Delmenhorster SK mit Homepage

(ug). Neben Werder Bremen, Syke und Findorff umfasst jetzt auch das Angebot des Delmenhorster Schachklub eine Homepage.

Unter http://www.businesssolutionsworld.com/chess/ kann sich der interessierte Schachfreund über den Delmenhorster SK informieren. Unter anderem fand die Redaktion dort eine aktuelle Partieanalyse von Arnd Lauber. Er würde sich übrigens über Anregungen und Ergänzungen zu seiner Analyse sehr freuen.

Lauber,A (2416) - Poldauf,D (2453)
[E94] Bundesliga 1999/2000 [Kommentare: Lauber,A]

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Sf3 0-0 6.Le2 e5 7.0-0 Sa6 8.Te1 c6 9.Lf1 Lg4 10.d5 Se8!?
Relativ neu, am Abend vorher hatte ich nur festgestellt, dass Poldauf hier bisher andere Züge gespielt hatte: 10...Sb4; 10...c5
11.h3
11.Le2 c5 12.Tb1 Ld7 13.a3 f5 14.b4 ist vielleicht vorzuziehen
11...Ld7 12.Lg5
12.Tb1 c5 13.a3 kam immer noch in Betracht, Bacrot hat schon einmal so gespielt, aber ich hatte Ideen am Königsflügel im Sinn.
12...f6 13.Lh4 c5
Bevor Schwarz seine Figuren mit ...Dc8 und ...Lh6 aus dem Zentrum abzieht, schliesst er dieses lieber endgültig.
14.Le2
Zugegeben, die weissen Züge Le2-f1-e2 und Tf1-e1-f1 sehen nicht sehr konstruktiv aus, aber in der Zwischenzeit hat Schwarz mit ...c5 seinem Randspringer alle Perspektiven nehmen müssen, und seine Läuferzuege waren auch recht zeitaufwendig.
14... Lh6
14...Dc8 15.Sh2 f5 16.exf5 gxf5 17.f4 exf4 18.Lg5 Ld4+ 19.Kh1 Le3 20.Tf1 ist besser für Weiß, daher muss Schwarz erst das Feld f4 unter Kontrolle nehmen.
15.Sh2 Dc8 16.Tf1
16.Sg4 Lf4 17.g3 Lg5 18.Lxg5 fxg5 19.Dd2 Dd8 ist gut für Schwarz.
16...Kh8
eher erwartet hatte ich 16...f5!? mit der Folge 17.exf5 gxf5 18.Lg3 (18.f4!? Lxf4 19.Txf4 exf4 20.Dd2 Dc7 21.Dxf4 Kh8 22.Tf1 gibt Weiss etwas Initiative, mein Gegner hielt hier seine Stellung sogar für unangenehm, was ich aber bisher noch nicht glauben kann.) 18...f4 (18...Kh8! 19.f4 e4 führt zur Partie) 19.Lh4 Lxh3 20.gxh3 Dxh3 21.Le7 f3 22.Lxf3 Lf4 23.Sg4 Tf7 24.Lg2 Dh5 25.Se4 Kh8, und nach dieser seit 18....f4 erzwungenen Variante war mir die Stellung während der Partie noch nicht völlig klar, der Fritz-Zug 26.Lg5!! klärt aber sofort die Lage.
17.Lg3 f5 18.exf5
18.f4 exf4 (18...Lg7 19.fxe5 dxe5 20.exf5 gxf5 21.Sf3) 19.Lxf4 Lxf4 20.Txf4 kam auch in Betracht.
18...gxf5 19.f4 e4
Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t . d . s t . k
b b . l . . . b
s . . b . . . l
. . b B . b . .
. . B . b B . .
. . S . . . L B
B B . . L . B S
T . . D . T K .
Eigenartigerweise waren wir hier beide der Meinung, besser zu stehen. Genauer ist m.E. 19...Tg8 20.De1 (20.fxe5 Txg3 21.e6 Lxe6 22.dxe6 Dxe6 gibt Weiss keine Kompensation.) 20...e4
20.Lh4 Sac7 21.Dd2 a6 22.a4 b6 23.g4!
Bevor der weisse Damenflügel zusammenklappt, sollten schon erste Erfolge auf der anderen Seite erzielt sein, daher sind Vorbereitungszüge wie Kh1 jetzt zu langsam.
23... Tb8
23...Lg7! 24.gxf5 Lxf5 25.Lg4 e3 zerstört die weisse Koordination, es dauert außerdem noch ein paar Züge, bis der Bauer e3 endlich erobert ist.
24.gxf5 Lxf5 25.Lg4 b5 26.axb5?
26.cxb5! ist viel, viel stärker: axb5 27.Sxe4 bxa4?! (27...Lg7!? 28.a5 mit grossem Vorteil) 28.Le7 Tg8 (28...Tf7 29.Lxd6) 29.Sxd6 Sxd6 30.Lxd6 Lg7 31.Le5
26...axb5 27.Sxe4 Lg7!
Gerechnet hatte ich nur mit dem schwachen 27...bxc4 28.Le7+-
28.cxb5 Txb5 29.Sc3 Tb4 30.Tae1 Sf6
30...Ld4+ 31.Lf2
31.Te7 Sxg4
31...Sfxd5 klappt nicht wegen 32.Txg7 Kxg7 33.Sxd5 Td4 34.Dg2 Lxg4 35.Sxg4 Sxd5 36.Sf6+;
