Osterholzer Kreismeisterschaft - Althergebrachte Überraschung

von Jürgen Tönjes

Am 19.05.2001 fand zum 15. Mal die Kreismeisterschaft des Landkreises Osterholz statt. Wie üblich wurde dieses Turnier von den Schachfreunden Lilienthal als Schnellschachturnier mit einer Bedenkzeit von 30 min je Spieler und Partie über 7 Runden veranstaltet. Eine leichte Abnahme in der Teilnehmerzahl war zu verzeichnen, sodass dieses Jahr nur 12 Teilnehmer um Ehre und Titel spielten.

Allerdings war das Teilnehmerfeld im Gegensatz zum Vorjahr wieder gravierend verändert. Jugendliche Teilnehmer gab es überhaupt nicht, weshalb der Kreisjugendmeistertitel nicht vergeben werden konnte. Titelverteidiger Peter Pautz fehlte, da er die Reste seines Portugal-Urlaubs genoss, ebenso fehlten Ulf Wokittel (»der ewige Vize«) und Thomas Müller. Auch Vizekreismeister Jago Matticzk und diverse teilnehmende Schwaneweder Schachfreunde des letzten Jahres fehlten. Nichtsdestotrotz war jeweils ein Vertreter aller vorhandenen Schachvereine im Landkreis Osterholz als Teilnehmer vor Ort. Aufgefüllt wurde das Teilnehmerfeld von den Stammgästen Helmut Lange, Ehefrau Renate Lange, Britta Koloski und dem Spitzenbrett der Schachfreunde Lilienthal der 1. Mannschaft, Claus Meyerdierks. Das größte Teilnehmerfeld wurde von den Schachfreunden Lilienthal als gastgebendem Verein gestellt. Soweit zu den Randbedingungen.

Eigentlich sah alles wieder nach einem Zweikampf zwischen Helmut Lange und Claus Meyerdierks aus, den der spielstärkere mehrmalige Kreismeister Helmut Lange vermutlich aufgrund besserer Form, größerer Routine und nominell größerer Spielstärke gewinnen würde. Als weiteres Indiz deutete darauf auch die Aussage von Claus Meyerdierks, dass er übermüdet, unausgeschlafen und völlig außer Form wäre, wonach nur noch der Rang des Kreisvizemeisters zur Debatte stehen würde. Doch wie es mit dem Kalkulieren und Rechnen so ist: Vorher gerechnet, zweimal gerechnet!

Die 1. Runde deutete tatsächlich auf die vorher angestellte Spekulation. Der Lilienthaler Thomas Alves nahm dem nominell spielstärkeren Ulrich Krause vom SK Bremen-Nord einen halben Punkt ab und die Schachfreundin Koloski stellte sich für Claus Meyerdierks als Stolperfalle heraus. Weit über ihre nominelle Spielstärke hinausgewachsen schaffte es SF Meyerdierks nicht größeren Vorteil in der Partie herauszuschlagen und spielte schon mit dem Gedanken aufgrund der großen Tapferkeit der Gegnerin ein Remis anzubieten. Dieser Gedanke erübrigte sich recht schnell als im Endspiel D+L : D+S eine Dame mittels Springergabel verloren ging. Da es nicht die Dame von Schachfreundin Koloski war gab es natürlich ein großes Hallo und einen konsternierten Spieler namens Meyerdierks. Alle übrigen Partien gingen ohne Überraschung zu Ende. Runde 2 sah dann die SF Lange, Cordes, Meyerdierks, Krell und Krause als Sieger, während sich SF Schönberger mit Renate Lange gütlich auf Punkteteilung einigte. Die 3. Runde bot lediglich die kleine Überraschung, dass der spielstärkere Ulrich Krause gegen den Lilienthaler Altmatador Alfred Krell den Kürzeren zog. Weiterhin siegten die SF Schönberger, Meyerdierks, Lange, Ficken und Nagel. Letztgenannter SF landete seinen ersten Sieg. Ohne Punktverlust nach Runde 3 waren somit nur die SF Helmut Lange und erstaunlicherweise Alfred Krell. Runde 4 sah die Beiden als Gegner, wobei Helmut Lange erwartungsgemäß gewann. Weitere Sieger dieser Runde waren jetzt die SF Cordes, Meyerdierks, Ficken, Krause und Alves. SF Andreas Salm von den SF Osterholz hingegen ergatterte gegen Renate Lange seinen ersten halben Punkt. In Runde 5 setzte SF Meyerdierks gegen SF Krell seine holperig schleichende Aufholjagd fort und der bisherige Favorit Helmut Lange leistete sich seinen ersten Ausrutscher. SF Hartmut Ficken vom SK Schwanewede gelang das Kunststück ihm den ersten halben Punkt abzunehmen. Der Ehefrau des Favoriten hingegen gelang ihr erster Sieg, ebenso siegte der unauffällig agierende SF Schönberger, die SF Koloski und SF Cordes gegen SF Krause. Damit war nunmehr niemand ohne Punktverlust und der Abstand zwischen Helmut Lange und Claus Meyerdierks auf einen halben Punkt zusammengeschmolzen. Runde 6 sollte also das direkte Entscheidungsduell bringen. Erwartungsgemäß war diese Partie auch am härtesten umkämpft und dauerte am längsten. Zunächst gewannen die SF Cordes, Ficken, Krause, Alves und Nagel ihre Partien. Dann hatte Claus Meyerdierks nach hartem Kampf und Kraftakt mit den schwarzen Steinen Helmut Lange den vollen Punkt ab- und somit die Tabellenführung übernommen. In der Schlussrunde 7 war jetzt von Interesse, ob es dem Schwaneweder SF Ficken noch gelingen würde Claus Meyerdierks ins Stolpern zu bringen. Immerhin hatte er Helmut Lange ein Remis abgetrotzt und Lothar Cordes den vollen Punkt abgenommen. Oder würde Helmut Lange gegen seinen Vereinskollegen Ulrich Krause straucheln? Nichts derartiges passierte und somit stand die 15. Kreismeisterschaft etwas unerwartet ganz im Zeichen von Claus Meyerdierks, einem Lilienthaler Urgestein, der auch in der in Kürze zu Ende gehenden Vereinsmeisterschaft die Nase vorn hat!

