Bericht über das 10. Diemer Memoriam

von Jürgen Tönjes

»Datum est omen« könnte man in Abwandlung eines bekannten lateinischen Ausspruchs in Bezug auf das in diesem Jahr ausgerichtete BDG-Thematurnier (BDG = Blackmar-Diemer-Gambit) feststellen. Dies war aber nur eine von mehreren Auffälligkeiten. Bereits im Vorfeld hatte es eine ganze Reihe organisatorischer Veränderungen gegeben.

Zunächst wurde das Turnier nicht wie sonst üblich in der Gaststätte »Rebstock« in Fußbach bei Gengenbach ausgerichtet sondern in der Festhalle in Umkirch etwa 7 km von Freiburg im Breisgau entfernt. Auch nicht wie sonst üblich an einem Wochenende im Wonnemonat Mai oder im Juni mit Turnierbeginn am Vormittag um 9:30 bzw. 10:00 Uhr, sondern dieses Mal am Ostermontag dem 24. April um 14:30 Uhr nachmittags. Was war im einzelnen passiert und was waren die Gründe für diese gravierenden Änderungen?

Karl Heinz Saffran, dem 1. Vorsitzenden des SC Umkirch, war es gelungen den Zuschlag für Ausrichtung und Turnierorganisation des 73. Badischen Schachkongresses im Jahr 2000 zu bekommen. Für den SC Umkirch hatte Emil Joseph Diemer, nachdem seine lebenslange Sperre beim Deutschen Schachbund 1971 nach 18 Jahren durch massiven persönlichen Einsatz des damaligen 1. Vorsitzenden des SC Umkirch, Uwe Stapelfeldt, aufgehoben wurde, 15 Jahre kontinuierlich bis 1985 in der 1. Mannschaft an Brett 1 mit großem Erfolg gespielt. Somit war Diemer maßgeblich an deren Aufstiegen und Erfolgen beteiligt. Zur Würdigung Diemers und seiner Verdienste für den SC Umkirch wollte SF Saffran nunmehr das seit 10 Jahren von Volker Drüke organisierte Diemer-Memoriam und BDG-Thematurnier in den 73. Badischen Schachkongreß integrieren.

Stichhaltigen Argumenten soll man sich nicht verschließen und somit wurden diesmal Ort und Zeit für die Turnierdurchführung geändert. Skepsis herrschte allerdings beim Turnierorganisator Volker Drüke und einigen regelmäßigen BDG-Turnierteilnehmern, u.a. auch meiner Wenigkeit, trotzdem vor. Viele Schachspieler sind letztendlich doch Gewohnheitstiere und beäugen jede Änderung erst einmal argwöhnisch. Wie würden die Spielbedingungen sein und würde die Teilnehmerzahl überhaupt für eine Turnierdurchführung ausreichen? Dies waren die dringendsten Fragen. Denn zeitgleich am selben Spielort sollte auch die Offene Badische Blitzmeisterschaft stattfinden, weshalb eine massive Teilnehmerabwanderung zur Blitzmeisterschaft befürchtet wurde. Für die Durchführung eines Kleinturnieres, daß im Laufe der Jahre meist eine Teilnehmerzahl zwischen 5 und 20 hatte und auch schon mal wegen Teilnehmermangel einmal ausfiel durchaus eine bedrohliche Situation. Lediglich SF Saffran meinte im Vorfeld optimistisch, daß sich trotzdem genug Teilnehmer für das BDG-Turnier anmelden würden ...

Für mich selbst stand aber erst einmal die Anreise und die entsprechende zeitliche Koordination auf dem Programm. Glücklicherweise war der Termin für die Bremer Einzelmeisterschaft (14.04. bis 22.04.2000) zufällig zeitlich passend gelegt worden. Ein Tag zwischen Bremer Einzelmeisterschaft und BDG-Turnier sollte und mußte als Verschnaufpause bzw. für die Anreise nach Umkirch ausreichen. Die heimliche Hoffnung durch die Teilnahme an der Bremer Einzelmeisterschaft wieder etwas BDG-Turnierpraxis zu bekommen erfüllte sich für mich allerdings nicht. Alle Gegner, vom nominell zugelosten Schwächsten bis hin zum Startranglistenersten im Kandidatenturnier (Rolf Hundack, DWZ 2157), wichen, wenn sie Schwarz hatten, meinem Ansinnen ein BDG auf's Brett zu bekommen, konsequent frühzeitig aus. Somit sollte und mußte vor Ort wieder einmal die Improvisation und das im Laufe der Jahre angeeignete Halbwissen die Entscheidung über eine Plazierung bringen.

