Deutsche Jugendeinzelmeisterschaften - U18 bis U10 - in Willingen im Sauerland

von Ulrike Schlüter

Wie in jedem Jahr standen in der Pfingstwoche die Deutschen Jugendmeisterschaften aller Altersklassen (von der U18 bis zur U10) auf dem Programm. Austragungsort war diesmal Willingen im Sauerland. Geboten wurde ein fantastisches Rahmenprogramm. Dieses Niveau konnten die Bremer Vertreter im schachlichen Bereich nicht ganz bieten.

Nachdem wir im vergangenen Jahr eine Reise ganz bis nach Überlingen an den Bodensee unternehmen mussten, war die Anfahrt zum diesjährigen Austragungsort, dem Dörfchen Willingen im Sauerland, doch wesentlich angenehmer. So machten wir uns am Pfingstsamstag im Laufe des Vormittags mit zwei Kleinbussen auf den Weg. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Gerold Menze, der es wieder einmal auf sich genommen hatte, uns mit seinem Kleinbus zu chauffieren.

In Willingen angekommen waren wir zunächst einmal beeindruckt und auch etwas geschockt von der Größe und Weitläufigkeit des Hotels. Auch wenn es im Vorfeld hieß, dass Sauerland-Stern Hotel sei mit 1300(!) Betten das größte seiner Art in Deutschland, so riesig hatte sich doch keiner die Anlage vorgestellt.

Und schon bald war jedem klar, dass Schachspieler im Sauerland-Stern nicht zu der sonst dort üblichen Klientel gehören. Zahlreiche Kegelclubs und Fußballmannschaften auf Saisonabschlussfahrt mit so geistreichen Namen wie dem »FC Lass Renne« verbreiteten »Ballermann-Stimmung« und sorgten nicht nur für Staus in den Fahrstühlen (warum auch von Stockwerk 1 ins Erdgeschoss laufen, wenn man die Alternative hat, 10 min auf den Fahrstuhl zu warten!), sondern auch Tag und Nacht für musikalische Unterhaltung.

Abgesehen von diesen kleineren Üblen, die aber zum Glück auch nur an den beiden Wochenenden stattfanden, bot das Hotel fantastische Bedingungen für die Austragung einer Deutschen Meisterschaft, so dass letztlich alle Teilnehmer sehr zufrieden waren und Jörg Schulz (DSJ) und Helmut Schumacher von der ausrichtenden Hessischen Schachjugend ein sehr positives Fazit ziehen konnten. Der gesamte Sport- und Fitnessbereich des Hotels konnte benutzt werden und zusätzlich hatten alle Teilnehmer freien Eintritt im benachbarten Erlebnisschwimmbad. Besonders hervorzuheben waren die Turniersäle: Die Konferenzräume des Hotels und die Sauerlandhalle, in der die U12 und U10 spielten, boten die besten Spielbedingungen, die ich persönlich jemals bei einer Deutschen Meisterschaft erlebt habe.

Das Bremer Team war im Vergleich zum letzten Jahr mit einer etwas kleineren Delegation in Willingen vertreten. Die diesmal nur 9 Teilnehmer wurden von den Trainern Oliver Müller, Thomas Heinsohn, Oliver Höpfner und Raimund Klein und mir als Delegationsleiterin betreut. Für die DSJ war noch der Bundesjugendsprecher Eike Schwede (Delmenhorster SK) im Einsatz, der als Mitglied des Dr. Freizeit-Teams schon über einige Erfahrung bei der Organisation des Freizeitprogramms hat. Mit seinen Kollegen gestaltete er allen Teilnehmern, Betreuern und Eltern die Meisterschaften so angenehm und erlebnisreich wie möglich.

Neben Ausflügen und Wanderungen in die Umgebung, einer Brauereibesichtigung (natürlich mit Bremer Beteiligung), Fahrten zur Sommerrodelbahn und zum Tierpark wurden zahlreiche Sportaktivitäten (Schwimmbad, Fußball, Bowling, Badminton,...) angeboten. Natürlich gab es auch wieder eine tägliche Meisterschaftszeitung »Willy«, die sich großer Beliebtheit unter den Teilnehmern und Eltern erfreute und beim Frühstück einfach nicht fehlen durfte.

Leider zeigte sich der Wettergott von seiner schlechtesten Seite und auch der Bürgermeister konnte seine bei der Begrüßung abgegebenen Versprechungen nicht einhalten, so dass einige Aktivitäten dem ständigen Regen zu Opfer fielen.

Wir Bremer ließen uns von dem Wetter nicht abschrecken (warum auch, schließlich sind wir ja auch sonst nichts anderes gewohnt) und stellten einiges auf die Beine. Höhepunkt war das am vorletzten Abend ausgetragene Fußballmatch Bremen gegen Sachsen, bei dem wir, geringfügig verstärkt durch Hamburg und Kiel, gegen die Stars aus Sachsen, die zuvor bereits die starken Hamburger vom Platz gefegt hatten, nur äußert knapp mit 4:5 verloren.

