Der englische Schachmeister Howard Staunton

Staunton, Howard, großer englischer Meister des 19.Jahrhunderts. geb. 1810. gest. 1874. Galt zwischen 1843 und 1851 als stärkster Spieler der Welt, beruflich Schachjournalist aber auch bedeutender Shakespeareforscher.

Geboren als unehelicher Sohn des Grafen von Carlisle, wuchs er arm und ungebildet auf. Das Schachspiel erlernte er erst mit 19 Jahren. Nach Wettkampfsiegen gegen Popert und Cochrane 1841 bzw. 1842 galt er als führender Spieler in England. Im Jahre 1843, unterlag Staunton zunächst gegen den stärksten Meister Frankreichs St.-Amant, besiegte ihn aber im Rückkampf im selben Jahr. 1846 folgten Siege gegen Harrwitz und Horwitz und festigten seinen Ruf als stärksten Meister der Welt. 1841 gründete er die erste englische Schachzeitung, »The Chess Player Chronicle«, als deren Herausgeber er fungierte. Sein positiver Einfluß auf das Schach in England und auf das Turnierschach ist allgemein unbestritten. Ständig gab er neue Anstöße, Ideen, die großenteils verwirklicht wurden: zur Organisation von Turnieren, zur Vereinheitlichung der Spielregeln und zur Einführung der eingeschränkten Bedenkzeit. Staunton gebührt das Verdienst der Veranstaltung des ersten internationalen Schachturniers der neuen Geschichte. London 1851. Die gesamte Organisation, der Preisfonds und die Durchführung wären undenkbar gewesen ohne Staunton. Er ging als klarer Favorit ins Turnier, doch es siegte überraschend der Deutsche Anderssen. Schließlich verlor er 1853 einen Wettkampf gegen von der Lasa, +4, -5, =3. Danach verbot ihm seine Eitelkeit, weiter am internationalen Schach teilzunehmen. Als Morphy nach Europa kam, forderte ihn dieser zum Wettkampf, dem er aber auswich. Als er merkte, dass er seine selbst gesetzte Krone nicht verteidigen konnte, verkaufte er seinen »Chess Players Chronicle« und wandte sich endgültig seinen Shakespeare-Studien zu.

Staunton-Gambit, Variante der holländischen Verteidigung: 1.d2-d4 f7-f5, 2.e2-e4. Wurde zuerst von Staunton gegen Horwitz gespielt. Das Opfer eines Zentrurnsbauern ist durch die Schwächung des schwarzen Königsflügel motiviert. 2...fxe4 (...d6 -> Balogh-Verteidigung), 3.Sc3 Sf6 (...d5??, 4.Dh5+ nebst Dxd5), und nun

I. 4.f3. Das ist ein echtes Bauernopfer; Weiß erhält dafür Raumvorteil und Entwicklungsvorsprung. 4. .. exf3 (interessant ist 4... Sc6, z.B. 5.fxe4 e5, 6.dxe5 Sxe5, 7.Sf3 Ld6!? 8.Sb5! Sxf3, 9.Dxf3 Le5, 10.Lf4 De7!? unklar, so geschehen in Zeise-Meinberger, Fernpartie 1975), 5.Sxf3 g6! 6.Lf4 Lg7, 7.Dd2 0-0, 8.0-0-0 mit Kompensation.
II. 4.Lg5. Weiß behält sich vor, den Bauern e4 zurückzuerobern.
  1. 4...b6 (Nimzowitsch), 5.Lc4 e6 unklar.
  2. 4...g6.h4!? z.B. Lg7 (besser 5...d5 unklar), 6.h5! 5xh5?, 7.Txh5 gxh5, 8.Dxh5+ Kf8, 9.Sd5 Sc6, 10.Lc4 mit starkem Angriff.
  3. 4...Sc6, d5 Se5 6.Dd4 Sf7 unklar.
  4. 4...c6 (plant d5). 5.f3 Da5, 6.Dd2 e5! Eine wichtige Pointe, unklar.
III. 4.g4!? Um den Springer f6 zu verjagen. Von Tartakower 1925 in Baden-Baden gegen Mieses eingeführt. z.B. 4...h6. 5.h4!? d5, 6.Lh3 (plant nun doch 7.g5) unklar.

Stauntonform, Satz Schachfiguren von einer bestimmten Form, sie sind von sehr einfachem Typ. aber gleichwohl gut voneinander zu unterscheiden und billig herzustellen. In Schachturnieren werden sie fast ausschließlich als Spielmaterial verwendet. Stauntonfiguren wurden 1830 von dem Engländer Nathaniel Cook, einem Bekannten Stauntons. hergestellt. 1848 gab man ihnen Stauntons Namen, um sie besser verkaufen zu können.

2000-09-18