Die von mir gewählte Anreise mit der Eisenbahn am Turniertag selbst war zwar bzgl. Bequemlichkeit und Kostenersparnis bei der Übernachtung von Vorteil, hatte aber den Nachteil, daß keine rechtzeitige Sondierung der verkehrstechnischen Verhältnisse und der Örtlichkeiten am Reiseziel erfolgen konnte. So ist Umkirch zwar nur 7 km von Freiburg im Breisgau entfernt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von dort aber erstaunlich schlecht zu erreichen. Besonders schlecht sogar am Ostermontag. Nachdem dann noch etwas Zeit für Nichtigkeiten von mir verplempert wurde, half zuletzt nur noch die versnobte »Graf Koks-Methode« um rechtzeitig vor Meldeschluß am Spielort zu sein: Taxi ordern, Höchstpreise für die Fahrt zahlen und dekadent auf dem Parkplatz der Festhalle Umkirch absetzen lassen. Dieses Szenario verfolgte mein alter Schachfreund Volker Drüke, bevor er mich begrüßte, etwas kopfschüttelnd.

Nach der Begrüßung stand die Anmeldung und Sichtung der Turnierörtlichkeiten an. Das Startgeld war mit 10 DM wie die Jahre zuvor auch diesmal wiederum sehr moderat. Für die Verpflegung war neben der Festhalle ein Großzelt aufgebaut worden, wo neben Bier, Wein und nichtalkoholischen Getränken Kuchen und kleine Imbisse wie Salate, Fritten, Schnitzel, Bratwurst usw. für das leibliche Wohl jederzeit vor und während der Turniere zu einigermaßen zivilen Preisen erstanden werden konnten. Als Spielraum für das BDG-Turnier war von SF Saffran zunächst der Internetkeller der Festhalle angedacht worden, in dem sonst der SC Umkirch auch seine Spielabende und Mannschaftskämpfe abhält. Die Offene Badische Blitzmeisterschaft dagegen sollte im Festsaal der Halle stattfinden.

»So! BDG-Spieler sind also schachliche Kellerkinder?«

Spannende Frage für mich war natürlich auch, ob es auch diesmal gelingen würde wie im Vorjahr »Primus inter pares« zu werden. Tatsächlich war es mir im letzten Jahr als einziger teilnehmender Nordstaatler gelungen das Rudel Südstaatler aus Baden und der Pfalz abzuhängen und aufgrund der verfeinerten Buchholzzahl unter 19 Teilnehmern vor dem harnäckigsten Konkurrenten Tido Totzke (Hornberg/Baden) den ersten Platz zu belegen. Ein Blick auf die Meldeliste zeigte aber bald, daß es diesmal aller Wahrscheinlichkeit nach kein erster Platz werden würde. SF Totzke war zwar auch anwesend, aber doch unschlüssig und wanderte schließlich zur Offenen Badischen Blitzmeisterschaft ab. Allerdings war aus der grauen Masse und Riege der unbekannten Schachspieler der Pforzheimer Stefan Schork (DWZ 2190) aufgetaucht. Dieser Jungakteur hatte in Schlußrunde 7 beim 6. Hohenloher Open 1999 in Forchtenberg mit etwas Pech eine gut angelegte BDG-Partie (da war mehr für ihn drin) gegen das aufstrebende Jungtalent FM Fabian Döttling (2375) verloren; FM Döttling wurde daraufhin Zweiter. Ebenfalls wieder anwesend waren die Veteranen Helmut Kaufmann (Elo 2080) und Diemers Biograph und zu seinen Lebzeiten engster Schachfreund Georg Studier, die mit ihrer langjährigen Erfahrung und umfassenden BDG-Kenntnis immer eine Gefahr darstellen. Daneben hatte sich noch eine erkleckliche Anzahl mir unbekannter jugendlicher Spieler angemeldet, wo man oftmals bzgl. Spielstärkeeinschätzung auch nicht weiß woran man ist. Der Hai im Raubfischbecken fand sich allerdings erst nach einigem Zögern durch sanfte 'objektive' Überredungskunst durch Turnierleiter Drüke ein:

