Bundesliga: Mußte Werder dem Kräfteverschleiß der Einzelmeisterschaft Tribut zollen?

Delmenhorst weiter auf Erfolgskurs, Werder Bremen mit schwerem Rückschlag, so könnte man das Bundesligawochenende vom 22./23. November im Airfeld Hotel auf dem Ganderkeseer Flughafen zusammenfassen. Während Delmenhorst den PSV Duisburg mit 6,5 zu 1,5 deutlich besiegte und dank seiner ausländischen Spitzenspieler auch am Sonntag bei der 3 zu 5 Niederlage gegen Köln Porz eine gute Figur machte, verlor Werder Bremen bei nur einem Brettsieg und neun Remis mit 2 zu 6 gegen Köln Porz und 3,5 zu 4,5 gegen die Duisburger.

Photo Julian Hodgson

Gewann die letzten drei Spiele in Folge: J. Hodgson vom Delmenhorster SK. (Foto: Giese)

Ähnlich waren am Sonnabendmittag die Vorstellungen der beiden Vereinsvorsitzenden der »Bremer Vereine«. Gegen Porz habe man sowieso keine Chance, so Dr. Till Schelz-Brandenburg von Werder Bremen und gegen Duisburg gelte es Punkte, am liebsten zwei, zu holen, so Heiko Wenke vom gastgebenden Delmenhorster SK. Bezüglich Köln Porz hatten dann auch beide Vorsitzenden recht. Werder Bremen verlor sang- und klanglos, wobei Hracek am Spitzenbrett gegen Lutz, Babula, Meins und Heissler an den Brettern 4 bis 6 jeweils ein Remis verbuchen konnten. Dem Delmenhorster SK gelang am Sonntag zumindest ein Teilerfolg. Mit Siegen von Rogers und Hodgson an den Spitzenbrettern gegen Lutz und Wely und einem Remis von Gisbrecht an Brett 4 gegen den enttäuschenden Timman konnte man die ersten vier Bretter mit 2,5 zu 1,5 Punkten für sich entscheiden. An den übrigen vier Brettern konnte jedoch nur noch Beckemeyer gegen Nijboer ein Remis erzielen. Zu wenig, um für eine Überraschung zu sorgen.

Beim Kampf gegen Duisburg trennten sich dann endgültig die Wege von Werder und Delmenhorst. Sechs Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage von Rogers gegen Lerner am Spitzenbrett konnten die Delmenhorster am Sonnabend für sich verbuchen. Trotz der stark ersatzgeschwächten Duisburger Mannschaft ein Ergebnis, was die Verantwortlichen beider Mannschaften im Vorfeld sicherlich nicht erwartet hatten. Für die Delmenhorster auch eine Motivationsspritze für das Sonntagsspiel. Darüber, ob sich Werder Bremen nach der deutlichen Niederlage gegen Köln Porz am Sonntag selbst zu stark unter Druck gesetzt hat, kann spekuliert werden. Vermutlich dürfte aber eher die vor Spielbeginn von Dr. Till Schelz-Brandenburg geäußerte Erkenntnis, daß während der Deutschen Einzelmeisterschaften (an denen vier Werderaner teilnahmen) ein enormer Kräfteverzehr stattfand, dem vor allem »Schachamateure« schon in den letzten Runden der Einzelmeisterschaft Tribut zollen mußten, auch noch auf dieses Bundesligawochenende zutreffen. Diese Erkenntnis schien auch der Duisburger Mannschaftskapitän Ulrich Groth gehabt zu haben. Trat er am Sonnabend noch erfolglos gegen Delmenhorst an Brett 8 selbst an, konnte er Sonntag zusehen, wie sein »Ersatzmann« Epishin an Brett 1 gegen Hracek gewann. Der dadurch an Brett 2 gerutschte Lerner hielt sich, nachdem er schon am Vortag Rogers geschlagen hatte, auch an Kindermann schadlos. Zwar konnte an Brett 3 Knaak gegen Thesing Werders einzige Gewinnpartie an diesem Wochenende erzielen, das reichte am Ende gegen Duisburg aber nur zu einer knappen 3,5 zu 4,5 Niederlage.

Photo Otto Borik

Kein Redaktionschluß behinderte diesmal Otto Borik. (Foto: Giese)

Am übelsten traf es an diesem Wochenende GM Kindermann von Werder Bremen. Klagte er schon nach der für ihn enttäuschend verlaufenden Deutschen Meisterschaft, daß er Probleme hätte sein erlerntes Wissen auf das Brett zu bringen, mußte er jetzt als einziger Spieler in Ganderkesee eine Doppelnull einstecken. Nach einer Niederlage gegen Wely verlor er auch am Sonntag seine Partie gegen Lerner. Jeweils zwei Siege konnten die Porzer Khalifman und Vogt, der Duisburger Lerner und der Delmenhorster Hodgson, der sich als echte Verstärkung erweist, für sich verbuchen.

Nach dem vierten Spieltag liegen die Delmenhorster mit 5 zu 3 Punkten und Platz 5 im gehobenen Mittelfeld. Man darf gespannt sein, ob ihre gute Serie auch weiter anhält. Werder Bremen befindet sich dagegen mit 2 zu 6 Punkten und Platz 12 mitten im Abstiegsbereich. Zu diesem frühen Zeitpunkt schon von Abstiegskampf zu sprechen, ist sicherlich voreilig. Das Potential der Mannschaft ist groß genug, um sich kurzfristig ins Mittelfeld zu kämpfen.

Ulrich Giese