Der Delmenhorster SK beginnt die neue Saison mit einem Doppelsieg

(ug). Mit zwei Siegen gelang den Delmenhorster Schachspielern am 9. und 10. Oktober im Weserstadion ein makelloser Einstand in die Saison 1999/2000. Werder Bremens Standortbestimmung fiel dagegen schlechter aus. Lediglich ein Mannschaftspunkt macht deutlich, die diesjährige Saison wird ein harter Brocken.

Mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen ging die Delmenhorster Mannschaft in die neue Saison. »Lässt man die beiden Spitzenmannschaften Solingen und Porz außen vor, gehen wir in jedes Spiel mit dem Ziel zu gewinnen«, erklärte Mannschaftsführer Dr. Dornieden in einem Gespräch kurz vor Spielbeginn. »Die Saison wird jedoch schwerer als im Vorjahr«, so Dr. Dornieden. Er bestätigte, dass es im Vorfeld der Saison auch Gespräche mit dem englischen Supergroßmeister Michael Adams gab. Eine Verpflichtung wäre grundsätzlich möglich gewesen, so der Delmenhorster Mannschaftsführer, am Ende habe man jedoch darauf verzichtet, um nicht mit anderen Teams ins Gehege zu kommen. Hier galt es Anstand zu bewahren und eine langfristige Sichtweise an den Tag zu legen, begründete Dr. Dornieden die Entscheidung.

Skeptischer schätzte Kapitän Meyer die Chancen der Werderaner an diesem Wochenende ein. Man habe in den letzten zwei Jahren jeweils knapp gegen Neukölln verloren und gegen Magdeburg gewonnen, es könnte aber auch genau umgekehrt laufen, so Meyer. Die Frage, ob ihn die umfangreiche Aufrüstung der anderen Mannschaften vor allem mit ausländischen Spielern überrascht habe, verneinte er. »Die ausländischen Spitzenspieler sind sicherlich eine Bereicherung für die Bundesliga, durch die Ostblocköffnung und das Bosman-Urteil bestehen manche Bundesligateams jedoch nur noch zu 30 Prozent aus deutschen Spielern - ein Missverhältnis unter dem insbesondere die deutschen Nachwuchsspieler zu leiden haben«, so Meyer zur Ausländerentwicklung in der Schachbundesliga.

Sonnabend

Auf dem Brett ließen die Delmenhorster Spieler auch ohne die beiden Neuverpflichtungen Baburin und Brenninkmeijer den Worten ihres Mannschaftsführers Taten folgen. Entscheidend für den 4,5:3,5 Sieg gegen Magdeburg, die ebenfalls nicht in Bestbesetzung antraten, war das starke Auftreten der Ersatzspieler. An Brett 6 gewann Borik gegen Stolz, Breutigam besiegte an Brett 7 Markgraf und Wesseln hielt am letzten Brett gegen Darnstädt Remis. Ohne Erfolg blieben Conquest und Lauber, die Rogozenko und Georgiew unterlagen. Stark präsentierte sich die Delmenhorster Doppelspitze; Agdestein spielte am Spitzenbrett gegen den Supergroßmeister Onischuk (ELO 2657) Remis und Hodgson schlug Slobodjan. Den wichtigsten halben Punkt trug jedoch Gisbrecht (ELO 2422) bei, der sich an Brett 4, sicherlich unerwartet, gegen den nominell deutlich stärkeren Baklan (ELO 2591) keine Blöße gab.

Nahtlos an die Vorjahre knüpfte Werder mit seiner 3:5 Niederlage gegen Neukölln an. Trotz Bestbesetzung gelang den Hanseaten kein einziger Sieg. Am Spitzenbrett unterlag Hracek dem nominell stärksten Spieler dieses Wochenendes, GM Movsesian (ELO 2659), und der 15jährige McShane war an Brett 3 ohne Chance gegen Stohl. Remis spielten an Brett 2 Babula gegen die deutsche Nachwuchshoffnung Bunzmann und an Brett 4 Neuzugang Pelletier gegen Berndt. Ihren nominellen ELO-Vorsprung von zirka 50 Punkten konnten Knaak (Brett 5), Schandorff (Brett 6) und Meins (Brett 8) nicht nutzen, sie spielten wie Heissler an Brett 7 Remis.

