SG Köln-Porz muss Federn lassen: Delmenhorst spielt Unentschieden

von Ulrich Giese

Das vergangene Bundesligawochenende am 11. und 12. Dezember in Bremen bot Spannung ohne Ende. Drei knappe 4,5:3,5 und ein 4:4. Jede Partie war wichtig. Am Ende kam Tabellenführer Köln-Porz mit einem blauen Auge und drei Mannschaftspunkten davon. Punktgleich mit Solingen und Delmenhorst behielt der amtierende Deutsche Meister die Tabellenspitze. Werder Bremen konnte sich dagegen mit dem Sieg über Duisburg Luft im Abstiegskampf verschaffen.

Bevor der erste Zug in der Hemelinger Straße getätigt wurde, gab es vom Gastgeber Bremen für jeden Spieler einen Weihnachtsmann. Dies sicherlich aufgrund der Weihnachtszeit und nicht als Ausgleich dafür, dass in einer Turnhalle gespielt wurde. Der Wechsel in das Vereinsheim Hemelinger Straße war notwendig geworden, da im Stadion noch am Freitag ein Bundesligaspiel stattfand. Der Betreiber der Businessloge sah sich nicht in der Lage, diese bis Sonnabend wieder »kundenfertig« zu haben.

Schwer taten sich die Delmenhorster am Sonnabend gegen Duisburg. Trotz des erstmaligen Einsatzes von Baburin und Brenninkmeijer kam der Tabellenzweite, bei dem Rogers fehlte, nur zu einem 4,5:3,5 Sieg. Auf den zweiten Blick ist diese knappe Entscheidung jedoch keine Überraschung. Bis auf Nevednichy trat das Duisburger Team von Ulrich Groth in Bestbesetzung an. Anscheinend hatten die sich Duisburger, die in der laufenden Saison noch nie so stark angetreten waren, einiges für Bremen vorgenommen.

Zum Sieg reichte es am Sonnabend nur am Spitzenbrett, wo Epishin (2657) Agdestein bezwang. Für die Delmenhorster punkteten, bei seinem ersten Einsatz, Brenninkmeijer, der Altmeister Uhlmann (2436) bezwang, und Borik, der Jungstar Machlett (2380) das Nachsehen gab.

An einer echten Sensation schrammten die Werderaner knapp vorbei. Gegen die Übermacht aus Köln-Porz, die mit Sokolov ebenfalls nur auf einen Stammspieler verzichteten, erkämpften sich die Hanseaten eine knappe 3,5:4,5 Niederlage.

Lediglich die Porzer Spieler an Brett 1 und 8 überschritten an diesem Wochenende nicht die magische ELO 2600 Grenze. Dies war dann auch für die unteren Bretter der Hanseaten zuviel. Während Polak, der wegen einer Erkrankung von Hracek an Brett 8 nachrückte, Vogt besiegte, verloren Meins und Heissler gegen Hansen (2607) und Andersson (2623). Schandorff hielt gegen Vaganian (2617) Remis.

Besser die obere Hälfte. McShane konnte nach seiner Doppelniederlage zu Saisonbeginn gegen Van Wely (2629) seinen ersten Sieg für die Hanseaten vorbuchen. Unentschieden spielten Babula gegen Lutz (2591) und Knaak gegen den ehemaligen Vizeweltmeister Timman (2675). Seine erste Niederlage bei Werder musste an Brett 3 Pelletier hinnehmen. Er verlor gegen den amtierenden Weltmeister Khalifman (2628), den Abteilungsleiter Dr. Schelz-Brandenburg zuvor vergeblich versucht hatte, mit einem Geschenk (Buch zum 100jährigen Jubiläum des SV Werder Bremen) milde zu stimmen. Einigen Zuschauern zufolge hatte Pelletier durchaus Chancen in diesem Spiel.

Sonntag war es dann soweit, der Tabellenerste und amtierende deutsche Meister Köln-Porz trat gegen den aktuellen Tabellenzweiten Delmenhorst an. Einen psychologischen Vorteil nahm vermutlich keine der beiden Mannschaften, nach den knappen Erfolgen am Vortag, mit in den Wettkampf. So blieb die Frage, ob die spielerisch bisher überzeugenden Delmenhorster die knapp 100 ELO Punkte pro Brett wett machen könnten.

Am Ende konnte diese Frage mit »ja« beantwortet werden. Sechs Unentschieden erkämpften sich die Delmenhorster. Hodgson sorgte gegen den an diesem Wochenende glücklosen Van Wely für einen vollen Punkt, während Gisbrecht sich für seine erste Saisonniederlage einen ungünstigen Tag aussuchte. Endstand 4:4.

Auch Werder bewies gegen die nominell stärkeren Duisburger Klasse und konnte mit dem 4,5:3,5 Sieg wichtige Punkte gegen die Abstieg sammeln. Für Siege sorgten Heissler gegen Kraut (2453) und mit seinem zweiten Erfolg im zweiten Spiel, Polak gegen Machelett. Knaaks Niederlage gegen Miralles (2499) hatte nur noch statistischen Charakter.

Zwar fielen die Delmenhorster mit 11 Punkten auf den dritten Tabellenplatz zurück, ihre Anwartschaft auf höhere Aufgaben hat die Mannschaft aber endgültig belegt. Gegenüber dem überraschenden Tabellenfünften Tegernsee besitzen sie nun schon 5 Punkte Vorsprung. Da gewinnen die direkten Vergleiche gegen Godesberg (9 Punkte, 29./30.1.) und Solingen (11. Punkte, 11./12.3) an Bedeutung.

Werder, nun mit 5 Punkten Tabellenzehnter, konnte nicht nur wichtige Punkte gegen den Abstieg sammeln. Mit vier gewonnene Partien an einem Wochenende präsentierte man sich auch spielerisch stark. Dies stimmt für den weiteren Saisonverlauf positiv.

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass vier der sechs Gegner von Delmenhorst und Werder das Tabellenende zieren (Hamburg, Neukölln, Lübeck und Duisburg). Dies als Indiz für bisher schwache Gegner zu werten, wäre falsch. Zwischen Platz 5 und 15 bestehen lediglich 3 Punkte Unterschied. Alle diese Mannschaften sind also noch mitten drin im Abstiegskampf!

Am 9.1.2000 werden die Reisepartner Delmenhorst und Werder ab 10 Uhr im Flughafen Ganderkesee (Airfield Hotel, Otto-Lilienthal Straße in 27777 Ganderkesee) aufeinandertreffen. Man darf gespannt sein, ob die Hanseaten, wie im Vorjahr, Delmenhorst ein Bein stellen werden. Drei Wochen später (29./30.1.) kommen Godesberg und Castrop Rauxel zum Flughafen. Ein Vorentscheidung um Platz 3 könnte dann fallen.

2000-01-12