babula konnte an diesem Wochenende gegen schwächere Gegner nicht überzeugen, GM Kindermanns Schwächeperiode setzte sich fort, und auch GM Knaak konnte bisher an die Leistungen der Vorjahre, wo er ein sicherer Punktelieferant war, nicht anschließen. Der untere Mannschaftsteil verfügt mit Heissler und Kachiani-Gersinska immerhin über zwei Spieler, die mehr als 50% der möglichen Punkte holten, dies reicht zur Zeit jedoch nicht aus, um die Schwächen der übrigen Mannschaft zu kompensieren.