Sonntag

Hinter den unteren Brettern wollten die Delmenhorster Spitzenspieler nicht zurückstehen. Agdestein besiegte am Spitzenbrett Movsesian und Hodgson holte gegen Bunzmann seinen zweiten Sieg, was an diesem Wochenende in Bremen nur noch den Magdeburgern Rogozenko und Georgiev gelang. An Brett 3 spielte Conquest gegen Stohl Remis und an Brett 4 bewies Gisbrecht mit seinem Sieg über Bernd, dass sein Remis vom Vortag keine Eintagsfliege war. An den hinteren Brettern gelangen Lauber, Breutigam und Wesseln Unentschieden. Einziger Verlierer war Borik, der an Brett 6 Hellsten unterlag.

Unglücklich verpasste Werder am Sonntag die Chance auf einen befriedigenden Abschluß. Werders Bester, Babula an Brett 2 gegen Slobodjan und Heissler an Brett 7 gegen Markgraf, holten die ersten Siege für die Hanseaten in dieser Saison. Positiv auch die Remis von Hracek gegen Onischuk am Spitzenbrett und Pelletier an Brett 4 gegen den starken Baklan. Schandorff und Meins kamen wie am Vortag gegen die nominell schwächeren Pröhl und Darnstädt nicht über ein Remis hinaus. McShane kämpfte am dritten Brett tapfer, musste aber gegen Rogozenko seine zweite Niederlage hinnehmen. Unerwartet und damit der Mannschaftsgewinn ging an Brett 5 durch die Niederlage von Knaak gegen Georgiev verloren. Der Leipziger Großmeister verdarb in Zeitnot seine vorteilhafte Stellung und lässt befürchten, dass er an seine schlechte Form aus dem Vorjahr anknüpft.

Fazit

Besser als im Vorjahr sind die Delmenhorster in die neue Saison gestartet. Obwohl auf die Neuverpflichtungen und GM Rogers verzichtet wurde, konnten mit Neukölln und Magdeburg starke Konkurrenten bezwungen werden. In dieser Form und den noch vorhandenen Spielerreserven kann Delmenhorst um den dritten Platz mitspielen.

Für alle Teams, die hinter Solingen und Porz die dritte Kraft werden wollen, könnte sogar mehr möglich sein. Lediglich mit drei Stammspielern traten die Solinger an diesem Bundesligawochenende an. Durch ein Unentschieden gegen die eher in der hinteren Tabellenhälfte zu erwartenden Passauer und einem knappen 4,5:3,5 Sieg gegen die schwachen Bayern aus Tegernsee verloren sie entscheidenden Boden im Meisterschaftskampf. Die nächsten Runden werden zeigen, ob unglückliche Umstände zu dieser Mannschaftsaufstellung führten, die Vereinsverantwortlichen durch den Nichtantritt ihrer Spitzenspieler Geld sparen wollten oder ob die Solinger in echten (finanziellen?) Schwierigkeiten stecken.

»Die Werder-Denker stellen sich hinten an« titelten die Bremer Nachrichten / Weserkurier in ihrem Bericht zum Auftakt der Schachbundesliga. In der Tat vergaben die Werderaner eine gute Chance wichtige Punkte im Kampf um einen sicheren Mittelfeldplatz zu gewinnen. Sowohl Neukölln wie auch Magdeburg traten im Gegensatz zu Werder nicht in Bestbesetzung an.

Die Runden 3 und 4 am 11. und 12.12. in Lübeck werden zu einer echten Bewährungsprobe. Gegen die nominell stärkeren Lübecker müssen die Delmenhorster beweisen, ob sie wirklich nach Höherem streben. Für die Werderaner gilt es im Kampf mit den anderen Hanseaten (Hamburg und Lübeck) eine Nullnummer zu vermeiden.