Lilienthal: Neueinsteiger wird Kreismeister

von Jürgen Tönjes

Am 13.05.2000 fand nunmehr zum 14. Mal die als Schnellschachturnier von den Schachfreunden Lilienthal ausgerichtete Kreismeisterschaft des Landkreis Osterholz statt. Wie zum 10. Diemer-Memoriam (vgl. S.6) konnte man auch hier für die Teilnehmerzahl den Küchenlateinspruch »datum est omen« anwenden. Genau 13 Teilnehmer aus 5 verschiedenen Schachvereinen spielten an einem 13. Monatstag im 5. Monat des Jahres 2000 um Ehre und Titel.

Geldpreise gab es wie die Jahre zuvor auch dieses Mal nicht. Das auf den ersten Blick etwas hohe Startgeld wurde wieder komplett für die Verpflegung aller Turnierteilnehmer, d.h. jeder Spieler erhielt ein Mittagessen, aufgewendet. Dies hat vielleicht zu der insgesamt entspannten Turnieratmosphäre beigetragen, da Geldpreise zwar eventuell die Teilnehmerzahl merklich steigern, aber auch für größere Verbissenheit insgesamt sorgen und eventuell dann für ärgerliche Streitfälle Anlaß geben. Ohne jegliche regeltechnische Streitfälle oder sonstigen Ärger verlief das Turnier ausgesprochen harmonisch. Lediglich die etwas betagte »Auslosungsweichware« für den zur Verfügung stehenden ATARI-Computer entwickelte bei der Farbzulosung eine gewisse Eigendynamik. Dies sorgte hin und wieder für leichte Verwirrung bei den Teilnehmer und dem Turnierleiter, wurde aber nie als Anlaß zum Protest wahrgenommen und spielte für das Endergebnis auch keine größere Rolle.

Das Teilnehmerfeld hatte sich, obwohl anzahlmäßig im Vergleich zum Vorjahr (1999: 14 Teilnehmer) fast identisch, stark geändert. So waren von den Vorjahresakteuren lediglich Alfred Krell (SF Lilienthal), Ulf Wokittel (Tostedt/SF Lilienthal), Ulrich Krause (SK Bremen-Nord) und Lothar Cordes (SF Lilienthal) dabei. Die übrigen Anwesenden waren Neueinsteiger, die die Abwanderung bekannter Gesichter ausglichen. Am markantesten machte sich das Fehlen vom Vorjahressieger und mehrfachen Titelgewinner Helmut Lange + Ehefrau bemerkbar (beide vom SK Bremen-Nord), der leider kurzfristig wegen einer Familienfeier absagte. Ebenso fehlten diesmal jegliche Akteure von den SF Osterholz-Scharmbeck. Dies glich sich allerdings durch die Spieler aus, die der SK Schwanewede erfreulicherweise entsandt hatte. Im Gegensatz zu den Vorjahren 1998 und 1999, wo kein einziger Schwaneweder Akteur teilnahm, stellten die Schwaneweder mit 6 Spieler nunmehr das größte an der diesjährigen Kreismeisterschaft teilnehmende Kontingent aller Schachvereine. Das erste Mal war, soweit ich mich erinnere, mit Peter Pautz (Wohnsitz im LK Osterholz) auch ein Spieler vom SV Werder Bremen dabei.

Die spannende Frage die durch die Abwesenheit von Helmut Lange aufkam, war natürlich wer die besten Chancen hätte die diesjährige Kreismeisterschaft zu gewinnen. Die Ratingfavoriten Peter Pautz (2069), Ulf Wokittel (2022, (der ewige Vize)) oder Thomas Müller (1999)? Ebenso bestand natürlich die Möglichkeit, daß ein Teilnehmer aus der zweiten Reihe wie z.B. Ulrich Krause, Lothar Cordes oder Mirel Ioan zuschlagen würde. Aber auch die Möglichkeit, daß irgend ein Spieler aus den Reihen des SK Schwanewede über sich hinauswachsen könnte, bestand. Kurz: Ein relativ offenes und spannendes Turnier stand bevor.

Die Partien waren dann auch bei durchweg fast allen Spielern durch großen Kampfgeist und Enthusiasmus gekennzeichnet und endeten selten mit einem Schieberremis. Daß die maximal mögliche Bedenkzeit von 1h für eine Partie und Runde in den ersten 5 Runden von der Mehrzahl der Akteure voll ausgeschöpft wurde, zeigte ebenfalls, daß nichts verschenkt werden sollte. Lediglich die Runden 6 und 7 waren bereits nach ca. 45 min beendet, was vielleicht auf Ermüdungserscheinungen der Teilnehmer schließen ließ. Erschwerend kam sicherlich auch die ganze Zeit über das hochsommerliche Wetter mit Außentemperaturen von ca. 25°C hinzu, was den Schachraum entsprechend aufwärmte und den grauen Zellen der Akteure zu schaffen machte.

