Rochade Bremen Januar 2002

Inhaltsverzeichnis

Alles ist relativ

Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,

ich hoffe Sie hatten alle ein besinnliches Weihnachtsfest, haben Freunde und Verwandte getroffen, einen schönen Sylvesterabend gehabt und sind in das neue Jahr mit guten Vorsätzen gestartet.

Zum Jahreswechsel wurde traditionsgemäß ein Jahresrückblick durchgeführt. Dieser wurde von den Ereignissen des 11. Septembers in New York bestimmt. So »spektakulär« der Anschlag auch war und so tief er unsere Gesellschaft, die ihre Betroffenheit und ihre Verbundenheit mit den Amerikanern u.a. in zahlreichen Schweigeminuten und Spenden zum Ausdruck gebracht hat, getroffen hat, die unmittelbaren Folgen, d.h. die Summe der Toten, waren relativ unbedeutend.

Eine gewagte Aussage? Keinesfalls; in Deutschland sterben jährlich mehr Menschen im Straßenverkehr (2001 etwa 7.000) als bei den Anschlägen am 11. September. Jedoch sind es nur individuelle Einzelschicksale mit trauernden Angehörigen. Gesellschaftliche Schweigeminuten führt deswegen keiner durch. Die Verkehrstoten sind, als Preis der individuellen Mobilität, gesellschaftlich längst akzeptiert!

Durch Krieg, Hunger und Armut sterben jährlich sogar eine vielfache Anzahl von Menschen als bei den Anschlägen am 11. September. Und was in Amerika der Ausnahmezustand war, gehört im Nahosten schon seit längerem zum tagtäglichen Erscheinungsbild. Obwohl hier wesentlich drastischere Folgen für Land und Menschen zu beobachten sind, spielen diese Ereignisse in unserem Bewusstsein eine spürbar geringere Rolle als die Ereignisse am 11. September. Dementsprechend meine Überschrift: »Alles ist relativ!«.

Aber keine Angst liebe Leser und Leserinnen, ich will Sie keinesfalls überreden, Ihr Weltbild zu ändern. Sollten Sie sich jedoch mal persönlich ärgern, z.B. über Ihren Lebenspartner, Eltern oder Kinder, über den Fahrer des Autos vor Ihnen oder den Schachspieler der Sie gerade geschlagen hat und nun noch seinen Sieg süffisant kommentiert, halten Sie kurz inne. Prüfen Sie, ob es sich wirklich lohnt sich in diesem Moment aufzuregen. Wenn Sie sich diese Zeit nehmen, werden Sie feststellen, dass vieles was Sie im ersten Moment ärgert, eigentlich unbedeutend ist und eine Auseinandersetzung nicht lohnt. Es lohnt sich jedoch mit dem Vorsatz des Innehaltens in das neue Jahr zu gehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein friedliches und entspanntes 2002.

Ulrich Giese