»Welches Turnier spiele ich denn jetzt bloß mit?« - »Das BDG-Turnier natürlich!«

Tatsächlich entschloß sich der langjährige Bundesligaakteur FM Christof Herbrechtsmeier (Elo 2297) zur Teilnahme am BDG-Turnier. Das beunruhigende Moment war jetzt nicht die Teilnahme eines FM (auch die können gegen das BDG verlieren und damit in die Pfanne gehauen werden). Panik löste bei mir eher die Tatsache aus als durchsickerte, daß er das BDG bis zum Erreichen der Bundesligaebenen (1.+2.) in den badischen Schachligen auf Landesebene selbst längere Zeit öfters angewendet hatte (Widerlich, dann kennt er es auch noch in und auswendig!). Womit die Aufgabenstellung zum Turniersieg für das übrige Teilnehmerfeld klar war. Überhaupt behielt der Turnierorganisator Saffran bezüglich seiner Prognose über die Teilnehmerzahl Recht. »Datum est omen« traf dahingehend zu, daß sich insgesamt 24 Schachspieler aus 4 verschiedenen Landesverbänden des DSB (Turnierleiter mitberücksichtigt) am 24. Tag des 4. Monats im Jahr 2000 für das BDG-Thematurnier anmeldeten. Seit Durchführung der BDG-Thematurniere ein Teilnehmerrekord! Zum Vergleich: 1999 nahmen 19 Teilnehmer teil und beim 1. Diemer memoriam 1991 waren es 23 Teilnehmer und in den Jahren dazwischen wesentlich weniger Teilnehmer. Insbesondere Volker Drüke als langjähriger Organisator und Turnierleiter war hiervon hellauf begeistert.

Der Turnierbeginn verzögerte sich allerdings noch etwas durch das Warten auf verspätete aber angekündigte Teilnehmer und der Tatsache, daß im etwas düsteren und kühlen Internetkeller noch Bretter und Uhren aufgebaut werden mußten. Inzwischen war aber offenkundig geworden, daß das Teilnehmerfeld bei der Blitzmeisterschaft wesentlich kleiner als kalkuliert sein würde. Flugs intervenierte FM Herbrechtsmeier beim Turnierorgansisator des Badischen Schachkongreßes Saffran und der gesamte BDG-Turniertroß nistete sich nunmehr auf dem gähnend leeren Bühnenpodest im Festsaal ein. Dort befanden sich riesige Tische und bequeme Armlehnenstühle nebst Bundesligaholzbrettern und -figuren, während die Teilnehmer an der Badischen Blitzmeisterschaft im restlichen Festsaal dicht gedrängt an Massentischen und Standardbrettern spielten.