Einige weitere Streiflichter von der Kreismeisterschaft

Schlafmützen gab es mindestens zwei auf der Kreismeisterschaft: den frischgebackenen Kreismeister und den Turnierleiter. Der Letztgenannte, ebenfalls übermüdet, unausgeschlafen und außer Form, drückte sich von vorneherein vorm Spielbetrieb und bevorzugte lieber den Druck auf die Computertasten. Die Hoffnung, sich so auf sein Lieblingsturnier eine Woche später im tiefen Süden mental vorzubereiten ging dabei nur zum Teil auf. Der spätere Kreismeister hingegen behauptete später während der Turnierpartien mit offenen Augen geschlafen zu haben. »Lediglich in der Partie gegen Helmut Lange war ich kurzfristig wach« lautete die erläuternde Stellungnahme.

Schwarzseher gab es ebenfalls zwei, die SF Alfred Krell und Renate Lange. Erstgenannter beklagte sich über 4 mal Schwarz in 6 Runden. Hier kann guten Gewissens behauptet werden, dass bei der Auslosung alles seine Richtigkeit hatte und wohl in einer Spielrunde die Farbverteilung verwechselt wurde. Die Dame war noch etwas pessimistischer und klagte vor Beginn von Runde 7 über 5 mal Schwarz in 7 Runden. Kleinlaut muss der Turnierleiter und Artikelschreiber hier einräumen, dass er noch nicht vollständig hinter alle geheimnisvollen Vorgänge des Rundenauslosungsprogrammes gekommen ist. Es wird aber dran gearbeitet.

Siegerehrung und Fototermin fanden dieses Jahr rechtzeitig statt. Der Turnierleiter bewies ein gutes Zeitgespür, sodass der Fotograf der örtlichen Lokalzeitung rechtzeitig zur Siegerehrung für das Siegerbild zur Stelle war. Im letzten Jahr hatte es nicht geklappt.

Der Kreismeister-Pokal bleibt weiterhin im Vitrinenschrank des Vereinsheimes, obwohl er nun auch von Claus Meyerdierks drei mal gewonnen wurde. Nach dreimaligen Gewinn kann und darf der entsprechende Sieger ihn nach Hause mitnehmen. Zuerst berechtigt hierzu war allerdings Helmut Lange. Jener fand ihn aber im Vitrinenschrank des Lilienthaler Vereinsheimes dekorativer als bei sich zu Hause. Claus Meyerdierks schloss sich dieser Argumentation an.

Essen und Trinken waren wie die Jahre zuvor auch diesmal im Startgeld inbegriffen. Mittagessen und zugehöriges Getränk waren inklusive. Bei den zusätzlich angebotenen Getränken im Vereinsheim (Mineralwasser, Kaffee, Saft) wurde allerdings Bier vermisst. Das gab es nur im Hallenbadrestaurant. Mit Rücksicht auf potentielle jugendliche Teilnehmer wurde vorsorglich keines angeboten, erklärte Organisator und 1. Vorsitzender Erhard Förster hierzu. Mit Blick auf die nicht teilnehmenden Jugendlichen wurde an anderer Stelle allerdings geunkt, ob vielleicht Bier und härtere Spirituosen im Angebot für einen regeren Zulauf von jugendlichen Teilnehmern sorgen würden.

Ansonsten hoffen die Veranstalter, dass es allen Akteuren gefallen hat und sie nächstes Jahr wieder dabei sind.

Osterholzer Kreismeisterschaft 2001 - Endstand nach 7 Runden

Rg Name                Pkte Bh I Bh II  Verein
 1. Meyerdierks,Claus  6.0  21.5 174.5  SF Lilienthal
 2. Lange, Helmut      5.5  26.0 159.0  SK Bremen-Nord
 3. Cordes, Lothar     5.0  21.5 174.5  SF Lilienthal
 4. Ficken, Hartmut    4.5  24.0 166.5  SK Schwanewede
 5. Krell, Alfred      3.5  27.0 159.0  SF Lilienthal
 6. Schönberger, Karl  3.5  23.0 164.0  SK Schwanewede
 7. Krause, Ulrich     3.5  23.0 162.0  SK Bremen-Nord
 8. Alves, Thomas      3.5  19.0 166.0  SF Lilienthal
 9. Lange, Renate      2.5  23.5 156.5  SK Bremen-Nord
10. Koloski, Britta    2.0  26.0 151.5  SK Bremen-Nord
11. Nagel, Gerd        2.0  25.0 152.0  SF Lilienthal
12. Salm, Andreas      0.5  19.5 167.0  SF Osterholz