31...Lxg4 32.hxg4 Sfxd5 33.Sxd5 Td4 (33...Ld4+ 34.Dxd4+ Txd4 35.Lf6+ Txf6 36.Sxf6+-)
  1. 34.Lf6
    1. 34...Txd2 35.Lxg7+ Kg8 36.Txc7 Txd5 (36...Da8 37.Lc3 Txd5 38.Tg7+ Kh8 39.Ta7+ Kg8 40.Txa8 Txa8+-) 37.Txc8 Txc8 38.Lc3+-;
    2. 34...Lxf6 35.Sxf6 Txf6 36.Dc2 Th6+/=;
  2. 34.Txc7 34...Txd2 35.Txc8 Txc8+/=
32.hxg4 Ld4+
32...Lxg4 33.Txc7 Dxc7 34.Sxg4 Ld4+ 35.Kh1 Dg7 36.Lg5+/= (36.De2 Txb2 37.Dxb2 Dxg4-+) nimmt Weiss die folgende Möglichkeit.
33.Kh1 Lxg4 34.f5
34.Txc7 führt zu der letzten Variante und ist vielleicht sogar vorzuziehen.
34...Lxf5?
Nach 34...Txf5! 35.Txf5 Dxf5 36.Txc7 steht Weiss nicht, wie von mir geplant, auf Gewinn, sondern erreicht nach Lf3+ 37.Sxf3 Dxf3+ 38.Dg2 Dxg2+ 39.Kxg2 Txb2+ 40.Kf3 Lxc3 41.Lg3= gerade noch den Remishafen.
35.Dh6 Tb8! 36.Dxd6?
Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
. t d . . t . k
. . s . T . . b
. . . D . . . .
. . b B . l . .
. . . l . . . L
. . S . . . . .
. B . . . . . S
. . . . . T . K
Die Stellung der Partie! Ich war mir hier sicher, auf Gewinn zu stehen, aber nachdem ich dreieinhalb von meinen verbliebenen vier Minuten verbraucht hatte, fiel mir nichts Besseres ein, als den d-Bauern zu nehmen, für schlecht hielt ich die Varianten 36.Sg4 Le4+-+; 36.Sf3 Le4!-+; 36.Se2 Lxb2, auch wenn Fritz hier noch versucht, den Angriff fortzusetzen, z.B. mit der Modellvariante 37.Sf4 Le5 38.Txh7+ Lxh7 39.Sg6+ Kg8 40.Se7+ Kh8 41.Sxc8 Txf1+ 42.Sxf1 Txc8 43.Lf6+ Lxf6 44.Dxf6+ Kg8 45.Dxd6;
Nach einer halbstündigen Analyse entdeckten wir mit Julian Hodgson zusammen den Zug 36.Lg5!! Die Idee ist es, das in einigen Varianten wichtige Feld h3 unter Kontrolle zu nehmen, um den Springer h2 wieder mobil zu machen. Schwarz hat dagegen überhaupt keine Züge, die seine Stellung verbessern, die schwarzen Möglichkeiten kann man fast schon mit dem Ausschlussverfahren bestimmen.
  1. 36...Sa6 37.Tf4 Le5 38.Sg4;
  2. 36...Txb2 37.Txf5 (37.Txc7) 37...Dxf5 38.Lf6+;
  3. 36...Kg8 37.Tg1 Kh8 38.Sf3!+- (38.Lf6+ Lxf6 39.Tgg7 Se8 40.Txh7+ Kg8);
  4. 36...Lg6 37.Tf6;
  5. 36...Sa8 37.Tf4 Le5 38.Txe5 dxe5 39.Lf6+ Txf6 40.Dxf6+ Kg8 41.Txf5;
  6. 36...Ta8 37.Td1 Le5 38.Sf3 Sxd5 39.Sxd5 Le4 40.Lf6+ Lxf6 41.Sxf6 Lxf3+ 42.Kh2+-;
  7. 36...c4 37.Td1 Le5 38.Sf3 Le4 39.Sxe4 Df5 40.Sxe5 Dxe4+ 41.Kg1+-;
  8. 36...Sb5 37.Sxb5 Txb5 38.Txf5 Dxf5 39.Lf6+!!;
wirklich schöne Varianten! Fritz demonstriert hier noch eine Nebenlösung: 36.Td1 Le5 37.Tg1 (Idee 38.Txe5), und wenn man hier noch die Computerzüge 37...Se6 38.Sf3 findet, hat Schwarz endgültig keine Verteidigung mehr.
36. .. Se8
Ich hatte die Drohung Lg3-e5 für schwer zu parieren gehalten, aber es gab sogar zwei Verteidigungen. Die zweite und stärkere war 36...Txb2! 37.Lg3? Le4+ 38.Sxe4 Txf1+ 39.Sxf1 Dh3+ 40.Sh2 Dg2#
37.Txh7+
37.Dh6 Sg7+/= (37...Lg7+/=)
37...Kxh7 38.Dxf8 Sg7 39.Dxc8 Txc8 40.Sf3 Lxc3 41.bxc3 Le4 42.d6
Jetzt flaut alles originell zum Remis ab, aber Gewinnchancen gab es nicht mehr: 42.c4 Tf8 43.Kg2 Sf5 44.Kh3 Ld3 45.Tc1 Sxh4 46.Sxh4 Td8 47.Kg4 Lxc4 48.Txc4 Txd5=
42...Tf8 43.d7 Txf3 44.Txf3
Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
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. . . B . . s k
. . . . . . . .
. . b . . . . .
. . . . l . . L
. . B . . T . .
. . . . . . . .
. . . . . . . K
Auch nach 44.d8D wimmelt es nur so vor Remisvarianten: Txf1+ (44...Tf2+ 45.Kg1 Tg2+=) 45.Kh2 Th1+ 46.Kg3 Sf5+ 47.Kf4 Txh4+ 48.Dxh4+ Sxh4 49.Kxe4=
44...Lxf3+ 45.Kg1 Se6 46.d8D Sxd8 47.Lxd8 1/2-1/2

Partie im PGN-Format