»Na bitte, BDG-Akteure sind also doch Schachspieler de Luxe!«

Etwa zeitgleich starteten dann Badische Blitzmeisterschaft und BDG-Turnier. Der eigene Start zeigte dann auch gleich, daß ein Turniersieg definitiv ausgeschlossen war und das Minimalziel nicht Letzter zu werden und möglichst über 50% zu holen realistischer war. Nach einem leichten Sieg in Runde 1 gelang es in Runde 2 nicht SF Schnepel niederzukämpfen. Dieser war verspätet eingetroffen, mußte die vom TL Drüke in Runde 1 produzierte Niederlage übernehmen, bevor Drüke zu dessen Gunsten vom Turnier zurücktrat und sich ganz der Turnierleitung widmete. Dafür spielte SF Schnepel aber in seiner Einstandspartie gegen mich und im weiteren Turnierverlauf überraschend hartnäckig auf. Bei Minusbauer mit Weiß und remisiger Stellung (ungleichfarbige Läufer) war die von Schnepel angebotene Punkteteilung noch fair und großzügig, da die Restbedenkzeit für ihn günstiger war (ca. 1 min/2 min). In Runde 3 setzte es dann auch bereits die erste Niederlage. Nachdem ich mit Weiß nicht in der Lage war eine in Eröffnung und Mittelspiel zunächst materiell und positionell ausgeglichene Stellung bis ins Endspiel zu halten schlachtete mein Gegner seine sich vergrößernden strategischen Vorteile für sich aus. Überhaupt überwogen zum Leidwesen der SF Drüke und Studier im Turnier die Schwarzsiege. Laut Drüke war das Verhältnis etwa 75%:25% zu Gunsten von Schwarz, was die Auswertung im nachhinein ergab. Ebenfalls Mangelware waren furiose Mattangriffe und fulminante Opferkombinationen bzw. taktische Kombinationsstrudel. Das Gros der Partien wurde positionell, durch trockene Technik oder hin und wieder durch den Faktor Zeit und dadurch bedingte Fehler wie z.B. Figureneinsteller entschieden. Nichts desto trotz wurde von allen Teilnehmern verbissen und engagiert um Punkte und Plätze oftmals unter Ausnutzung der vollen Bedenkzeiten gekämpft. Durch teilweise glückliche Schwarzsiege in den Runden 4 und 5 war es mir dann gelungen mich wieder an das vordere Feld heranzukämpfen. In Runde 6 wurde diese gute Ausgangsposition auf einen Preisgeldrang allerdings stante pede von mir zunichte gemacht. Es bleibt Schachmuse Caissas Geheimnis welche stechende Hafersorte sie verwendete, die dazu animierte mit Weiß den Ryder-Angriff zu spielen. Nach der Annahme des Doppelbauernopfers durch den Gegner wurden die eigenen Möglichkeiten in einer riskanten Stellung von mir noch völlig überschätzt, was dann zusätzlich ersatzlos eine Figur kostete. Die Fortsetzung der Partie in der Hoffnung auf Schwindeloptionen brachte meinen Gegner zwar zeitlich noch in Bedrängnis, gerechterweise fiel aber meine Zeit bei gegnerischer Restzeit von ca. 30 Sek. und haushoher Materialüberlegenheit zuerst. Ein schneller Weißsieg in Runde 7 rundete mein Ergebnis für Punktebilanz und Plazierung ins obere Tabellendrittel auf, mit den Preisgeldrängen hatte es aber nichts mehr zu tun. Etwas bedauerlich, da es diesmal neben den üblichen gestifteten Geldpreisen noch recht dekorative Pokale und Urkunden für den 1. bis 3. Platz gab.Überlegener Turniersieger wurde FM Christof Herbrechtsmeier mit 100% (!!) Punktausbeute. Gemäß der bekannten Croupieransage in den Spielcasinos hieß es für die Gegner die gegen ihn anzutreten hatten: »Rien ne va plus«. Weiße Angriffsversuche blieben gegen ihn stecken oder scheiterten, wonach die bessere Endspieltechnik und der schwarze Mehrbauer dominierten. Schwarze Verteidigungen gegen ihn wurden entweder aufgeknackt oder mittels strategisch positioneller Technik wertete er kleinere gegnerische Ungenauigkeiten im Mittel- oder Endspiel zu seinen Gunsten für sich aus. Gemäß meiner Erwartung und Einschätzung bei Turnierbeginn landete SF Stefan Schork verdientermaßen auf Platz 2. Neben FM Christof Herbrechtsmeier spielte er die gehaltvollsten und saubersten BDG-Partien im Turnier. Für Platz 3 kam schon ein wenig, wie für fast alle nachfolgenden Plazierungen auch, das »Gießkannenprinzip« zum Tragen, wo die Buchholzzahl mitentscheidend für die Plazierung war. Dieses entschied dann zu Gunsten von SF Frank Drill.Gegen 22:30 Uhr, etwa eine Stunde später als die Badische Blitzmeisterschaft, endete dann das 10. Diemer Memoriam. Die anschließende Siegerehrung wurde dann möglichst kurz gehalten, da die überwiegende Zahl der Teilnehmer, denen man die Strapazen des Turnieres deutlich anmerkte, vorrangig den Wunsch hatten möglichst schnell nach Hause zu kommen.

Nachfolgend die

Tabelle mit dem Turnierendstand:
Pl. Name, Vorname Ort/Verein Pkt. Bh
1. Herbrechtsmeier, C. Zähringen 7,0
2. Schork, Stefan Pforzheim 5,5
3. Drill, Frank Hattersheim 5,0 31,0
4. Golf, Eckehardt Lampertheim 5,0 24,0
5. Wehner, Roland Pforzheim 4,5 31,0
6. Sentef, Nikolaus Rastatt 4,5 30,5
7. Tönjes, Jürgen Bremen 4,5 19,0
8. Forster, Manfred Singen 4,0 31,0
9. Farkas, Lorenz Rastatt 4,0 27,0
10. Zipfel, Matthias Dreisamtal 4,0 20,0
11. Schnepel, Thomas Pforzheim 3,5 31,0
12. Studier, Georg Freiburg 3,5 24,5
13. Kaufmann, Helmut Emmendingen 3,5 21,5
14. Bartle, Georg Donaueschingen 3,0 28,5
15. Bergen, Dietmar Freiburg 3,0 28,0
16. Deigner, Freddy Freiburg 3,0 22,0
17. von Roth, Mattias Lauchingen 3,0 21,5
18. Meizinger, Matthias Jöhlingen 3,0 17,5
19. Granson, Alexander Donaueschingen 3,0 15,5
20. Felber, Michael Freiburg 2,5
21. Trost, Gundolph Freiburg 2,0 20,5
22. Steiert, Roland Umkirch 2,0 17,0
23. *Huber, Michael Pforzheim 1,0
24. Mochizuki, Koichi Japan 0,0

