11 Mannschaften in der Landesliga Nord - Wie konnte das passieren?

(ug). Nur unter Protest traten am 9. Oktober u. a. die Mannschaften von Wilhelmshaven, IGM Osnabrück und Uelzen zur Auftaktrunde in der Landesliga Nord an. Grund war die kurzfristige Aufstockung auf 11 Mannschaften. IGM Osnabrück hat mittlerweile gegen die Auslosung mit 11 Mannschaften offiziell Protest eingelegt. Werder Bremen, dass in einem Schreiben vor Saisonbeginn erfolglos anmahnte, dass die Abstiegsregelung geklärt werden müsse, da sich die bestehende Regelung nur auf 10 Mannschaften beziehe, legte wegen der jetzt fehlenden Abstiegsregelung ebenfalls Protest ein.

Grund für die jetzige Unzufriedenheit sind Vorgänge, die in die letzte Saison zurückreichen und durch eine unglückliche Verquickung dazu führten, dass sich die Verantwortlichen dazu veranlasst sahen 11 Mannschaften in der Landesliga Nord aufzustellen. Das Geschehen lässt sich in 7 Akte einteilen:

1. Akt

Quelle allen Übels ist letztendlich der Wettkampf TuRa Melle gegen SC Papenburg am 18.04. (9. Runde) in der Verbandsliga West. Die Meller hatten ohne vorherige offizielle Anmeldung ihren Spielort gewechselt. Als die Papenburger den ihnen bekannten Spielort um 10.15 Uhr erreichten, fanden sie dort niemanden vor. Die von Melle am alten Spielort postierte Person fuhr schon kurz nach 10 Uhr zum neuen Turnierort! Wieder zurückgeschickt fand diese Person um 10.40 Uhr (Meller Ansicht) bzw. um 10.50 Uhr (Papenburger Ansicht und Bestandteil des Turnierberichtsbogens) die Papenburger Spieler. Am neuen Spielort trafen die Papemburger um 11.05 Uhr ein. Nach einem Disput, ob nicht schon ein Team verloren hätte, da ja eine Stunde vergangen sei, scheiterte die Einigung zum Spielen daran, dass die Meller darauf bestanden, dass die Uhren der Papenburger um 15 Minuten vorgestellt werden. Die Papenburger verweigerten die Spielaufnahme. Der damalige Turnierleiter Tietze entschied nach Schilderung des Vorgangs durch die betroffenen Parteien 8:0 zu Gunsten der Papenburger.

2. Akt

Am 02.07. verhandelte das niedersächsische Turniergericht, bestehend aus den Herren Jürgens, Gohde und Willeke, den Einspruch von Melle gegen die Entscheidung des Turnierleiters Tietze. Dem auf dieser Sitzung erzielten Beschluss, das Punktspiel TuRa Melle - SC Papenburg neu anzusetzen, weil »dies die sportlichste Lösung ist«, lagen mehrere Fakten zu Grunde:
(1) Melle trug durch die inoffizielle Turnierortverlegung eine erhebliche Schuld, eine 0:8 Wertung schien jedoch unangemessen da ..
(2) Staffelleiter Heinz Bruweleit inoffiziell über den geänderten Spielort Bescheid wusste und damit eine Mitschuld hatte und ..
(4) es dem Turniergericht aufgrund der vorliegenden Berichte am wahrscheinlichsten schien, dass das Treffen der Papenburger mit der einen Person um 10.40 Uhr stattfand und somit theoretisch ein Spielbeginn vor 11.00 Uhr möglich gewesen wäre. Deshalb die Partie 0:8 zu Lasten der Papenburger zu werten, wäre jedoch nach Ansicht des Turniergerichts ebenfalls unangemessen gewesen.

3. Akt

Die Papenburger traten am 22.08. zum neuen Termin nicht an und verloren den Wettkampf kampflos 0:8. Damit war Melle 2ter und Papenburg 8ter in der Verbandsliga West. Da beide Mannschaften in ihrer Klasse verblieben, konnten alle Beteiligten davon ausgehen, dass der Vorgang damit beendet war. Eine weitere Entscheidung des Turniergerichts in einem anderen Vorgang sollte diese Klasseneinteilung jedoch kippen.

