Jugendbundesliga - Unglückliches Delmenhorster Finish in Neumünster

von Malte Meyer

Durch den souveränen Sieg in der JBLN 1999/2000 hatte sich die Jugendmannschaft des DSK für die Endrunde auf Bundesebene qualifiziert, die vom 26.-30. Dezember 2000 in Neumünster ausgespielt wurde.

Am Morgen des 2. Weihnachtstages machten wir uns also auf den Weg - wir, dass war die letztjährige JBLN-Mannschaft sowie Arnd Lauber und Ulrike Schlüter als Betreuer. Gemäß dem Motto »never change a winning team« hatten wir uns entschlossen, die Aufstellung der letzten Saison beizubehalten. Es spielte also Bernd Korsus vor Andreas Vinke (der inzwischen studiert), Daniel Margraf und Malte Meyer bildeten die Mittelachse, und hinten sollten Tobias Sturm und Gerhard Riewe für Punkte sorgen.

Nach einer problemlosen Anreise erreichten wir Neumünster gegen 15 Uhr und erlebten zunächst eine freudige Überraschung: Die Jugendherberge machte einen hervorragenden Eindruck und hielt auch später alles, was sie versprach. Die drei Mahlzeiten waren perfekt, es gab Tischtennisplatten sowie gemütliche Ecken und die Zimmer waren sehr groß und geräumig.

Um 17 Uhr ging es zur ersten Runde gegen die SG Pang/Rosenheim. An fünf gesetzt, war unser Ziel, unter die ersten Drei zu kommen, auch wenn wir dieses Ziel mit der Hälfte aller Mannschaften teilten. Den Auftakt meisterten wir in jedem Falle souverän. Die Bretter 2-4 remisierten, Bernd und Gerhard gewannen recht klar und Tobias wickelte aus einer für ihn sehr anrüchigen Stellung einfach in ein gewonnenes Leichtfigurenendspiel ab.

Dieser 4,5-1,5-Sieg bescherte uns in Runde aber gleich die an 2 gesetzte Mannschaft von Leipzig-Gohlis, und hier mussten wir den ersten Rückschlag verkraften. Den einzigen Sieg fuhr Bernd am Spitzenbrett ein:

Danach ging nicht mehr viel. Während ich einen leichten Vorteil nicht verwerten konnte, verloren Daniel und Tobias deutlich und nach längerer Gegenwehr auch Gerhard. In einer der letzten noch laufenden Partien mussten wir schließlich auch an Brett zwei eine Niederlage quittieren, denn mit knapper Zeit stellte Andreas in einem remislichen Endspiel seinen Läufer ein. Der Schiedsrichter bestätigte hinterher, dass er die Partie bei einer Reklamation wohl remis gegeben hätte.

Auch die Nachmittagsrunde gegen den SK König-Tegel verlief nicht ganz in unserem Sinne. Nachdem die beiden Spitzenbretter verloren und Gerhard und ich gewonnen hatten, stand es 2:2, wobei wir noch auf den Sieg hoffen durften. Daniel hatte eine leichte bessere Stellung und Tobias eine glatte Qualität mehr. Tobi ließ sich dann aber seine beiden Türme aufspießen und auch Daniel spielte nicht konsequent genug, so dass beide Partien remis endeten.

Grund zum Jubeln hatten wir in der vierten Runde gegen den SC Tamm 74. Bernd überspielte seinen Gegner schon in der Eröffnung, und schnell war klar, dass wir problemlos gewinnen würden. Daniel fuhr seinen ersten Sieg ein, und Tobias gewann eine spektakuläre Partie:

Partie im PGN-Format

Die übrigen drei Partien endeten remis.

Erwähnung verdient das abendliche Blitzturnier, an dem gleich zwei Delmenhorster Mannschaften teilnahmen. DSK 1 (Meyer, Riewe, Sturm, Vinke) schlug dabei standesgemäß DSK 2 (Lauber, Korsus, Gospodinow, Margraf) und sicherte sich den dritten Platz. Besonders Andreas, der nicht unbedingt als Blitzspezialist bekannt ist, spielte wie ein junger Gott und holte 5 Punkte.

In der fünften Runde feierten wir unseren wohl wichtigsten Sieg. Klare Siege konnten dabei Gerhard und ich verbuchen:

Partie im PGN-Format

Partie im PGN-Format

Die zum Ende des Turniers intensivierte Vorbereitungsarbeit mit Arnd schien sich auszuzahlen. Auch Bernd stand gut, und Daniel schien gar die Partie seines Lebens zu spielen. Nachdem korrekten Remis von Tobias verlor Bernd allerdings doch, und Daniel verpasste einen einfachen Gewinn.