* = stiller Rücktritt nach der 4. Runde

Turnierleitung: Volker Drüke, Ludwigshafen

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an alle Schachfreunde, die die Durchführung dieses Turniers durch Spenden für den Preisgeldfonds und durch ihren persönlichen Arbeitseinsatz ermöglicht haben. Insbesondere sind hier Karl Heinz Saffran und Volker Drüke zu nennen. Es freute mich von ihm zu hören, daß auch im nächsten Jahr, sofern nichts gravierendes dazwischen kommt, wieder ein BDG-Turnier stattfinden soll. Dann allerdings wieder wie sonst auch ab 10:00 Uhr vormittags im Gasthaus Rebstock in Gengenbach-Fußbach. Der Termin, ein Samstag, wird dann noch rechtzeitig bekanntgegeben.

Für potentiell interessierte Schachfreunde nachfolgend einige Details zu den Spielbedingungen:

Im Regelfall werden 7 Runden CH-System mit 30 min Bedenkzeit/Partie und Spieler gespielt. Startgeld war bisher immer 10 DM. Schreibpflicht besteht nicht. Pflicht sind die Züge

1.d4 d5 2.e4 dxe4 3.Sc3 Sf6 4.f3

Danach kann Schwarz frei wählen was er spielen möchte. Falls 4...exf3 folgt, wohlgemerkt darf Schwarz aber auch etwas anderes wählen, spielt Weiß meist (verpflichtet ist er ab dem 5. Zug zu nichts mehr) das heutzutage übliche a) 5 Sxf3 oder leitet mit b) 5 Dxf3 den Ryder-Angriff ein, der heutzutage etwas außer Gebrauch gekommen ist. Dieser bietet Schwarz die Möglichkeit an, mittels 5...Dxd4 einen zweiten Gambitbauern zu gewinnen oder sich mit dem einen Mehrbauern zufrieden zu geben. Hierzu als Beispiel die Stammpartie zum Ryder-Angriff, wie sie im »Bilguer« veröffentlicht wurde. Sie wurde 1899 in der Leipziger Augustea gespielt: 1.d4 d5 2.e4 dxe4 3.Sc3 Sf6 4.f3 exf3 5.Dxf3 Dxd4 6.Le3 Dg4 7.Df2 Db4 8.0-0-0 Sg4 9.Sd5! Da5 10.Lb5+ c6 11.Lb6 und der »Bilguer« brach mit dem Hinweis +- ab, was so eindeutig und einfach wiederum auch nicht ist. Prüfen Sie ruhig einmal selbst. Diemer wollte sich damit nicht zufrieden geben und fand, nachdem er sich die Stellung x-mal durch den Kopf gehen ließ, am 22.06.1948 in Scheidegg im Allgäu den eindeutigen zwingenden Gewinn im 10. Zug aus der Diagrammstellung heraus. Was hat er wohl gefunden?

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t s l . k l . t
b b b . b b b b
. . . . . . . .
d . . S . . . .
. . . . . . s .
. . . . L . . .
B B B . . D B B
. . K T . L S T

Wem das Turnier alleine für die zugegeben weite Anreise nicht ausreichen sollte, der kann auf eigene Faust in der malerischen Schwarzwaldumgebung einige Sachen entdecken. Im ca. 15 km von Gengenbach-Fußbach entfernten Triberg befindet sich z.B. die weltgrößte Kuckuksuhr und Deutschlands größter Wasserfall, außerdem das Haus Bogoljubow (GM Bogoljubow hatte in Triberg seinen Wohnsitz) und im ca. 5 km von Fußbach entfernten Gengenbach hat, für politisch interessierte Schachfreunde passend, der Ex-Innenminister Wolfgang Schäuble seinen Privatwohnsitz.

Zu guter Letzt erwähnt der Schweizer FM Hans Karl in RE 06/2000 auf S.35 in seinem Turnierbericht noch Muggensturm als Diemers ehemaligen Wohnsitz. Tatsächlich hat Diemer dort vor Einlieferung ins Krankenhaus Emmendingen und anschließend Kreispflegeheim Fußbach gewohnt, was aber schon einige Zeit her ist. Bremer Schachspielern ist dieser badische Ort vielleicht noch aus anderem Grund ein Begriff: Die ehemalige Bundesligaakteurin für den SV Werder Bremen WGM Ketino Kachiani-Gersinska wohnt mit ihrem Ehemann dort!