Victor Secula gestorben

(*04.11.1912 †04.09.2000)

Eingedenk seines hohen Alters, am 4. November wäre er 88 geworden, starb unser Schachfreund Victor Secula plötzlich und unerwartet nach kurzer Krankheit. Die Schachabteilung des SV Werder Bremen trauert um ein beliebtes, in der Schachwelt allseits bekanntes und geschätztes Mitglied.

Victor stammte aus Essen (Ruhr) und war nach dem Musikstudium mit Staatsexamen für Geige und Klavier (1938) Musiklehrer in Litzmannstadt (heute Lodez). Dort heiratete er 1939 seine erste Frau. Nach dem Frankreich- und Russlandfeldzug als Fähnrich bzw. Oberfähnrich (Funker) durchlitt er von Ende 1943 bis Dezember 1947 die russische Kriegsgefangenschaft, wovon er den jungen Leuten später immer wieder erzählte. Die furchtbare Lagerzeit überlebte er nur durch das Schachspiel! Der Lagerarzt spielte gerne und schlecht, ging bei Victor sozusagen in die Lehre. Indes sorgte dann die Frau des Lagerarztes dafür, dass Victor Weihnachten 1947 nach Hause kam! Sie wollte ihren Mann lieber bei sich als die ganzen Nächte mit dem Deutschen am Schachbrett haben! Während der Gefangenschaft erlernte Victor Russisch in Schrift und Sprache.

Nach dem Kriege scheiterten seine Versuche, in die musikalische Berufswelt zurückzukehren. Die lange Gefangenschaft mit Arbeiten im Steinbruch und am Hochofen hatte das Feingefühl seiner Hände zerstört. Nun lebte er in Hamburg. Im November 1948 kam sein Sohn Rainer zur Welt (wohnt heute in Buchholz). Seine Frau starb 1953, seine zweite Frau heiratete er 1958. Von 1958 bis 1978 war Victor als Versicherungsmathematiker bei der Hamburger »Albingia« tätig. Danach ging er in den Ruhestand und fand seine letzte Heimat in Ganderkesee.

In dem Schachbüchlein »Heinicke / Kunst des Positionsspiels« ist zu lesen: »Secula, zwar kein Meister, aber doch ein kenntnisreicher und starker Spieler, der durch seine Variantenkenntnisse jedem gefährlich werden konnte«. Victors größten Schacherfolge indes liegen nun schon fünfzig Jahre zurück. 1948 trat er dem traditionsreichen Hamburger Schachklub bei und errang im selben Jahr die Klub- und Stadtmeisterschaft. 1954, bei der Hamburger Meisterschaft, unterlag er erst im Stichkampf gegen Meister Ahues. Zusammen mit den internationalen deutschen Meistern Heinicke, Pfeiffer, Ahues u.a. gewann er mit dem HSK die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft 1956 und 1958.

Seine schachliche Heimat, nach dem Wegzug von Hamburg nach Ganderkesee, war zunächst Delmenhorst und schließlich ab 1990 der SV Werder Bremen. Der weite Weg zum Vereinslokal oder auch häufig zur Wohnung des Schreibers dieser Zeilen war für ihn lange kein Hindernis, doch im letzten Jahr machte ihm eine Augenkrankheit schwer zu schaffen.

Victor beteiligte sich nicht nur an den Vereinsturnieren. Sondern auch regelmäßig an den Mannschaftswettkämpfen und Landesmeisterschaften. In den letzten zehn Jahren galt seine große Liebe dem Fern- und Seniorenschach. Trotz hohen Alters stellte er eine maßgebliche Stütze der Bremer Senioren dar. Bei den deutschen Senioreneinzel- und Mannschaftsmeisterschaften spielte er erfolgreich im Team mit Dr. Dornieden, Kasüschke und Heemsoth. Doch nicht nur das Seniorenschach ist durch seinen Tod ärmer geworden. Als profunder Kenner der klassischen Musik, Literatur und der Geschichte des Schachs war dieser quirlige und freundliche Mensch stets auch den Jüngeren ein verständnisvoller und interessanter Gesprächspartner.

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Claus Dieter Meyer