Erfolglose Normenjagd beim NRW-Cup Münster

von Florian Mossakowski

Anfang Oktober machten sich Gennadij Fish, Tobias Jugelt und Florian Mossakowski auf den Weg nach Senden bei Münster, um beim sogenannten Masters auf Normenjagd zu gehen.

Die Voraussetzungen hierfür waren gar nicht schlecht. Unter den 71 Teilnehmern befanden sich immerhin zwölf Großmeister und sieben Internationale Meister. Fast alle hatten eine Elo-Zahl.

Zunächst galt es einige technische Probleme zu bewältigen. Unser Hotel lag acht Kilometer vom Spielort entfernt. Die Busverbindungen waren so ungünstig, daß wir am ersten Tag anderthalb Stunden zu Fuß zum Turniersaal liefen. Zudem hatten die Veranstalter keine aktuelle Elo-Liste vorliegen, was zu einem ziemlichen Chaos vor der ersten Runde (inklusive der üblichen Verspätung) führte. Ansonsten war das Turnier gut organisiert. Es gab zu jeder Runde ein ausführliches Bulletin mit allen Partien des »Masters« und den Ergebnissen des Opens sowie der Begleitturniere. Die Steverhalle bot genügend Platz zum Spielen und es gab einen Extraraum zum Analysieren, in dem auch für das leibliche Wohl gesorgt wurde.

Nach dem üblichen leichten ersten Tag, den wir auch souverän mit drei Punkten bewältigten, ging es am zweiten Tag mit der einzigen Doppelrunde gleich richtig zur Sache. Hier traf Tobias auf den an Nummer 1 gesetzten GM Aleksandrow (Elo 2619!), verlor leider in Zeitnot (wußte ich bisher gar nicht, daß es bei Tobias sowas gibt) ein remisliches Turmendspiel. Gennadij und Florian durften gleich gegeneinander antreten, nach einigen Mißgriffen in der Eröffnung wurden die Kräfte für den Nachmittag geschont und Remis vereinbart. Dies zahlte sich aber nur für Florian aus, der GM Gutman im Endspiel bezwingen konnte, während Gennadij seine erste Null gegen einen eigentlich schwächer einzuschätzenden Spieler kassierte. Tobias erfüllte am Nachmittag erwartungsgemäß eine »Pflichtaufgabe«.

Die nächsten beiden Runden ergaben für Tobias und Gennadij jeweils anderthalb Punkte, wobei besonders das lockere Remis mit Schwarz von Tobias gegen GM Arshak Petrosjan hervorzuheben ist. Florian verpatzte eine ausgeglichene Stellung gegen GM Wolschin und mußte sich mit einem Punkt zufriedengeben.

Die sechste Runde sorgte für Aufregung, da ein Spieler plötzlich einen Kreislaufzusammenbruch erlitt und ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Schachlich enttäuschend verlief sie für Tobias, der durch eine Niederlage gegen IM Meijers seine Normträume erst einmal begraben mußte, während Florian durch ein Remis mit GM Arshak Petrosjan noch gut im Rennen blieb. Gennadij konnte mit einem Sieg den Anschluß an die Spitze wahren.

In der siebten Runde kam dann auch das Aus für Florian. Nach der Schwarzniederlage gegen IM Fridman wären schon zwei Punkte aus den letzten beiden Partien nötig gewesen, um das Ziel noch zu erreichen. Zu allem Überfluß verlor Tobias noch mit Mehrfigur im Endspiel (das allerdings sehenswert, plötzlich war der weiße c-Bauer nicht mehr zu halten), während Gennadij immerhin noch ein Remis erzielen konnte.

Hiernach war die Luft etwas raus, Tobias holte aus den letzten beiden Runden gegen schwächere Gegner nur 50 Prozent, Gennadij gar nur einen halben Punkt, während Florian mit anderthalb Punkten ein paar Elopunkte gut machen konnte.

Daß auch Supergroßmeister nur mit Wasser kochen, bewies GM Aleksandrow. An Nummer 1 gesetzt, fand er sich zwischenzeitlich mit 3½ aus 6 im Mittelfeld wieder, konnte aber zum Schluß noch etwas aufholen. Das Turnier gewonnen hat überraschenderweise der erst 13jährige Arkadij Naiditsch, der mit sieben Punkten aus neun Runden am Ende einen halben Punkt Vorsprung vor van der Weide, Miezis, Mainka, Fridman und Dgebuadze hatte. Dabei besiegte er die GM Aleksandrov und Kupreichik und erfüllte seine erste Großmeisternorm.

Insgesamt gesehen ist das Turnier zu empfehlen, besonders der streßfreie Zeitplan (Rundenbeginn um 17 Uhr, nur eine Doppelrunde) und die großzügigen Spielbedingungen fielen auf; zudem machte es Spaß, gegen so viele starke Gegner spielen zu dürfen. Etwas nachteilig ist, daß der Spielort weit außerhalb von Münster liegt, so daß wir an nur zwei Vormittagen etwas von der Stadt gesehen haben.

Endstand nach 11 Runden
Pl. Name Verein Pkt.
1. FM A. Naiditsch Dortmund-Brackel 7,0
2. IM K. van der Weide SK Münster 6,5
3. GM N. Miezis Godesberg 6,5
4. GM R. Mainka Recklinghausen 6,5
5. IM D. Fridenan WD Borbeck 6,5
6. IM A. Dgebuadze SF Lohmar 6,5
7. GM V. Kupreichik Plettenberg 6,0
8. GM A. Petrosjan Dortmund-Brackel 6,0
9. GM A. Wolschin (Rußland) 6,0
10. IM V. Meijers Godesberg 6,0
...
17. F. Mossakowski Bremer SG 5,5
...
24. IM G. Fish Bremer SG 5,0
...
34. T. Jugelt Bremer SG 4,5