Delmenhorst: als Tabellendritter zurück in die 2. Bundesliga Nord

von Ulrich Giese

Paukenschlag am letzten Spieltag. Delmenhorst zieht seine Mannschaft aus der 1. Bundesliga zurück und steigt freiwillig in die 2. Bundesliga Nord ab. Diese Nachricht ging kurz nach Abschluss der Saison 1999/2000 durch das Internet. Zuvor sicherten sich die Delmestädter in ihrem Heimspiel am 8./9. April den dritten Platz.

Mit der in der laufenden Saison stärksten Aufstellung traten die Delmenhorster zum Schlussakt in der 1. Bundesliga an. Von den »Legionären« trat lediglich Conquest nicht an. Die übrigen fünf übten sich am Sonnabend in Zurückhaltung. Agdestein, Rogers, Hodgson und Baburin kamen gegen Passau jeweils nur zu einem Unentschieden und an Brett 5 verlor Brenninkmeijer sogar. Auch Wesseln musste sich geschlagen geben, so dass Gisbrecht und Breutigam mit ihren Siegen über Renner und Pichler nur das Unentschieden retten konnten. Damit hielt Delmenhorst am Sonnabend den dritten Tabellenplatz, vom viertplazierten Godesberg trennte die Delmestädter jedoch nur noch ein Brettpunkt.

Am Sonntag galt es gegen Absteiger Tegernsee Platz 3 endgültig zu sichern. Dies gelang den Delmenhorstern souverän. Breutigam siegte erneut (gegen Klundt) und Hodgson, Baburin und Brenninkmeijer bezwangen Hertneck, Teske und Pezerovic. Lediglich Agdestein, der am Freitag noch eine Simultanvorstellung in Leherheide gab, beendete die Saison mit einer Niederlage.

Mit Platz 3 (20-10 Mannschaftspunkte) verbesserten die Delmenhorster die hervorragende Plazierung des Vorjahres (Platz 4). Damit ist ihnen spielerisch eine noch größere Überraschung als in der Vorsaison gelungen. Basierend auf den Elo-Durchschnitt konnte nur von einem gehobenen Mittelfeldplatz ausgegangen werden. Ausschlaggebend für diese Plazierung war eine geschlossene Mannschaftsleistung, bei der sämtliche Stammspieler mindestens 45% aller möglichen Punkte erreichten, und dass nötige Quentchen Glück bei fünf 4,5:3,5 Siegen. Bester Punktesammler war an den oberen Brettern Hodgson, der in 11 Partien 7,5 Punkte erspielte, und an den unteren Brettern Breutigam, der 8,5 Punkte aus 12 Partien erzielte. Ungeschlagen blieben Baburin (4,5 aus 6) und Beckemeyer (5,5 aus 8).

Werder Platz 6

Mit einer starken Schlussleistung sicherten sich Werder Bremen am Ende Platz 6 (16-14 Mannschaftspunkte). Wer hätte das Mitte der Saison gedacht? Den 6 Mannschaftspunkten aus zuvor 4 Partien ließen die Hanseaten am letzten Doppelspieltag 3 weitere Mannschaftspunkte folgen. Damit konnten sie sich, wie Delmenhorst, in der Endtabelle deutlich besser plazieren, als man zu Saisonbeginn aufgrund der Elozahlen vermuten konnte.

Am Sonnabend nahm Werder mit einem 5:3 Sieg Tegernsee die letzte Chance den Abstieg in die zweite Liga zu verhindern. Die »Mittelachse« mit Knaak, Schandorff und Heissler konnte Teske, Schmittdiel und Pezerovic bezwingen, so dass die Niederlage von Hedke gegen Klundt ohne Folgen blieb. Die übrigen Partien endeten Remis.