Außerdem besichtigten wir die größte Skisprungschanze Europas (bis auf den Teil von uns, der sich leider verlaufen hatte und aus Versehen bei der doch wesentlich kleineren Mattenschanze landete), testeten die schöne Natur-Minigolfanlage, lieferten uns Wettfahrten auf der Sommerrodelbahn und nutzten ausgiebig das umfangreiche Sport- und Fitnessangebot des Hotels (deutlicher Sieg von Delmenhorst gegen Werder im Badmintondoppel!).

Abgerundet wurde eine schöne und für die Betreuer anstrengende Woche mit einer von der Deutschen Schachjugend fantastisch aufgezogenen zweistündigen Siegerehrung mit jeder Menge Showeinlagen und Prüfungen für die Deutschen Meister. Auch da ließen wir Bremer uns nicht lumpen und trugen mit einem selbstgedichteten Song (nach der Melodie von »Verliebte Fischer«) zur guten Stimmung bei.

Nun aber zum schachlichen Teil, denn schließlich waren die Meisterschaften ja der Grund für unsere Reise nach Willlingen. Schon im Vorfeld der Meisterschaft hatten wir uns keine allzu großen Chancen auf vordere Platzierungen ausgerechnet (von Titeln mal ganz zu schweigen), trotzdem war das Gesamtergebnis vor allem im Vergleich zu dem guten Eindruck aus dem Vorjahr doch eher ernüchternd. Zu den einzelnen Altersklassen:

U18m

Der Bremer Vertreter Hoang Nguyen (Delmenhorster SK) spielte ein durchwachsenes Turnier, bei dem er am Ende mit 3,5 Punkten Rang 21 unter 26 gestarteten Teilnehmern belegte. Nachdem er mit einem sicheren Remis gegen den Hamburger Meister Julian Zimmermann (ELO 2160) noch gut gestartet war, verlor er in der 3. Runde aus eigentlich guter Stellung heraus gegen Leonie Helm (ebenfalls HH) und war danach so gefrustet, dass auch die beiden folgenden Partien verloren gingen. Danach war das Turnier für Hoang gelaufen, auch wenn die Endplatzierung genau der Setzliste entsprach. Ohne Training kann man in der U18 einfach nicht oben mitspielen!

Etwas überraschend ging der Titel in der Königsklasse an Thomas Pähtz jr. aus Thüringen, der in der letzten Runde glücklich gegen den erst 13jährigen David Baramidze (NRW) gewann, dem viele nach seinem letztjährigen Triumph in der U14 mit 9/9 durchaus auch einen Sieg in der U18 zugetraut hatten.

U18w

Wesentlich besser als in den vergangenen Jahren lief es dagegen für Andrea Wenke (Delmenhorster SK). Nur an Nr. 24 gesetzt, erreichte sie gleich zu Beginn zwei souveräne Remisen gegen die Meisterinnen aus NRW und Bayern. Auch im weiteren Verlauf des Turniers zeigte sie gute Partien und kam so auf insgesamt 3 Punkte (Rang 21) und einen DWZ-Gewinn von über 100 Punkten! Fazit für Andrea: Mit wenig Schlaf spielt es sich eben doch besser!

Den Titel in der U18w erspielte sich Irina Fliter aus Berlin, die von einer Niederlage der Titelverteidigerin Carolin Umpfenbach aus Thüringen in der letzten Runde profitierte und so noch vorbeiziehen konnte.

U16m

Frithjof Fehsenfeld (SF Achim) war der Bremer Teilnehmer in der U16. Im Gegensatz zum letzten Jahr - damals noch in der U14 spielberechtigt - hatte er einen schlechten Start und fand sich mit nur einem halben Punkt aus 4 Partien am Ende des Feldes wieder. In den letzten Runden riss er sich dann aber zusammen und erreichte u.a. durch 2 Siege gegen Alexander Ledovski (MVP) und Thorsten Lowitz (Bayern) 3,5 Punkte (Rang 23). Insgesamt war festzustellen, dass die U16 das mit Abstand am stärksten besetzte Turnier war, was u.a. auch darauf zurückzuführen war, dass alle 8 Freiplatzinhaber antraten. In einem stark umkämpften Finale setzte sich schließlich der Vizemeister des Vorjahres, Hannes Rau aus Württemberg, mit nur 6,5(!) Punkten vor Volker Seifert aus Sachsen und Jörg Wegerle aus Baden durch.

U16w

Das U16-Turnier der Mädchen wurde dominiert von Anne Czäczine aus Sachsen. Sie errang souverän den Titel vor Dorothea Schuler (Hamburg) und Sonja Häcker (Württemberg).