4. Akt

Am 26.08. befasste sich das niedersächsische Turniergericht mit dem Einspruch des TuS Bramsche gegen die in der Rochade 7/99 veröffentlichte Klasseneinteilung in der Landesliga Nord und den darunterliegenden Klassen. In der laufenden Saison hatte sich in der Oberliga Nord die Mannschaft SG Oesede/Georgsmarienhütte aufgelöst. Als erster Absteiger wirkte sich der Abstieg in die Landesliga Nord nicht aus, da das Team einfach gestrichen wurde. Dieses Vorgehen entsprach nicht der Turnierordnung und das Turniergericht stellte in seiner Entscheidung fest, dass Oesede/Georgsmarienhütte als Absteiger aus der Oberliga Nord anzusehen und zunächst in die Landesliga Nord aufzunehmen ist. Erst dann kann der Meldeverzicht wirksam werden. Dies blieb nicht ohne Auswirkungen (vgl. hierzu die Klasseneinteilungen in der Rochade Niedersachsen 7/99, Seite 3 und 10/99, Seite 3):

  1. Der bisherige neunte der Landesliga Nord, Frisia Loga Leer, stieg in die Verbandsliga West ab und verdrängte den dortigen Tabellenachten Papenburg auf einen Abstiegsplatz.
  2. Da Oesede/Georgsmarienhütte der Westregion zuzuordnen ist, fiel nach der Auflösung des Vereins der Startplatz an den zweitplazierten der Verbandsliga West. Dies war, nachdem zwischenzeitlich Bramsche diesen Platz inne hatte, nach der 8:0 Wertung gegen Papenburg Melle.

5. Akt

Um den drohenden Abstieg zu vermeiden, erwirkten die Papenburger kurz vor Saisonbeginn vor dem Amtsgericht Hannover am 6. Oktober (schriftliche Fassung) eine einstweilige Verfügung, wonach Papenburg zum Spielbetrieb in der Verbandsliga West zu zulassen ist. Das Gericht rügte in der Verhandlung, dass das Turniergericht nicht noch mal gesondert überprüft habe, wann das Zusammentreffen zwischen den Papenburger Spielern und ihrem Führer stattgefunden habe. Bei der Feststellung, das Treffen habe um 10.40 Uhr stattgefunden, habe das Turniergericht den Papenburgern unzureichend rechtliches Gehör eingeräumt.

6. Akt

Die niedersächsischen Verantwortlichen stecken in der Zwickmühle. Je nach Ausfall des endgültigen Urteils ist entweder Melle oder Bramsche (wenn Papenburg zum 8:0 Sieger gegen Melle erklärt wird) Aufsteiger in die Landesliga Nord. Da jedoch erst Mitte der Saison mit einer Entscheidung zu rechnen ist, beschließen die niedersächsischen Verantwortlichen, nach Rücksprache mit einem Bremer Vertreter, beide Mannschaften in der Landesliga Nord starten zu lassen.

7. und vorläufig letzter Akt

Die Landesliga Nord startet mit 11 Mannschaften. Dies führt zu Protesten und zahlreichen Unmutsäußerungen der beteiligten Mannschaften. Ein zusätzlicher Spieltermin (Raumbeschaffung) muß integriert werden und der Winterfahrplan beinhaltete für manche Teams eine unangenehme Überraschung. Die Frage der Abstiegsregelung konnte von den Verantwortlichen bisher nicht beantwortet werden. Zur Disposition stehen auch die zusätzlichen Fahrtkosten, wird sie der niedersächsische Schachverband tragen? Kurzfristige Entscheidungen sind notwendig, wer sich diesem sperrt, riskiert eine Ausweitung der »Chaossituation«.

»Dies ist mir in fast 15 Jahren als Turniergerichtsvorsitzender noch nie vorgekommen«, so das niedersächsische Turniergerichtsmitglied Jürgens in einem Telefongespräch gegenüber der Rochade Bremen. Weiter führte er aus, dass man nicht damit rechnen konnte, mit der Neuansetzung der Partie Melle - Papenburg derartige Probleme zu bekommen. Da seien mehrere Vorgänge unglücklich aufeinandergetroffen. Auf die Frage welche Konsequenzen er für die Zukunft daraus ziehe, erklärte er: »Da kann man ungerührt sagen: Wer sein Spiellokal nicht bekannt gibt, muss die Konsequenzen tragen«.