Schachbundesliga: Von Flughafen zu Flughafen

Die Mannschaften, die in den vergangenen zwei Doppelrunden nach Bremen oder Delmenhorst kamen und das Flugzeug nutzten, fanden schnell zum Turnierort. Gastgeber Werder Bremen lud am 30./31. Januar zur 8. und 9. Runde in das Atlantic Hotel Airport und Delmenhorst in der darauffolgenden Doppelrunde am 20./21. Februar ins Airfeld Hotel auf dem Ganderkeseer Flughafen. Der letztere Spielort hätte mangels Größe der Start- und Landebahn allerdings die Nutzung eines Sportflugzeuges erfordert.

Nach dem doch überraschenden Sieg in der siebten Runde von Werder Bremen über seinen Reisepartner Delmenhorst stellte sich schon die Frage, wohin die Reise der Vereine des Landesschachbundes Bremen gehen würde. Hielt der Aufstiegstrend der Hanseaten an? Und konnte Delmenhorst an seine bisherigen Erfolge anknüpfen? Für Spannung war bei den letzten Heimspielen in dieser Saison gesorgt. Der Auftakt erfolgte im von Zechbau errichteten Atlantic Hotel Airport.

Runde 8

Runde 8 und damit Halbzeitwechsel in der Schachbundesliga. Da ließen es sich die Schachspieler von Werder Bremen nicht nehmen Zeichen zu setzen. Mit 5,5 zu 2,5 erzielten sie gegen Abstiegskandidat Passau ihren bisher höchsten Mannschaftssieg und bewiesen mit dem daraufhin ausgeglichenen Mannschaftspunktekonto (8 zu 8), daß ihnen mit 2 zu 8 Mannschaftspunkten ein klassischer Saisonfehlstart gelungen war. Wesentlich besser als in der bisherigen Saison präsentierten sich dabei die Bremer Spitzenspieler. Hracek besiegte am Spitzenbrett GM Schlosser (2511), Knaak und Babula gewannen gegen IM Schmidt (2412) und GM Wells (2515). Auch GM Kindermann reihte sich, gemessen am bisherigen Saisonverlauf mit einem Remis gegen den ungarischen Spitzenspieler GM Ribli (2585) nahtlos in dieses Bild. Einen Schongang legten die unteren Bretter, die jeweils Remis endeten ein. Damit zeigte auch hier kein Bremer Spieler eine Schwäche. Rein vom Papier her zeigte IM Meins, der vor dem Wettkampf vom Bremer Landesschachpräsidenten Wolfgang Jackwerth wie Kachiani-Gersinska endlich seine offizielle Bestätigung über seinen IM-Titel überreicht bekam, mit seinem Unentschieden gegen den tschechischen GM Smejkal (2525) die beste Leistung. Bemerkenswert, am letzten Brett kam zum ersten Mal in dieser Saison Mannschaftskapitän und Trainer C.-D. Meyer zum Einsatz. Zu einem Sieg gegen Gross (2371) reichte es zwar nicht aber im Hinblick auf den deutlichen Mannschaftssieg war der Trainer mit dem Remis sicherlich zufrieden.

Die Delmenhorster wollten der Bremer Leistung nicht nachstehen. Gegen Abstiegskandidat Erfurt reichte es am Spitzenbrett für Hodgson im Vergleich mit dem 14jährige Wunderkind McShane (2497) zwar nur zu einem Remis, hinter ihm siegten aber Agdestein und Conquest über Votava (2511) und Casper (2435). Die folgenden deutschen Spieler zeigten ein gemischtes Bild. Positiv sicherlich der Sieg von Borik über Renner (2437). Im Rahmen der Erwartungen die Remise von Gisbrecht gegen GM Kuczynski (2430) und Beckemeyer gegen Voekler (2360) und sicherlich auch, daß Lauber dem starken GM Enders (2474) unterlag. Unerwartet dagegen die Niederlage von Jugelt gegen Langheinrich (2279). Am Ende sprang ein enger 4,5 zu 3,5 Sieg für die Delmenhorster heraus.

Runde 9

Photo Luke McShane

An Brett 1 von Passau spielt der 14jährige McShane, der gegen Hodgson ein Remis erreichte und am Sonntag dem gut aufgelegten Hracek unterlag. Foto: Giese

Die Rückkehr des Stefan Kindermann! Nach langer Durststrecke gelang dem Bremer Großmeister sein erster Saisonsieg. Opfer war Votava und da Hracek über die Jugend (McShane) triumphierte, Knaak und Babula gegen Casper und Kuczynski remisierten, hatten die ersten vier Bretter der Hanseaten den Sieg gegen Passau fast allein herausgespielt. Die unteren Bretter taten sich allerdings schwer, da Meins und Heissler Enders und Renner unterlagen und Kachiani-Gersinska über ein Remis gegen Voekler nicht hinaus kam. So war es der Verdienst von Hedke, der am Sonntag für C.-D. Meyer am letzten Brett antrat und Langheinrich bezwang, daß Werder Bremen mit 4,5 zu 3,5 gewann und damit seinen ersten Wochenend-Doppelsieg verbuchen konnte.

