Gelungener Bundesligastart - Delmenhorst holt drei Punkte

(Interview mit Dr. Dornieden)

von Ulrich Giese

Mit drei Mannschaftspunkten gelang den Delmenhorstern in Hamburg ein gelungener Einstand in die Bundesligasaison 1998/99.

Am Sonnabend, 17. Oktober, kam der Aufsteiger im Auftaktspiel gegen den USC Magdeburg, der ohne seine Spitzenspieler Onischuk (Brett 1, Elo 2630) und Nisipeanu (Brett 4, 2575) antrat, zu einem Unentschieden. Die Jugendspieler Jugelt (2350) und Lauber (2415) setzen dabei die Akzente. Während erstgenannter an Brett 8 Kapischka (2315) besiegte, verlor Lauber gegen Naumann (2465). Die übrigen Partien endeten Remis.

Waren die Delmenhorster gegen Magdeburg noch das nominell bessere Team, lag die Konstellation am nächsten Tag gegen Hamburg genau umgekehrt. Dank seiner »Legionäre« gelang den Delmenhorstern mit einem 4,5:3,5 Sieg aber die Überraschung. Hodgson (2575) besiegte an Brett 2 Wahls (2605) und an Brett 3 gewann Agdestein (2545) gegen Müller (2545), der als einziger in Hamburg ohne Punkt blieb. Ohne Bedeutung blieb die Niederlage von Breutigam (2365) gegen den Ex-Delmenhorster Reeh (2420), der am Vortag schon den Werderaner Forchert geschlagen hatte.

Aus Anlaß des guten Starts führte ich ein kurzes Ferninterview mit dem Delmenhorster Mannschaftsführer Dr. Manfred Dornieden:

RB: Dr. Dornieden, Glückwunsch, drei Punkte in Hamburg erkämpft, ein gelungener Bundesligaauftakt, der sicherlich Ihre Erwartungen übertroffen hat.

Dornieden: Wir waren vor dem letzten Bundesligawochenende der Meinung, daß wir mit Glück zwei Punkte erkämpfen konnten. Realistischer schien uns allerdings ein oder gar kein Punkt zu sein.

RB: Garanten des Sieges gegen den Hamburger SK waren die drei »Legionäre« Rogers, Hodgson und Agdestein, die sich am Sonnabend mit drei Remis gegen Magdeburg noch zurückhielten, am Sonntag mit 2,5 Punkten aber Stärke demonstrierten.

Dornieden: Wir sind natürlich sehr froh, endlich an den vorderen Brettern neben Rogers weitere Spieler zu haben, die in der Bundesliga gut mithalten können. Das ist auch gut für unsere jungen Spieler, denen der Frust erspart bleibt, an den oberen Brettern gegen übermächtige Gegner spielen zu müssen.

RB: Werden die drei Spitzenspieler zusammen mit dem Engländer Conquest regelmäßig zum Einsatz kommen?

Dornieden: Von einigen wenigen Terminen abgesehen ja!

RB: Schweigen ist zumeist angesagt, wenn es um die Kosten einer Bundesligamannschaft angeht. Können Sie uns zumindest sagen, wie sich die Finanzierung Ihrer 1. Mannschaft prozentual zusammensetzt?

Dornieden: Der Verein hat zwei Sponsoren, die die Kosten für die Bundesligamannschaft aufbringen.

RB: Delmenhorst hat sich auch immer in der Förderung der Jugend hervorgetan. Ergebnis dieses Engagements sind sicherlich auch die Schachspieler Lauber und Jugelt. Tobias Jugelt, in der letzten Saison noch an Brett 5 nominiert, findet sich jetzt auf Position 10 wieder. Ist er nur noch Reservist?

Dornieden: Auch Gisbrecht zählt zu den jungen Delmenhorster Talenten, wenngleich er auch als schon fast fertiger Spieler zu uns gekommen ist. Die Mannschaftsaufstellung haben wir, um Mißstimmungen vorzubeugen, stur nach Elo-Zahl vorgenommen. Von den ersten zehn Brettern ist keiner als Reservist anzusehen, da, wie schon gesagt, von den vier Großmeistern immer mal einer fehlen wird. Außerdem darf man nicht vergessen, daß ab Brett 5 niemand Schachprofi ist. Da können schon hin und wieder beruflich begründete Verhinderungen auftreten, wie z.B. bei Otto Borik, wenn für Schach64 Redaktionsschluß angesagt ist. Im übrigen betreibt der SK Delmenhorst weiterhin engagiert Jugendarbeit, und wir hoffen doch alle, daß daraus weitere Verstärkungen für die Bundesligamannschaft hervorgehen.

RB: Nach einem so guten Start stellt sich die Frage nach den Saisonzielen, geht es nur gegen den Abstieg oder streben die Delmenhorster einen Mittelfeldplatz an?

Dornieden: Wenn man nicht absteigt, ist man ja fast schon im Mittelfeld. Natürlich erwarten wir – insbesondere nach dem guten Abschneiden in Hamburg –, daß in dieser Saison nicht jede Bundesligarunde zur Zitterpartie wird.

RB: Dr. Dornieden, vielen Dank für dieses Gespräch und viel Glück für die weiteren Wettkämpfe.

Dornieden: Ich bedanke mich ebenfalls für das Gespräch und hoffe, daß Ihre guten Wünsche in Erfüllung gehen mögen.