Buchbesprechung: »Schach macht Spass - Das Schachbuch für Kids« von Bodo Stark

So manch graues Haar hat die Blindheit der JugendspielerInnen schon ihren Betreuern beschert. Patt im gewonnen Endspiel, Übersehen von spielentscheidenden Gabeln und das Ignorieren von gewinnbringenden Fesselungen; ein Schenken und Gegenschenken, was von den SpielerInnen nicht einmal bemerkt wird. Diesem taktischen Defizit der Jugend will das Buch »Schach macht Spass« von Bodo Starck entgegentreten. Dabei wird es seinem Anspruch für »Kids« geschrieben zu sein, sowohl äußerlich als auch inhaltlich gerecht.

Bodo Starck:
Schach macht Spass!
Das Schachbuch für Kids

Sport Verlag Berlin 1998, 22x19,5 cm, 3.Auflage, 160 Seiten, kartoniert,
ISBN 3-328-00826-8
Preis: 24,90 Mark

Als Wiederholung ist der erste Teil des Buches gedacht. Hier werden die Figuren, ihre Zugmöglichkeiten, Sonderzüge, Notationsregeln und ihr Wert erläutert. Dabei beschränkt sich der Autor nicht, die Figuren jeweils allein zu betrachten, sondern stellt die Möglichkeiten in Wechselwirkung mit anderen Figuren vor. Beim König wird dementsprechend auch das Spielende, ob Matt, Zeitüberschreitung oder Remis, erörtert. Bodo Starks Wertevorstellung, die er hier mit dem Appell, »nie in schlechterer oder gar verlorener Stellung Remis an(zubieten). Das sieht ganz danach aus, als wolltest du deinen Mitspieler übers Ohr hauen« vermittelt, kann allerdings nur begrenzt zugestimmt werden.

Den Hauptteil des Buches bilden die in zwei Kapitel unterteilten Übungsaufgaben. Zuerst wird in 5 Abschnitten das Matt setzen mit unterschiedlichen Figuren erörtert, im darauffolgenden Kapitel werden in 10 Abschnitten unter dem Motto »Wir kombinieren« verschiedene taktische Motive erarbeitet. Dabei ist das Vorgehen immer das selbe. Auf einer Seite wird das Thema (z.B. zwei Türme setzten Matt) anhand mehrerer Beispielstellungen bildlich dargestellt, danach folgen acht Übungsaufgaben, wobei die Übungsnummern leider recht unauffällig abgedruckt sind. Der dazugehörige Text weist auf die Feinheiten der jeweiligen Stellung hin und gibt Lösungsansätze, wobei hier auf die Beispielstellungen verwiesen wird. Die Lösungen finden sich am Ende des Buches. Der Autor bemüht sich hier erfolgreich, nicht nur den richtigen Weg bekannt zu geben, sondern ihn auch zu erläutern.

Der Aufbau ist sowohl didaktisch als auch schachlich gelungen. Die Aufgaben werden in den einzelnen Abschnitten zum Ende hin schwerer und auch bei den Abschnitten ist tendenziell eine Zunahme des Schwierigkeitsgrades zu beobachten. Darüber hinaus wird auf Erkenntnisse der vorangegangenen Übungen zurückgegriffen. Bei den Aufgaben trifft der Leser auf Stellungsbilder, die jedem Schachspieler schon Mal begegnet sind und mit deren Kenntnis gerade der/die JugendspielerIn schnell Erfolge erzielen kann. So ist im Abschnitt »Der Turm setzt matt«, die schwache Grundreihe ein Hauptmotiv und bei der Springergabel kommt natürlich der auf f3 durch den Läufer g4 scheingefesselte Springer (Dame auf d1) vor, der nach Lx7+ Kxf7 auf e5 Schach gibt und dann den Läufer auf g4 schlägt.

Jedem Abschnitt folgt eine kurze Übung zum Schachbrett; der Leser wird hier mit Begriffen wie Grundreihe, Zentrum etc. vertraut gemacht. Zum Teil wenig anspruchsvolle aber sinnvolle Ausführungen und Aufgaben, so daß die Zergliederung im Interesse des Lesers ist und eine Abwechslung zum Lösen der Schachaufgaben gebildet wird.

Den Abschluß des Buches bildet ein kleines Schach-ABC, von A wie Abtausch bis Z wie Zwischenzug. Leider erfährt der/die Jugendliche erst hier, was der Autor mit dem von ihm häufig verwendeten Terminus »Anziehender« und »Nachziehender« meint. Auch findet sich erst hier ein Hinweiß auf die »Berührt - geführt« Regel, wobei sowohl im Schach-ABC, als auch bei der Erläuterung der Rochade im ersten Kapitel, darauf verzichtet wird, auszuführen, daß bei der Rochade zuerst der König und dann der Turm zu bewegen ist. Ein häufiger Anfängerfehler, der in diesem Buch behandelt werden müßte.

»Schach macht Spass! - Das Schachbuch für Kids« wendet sich an ambitionierte SchulschachspielerInnen und JugendvereinsspielerInnen in unteren Klassen. Sie können sich von dem Buch eine deutliche Verbesserung ihrer taktischen Fähigkeiten versprechen, was ihnen vor allem beim Schnell- und Blitzschach einen Leistungsvorsprung gegenüber ihren Altersgenossen beschert. Neben angemessenen Sprachstil und Layout überzeugt die Auswahl der Übungsaufgaben. Darüber hinaus wird dem Jugendlichen die »schachspezifische« Sprache näher gebracht, was ihm für die Zukunft ermöglicht, Erwachsenenliteratur zu verstehen. Für 24,90 Mark eine interessante Bereicherung für den weihnachtlichen Gabentisch.

Ulrich Giese

1998-12-00