50 Jahre Schachfreunde Leherheide - Jubiläumsjahr startet mit Empfang

Von J. Ch. Korn

Mit den Schachfreunden Lehrerheide wird ein Verein 50 Jahre alt, der wie kaum ein anderer mit seinen sportlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten zu zukunftsweisenden völkerverbindenden Partnerschaften beitragen konnte. Die Mitglieder des Vereins haben deshalb allen Grund, sich der Entwicklung des Vereins und seines Gründungstages mit Freude zu erinnern.

Am 17. Februar 1950, zirka neun Monate nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, trafen sich in der Gaststätte Heideruh (Wetjen) am Fehrmoorweg in Bremerhaven-Leherheide 14 Schachfreunde, um den Verein Schachfreunde Leherheide ins Leben zu rufen. Nach mehrstündiger Diskussion ermittelten sie die Ziele des Vereins, den monatlichen Mitgliedsbeitrag von 50 Pfennig und den Vorstand. Von diesen Gründungsmitgliedern war, als der Verein knapp drei Jahre später mit dem »Heidkrog« am Debstedter Weg einen günstigeren Standort zum Spiellokal erwählte, nur noch Hein Otten in der Mitgliederliste des Vereins verzeichnet. Er hielt dafür zeit seines Lebens, insgesamt 33 Jahre lang, dem Verein die Treue. Berufliche Veränderungen mit anschließendem Umzug, die damals zum Alltag gehörten, hatte alle anderen Gründungsmitglieder schon frühzeitig von Leherheide und damit auch von den »Schachfreunden« getrennt.

Die Existenz des Vereins war gefährdet, als Uwe Zeller 1966 die Initiative und den Vorsitz übernahm (für 27 Jahre!). Seine intensive Nachwuchsarbeit trug in den Jahren, nach dem Wechsel in die »Nordbraustuben« zu Angelika und Walter Korte (1972), lang ersehnte Früchte. Der durch den damals zur Weltmeisterschaft stürmenden amerikanischen Jungstar Bobby Fischer ausgelöste Schachboom half mit. Die Mitgliederzahl des Vereins nahm wieder zu. An den Mannschaftskämpfen des Landesschachbundes Bremen, dem die Leherheider 1973 beitraten, beteiligten sich schon bald drei Mannschaften der »Heidjer« - also rund 30 Spieler. Stark engagierte sich der Verein auch in der Kulturgemeinschaft Leherheide, der er sich 1977 anschloss. Das Internationale Mannschaftsschnellturnier und die alljährlichen Treffen mit Mannschaften aus Polen gehören seitdem zu den fest eingeplanten Höhepunkten des Heidjerfestes.

1980 erreichte die Mitgliederzahl des Vereins erstmals die magische 50er-Grenze. Die erste Vereinsmannschaft errang als spielstärkstes Bremerhavener Team den Aufstieg in die damalige Landesklasse West. 1985 gehörten dem Verein bereits 65 Mitglieder an. Dieser Mitgliedsstand blieb bis heute erhalten; wenn auch nicht verschwiegen werden sollte, dass dank der intensiven Nachwuchsarbeit von Uwe Zeller und Stefan Krüger (selbst ein Eigengewächs der Heidjer) im Jahre 1990 ein Mitgliedshöchststand von 85 erreicht werden konnte. Leider mussten danach zahlreiche Heranwachsende Bremerhaven und damit auch die Schachfreunde aus beruflichen Gründen verlassen. Zu ihnen gehörten mit Joachim Kieffer, Jochen Strohmeyer und Stefan Krüger auch Spitzenspieler.

Durch starke Neuzugänge wie Dr. Uwe Jäger (zuletzt Landespokalmeister), den früheren Unterwesermeister Olaf Pienski und den früheren Weser-Ems-Meister und Senior J. Christoph Korn konnten die entstandenen Lücken aber geschlossen werden.

Der ersten Mannschaft gelang 1995 der Aufstieg in die Landesliga Niedersachsen/Bremen und darüber hinaus große Pokalerfolge, zuletzt durch einen Sieg über den Oberligisten SVG Hannover der Einzug ins Viertelfinale des 2000-er-Wettbewerbs.

Nach wie vor vereint alle Mitglieder ein intensives Vereinsleben, das auch die Geselligkeit und Ausgleichssportarten wie Skat und Tischtennis nicht zu kurz kommen lässt. Das Sommerfest in Flögeln mit Turniersimultan, Skat und Grillfete, und die seit 1978 in jedem Jahr durchgeführten Polenfahrten nach Stettin und Danzig mit Gegenbesuchen der polnischen Schachfreunde zum Heidjerfest gehören zu den Höhepunkten des Vereinslebens.

Die ständigen sportlichen und privaten Begegnungen von Schachfreunden aus Stettin und Bremerhaven wurden in zunehmendem Maße auch von kulturell, wirtschaftlich und politisch verantwortlichen Bürgern beider Städte begleitet.

Die dabei geschlossenen Freundschaften fanden ihren Niederschlag nicht nur in der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, sondern auch in dem 1990 geschlossenen Städtepartnerschaftsvertrag zwischen Stettin und Bremerhaven. Die Betreuung polnischer und russischer Schiffsbesatzungen und die Integration von Zuwanderern aus Osteuropa waren und sind weitere Schwerpunkte der Vereinsarbeit. Daran sind besonders Mitglieder beteiligt, die dem Verein schon mehr als 25 Jahre angehören, wie Uwe Zeller (seit 1953), Fritz Hantel (seit 1959), Volker Schattauer (seit 1969), Hartwig Guzek und Gendy Ying (beide seit 1971), Peter Sliwitzky (seit 1973) und Anton Schampier (seit 1974).

Der Verein hofft mit seinen Veranstaltungen weitere Bremerhavener für das königliche Spiel zu gewinnen. Schach vereinigt spielerische, sportliche und künstlerische Elemente und bietet dabei ausgezeichnete Möglichkeiten zur Steigerung der Konzentration, Entschluss-fähigkeit und Kreativität. Bei den Übungsabenden montags und mittwochs im Vereinslokal »Heidkrog«, ist daher jedermann - auch Eltern mit ihren Kindern - herzlich willkommen.