Für Bremen startete die U16-Titelträgerin Susanna Ratner (SV Werder), die genau wie Frithjof den Unterschied zwischen U14 und U16 deutlich zu spüren bekam. Konnte sie im letzten Jahr noch locker mithalten, reichte es auch bei ihr in diesem Jahr nur zu 3 Punkten (Rang 24). Bleibt zu hoffen, dass Susanna und Frithjof im nächsten Jahr - sofern sie sich wieder qualifizieren - weiter oben landen können.

U14m

In der U14 vertrat der Bremer Vizemeister Mark Blankenburg (SV Werder) die Bremer Farben, da der Titelträger Andreas Schneider (Delmenhorster SK) von seiner Schule keine Befreiung für die Meisterschaft erhalten hatte und somit zuhause bleiben musste. Für Mark war es die erste Teilnahme bei einem Turnier dieser Größenordnung. Dementsprechend hatte er zu Beginn des Turniers einige Probleme, sich auf die Stärke seiner Konkurrenten einzustellen. Im Verlaufe des Turniers fing er sich aber, konnte seine Stärken ausspielen und so immerhin noch auf 2,5 Punkte kommen. Auch wenn für ihn nur der letzte Platz blieb (trotz eines Sieges gegen den Vorletzten), hat auch er die Chance, dieses Resultat im nächsten Jahr zu verbessern.

In der U14 gab es ebenfalls einen Überraschungssieger. Jens Koller holte den einzigen Titel für das Ausrichterland Hessen, knapp vor dem 12jährigen Atila Figura (Berlin) und Martin Alexander Becker (NRW).

U14w

Der U14-Titel der Mädchen wurde eine sichere Beute der Topgesetzten Maria Schöne (Bayern), die sich mit 8 Punkten vor Sandra Krege und Annett Hoffmann (beide Sachsen-Anhalt) durchsetzte. Maike Janiesch (SV Werder), die sich auf Bremer Ebene erst durch einen Sieg im Stichkampf gegen Frauke Fehsenfeld (Achim) durchgesetzt hatte, und die ebenfalls dem jüngeren Jahrgang angehört, zeigte recht gutes Schach, wobei vor allem ihre Siege durch schöne Angriffspartien herausgespielt waren. Insgesamt kam Maike auf 3 Punkte und blieb damit in der Tradition ihres Zimmers, in dem jeder Spielerin auf 3 Punkte kam.

U12m/w

Enttäuschend das Abschneiden der beiden Bremer Vertreter in dieser Alterklasse. Arthur Szczap (SV Werder) und Tim Cammann (Delmenhorster SK) belegten im 100 Teilnehmer starken Feld nur die Plätze 82 und 90. Wer weiß, vielleicht wäre mit ein wenig mehr Schlaf und Konzentration auf das Turnier doch ein besseres Abschneiden möglich gewesen?!

Während Tim sich immerhin im Rahmen der Setzliste platzierte, sogar noch 50 DWZ-Punkte gewann und vor allem gegen Ende des Turniers durch unnötige Einsteller ein besseres Ergebnis verdarb, hatte man von Arthur, der in Bremen seine Altersklasse dominiert und im letzten Jahr in der U10 ein gutes Turnier gespielt hatte, doch deutlich mehr erwartet als die erreichten 4 Punkte. Nachdem er die erste Runde gegen den späteren Viertplazierten Raiko Siebarth (Thüringen) verloren hatte, unterschätzte er in der nächsten Runde seine Gegnerin und verlor erneut. Von diesem Fehlstart konnte er sich auch im weiteren Verlauf des Turniers nicht erholen und zeigte nicht die von ihm sonst gewohnte Spielstärke.

Waren in dieser Altersklasse in letzten Jahr noch 4 Bremer Spieler/innen am Start, zogen die Bremer U12-Mädchen es diesmal vor, gar nicht erst an den Start zu gehen.

Der U12-Titel ging an den Favoriten Falko Bindrich (Sachsen), die sich knapp vor dem besten Mädchen, Yevheniya Shmirina (ebenfalls Sachsen) und Alexander Lubbe (Wilhelmshaven) durchsetzen konnte.

