Nachruf auf Kai Wesseln

Am 10. März 2001 verstarb unser lieber Freund und schachlicher Weggefährte Kai Wesseln, der sein unwiderrufliches Schicksal mit der ihm eigenen Gefasstheit annahm - jener Gefasstheit, mit der er unabänderliche Situationen zeit seines Lebens akzeptierte.

Wer Kai kannte, der wußte, wie sehr er den Schachsport liebte. Noch während seiner schweren Erkrankung war er für seinen Heimatverein Union Oldenburg aktiv. Wichtiger als sein Sport war ihm nur seine Familie, seine Frau und seine Kinder.

Seine berufliche Entwicklung führte ihn vom Geburtsort Oldenburg nach Berlin über Vechta schließlich wieder zurück in die Nähe seiner Heimatstadt; in all den Jahren blieb er den Schachvereinen in Oldenburg und Delmenhorst treu verbunden.

Kai Wesseln konnte auf eine Reihe bedeutender Erfolge zurückblicken, er durfte sich über viele schöne Turniersiege freuen, sein langjähriges Wirken in der 1. Bundesliga war aus Sicht seiner Delmenhorster Mannschaftskameraden häufig nicht weniger als spektakulär zu nennen, da er selbst in schwierigsten Positionen noch eine trickreiche Falle stellte und größtmöglichen Widerstand leistete. Zeitweilig rangierte seine Spielstärke auf dem Niveau eines Internationalen Meisters, was er mit mehreren IM-Normen unterstrich. In seinem vielleicht besten Turnier im jugoslawischen Tatabanja 1986 siegte er sensationell vor etlichen GM und IM; dennoch schätzten seine Mitstreiter nicht nur seinen Kampfgeist und sein Schachverständnis, die ihn zu einem wertvollen Mannschaftsspieler machten, sondern vor allem seine Bescheidenheit, die seinen Blick niemals mit Eitelkeit trübte. Als Gewinner wie als Verlierer war er stets ein fairer Gegner, für den allein das Geschehen auf dem Brett maßgebend war.

Beispielhaft - für viele Menschen, die ihn kannten beispiellos - war seine Arbeit im Jugendbereich, die unter anderem zur Verleihung des Grünen Bandes an den Delmenhorster SK führte und der zuliebe er seinen Platz in der Bundesligamannschaft aufgab. Ein ebenso hohes Maß an sozialer Verantwortung trug er in seinem Beruf als Leiter eines Jugendzentrums.

Ist auch der frühe Tod Kai Wesselns ein großer Verlust für die Schachgemeinde, so wissen die Menschen, die ihn auch jenseits unseres Sports erleben durften, daß sie ungleich mehr verloren haben, als einen originellen Schachspieler, motivierenden Mannschaftskameraden und selbstlosen Jugendförderer, der im Alter von nur 39 Jahren viel zu jung, doch in Würde und im Kreise seiner Liebsten verstarb.

Wir werden Kais aufrechtes Wesen und seine humorvolle Art immer in gutem Andenken bewahren.

Marc Schütte (im Namen der Mitglieder des Delmenhorster SK)
Thomas Martschausky (im Namen der Mitglieder des SK Union von 1949 Oldenburg)