Aktivitäten des Deutschen Schachbundes

von Ulrich Giese

Bei seiner Rede zum 50jährigen Bestehen der SF Leherheide hob der Präsident des Deutschen Schachbundes, Egon Ditt, die vorbildliche deutsch-polnische Zusammenarbeit des Jubiläumsvereins hervor. Dabei verwies er auch auf ein Projekt des deutschen, polnischen und jüdischen Schachverbandes in der Geburtsstadt des deutschen Schachweltmeisters Dr. Emanuel Lasker (1868-1941). In einem Gespräch mit der Rochade Bremen gab Egon Ditt hierzu und zu den Jubiläumsplanungen zum 125jährigen Bestehen des DSB Auskunft.

Schachtrainingslager in Polen:

Als ein Zeichen der Völkerverständigung in einem näherrückendem Europa begreift Egon Ditt das geplante »Emanuel-Lasker-Trainingslager« im polnischen Barlinek. Barlinek, ursprünglich Berlinchen, ist der Geburtsort des deutsch-jüdischen Schachweltmeisters Emanuel Lasker. Im Zuge der Besetzung dieses Gebietes durch die Russen im II. Weltkrieg wurde u.a. der deutsche und der jüdische Friedhof von Barlinek zerstört. Glücklicherweise stellte der damalige Bürgermeister die Grabsteine, u.a. auch den der Familie Lasker, sicher. Diese beiden Friedhöfe sollen jetzt, im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, exemplarisch mit jeweils zwanzig deutschen und jüdischen Grabsteinen, wieder aufgebaut werden. Hieran und an der Pflege dieser Gräber sollen sich in Zukunft auch jeweils zwanzig Jugendliche aus Israel, Polen und Deutschland beteiligen, die sich jährlich im Lasker Zentrum treffen werden. Besondere Aufmerksamkeit soll dem Grab der Familie Lasker zugewendet werden.

Möglich geworden sei dieses Projekt, so Ditt, da eine Warschauer Investorengruppe in Barlinek ein Hotel plane. Die Baugenehmigung wurde mit der Auflage versehen, ein Trainingslager (als Lasker Zentrum) zu errichten. Für die beteiligten Schachverbände entständen hierbei keine Kosten. »Der polnische Schachverband hat sich bereit erklärt Trainer zu stellen, wir werden aber auch Trainer mitschicken«, so der Deutsche Schachpräsident. »Vermutlich werden die Jugendlichen vormittags trainieren und sich nachmittags zirka zwei Stunden den Gräbern zuwenden«. Am Ende der Veranstaltung soll dann ein gemeinsames Turnier stehen. Mit dem Start des Projektes rechnet Ditt im Jahre 2001.

125 Jahre Deutscher Schachbund:

Spitzen- und Breitenschach stehen im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres des deutschen Schachbundes. Mit Hilfe der Treff-Hotelgruppe, sowohl als Sponsor wie auch als Mitorganisator, sei es gelungen, ein anspruchsvolles Aktionsprogramm auf die Beine zu stellen, so Ditt. Im Rahmen des Jubiläumskongresses in Leipzig wird sowohl der Mitropa-Cup als auch die Endrunde des Deutschen Amateurcups stattfinden.

Den Mitropa-Cup werden zehn Nationalmannschaften bestreiten, zum Amateurcup haben alle Deutschen Schachfreunde Zugang. In ganz Deutschland werden insgesamt fünf Vorturniere in Treff Hotels stattfinden. Diese sind in fünf ELO/DWZ-Gruppen eingeteilt. Es werden fünf Runden CH-System gespielt, wobei die fünf ersten Sieger einer jeden Gruppe sich für die Endrunde in Leipzig qualifizieren und ein Wochenende für zwei Personen in einem Treff Hotel gewinnen. Dementsprechend wird es in Leipzig 125 Endrundenteilnehmer geben (die jeweils fünf Besten aus den fünf Leistungsgruppen der fünf Standorte). Auch hier wird wieder in fünf ELO/DWZ-Gruppen angetreten und fünf Runden CH-System gespielt. Die jeweils fünf Punktbesten einer Gruppe gewinnen eine Woche Urlaub für zwei Personen in einem Treff-Hotel.

Darüber hinaus soll einer Reihe von Traditionsveranstaltungen das Prädikat »Offizielle Jubiläumsveranstaltung« verliehen werden, so Egon Ditt. Die Ausrichtung der Weltmeisterschaft in Dortmund konnte dagegen nicht realisiert werden.