Spielgemeinschaften: Einigung in Sicht?

(ug). Über die Zukunft der Spielgemeinschaft Niederelbe entscheidet im März der Spielausschuss des niedersächsischen Schachverbandes. Die sechs Bezirksvorsitzenden, der Seniorenwart und der Landesspielleiter beschließen dann über die Zulässigkeit von Spielgemeinschaften auf der niedersächsischen Landesebene.

Seit 1977 nimmt die SG Niederelbe, die sich aus den Vereinen TSV Germania-Cardenberge und TSV Neuhaus-Oste bildet, an der Mannschaftsmeisterschaftmeisterschaft teil. Das Konstrukt einer Spielgemeinschaft scheint jetzt einigen niedersächsischen Funktionären ein Dorn im Auge zu sein.

Mehr als unzufrieden äußert sich Dietmar Schade, Mannschaftsführer des Landesligateams der SG Niederelbe, über den bisherigen Vorgang. Vermutlich durch mangelnde Kommunikation habe man erst Anfang Juni diesen Jahres zufällig mitbekommen, dass sich die Spieler der SG Niederelbe bis zum 30.06. einem der beiden Vereine zuzuordnen haben, ansonsten würde keine Spielgenehmigung erteilt. Auf einer Besprechung in Verden, Ende Juni, an der der Niedersächsische Präsident Hagemann und Finanzwart Hentzschel teilnahmen, habe man einen vorläufigen Bestandsschutz für die SG Niederelbe vereinbaren können.

Irritiert zeigt sich Schade, dass seitens des Schachverbandes keine Argumente genannt werden können, warum Spielgemeinschaften abgeschafft werden müssen. »Da wird auf die Rechtslage auf DSB-Ebene verwiesen, ohne dass konkrete Erläuterungen erfolgen«, so Schade. Auf der anderen Seite, führt der Niederelber Spielgemeinschaftsleiter Heinrich Wieking aus, sei eine Fusion nicht realisierbar. Nach jahrelanger Zusammenarbeit müsste der eine Großverein dem anderen die Mitglieder abwerben, das würde das Verhältnis der Vereine auf Jahre belasten. Außerdem würden viele Mitglieder mehrere Sparten der Vereine in Anspruch nehmen, sie müssten dann zwei Vereinsbeiträge zahlen. Hinzu komme, dass bei einigen Personen die Vereinsmitgliedschaft historisch gewachsen sei, die würden vermutlich gar nicht erst einen Vereinswechsel in Betracht ziehen, so Wieking.

Auf Anfrage teilte Horst Metzing, Geschäftsführer des DSB mit, dass ihm nicht bekannt sei, »dass in irgendwelchen Bestimmungen des DSB Spielgemeinschaften erwähnt sind«, noch »dass der DSB in dieser Problematik Stellung bezogen hat«. Unberücksichtigt liess die Anfrage der Rochade Bremen die Bundespassordnung, die sich laut Hagemann am Verein orientiert. Der niedersächsische Präsident räumt jedoch ein, dass man beim jetzigen Rechtsstand mit einem Ausschluss der SG Niederelbe vom Spielbetrieb auf den Bauch fallen würde. Rechtssicherheit könne da nur eine entsprechende Regelung in der Turnierordnung schaffen.

Hagemann und Hentzschel kämpfen zur Zeit um die Realisierung einer Sonderregelung, um den Fortbestand der SG Niederelbe zu gewährleisten. »Es ist rechtlich unanfechtlich möglich, der SG Niederelbe ihren Status zu nehmen, dass begreift auf Bezirksebene jedoch niemand und bei einer unbesonnen Entscheidung könnten wird das Klima auf Jahre vergiften«, beurteilt Hagemann kritisch die jetzige Situation. Gegenüber der Rochade Bremen erklärt er:

  1. »Das Thema habe ich aufs Trapez gebracht, ohne mir damals der Folgen bewusst zu sein,
  2. Nichtsdestotrotz sehe ich Regelungsbedarf in der Turnierordnung auf Landesebene und
  3. Niederelbe sollte auf Dauer eine Sonderregelung eingeräumt werden.«

»Mit einer solchen Regelung können wir leben«, so Spielgemeinschaftsleiter Heinrich Wieking. Die Crux an der Sache, nicht der Präsident, sondern der Spielausschuss trifft die Entscheidung. Und hier scheint ein anderes Stimmungsbild zu bestehen. Einen letzten Rettungsanker für die Niederelber hat Hagemann selber schon zunichte gemacht. Eine vom Spielausschuss beschlossene Änderungen der Turnierordnung bedarf der Zustimmung des Präsidiums. Aber selbst wenn ein gänzliches Verbot von Spielgemeinschaften beschlossen würde, werde er die Entscheidung des Spielausschusses akzeptieren, so Hagemann. (Anm. d. Redaktion: Im Unterschied zum Landesschachbund Bremen stimmen in Niedersachsen die Mitglieder nicht über Turnierordnungsänderungen ab).

Kommentar: Wo ist das Problem?

Was spricht gegen Spielgemeinschaften?

Den Begründungen Hagemanns, warum er, bis auf die SG Niederelbe, Spielgemeinschaften auf Landesebene verbieten will, fehlt ein wirklich zwingendes Argument. Bedenkt man, dass er darüber hinaus Spielgemeinschaften auf Bezirksebene »dulden« will, geht die Logik gänzlich verloren.

Die Zeiten, dass »Einspartenvereine« gegründet werden, wie in den 50iger und 60iger Jahren, sind längst vorbei. Neue Schachvereine entstehen in Großvereinen, bestehende Schachvereine schließen sich im Kampf ums Überleben Großvereinen an. Sollen diese Großvereine fusionieren, nur ihrer Schachsparten wegen?

Der Verbot von Schachgemeinschaften nimmt den Schachabteilungen die Chance durch Spielgemeinschaften Synergieeffekte (gemeinsame Jugendarbeit etc.) zu realisieren. Eine Zwangsfusion durch den Aufstieg in die Verbandsliga, auch bestehender »Einspartenvereine«, führt immer dazu, dass ein Teil der Mitglieder in den »gemeinsamen Verein« nicht mehr eintreten. Aus dem Aufsteiger kann so ganz schnell wieder ein Absteiger werden.

Ein »Nein« zu Spielgemeinschaften ist auch ein »Nein« an die Kleinvereine. Gerade ein Flächenstaat wie Niedersachsen sollte sich der wichtigen Rolle von »Ortsvereinen« bewusst sein.

Die dauerhafte Zulassung von Spielgemeinschaften wäre der richtige Schritt. Die Landesverbände müssten, wenn überhaupt, hierzu lediglich einige Spielregeln aufstellen. Ansonsten sollten die Sparten / Vereine ihre internen Angelegenheiten selber regeln.

Ulrich Giese