Bei Delmenhorst konnte Jugelt, der wohl ein rabenschwarzes Wochenende erwischt hatte, seinem Bremer Pendant nicht entsprechen. Der Niederlage am Sonnabend folgte am achten Brett eine weitere am Sonntag gegen Gross. Ein Brett darüber blieb Beckemeyer gegen Schlingensiepen (2340) bei seinem Standardergebnis, Remis Nummer sieben in der neunten Partie und noch ein Brett höher verlor Borik gegen Pichler (2395). Das konnten die oberen Bretter trotz guter Leistung nicht mehr ausgleichen. Lauber und Gisbrecht kamen gegen die nominell deutlich stärkeren Smejkal und Wells jeweils zum Remis. Dieses Ergebnis erzielte auch Agdestein gegen Ribli. Hodgson und der immer besser in Form kommende Conquest, der wie Enders und Hracek an diesem Wochenende beide Partien gewann, schlugen Schlosser und Schmidt. Am Ende mußten sich die Delmenhorster gegen einen schwächeren Gegner mit einem 4 zu 4 Unentschieden zufrieden geben.

Runde 10

Ortswechsel, der Delmenhorster SK lud ins Airfeld Hotel am Ganderkeseer Flughafen. Während in Bremen noch für beide Teams des Landesschachbundes Bremen vom Papier ein Doppelsieg möglich schien, mußten in ländlicher Idylle kleinere Brötchen gebacken werden. Zu mächtig war Titelaspirant Solingen und auch bei Wattenscheid handelte es sich um einen ernstzunehmenden Gegner. Das bekamen dann auch die Delmenhorster Spitzenspieler am Sonnabend zu spüren. Rogers mußte sich am Spitzenbrett GM Morozevich (2723) geschlagen geben, Hodgson kam gegen GM Nielsen (2515) über ein Remis nicht hinaus und Conquest verlor gegen IM Hall (2486). Damit lag die Verantwortung bei den deutschen Spielern. Am letzten Brett unterlag bei seinem ersten Einsatz Plump dem Wattenscheider Thiel, volle Punkte konnten jedoch Lauber, Borik und Jugelt erzielen, während Gisbrecht gegen Sjoedahl ein Unentschieden erreichte. Am Ende stand ein knappes 4 zu 4.

Eine »gute Form« zeigten die Werderaner bei ihrer erwarteten Niederlage gegen Solingen. Der an diesem Wochenende wie Sadler, Kasimdzhanov (beide Solingen), Hall (Wattenscheid) und Jugelt zweimal erfolgreiche Babula schlug Speelmann (2601), Hracek, Meins, Kachiani-Gersinska und Forchert kamen gegen Jussupow (2641), Gabriel (2581), Bischoff (2521) und Chandler (2520) jeweils zu einem Remis. Mit Heissler, Knaak und Kindermann mußten sich die Hanseaten aber an drei Brettern dem übermächtigen Tabellenführer beugen, so daß am Ende eine 3 zu 5 Niederlage stand. Sicherlich ein besseres Ergebnis für Werder als die Papierform erwarten ließ.

Runde 11

Verkehrte Welt am Sonntag, Werder spielt wie Delmenhorst 4 zu 4 gegen Wattenscheid und Delmenhorst unterliegt wie am Tag zuvor dem Tabellenführer aus Solingen 3 zu 5.

Bei den Hanseaten steuerte neben Babula (gegen Sjoedahl) Heissler (gegen Koehn) einen Sieg zum Mannschaftsunterschieden bei, während Knaak und Kachiani-Gersinska Hall und Straeter unterlagen. Im Spitzenspiel konnte Hracek gegen Morozevich wie seine Mannschaftskollegen Kindermann, Meins und Hedke Remis erreichen.

Bei den Delmenhorstern bemühten sich die Spitzenspieler um Wiedergutmachung gegen für die schwache Leistung am Sonnabend. Zwar verlor Hodgson gegen Sadler, Rogers konnte jedoch mit einen Remis gegen Jussupow (2641) überzeugen und Conquest bezwang an Brett 3 sogar Hübner (2585). An Brett 4 bis 6 wurde die Hackordnung mit 3 Siegen für die Solinger wieder hergestellt. Da half der Sieg von Jugelt über Bischoff und das Remis von Plump gegen Chandler auch nicht mehr. Insgesamt kann aber das selbe Fazit wie bei Werders Niederlage gezogen werden. Ein besseres Ergebnis als die Papierform erwarten ließ!

Nach der 11. Runde haben die Werderaner mit Platz 5 wohl die Tabellenregion erreicht, die zu Saisonbeginn angestrebt wurde. Viel Luft nach oben besteht allerdings nicht mehr, da der Tabellendritte Dresden schon 4 Punkte Vorsprung hat. Dazwischen mit 13 zu 9 Punkten Delmenhorst. Es bleibt abzuwarten, ob die Delmenhorster, die furios in die Saison gestartet sind, ihr Spielniveau bis zum Ende halten können.

Ulrich Giese