Leserbrief: Reine Halbierung führt zur sportlichen Farce

Ich beziehe mich in diesem Leserbrief auf den Beitrag von SF Kröhnke und den Aufruf von SF Giese in der Januarausgabe. Wie wohl die meisten Schachfreunde im LSB habe ich die bereits von SF Kröhnke dargestellte Entwicklung der vergangenen Jahre mit Besorgnis verfolgt. Geradezu grotesk las sich die Liste der Mannschaften, die in der vergangenen Saison in der Stadtliga spielten: Drei Vereine stellten insgesamt sieben der zehn Teams. Obgleich diese Situation nicht mehr besteht, zeigte sie doch überdeutlich auf, dass etwas unternommen werden muss.

SF Kröhnke schlägt vor, die Mannschaftsgröße von acht auf vier Spieler zu reduzieren. Ich stimme mit ihm darin überein, dass eine derartige Maßnahme die Chancen auf Neu- bzw. Wiedergründungen erhöhen könnte, aber es gäbe auch eine Kehrseite der Medaille: Da davon auszugehen ist, dass diese Reduzierung - zumindest zunächst - auf Bremen beschränkt bliebe, ergäben sich möglicherweise aberwitzige Situationen bezüglich des Aufstieges in die Verbandsliga. Man stelle sich vor, die Stadtliga würde in 4er-Teams gespielt und die drei Erstplatzierten einer Saison müssten auf den Aufstieg verzichten, da sie nicht in der Lage wären, auf je acht Spieler aufzustocken. Somit wäre der Tabellenvierte erster Aufsteiger, was keinesfalls dem sportlichen Ausgang der Saison entspräche.

Dennoch halte ich die Idee, die erforderliche Mannschaftsgröße zu reduzieren, um mögliche Neugründungen zu fördern, nicht für grundsätzlich abwegig; allerdings müsste diese Reduzierung innerhalb der Ligen "stufenweise" stattfinden, um eine Situation wie oben geschildert möglichst zu vermeiden. Folgende Regelung erschiene mir z. B. sinnvoll: Die Stadtliga spielt wie gehabt mit acht Spieler pro Mannschaft, danach folgen wenigstens eine, besser aber zwei Klassen mit sechs Spielern pro Team als eine Art »Pufferzone«, und erst darunter werden nur noch vier SF pro Mannschaft benötigt.

Sicherlich stellt eine Reduzierung der für eine am Spielbetrieb teilnehmende Mannschaft erforderlichen Spielerzahl nur eine Möglichkeit dar, das Vereinssterben zu bremsen oder ihm vielleicht sogar entgegenzuwirken. Eine weitere wäre die Einrichtung eines öffentlichkeitswirksamen Turniers, an dem auch möglichst namhafte Großmeister teilnähmen. Darüber hinaus bin ich überzeugt, dass unkonventionelle Ideen in der Öffentlichkeitsarbeit benötigt werden und daher der entsprechende im Moment vakante Vorstandsposten auf der im März anstehenden Mitgliederversammlung unbedingt zu besetzen ist - was allerdings nicht alleine reicht; das Anliegen, für das königliche Spiel in Bremen zu werben, sollte JEDEN Schachfreund etwas angehen, weswegen auch JEDER den Referenten für Öffentlichkeitsarbeit und Werbung, so denn ein solcher gefunden wird, nach besten Kräften unterstützen sollte.

Raimund Klein, SV Werder Bremen