So lag die Last der Verantwortung beim Stand von 3:2 auf Andreas' Schultern. Nach eigenen Angeben hatte er seit 19.Tfc1?! etwas schlechter gestanden, verteidigte sich dann aber gut. 58...g5!? war der einzige schwarze Gewinnversuch, doch auch der wurde souverän pariert:

Partie im PGN-Format

7:3 Punkte konnten sich sehen lassen!Allerdings bedeutete dieser Sieg, dass wir in der Vorschlussrunde gegen die SG Bochum 31 anzutreten hatten, die mit 10:0 Punkten darauf aus war, sich mit einem Sieg gegen uns vorzeitig den Titel zu sichern.

An Brett sechs flogen rekordverdächtig schnell alle Figuren bis auf ein Springerpaar vom Brett und das Remis war unterschriftsreif. Dass wir keinen Mannschaftspunkt holen würden, war dann aber auch recht schnell klar. Tobias verlor gegen Markus Wyrwich, den späteren Brettpreissieger an Brett fünf, und Bernd musste sich dem U16-Jugendweltmeister von 1999 Leonid Kritz geschlagen geben. Interessant war ein Kommentar, als Bernd von seiner vergeblichen Sweschnikow-Vorbereitung erzählte: »Kritz spielt doch schon seit zwei Monaten Läufer b5 gegen Sizilianisch!« Hätte man wissen müssen.

Anerkennung verdient aber, wie sich Daniel nach seinem verunglückten Start steigerte. Er besiegte einen anderen Brettpreisgewinner, den erst 15-jährigen Ilja Zaragatski. Da die Mannschaft ihm verboten hatte, etwas auf gut Glück zu opfern, wählte er nach eigener Aussage mit 20...c4 nur ein Scheinopfer:

Partie im PGN-Format

Gerade noch druckreifes Zitat: »So kleine Zwerge haben hier nichts zu suchen«.

Ich selbst hatte zwischenzeitlich grausam gestanden, hielt meine Puppen dann aber immerhin noch so weit zusammen, dass Jochen Dahm sich entschied, lieber mit einem Remisangebot den Mannschaftssieg zu sichern, anstatt noch etwas zu riskieren. Vorbildlich übrigens das Verhalten des Bochumer Betreuers, der mir im Namen von Recht und Ordnung jede über »ja«, »nein« und »vielleicht« hinausgehende Kommunikation mit meinem Mannschaftsführer untersagte.

Andreas hatte sich gegen den vierten Brettpreisgewinner der Bochumer, Thomas Wyrwich, in verlorener Stellung noch lange gewehrt, musste sich aber doch geschlagen geben. So hieß der neue Deutsche Meister schon vorzeitig Bochumer SG. Dazu herzlichen Glückwunsch!Wie so oft bei Turnieren im Schweizer System, musste bei uns mal wieder die letzte Runde darüber entscheiden, ob wir unser Ziel erreichen oder nach unten durchgereicht werden würden.

Der Auftakt gegen den Godesberger SK war durchaus in unserem Sinne. Andreas, der noch keine Partie gewonnen hatte, bekam von Robert Philipowski ein schnelles Remis offeriert und es sprach nichts dafür, es abzulehnen. Von vornherein war klar gewesen, dass wir an den hinteren Brettern punkten mussten.

Hier gab es aber den ersten Rückschlag: In strategisch guter Stellung übersah Tobias einen hübschen taktischen Schlag und musste wenig später aufgeben. Ein gutes Remis holte dagegen Bernd gegen Dennis Breder.

Bei noch drei laufenden Partien musste also Daniel gewinnen und entweder Gerhard seine Verluststellung retten oder ich eine eigentlich schlechtere Stellung gewinnen. Obwohl Gerhards Gegner aber -soweit zu beurteilen- nicht unbedingt souverän spielte, gewann er letztlich, so dass kein Spielraum für Kompromisse mehr blieb. Daniel gewann in der Tat (und beendete das Turnier mit 3/3!), doch ich schaffte es nicht mehr, meine Gegnerin vor Probleme zu stellen. Mein Remis half uns nicht weiter.

Godesberg war damit Zweiter, auf dem dritten Platz kam der Hamburger SK ein. Herzlichen Glückwunsch auch an diese beiden Mannschaften.

Im Falle eines Sieges wären wir Zweiter gewesen, so dagegen kamen wir nur auf den achten Platz. Zufrieden konnten wir also nach der letzten Runde nicht sein, auch wenn wir besser spielten, als es die Schlussplatzierung aussagt.

Bernd mit 50%, Tobias mit »-1« und Gerhard mit »+1« spielten ein ordentliches Turnier, ohne größere Bäume auszureißen, während Andreas an Brett zwei mit 2/7 unglücklich agierte. Jeweils 4,5 Punkte holten Daniel und ich, was bei mir sogar zu einem Brettpreis reichte. Vor allem angesichts der letzten Partien konnte ich aber keinen wirklichen Stolz dafür empfinden.

In jedem Falle glaube ich, dass alle Spieler, Ulrike und Arnd eine schöne Zeit hatten und es großen Spaß gemacht hat. Mit ein wenig Glück gibt es ja vielleicht in diesem Jahr einen neuen Anlauf.