Am Sonntag ließen die Hanseaten ein 4:4 folgen und verpassten so die Chance, Gegner Passau vom 5. Platz zu verdrängen. Erneut konnte Heissler (gegen Renner) gewinnen und so am letzten Spieltag eine 50prozentige Ausbeute in der abgelaufenen Saison sicherstellen. Gleiches, sowohl ein Doppelsieg wie auch eine 50prozentige Ausbeute, gelang Knaak, der am Sonntag Enders bezwang. Pelletier und Hedke verloren ihre Partien.

Vernachlässigt man einmal die Spieler Polak und Hedke, die lediglich jeweils auf zwei Einsätze kamen, hat Werder Bremen in der abgelaufenen Saison nur neun Spieler eingesetzt. Dies spricht nicht nur für die Verbundenheit der Spieler mit ihrem Verein, sondern auch für eine hervorragende logistische Leistung der Verantwortlichen. Beste Punktesammler waren Schandorff und Meins, die alle 15 Partien spielten und jeweils 9 Punkte erreichten. Durch den Endspurt konnten sich die Stammspieler der unteren Bretter noch alle auf 50 Prozent oder mehr retten. Die oberen Brettern sehen dagegen nicht so gut aus. Hier überzeugte lediglich Babula mit 8,5 Punkten aus 15 Partien. Am Spitzenbrett siegte Hracek nur einmal, verlor jedoch viermal. Noch schlechter fällt die Bilanz für das Nachwuchstalent McShane aus. In acht Partien hatte er fünfmal das Nachsehen. Ihm folgt Pelletier, der mit 11 Unentschieden »Bremer Remismeister« wurde, aber keine seiner 15 Partien gewann. Es wäre allerdings falsch, aus diesem Abschneiden ein Versagen der Spieler zu diagnostizieren. An den oberen Brettern war Werder Bremen schlichtweg schlechter besetzt als Delmenhorst.

Delmenhorst

Agdestein      = 1 = 0 0 = 1         1 = = 0   5,5  50%
Rogers             = =       1 1 0 0 = 0 = =   4,5  45%
Hodgson        1 1 = = = 1 0 1 =         = 1   7,5  68%
Baburin                = = = = 1         = 1   4,5  64%
Conquest       0 = = 1 = = 0     = 1 1 =       6    55%
Brenninkmeijer         1 =               0 1   2,5  63%
Gisbrecht      = 1 1 = = 0 0 = 0 0 = = = 1 =   7    47%
Lauber         0 = 1 0 = = 1 -   0 0 1 0       4,5  41%
Borik          1 0 =   1   0 1 = = 0 0         4,5  45%
Beckemeyer         = 1     1 = = = 1   =       5,5  69%
Breutigam      1 =   1   =   1 0 1 1 0 = 1 1   8,5  71%
Wesseln        = =                 1 = = 0 =   3,5  50%
Dornieden                      0 =             0,5  25%

Endstand      4,5 5,0 4,5 3,5 3,5 4,5 3,0 5,5
                5,0 4,5 4,0 5,5 3,0 4,5 4,0   64,5

Werder Bremen

Hracek         = 0 = 0     0 = = = = 0 1 = =   5    38%
Babula         1 = = = = = 1 0 0 1 = 1 = = =   8,5  57%
McShane        0 0     = 1   0 0 0 1           2,5  31%
Pelletier      = = = = = 0 = = = 0 0 = = 0 =   5,5  37%
Knaak          0 = 1 1 0 = 1 0 0     = 0 1 1   6,5  50%
Schandorff     = = 1 = = = 1 = = 1 = = 0 = 1   9    60%
Heissler       1 = 0 0 1 0 0 0 = 1 = 1 0 1 1   7,5  50%
Meins          = = = 0 = 0 1 = = 1 1 1 1 = =   9    60%
Meyer              = =   0       = = 1 =       3,5  50%
Polak                  1 1                     2   100%
Hedke                                    0 0   0     0%

Endstand      4,0 4,5 4,5 4,5 2,5 4,5 3,5 5,0
                3,0 3,0 3,5 2,0 5,0 5,5 4,0   59,0