Delmenhorst Spitzenreiter der JBLN

von Malte Meyer

Nach einem 3:3 im Spitzenspiel gegen den Hamburger SK hat der DSK-Nachwuchs mit zwei Kantersiegen gegen Schachelschweine Hamburg und die Schachfreunde Achim die Tabellenführung der Jugendbundesliga Nord übernommen.

Am 27. 2. 2000 empfing der DSK ausnahmsweise im Jugendtreff Rethorn die Gäste aus Hamburg zum Spitzenspiel der Staffel West der JBLN. Beide Mannschaften hatten bis dato 8:0 Punkte auf dem Konto, und es war allen bewußt, dass der Sieger dieses Matches beste Chancen haben würde, sich für die Endrunde der Sieger aller Jugendbundesliga-Staffeln zu qualifizieren. Aufgrund von Aufstellungsproblemen auf Seiten der Hamburger gingen die Delmestädter als klarer DWZ-Favorit in den Kampf, aber schnell deutete sich an, dass es ein knappes Ergebnis werden würde.

An Brett 2 hatte Andreas Vinke sicherlich mehr erwartet als ein recht trockenes Weißremis gegen Malin Klawonn, aber noch gab es genug Chancen, das Match zu gewinnen. Den ersten Rückschlag mußte der DSK an Brett drei einstecken, wo Daniel Margraf nach bislang überragender Saison ausgerechnet in der wichtigsten Partie des Jahres in einem Königsinder klar überspielt wurde. Allerdings schaffte Malte Meyer am vierten Brett bald den Ausgleich gegen Carsten Patjens. Mit einem Schwarzsieg gegen Steve Berger brachte Bernd Korsus den DSK am Spitzenbrett zum ersten Mal in Front. In einem Endspiel mit Springer gegen Läufer zeigte Bernd die bessere Technik der ELO- und DWZ-stärkste Spieler beider Mannschaften, und hievte sein Score auf über 50%. Als nächster beendete Anton Janzen an Brett 5 seine Partie. Er hatte eine Qualität gegen zwei Bauern, sah aber keine Möglichkeit, Fortschritte zu machen und begnügte sich mit der Punkteteilung.

Somit lastete die Verantwortung auf Gerhard Riewe, der gegen Oliver Frackowiak ein Endspiel mit einem Minusbauern verteidigen mußte. Gerhard kämpfte sechs Stunden lang, wurde aber nicht dafür belohnt und mußte schließlich seinem Gegner zum Sieg gratulieren. Aus Delmenhorster Sicht war es natürlich bedauerlich, die nominellen Vorteile nicht umgesetzt zu haben, aber verloren war mit dem Unentschieden noch nichts.

Die Situation stellte sich jetzt so dar, dass sowohl der DSK als auch der HSK am Ende der Saison voraussichtlich 17:1 Mannschaftspunkte haben werden und die Brettpunkte entscheiden müssen. Deshalb kam es auch gegen die nominell schwächeren Mannschaften Schachelschweine Hamburg und SF Achim darauf an, möglichst wenig halbe oder gar ganze Punkte abzugeben.

Gegen die Schachelschweine gelang dieses Vorhaben nur teilweise. Nach einem kampflosen Sieg von Daniel Margraf gewannen Andreas Vinke, Malte Meyer und Tobias Sturm mit Schwarz sowie Andreas Schneider mit Weiß ihre Partien klar. Einzig Eike Schwede stellte an Brett 6 bei seinem ersten Saisoneinsatz mit drei Mehrbauern eine Figur ein und stand danach auf Verlust. Allerdings bekleckerte sich auch seine Gegnerin bei der Verwertung ihres Vorteils nicht gerade mit Ruhm und entließ Eike ins Remis. In der kuriosen Schlußstellung spielte Eike mit König gegen König und Dame von Schwarz (!), die drei verbundenen weißen Freibauern gestalteten die Stellung aber in der Tat unklar.

Gegen die Schachfreunde Achim erfüllten die Delmestädter die Vorgabe ihres Mannschaftsführers Gerhard Riewe aber vollkommen und verbuchten einen klaren 6:0-Sieg. Andreas Vinke, Malte Meyer, Anton Janzen, Tobias Sturm und Gerhard Riewe gewannen erneut problemlos, nur an Brett 2 war das Geschehen lange unklar. Frithjof Fehsenfeld, der schon vorher in der JBLN für Furore gesorgt hatte, brachte Daniel Margraf in Bedrängnis, doch nach einem verfrühten Opfer konnte Daniel den weißen Angriff schließlich abschlagen und das 6:0 sicher stellen. Wie sagte doch der Vater des Geschlagenen: »Schach ist schon ein schweres Spiel.«

Da der Hamburger SK gegen den SK Johanneum Eppendorf zwar klar mit 5:1 gewann, gegen Königsspringer Hamburg jedoch nur ein knappes 3,5:2,5 verbuchen konnte, hat der DSK vor den letzten beiden Mannschaftskämpfen einen Vorsprung von einem Brettpunkt. Zudem erscheint das Restprogramm deutlich leichter; während der HSK noch gegen den PSC Hannover und Meerbauer Kiel anzutreten hat, warten auf die Delmenhorster der SK Johanneum Eppendorf und zum Saisonfinale der Aufsteiger aus Stadthagen.