Bis zur Mittagspause nach der 3. Runde war dann auch nur Peter Pautz ohne Punktverlust geblieben, gefolgt von einer Anzahl Spielern mit 2 Pkt./ 3 Partien. Nach der Mittagspause folgte in Runde 4 der Showdown der keiner war: Die Ratingfavoriten Ulf Wokittel und Peter Pautz trafen aufeinander und trennten sich nach ausgekämpfter Partie remis, so daß die Vorentscheidung um die Kreismeisterschaft vertagt wurde. Nach Runde 5 hatte sich das Verfolgerfeld allerdings schon merklich gelichtet. Lediglich Mirel Ioan und Jago Matticzk waren dem führenden Peter Pautz noch auf den Fersen. Im direkten Duell behielt Jago Matticzk gegen Mirel Ioan in Runde 6 allerdings die Oberhand und reduzierte das ganze Geschehen auf einen indirekten Zweikampf, da er in Runde 3 bereits gegen Peter Pautz den Kürzeren gezogen hatte. Runde 7 versprach also noch einmal Spannung, da Peter Pautz gegen Thomas Müller unbedingt gewinnen mußte um den Titel ganz sicher zu haben. Ebenso mußte Jago Matticzk gegen Mirel Ioan gewinnen um sich mit einem halben Punkt weniger noch Hoffnung auf den Titel machen zu können. Beide Titelaspiranten lösten die ihnen vom Auslosungsprogramm gestellte Aufgabe und somit gab es nach 7 Runden folgenden Tabellenendstand:

Pl. Name At. Verein Pkt. Bh I Bh II
1. Peter Pautz Werder Bremen 6,5 25,0 182,0
2. Jago Matticzk SK Schwanewede 6,0 24,5 184,0
3. Ulf Wokittel MTV Tostedt 4,5 27,5 175,5
4. Ulrich Krause SK Bremen-Nord 4,5 21,5 178,0
5. Mirel Ioan SF Lilienthal 4,0 28,0 158,0
6. Thomas Müller SF Lilienthal 4,0 27,5 168,5
7. Max Eisenblätter J SK Schwanewede 3,5 24,5 134,5
8. Lothar Cordes SF Lilienthal 3,5 19,0 134,5
9. Karsten Kreis SK Schwanewede 3,0 21,5 140,5
10. Jörn Poveleit J SK Schwanewede 3,0 20,0 143,5
11. Tim Bade SK Schwanewede 2,5 20,5 143,5
12. Alfred Krell SF Lilienthal 2,0 28,5 147,5
13. Hartmut Ficken SK Schwanewede 2,0 23,0 130,0

Neuer Kreismeister 2000 des Landkreis Osterholz ist somit Peter Pautz vom SV Werder Bremen, der sich mit 6,5 Punkte souverän durchsetzte und lediglich einen halben Punkt abgab. Hochverdienter Kreisvizemeister ist Jago Matticzk vom SK Schwanewede der mit 6,0 Punkte lediglich gegen den Kreismeister einen Punkt abgeben mußte und ansonsten konsequent nominell schwächere als auch nominell stärkere Gegner wie z.B. Ulf Wokittel, Thomas Müller und Mirel Ioan niederkämpfte.

Kreisjugendmeister wurde mit 3,5 Punkte Max Eisenblätter vom SK Schwanewede vor seinem Vereinskollegen Jörn Poveleit mit 3,0 Punkte. Diese Disziplin war allerdings weniger spannend, da insgesamt nur zwei Jugendliche bei dieser Meisterschaft angetreten waren.

Aber auch die Leistung aller übrigen Teilnehmer mit weniger Punkten ist zu würdigen, da manchmal trotz guten Spieles letztendlich der Segen der Schachmuse einfach fehlte und die Punktebilanz schlecht aussehen ließ.

Hierzu zwei für die Plazierung entscheidende Beispiele:

  1. So stand in Runde 5 z. B. Kreismeister Pautz gegen den Vorletzten Alfred Krell bis in die tiefste Bauernendspielphase klar auf Verlust und verdankte den vollen Punkt letztendlich einer groben Ungenauigkeit von Alfred Krell in der späten Schlußphase der Partie.
  2. Auch der spätere Turnierdritte Ulf Wokittel fühlte sich in Runde 7 ausgebrannt und ratlos gegen Alfred Krell und griff prompt zum Blackmar-Diemer Gambit. Dies überraschte sogar den Artikelschreiber, der sich wegen miserabler schachlicher Verfassung ganz der Turnierleitung widmete und nicht als Akteur ins Turniergeschehen eingriff. Dieser erwartete eigentlich überhaupt nicht und schon gar nicht aus dieser Ecke ein BDG. Der erwünschte Effekt (Figureneinsteller) stellte sich beim Gegner ein, so daß auch hier der Punkt eher glücklich verbucht wurde.

Für den harmonischen Ausklang des Turniers sorgte dann die durch den Organisator und 1. Vorsitzenden Erhard Förster gegen 17:15 Uhr vorgenommene Siegerehrung.

Auch für das Jahr 2001 ist die Ausrichtung der Kreismeisterschaft durch die Schachfreunde Lilienthal geplant. Alle spielberechtigten Akteure

  1. Mitglied eines Schachvereines im Landkreis Osterholz o d e r
  2. mit Wohnsitz im Landkreis Osterholz

sind dazu recht herzlich eingeladen. Ansonsten hoffen die Schachfreunde Lilienthal, daß es allen Akteuren die dieses Jahr teilgenommen haben gefallen hat und sie nächstes Jahr wieder dabei sind.