U10m/w

Deutlich besser als in der U12 lief es für die Bremer Vertreter in der jüngsten Altersklasse. Roman Abel mit 4,5 Punkten (Rang 74) und Simon Schäfer mit 4 Punkten (Platz 78), beide vom SV Werder, zeigten bei ihrem ersten großen Turnier von Beginn an wenig Nervosität und gutes Schach. Roman war dabei der einzige Bremer Teilnehmer, der zwischenzeitlich die 50%-Marke fest im Visier hatte. Lediglich die gerade für die jüngeren Spieler enorme Anstrengung bei 11 Runden in einer Woche verhinderte am Ende ein noch besseres Resultat. Auf jeden Fall lässt das Abschneiden der beiden aber für die Zukunft wieder auf bessere Bremer Platzierungen hoffen, zumal der erst 8jährige Simon, der in Willingen einer der jüngsten Teilnehmer überhaupt war, auch in den nächsten beiden Jahren noch in der U10 starten darf und dann sicherlich von seiner hier gesammelten Erfahrung profitieren kann. Der U10-Titel ging in diesem Jahr nach Baden. Es siegte Sebastian Bogner vor Reinhold Müller (Saarland) und auf Rang 3 dann auch schon das beste Mädchen, Elena Winkelmann (Sachsen).

Fazit

Da fast alle Teilnehmer auch im nächsten Jahr noch in der gleichen Altersklasse startberechtigt sind, besteht die Hoffnung auf ein besseres Abschneiden bei der DEM 2002, die übrigens im nur wenige Kilometer von Willingen entfernten Kurort Winterberg ausgetragen wird.

Tabellen Deutsche Jugendeinzelmeisterschaften 2001

Endstand U18m (26 Teilnehmer)

Pl.  Name                  Verein             LV   Pkt. Geg.
01.  Thomas Pähtz jr       SV Empor Erfurt    THÜ  7.0  2197
02.  Stanislaw Korotkjevitch SG Porz          NRW  7.0  2196
03.  Christian Seel        SG Porz            NRW  6.5  2176
...
21.  Hoang Nguyen          Delmenhorster SK   BRE  3.5  2070

Endstand U18w (24 Teilnehmer)

Pl.  Name                  Verein             LV   Pkt. Geg.
01.  Irina Fliter          TuS Makkabi        BER  7.0  1781
02.  Elisabeth Schlosberg  SF Fürth           BAY  7.0  1682
03.  Marina Görke          Chemnitzer SC      SAC  6.5  1872
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21.  Andrea Wenke          Delmenhorster SK   BRE  3.0  1585

Endstand U16m (28 Teilnehmer)

Pl.  Name                  Verein             LV   Pkt. Geg.
01.  Hannes Rau            SC Tamm 74         WÜR  6.5  2177
02.  Volker Seifert        Dresdner SC        SAC  6,5  2162
03.  Jörg Wegerle          SK Viernheim       BAD  5.5  2172
...
23.  Frithjof Fehsenfeld   SF Achim           BRE  3.5  1870

Endstand U16w (26 Teilnehmer)

Pl.  Name                  Verein             LV   Pkt. Geg.
01.  Anne Czäczine         Chemnitzer SC      SAC  7.5  1635
02.  Dorothea Schuler      Königsspringer     HH   7.0  1630
03.  Sonja Häcker          SV Wolfsbusch      WÜR  6.5  1651
...
24.  Susanna Ratner        SV Werder          BRE  3.0  1372

Endstand U14m (28 Teilnehmer)

Pl.  Name                  Verein             LV   Pkt. Geg.
01.  Jens Koller           SG Dietzenbach     HES  6.5  1894
02.  Atila Figura          SC Kreuzberg       BER  6.5  1886
03.  Martin A. Becker      SG Bochum 31       NRW  6.0  1897
...
28.  Mark Blankenburg      SV Werder          BRE  2.5  1516

Endstand U14w (26 Teilnehmer)

Pl.  Name                  Verein             LV   Pkt. Geg.
01.  Maria Schöne          SC Großröhrsdorf   BAY  8.0  1541
02.  Sandra Krege          SF Hettstedt       S-A  8.0  1515
03.  Annett Hoffmann       SF Hettstedt       S-A  6.5  1502
...
13.  Maike Janiesch        SV Werder          BRE  3.0  1272

Endstand U12m/U12w (100 Teilnehmer)


Pl.  Name                  Verein             LV   Pkt. BH
01.  Falko Bindrich        SC Oberland        SAC  9.0  76.0
02.  Yevheniya Shmirina    Dresdner SC        SAC  8.5  77.5
03.  Alexander Lubbe       Wilhelmshavener SF NDS  8.0  76.0
...
82.  Arthur Szczap         SV Werder          BRE  4.5  58.5
90.  Tim Cammann           Delmenhorster SK   BRE  3.5  51.5

Endstand U10/U10w (90 Teilnehmer)


Pl.  Name                  Verein             LV   Pkt. BH
01.  Sebastian Bogner      SK Neunhausen      BAD  9.5  82.0
02.  Reinhold Müller       SVG Saarbrücken    SAA  9.0  81.0
03.  Elena Winkelmann      Dresdner SC        SAC  8.5  78.5
...
74.  Roman Abel            SV Werder          BRE  4.5  51.5
78.  Simon Schäfer         SV Werder          BRE  4.0  50.0

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