LL-Nord - Auch 2001/2002 mit 11 Teams?

von Ulrich Giese

Bisher unzureichend sind die Erläuterungen des Niedersächsischen Schachverbandes zum Sachstand in der Landesliga Nord. Es wird also zu einem Verfahren in der Hauptsache kommen und wenn Bramsche dieses verliert, werden sämtliche Partien der Bramscher 0:8 gewertet. Klingt einfach, aber was passiert eigentlich, wenn Bramsche gewinnt?

Ärgerlich ist es schon, dass es zur Einstweiligen Verfügung gekommen ist. Ihre Klagebereitschaft hatten die Bramscher schon sehr früh signalisiert. Der Niedersächsische Schachverband muss sich daher die Frage gefallen lassen, warum es ihm nicht im Vorfeld gelungen ist, die jetzige Entwicklung abzuwehren. Bei der letztjährigen Regelung für die Landesliga Nord scheinen den Funktionären darüber hinaus »Fehler« unterlaufen zu sein. Woher sonst könnte Bramsche seinen Anspruch ableiten, weiterhin für die Landesliga Nord ein Startrecht zu besitzen? Und was noch schlimmer wiegt, der Vorgang reichte aus, eine Einstweilige Verfügung zu erwirken.

Es ist also nicht davon auszugehen, dass Bramsche »automatisch« den Prozess verlieren wird. Sollte der umgekehrte Fall eintreten, droht der Landesliga weiteres Ungemach. Zur Erinnerung:

1999/2000 startete die Landesliga Nord mit drei Aufsteigern aus der Verbandsliga West, statt der zulässigen zwei. Dies machte eine Aufstockung der Liga auf 11 Mannschaften notwendig. Unberechtigter Starter war entweder Melle oder Bramsche. Nach Klärung des damaligen Sachverhalts sollte eine dieser Mannschaften Zwangsabsteiger werden. Am Ende der Saison stieg Melle in die Oberliga auf und Bramsche wurde zum Absteiger erklärt. Für die Saison 2000/2001 erwirkte Bramsche per Einstweiliger Verfügung ein Startrecht in der Landesliga Nord ...... und - als Annahme - gewinnt das Verfahren. Wie wird nun aus den elf Mannschaften wieder eine Zehnerliga?

(1) Wenn Bramsche zurecht in der Landesliga spielt, könnte man im Umkehrschluss auf die Idee kommen, dass Melle seinerseits unberechtigterweise in der Landesliga Nord spielte und nun (von der Oberliga) in die Verbandsliga West absteigen müsste, damit eine weitere Mannschaft aus der Landesliga Nord in die Oberliga aufsteigen kann. Aus verschiedenen Gründen ist nicht davon auszugehen, dass dieses geschehen wird.

(2) Bramsche erreicht in der Saison 2000/2001 in der Landesliga Nord einen Nichtabstiegsplatz. Um wieder auf eine Zehnergröße zu kommen, steigt eine zusätzliche Mannschaft aus der Landesliga Nord ab. Hier stellt sich die Frage, ob die zusätzliche Mannschaft dieses akzeptiert. Da sich 1999/2000 eine zusätzliche Mannschaft aus der Verbandsliga West in die Landesliga Nord »einschummelte«, werden sich Mannschaften aus anderen Verbandsligen kaum zum Abstieg bereit erklären. Es ist davon auszugehen, dass sich der Bremer Landesverband hinter einen betroffenen Verbandsverein stellen würde.

(3) Bramsche steigt in der Saison 2000/2001 aus der Landesliga Nord ab. Befindet sich Bramsche auf einem regulären Abstiegplatz, ergeben sich die selben Probleme wie in (2). Sollte Bramsche dagegen auf dem zusätzlichen Abstiegsplatz landen, kämen alle Beteiligten mit einem blauen Auge davon.

(4) Da 1999/2000 die Verbandsliga West von der unklaren Situation in der Landesliga Nord profitierte, muss sie, wie es ursprünglich auch gedacht war, die Lasten der Korrektur tragen. Doch wie soll diese Lösung aussehen? Der beste Nichtabsteiger aus der Landesliga Nord, der der Verbandsliga West angehört, muss zwangsweise absteigen? In der Verbandsliga West gibt es keinen Aufsteiger? Der Aufsteiger und der »Zwangsabsteiger« tragen einen Stichkampf aus?Eins ist sicher; die Lage in die sich der Niedersächsische Schachverband manövriert hat, ist verzwickt. Eine offensichtliche Lösung, wie die Klasse wieder auf zehn Mannschaften reduziert werden kann, bietet sich nicht an. Insofern kann mit einer gewissen Spannung die Entscheidung der Verbände Niedersachsen/Bremen zur Abstiegsfrage erwartet werden. Dies könnte allerdings länger dauern, die Entscheidungsträger könnten sich entschließen den Prozess, in der Annahme Bramsche verliert ihn, abzuwarten. Dann würde in der Landesliga Nord erst mal mit verdeckten Karten gespielt, was manchem Verdruss bereiten würde.

Gelernt haben sollten für die Zukunft alle Beteiligten, dass die Aufstockung einer Liga »mit allen Mitteln« »frühzeitig« zu verhindern ist.

2000-11-09