Lübeck ein freundlicher Gastgeber - Werder und Delmenhorst mit Siegen

von Ulrich Giese

Verlierer beim Duell der Hanseaten am 06./07. November war Gastgeber Lübeck, der gegen die beiden Bremer Vertreter verlor. Gewonnen haben die Delmenhorster, die als lachender »Vierter« unter den drei Hanseaten mit zwei Siegen weiterhin eine weiße Weste behaupten konnten. Damit müssen sie jetzt als heißer Anwärter auf den dritten Platz gehandelt werden. Die Werderaner unterlagen am Sonnabend mit 3:5 dem Hamburger SK. Insgesamt dürften sie aber mit dem Ergebnis in Lübeck zufrieden sein.

Martin Breutigam

Prozentual bester Punktesammler aus dem Bremer Raum, der Delmenhorster Breutigam (2,5/3). Foto: av

»Die Hanseaten haben sich derart verstärkt, dass man sie ganz klar als dritte Kraft hinter Porz und Solingen einstufen muss. Dazu kommt noch Edelreservist Kalinitschew. Der Spielstärkeabfall auf den hinteren Rängen ist eklatant«, so Großmeister Hans-Jochaim Hecht in seiner Bundesligavorschau über den Lübecker SV (Rochade 10/99, S.19). Mit dieser Einschätzung hatte GM Hecht nur teilweise recht. Der Stärkeabfall an den hinteren Brettern machte sich in der Tat beim Kampf gegen die Bremer Vertreter bemerkbar, doch auch die Spitzenspieler zeigten sich von ihrer schwachen Seite. Mit drei Pluspunkten haben sich die Lübecker vom Kampf um Platz 3 erst mal verabschiedet.

Am Sonnabend kamen die Lübecker Topspieler Shirov (2722), Bareev (2679), Nunn (2598) und Kalinitschew (2524) gegen Agdestein, Rogers, Hodgson und Conquest jeweils nicht über ein Remis hinaus. An Brett 5 und 6 sorgten der immer besser spielende Gisbrecht und Lauber mit ihren Siegen über Lau (2460) und Mortensen (2445) für den Mannschaftstriumph. Borik und Beckemeyer komplettierten mit ihren Unentschieden gegen Cladouras (2335) und Blauert (2386) das Ergebnis zum 5:3 Sieg. Am Sonntag machte es Werder gegen die Lübecker Topleute noch besser. Hracek, Babula und Pelletier spielten Remis und Knaak konnte Kalinitschew bezwingen. Schandorff gelang an Brett 5 gegen Lau sein erster Sieg für Werder. Zwar verlor Heissler gegen Mortensen, Meins und Spielertrainer Meyer konnten jedoch mit ihren Unentschieden den 4,5:3,5 Sieg sicherstellen.

Weniger Glück hatte Werder am Sonnabend bei der Auseinandersetzung mit dem alten Rivalen Hamburger SK, der 3:5 verloren ging. Zwar gelang Knaak ein Sieg über Müller (2533), am Spitzenbrett gab sich jedoch Hracek Ftacnik (2589) geschlagen. Niederlagen mussten auch Heissler gegen Gustafsson (2436) und Meins gegen Reeh (2399) hinnehmen. Unentschieden spielten Babula gegen Kempinski (2549), Pelletier gegen Wahls (2582), Schandorff gegen Heinemann (2489) und Meyer gegen Löffler (2377). Den Delmenhorster Schachspielern gelangen bei ihrem 4,5:3,5 Erfolg über den Hamburger SK dagegen drei Siege. Conquest schlug Müller, Beckemeyer Reeh und Breutigam Löffler. Damit erwiesen sich die unteren Delmenhorster Bretter erneut als konkurrenzfähig. Am Spitzenbrett nahm Agdestein gegen Ftacnik seine erste Niederlage in dieser Saison hin und Lauber unterlag Gustafsson. Remis spielten Rogers, Hodgson und Gisbrecht.

Photo Ewgenij Gisbrecht

Ein gelungender Saisonstart. Der Delmenhorster Gisbrecht konnte gegen z. T. hochwertige Gegner drei Punkte holen. Foto: av

8:0 Mannschaftspunkte, Platz zwei hinter Porz und mit Lübeck einen wichtigen Konkurrenten um Platz 3 geschlagen. Für die Delmenhorster hängt der Himmel zur Zeit voller Geigen. Man darf gespannt sein, wie lange die Mannschaft ihr hohes spielerische Niveau halten wird.

Auch die Werderaner werden mit den erreichten zwei Mannschaftspunkten zufrieden sein. Nominell war zwar eher ein Erfolg gegen den Hamburger SK zu erwarten, am Ende ist es aber egal, woher die Punkten stammen. Mit deren 3 hat Werder den Anschluss ans Mittelfeld gefunden.

Eine klare Antwort auf seine Kritiker, die eine Fortsetzung der letztjährigen Saisonleistung befürchteten, fand Rainer Knaak. Wie die Hamburger Ftacnik und Gustafsson überzeugte der Werderaner an diesem Wochenende mit zwei Siegen. Ohne Punkte blieb sein Mannschaftskollege Heissler, der Lübecker Lau und der Hamburger Müller.

Der Weltmeister kommt nach Bremen? Die Chancen stehen nicht schlecht, denn die 5. und 6. Runde findet mit den Gästen Porz und Duisburg am 11./12. Dezember in Bremen statt. In der 3. und 4. Runde spielte Khalifman jedenfalls für Porz, die es sich, in Anbetracht der bisher guten Leistungen der Delmenhorster, kaum leisten werden können, auf ihre Spitzenleute zu verzichten. Man darf gespannt sein, ob bei den Delmenhorstern erstmals die beiden Neuverpflichtungen Baburin und Brenninkmeijer aufgestellt werden.

Magdeburg Neukölln Lübeck Hamburg Gesamt %
Delmenhorst
Agdestein 0,5 1 0,5 0 2,0 50%
Rogers 0,5 0,5 1,0 50%
Hodgson 1 1 0,5 0,5 3,0 75%
Conquest 0 0,5 0,5 1 2,0 50%
Gisbrecht 0,5 1 1 0,5 3,0 75%
Lauber 0 0,5 1 0 1,5 38%
Borik 1 0 0,5 1,5 50%
Beckemeyer 0,5 1 1,5 75%
Breutigam1 0,5 1 2,5 83%
Wesseln0,5 0,5 1,0 50%
4,5:3,5 5:3 5:3 4,5:3,5 19,0
Werder
Hracek 0,5 0 0,5 0 1,025%
Babula 1 0,5 0,5 0,5 2,5 63%
McShane 0 0 0,0 0%
Pelletier 0,5 0,5 0,5 0,5 2,0 50%
Knaak 0 0,5 1 1 2,5 63%
Schandorff 0,5 0,5 1 0,5 2,5 63%
Heissler 1 0,5 0 0 1,5 38%
Meins 0,5 0,5 0,5 0 1,5 38%
Meyer 0,5 0,5 1,0 50%
4:4 3:5 4,5:3,5 3:5 14,5

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