Schach auf einer Baustelle

von Oliver Höpfner

Die Norddeutschen Vereinsjugend-Meisterschaften für Vierer-Teams in der U12 und U16 fanden diesmal vom 24.09. bis 27.09.1999 in der niedersächsischen Landesmetropole Hannover statt. Teilnehmer an dieser Veranstaltung waren Mannschaften aus Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Leider stand das Turnier unter einem unglücklichen Stern, denn die Jugendherberge, in der gespielt wurde und wo die Teilnehmer untergebracht waren, entpuppte sich als halbe Baustelle. Da die Umbaumaßnahmen der Herberge anläßlich der EXPO 2000 sich mehrfach verzögert hatten, waren zum Zeitpunkt des Turniers offene Elektroinstallationen (auch in den Turniersälen über den Köpfen der Teilnehmer!), Malerarbeiten, Baugerüste und natürlich jede Menge Bauschutt zu bewundern. Und wenn auch die Zimmer selbst in einem guten Zustand waren, so fehlte doch ein für eine Schachveranstaltung kleines, aber durchaus wesentliches Detail: Nämlich Tische in fast jedem Zimmer, so daß etwaige Vor- oder Nachbereitungen von Partien auf dem Fußboden stattfanden. Doch dies war noch nicht das Ende der Pannenliste: Statt der geplanten 20 Mannschaften in der U12 und U16 starteten aufgrund einiger Absagen in der U12 19 Teams und in der U16 sogar nur 18 Mannschaften. Leider war auch der Bremer Verband »mitschuldig« an dieser Absagewelle, weil der in der U16 qualifizierte SK Bremen-West aufgrund einer Erkrankung seiner »Jugend-Allzweckwaffe« Gerold Menze - und da andere Betreuer im Verein nicht zur Verfügung standen - das Turnier absagen mußte. Somit spielte in der U16 nur das Team des Delmenhorster SK, während in der U12 neben Delmenhorst der SV Werder Bremen die Bremer Farben vertrat.

Doch damit war zumindest aus Bremer Sicht die Aufzählung der Mißgeschicke noch nicht zu Ende. Aufgrund einiger organisatorischer Pannen begann der DSK den Wettbewerb zunächst nur mit 2 Spielern, bevor dann ab dem 2. Durchgang drei Spieler agierten und schließlich ab der vierten Runde das Team vollzählig war.

Schach gespielt wurde dann trotz Malerarbeiten und gelegentlichem Stromausfall. Auch hier gab es aus Bremer Sicht nur wenig Erfreuliches zu berichten. In der U16 erreichte der DSK in der Aufstellung Andrea Wenke, Syuzanna Ratner, Leonid Tchaitschenets und Sven Behnken nur den 17. und damit vorletzten Platz. Einem Sieg (in der vierten Runde mit 2,5:1,5 gegen die schließlich am Tabellenende plazierte Mannschaft der SF Schwerin) standen 6 Niederlagen gegenüber. Dabei erzielte die am Spitzenbrett völlig überforderte Andrea keinen Punkt aus 7 Partien, Syuzanna 2 aus 7, Leonid 1,5 aus 4 und Sven 2,5 aus 6. Angesichts der Tatsache, daß die Delmenhorster dieses Turnier nicht mit ihrer optimalsten Besetzung bestreiten konnten, war man mit dem Abschneiden des Teams in diesem starken Teilnehmerfeld trotzdem halbwegs zufrieden.

Noch schlimmer lief es für das Delmenhorster U12-Team. Allein mit einem kampflosen Sieg gegen das Spielfrei-Team belegte die Mannschaft in der Zusammensetzung Jan Ahrens, Simon Sturm, Thorben Zimmermann und Tim Cammann den letzten Platz. Dabei war Tim der überragende Spieler, der mit 4 Punkten aus 6 Partien beinah alle Zähler seines Teams machte. Einen Punkt aus 6 Spielen steuerte Thorben zum Mannschaftsergebnis bei, während Jan und Simon punktlos blieben.

Etwas bessere Ergebnisse erzielte die U12-Mannschaft des SV Werder Bremen in der Aufstellung Mark Blankenburg, Arthur Szczap, Katharina Scholz, Christoph Stelter und der Ersatzspielerin Maike Janiesch. Zwei Siege (mit 2,5:1,5 gegen den Hamburger SK und 3,5:0,5 gegen den SK König Tegel) standen 2 Niederlagen gegen den ersten SF Hettstedt mit 0:4 bzw. den vierten SAV Torgelow mit 1:3 gegenüber. Zudem erzielte man drei Unentschieden gegen den HSK-Post-Hannover, den SC Mosaik Berlin sowie den Treptower SV. Dies ergab in der Endabrechnung einen etwas enttäuschenden 11. Platz, wenn man bedenkt, daß das Werder-Team die Nummer sechs der Setzliste war. In guter Form zeigte sich Christoph, der mit 4,5 Punkten aus 6 Partien zum besten Punktesammler seines Teams avancierte. Auch Arthur war an Brett 2 mit vier Punkten aus 7 Partien ein guter Punktejäger. Mark erzielte 2,5 Punkte aus 7 Partien, während Katharina 1 Punkt aus 5 Spielen und Maike einen Punkt aus drei Partien machte.

Fazit dieser Veranstaltung: Außer Erfahrungen für kommende Turniere hat der Bremer Verband bei dieser Meisterschaft nicht allzuviel gewonnen. Es bleibt die Zuversicht, daß im nächsten Jahr alles viel besser wird. Zumindest Baustellenschach wird sich hoffentlich nie wieder ereignen.

Es folgt eine Spielprobe aus der U12:

Partie im PGN-Format

Norddeutsche VMM U12
Pl. Mannschaft MP BP
01. SF Hettstedt 13.0 23.0
02. SV GA Rüdersdorf 10.0 20.0
03. USV Halle 9.0 18.0
04. SAV Torgelow 9.0 16.5
05. HSK-Post Hannover 9.0 15.5
06. Wilhelmshavener SF 8.0 15.5
07. SC Meerbauer Kiel 8.0 15.5
08. SKJ Eppendorf 8.0 15.0
09. SC Mosaik Berlin 8.0 14.5
10. SK Norderstedt 7.0 13.5
11. SV Werder Bremen 7.0 13.0
12. SV Preußen Frankfurt/O. 6.0 14.0
13. Treptower SV 6.0 13.5
14. Wilhelmshavener SF 2 6.0 13.5
15. Hamburger SK 6.0 13.0
16. SK König Tegel 6.0 12.5
17. Hamelner SV 6.0 12.5
18. TSV Stralsund 6.0 12.0
19. Delmenhorster SK 2.0 9.0
Norddeutsche VMM U16
Pl. Mannschaft MP BP
01. SK König Tegel 14.0 23.0
02. Stader SV 11.0 18.5
03. Hamburger SK 10.0 19.5
04. Wilhelmshavener SF 9.0 13.5
05. SK Norderstedt 8.0 15.5
06. KSC Strausberg 8.0 14.5
07. SV Merseburg 8.0 14.0
08. SC Schachelschweine 7.0 17.0
09. SC Stadthagen 7.0 14.0
10. SC Meerbauer Kiel 7.0 13.5
11. SSC Wichern-Schule HH 7.0 13.5
12. SV Chemie Guben 6.0 15.0
13. SF Hettstedt 6.0 14.5
14. Aufbau Elbe Magdeburg 6.0 13.0
15. Weiße Dame Berlin 5.0 13.0
16. SAV Torgelow 5.0 10.0
17. Delmenhorster SK 2.0 6.0
18. SF Schwerin 0.0 4.0