Jugendbundesliga:

Titelverteidigung - Mission impossible?

von Malte Meyer

Der Saisonstart des letztjährigen Jugendbundesliga-Siegers, des Delmenhorster SK, verlief, gelinde gesagt, durchwachsen. Mit 2:4 Punkten ist der DSK weit von der Tabellenspitze entfernt und trat zudem einmal nur zu fünft an.

Auch in Delmenhorst drehte sich das Personalkarussell vor dieser Saison mächtig. Daniel Margraf und Andreas Vinke fielen ihres Alters wegen aus der Mannschaft, dafür kamen Alexander Haucke aus Bad Schwartau und Volker Branding aus Rinteln.

1. Runde

Wie im letzten Jahr muss man davon ausgehen, dass einige wenige Mannschaften den Titelkampf unter sich ausmachen werden, und deswegen sind die direkten Vergleiche der Favoriten natürlich von besonders großer Bedeutung. Die Delmenhorster mussten sich gleich am ersten Spieltag am 5. November 2000 mit einem der Mitfavoriten duellieren, dem Hamburger SK.

Die Probleme begannen jedoch schon lange bevor die Uhren angestellt wurden. Da weder die etatmäßigen Nummern 1 und 6 noch ein Ersatzspieler zum Einsatz bewegt werden konnte, stand von vornherein fest, dass wir nur zu fünft spielen würden. Morgens auf dem Bremer Bahnhof stellte der verbliebene Teil der Mannschaft dann aber fest, dass auch Tobias Sturm fehlte, und mit Galgenhumor freundete man sich mit dem Gedanken an, zu viert ums Überleben (in diesem Fall ein Mannschaftspunkt) zu kämpfen. Um 9:30 vor dem »HSK-Schachzentrum« wartend, hatten wir jedoch unser Messias-Erlebnis: Fröhlich grinsend bog Tobias um die Ecke und erklärte uns, dass er einfach einen Zug später genommen habe. Schnell wurden die Aufstellungspläne korrigiert und mit fünf Spielern machten wir uns sogar wieder Hoffnungen auf einen Sieg.

Im Unterschied zur Saison 1998/99 mit zwei Stunden für vierzig Züge ausgestattet, verlief die Eröffnungsphase dann auch durchaus in unserem Sinne. Ernsthafte Probleme hatte niemand, und zwei Siege schienen möglich. Kurz vor der Zeitkontrolle schaffte ich an Brett vier auch in der Tat den Ausgleich, doch danach ging nicht mehr viel. Alexander musste an Brett zwei die Waffen strecken und bei Tobias fiel an Brett sechs in schlechterer Stellung die Zeit, als er gerade seinen Kontrollzug ausführte. Gerhard Riewe hatte an Brett drei ein frühes Remisangebot abgelehnt, musste aber schließlich doch in die Punkteteilung einwilligen, so dass die Niederlage besiegelt war. Volker hatte an Brett fünf lange besser gestanden, musste aber im Endspiel mit einem Minusbauern selbst um das Remis kämpfen. Zwar war der DSK auch mit fünf Leuten nicht chancenlos, aber einer Mannschaft wie dem HSK kann man natürlich nicht einfach ein Brett vorgeben.

2. Runde

Diese 4:2-Niederlage ließ das nächste Match gegen Königsspringer Hamburg am 26. November 2000 bereits zu einem Endspiel avancieren. Immerhin konnten die nominellen Nummern 1-6 aufgeboten werden; Ausreden gab es keine mehr.

Wir wurden allerdings gleich kalt erwischt, als Andreas Schneider an Brett 6 gegen Alexej Fjodorow schnell verlor. Gerhard schaffte zwar an Brett 4 nach eigener Aussage für ihn selbst überraschend den Ausgleich gegen Shreyas Davé, aber da zeichnete sich bereits die Niederlage am Spitzenbrett ab, die wenig später amtlich war: Steve Berger - Bernd Korsus 1-0. Um noch ein 3:3 zu erreichen, hätten nach der Zeitkontrolle Alexander an Brett 2 und Volker an Brett 5 ihre schlechteren Stellungen verteidigen und ich mein besseres Endspiel gewinnen müssen. Die Hoffnung war aber endgültig vorbei, als Volker sich gegen Claudio Opitz geschlagen geben musste. Alexander machte gegen Julian Zimmermann an Brett 2 remis und auch meine Stellung war inzwischen eindeutig remis. Durch drei Remisangebote angestachelt, quälte ich Peter-René Mandelbaum aber noch bis ins T+S-T-Endpiel eine Viertelstunde vor Ultimo. Zu erwähnen sind die herausragenden Gesangeskünste der Königsspringer, die sie uns im Anschluss an ihren Sieg unaufgefordert und völlig unentgeltlich (!) darboten.

Das einzige, was uns mit 0:4 Mannschaftspunkten noch Hoffnung machen konnte, war die Tatsache, dass der HSK ohne einen Teil seiner Stammtruppe gegen Stade verloren hatte und KSH durch einen wahrscheinlich vermeidbaren Planungsfehler gegen Hannover ebenfalls nicht sein ganzes Potenzial ausschöpfen konnte. Für uns war in jedem Falle klar, dass alle anderen Kämpfe möglichst hoch gewonnen werden müssen, denn am Ende könnten auch die Brettpunkte eine Rolle spielen.

3. Runde

Diesen Gedanken im Hinterkopf, fuhren wir am 17. Dezember 2000 nach Bad Schwartau, doch wieder lief längst nicht alles rund. Zwar hatte der Gegner von Tobias an Brett 6 schnell eine Figur eingestellt, Anton Janzen holte aber an Brett 5 nichts aus der Eröffnung heraus und willigte ins Remis ein. Als Gerhard dann an Brett 3 einen Springer einstellte, war endgültig klar, dass wir hochzufrieden sein mussten, zwei Mannschaftspunkte mitzunehmen. Immerhin die waren nicht ernsthaft in Gefahr: ich am dritten und Bernd am ersten Brett gewannen relativ klar, und in der letzten noch laufenden Partie remisierte Alexander gegen einen seiner ehemaligen Kollegen.

Auch wenn also noch nicht alle Hoffnung entschwunden ist, fällt die Zwischenbilanz aus Delmenhorster Sicht ernüchternd aus: Mit sechs Partien plus einer kampflosen wurden schon jetzt mehr Partien verloren als in der gesamten letzten Saison (vier). Gegen die beiden Hauptkonkurrenten haben wir verloren, gegen einen Abstiegskandidaten knapp gewonnen. Immerhin haben wir Achim überholt.

Abschließend präsentiere ich Ihnen die Partieauswahl, die diesmal allerdings nur aus einem meiner Versuche besteht. Wie ich nach dem letzten Kampf erfahren musste, entsprechen Bernds Notationskünste nicht ganz seinen schachlichen Fähigkeiten.

Partie im PGN-Format

Zwischentabelle nach 3 - 5 Spielen

    Mannschaft             S  MP    BP
 1. Hamburger SK           5 8:2  21,5
 2. Königsspringer Hamburg 5 8:2  21,0
 3. PSC Hannover           3 6:0  13,0
 4. Stader SV              4 6:2  14,0
 5. SC Meerbauer Kiel      3 5:1  14,0
 6. SK Rinteln             3 2:4   9,5
 7. Delmenhorster SK       3 2:4   8,0
 8. SF Achim               4 2:6   6,0
 9. TV Fischbek            5 1:9   8,0
10. SV Bad Schwartau       5 0:10  5,0