Bundesliga: trotz schwerer Prüfung wacker geschlagen

Nach einem tollen Saisonstart trat Werders Spitzenteam, erstmalig Tabellenführer der Bundesliga, Ende November in Hamburg zur 3./4. Runde an. Gegen den Angstgegner Hamburger SK (Werder lag 1:6 im Hintertreffen!) und den hochfavorisierten, amtierenden Meister Lübecker SV standen die Bremer allerdings vor sehr schweren Aufgaben.

Dennoch war Mannschaftskapitän C.D. Meyer optimistisch: Zum einen hatte sein Team zuletzt »einen Lauf«, zum anderen steckte den Hamburgern mit 0:4-Punkten ein miserabler Saisonauftakt in den Knochen. Auch war im Vorfeld der Partie damit zu rechnen, dass die Lübecker aufgrund der im Moskauer Kreml eröffneten »Knock-out-Weltmeisterschaft« in Hamburg auf ein paar ihrer Super-Großmeister verzichten mussten.

Im gepflegten Ambiente des Hanse-Merkur-Gebäudekomplexes erwiesen sich die Gastgeber einmal mehr als die gewohnt kampfstarken Gegner, und nach einem Wechselbad der Gefühle zitterten sich beide Teams volle sieben Stunden lang zu einem gerechten 4:4 durch. Für Werder Bremen war Jacob Heissler der Unglücksrabe, vergab er doch eine Minute vor dem finalen Blättchenfall den klaren Sieg. Dagegen profitierte Lars Schandorff nach gut sechs Stunden von einem groben Übersehen seines Kontrahenten und konnte sich so ins Remis retten.

Der Meister aus Lübeck spielte tatsächlich ohne seine WM-Kandidaten Shirov, Adams und Bareev und riskierte - wie der Verlauf zeigte - so seine Vormachtstellung. Leider nutzten insbesondere Zbynek Hracek (konnte nicht gewinnen) und Rainer Knaak (verpatzte eine aussichtsreiche Position) ihre Chancen nicht. Zu böser Letzt entschied das Lübecker Übergewicht an den unteren Brettern (bei Werder machte sich das Fehlen von GM Luke McShane bemerkbar), so dass selbst die Achtungserfolge von Vlastimil Babula und Lars Schandorff die denkbar knappe 3,5:4,5-Niederlage nicht abwenden konnten.

Trotz der magereren Ausbeute von 1:3 Mannschaftspunkten aus den beiden Runden war Werder-Coach Meyer nach insgesamt 13 Stunden Kampfeinsatz durchaus zufrieden damit, wie wacker sich seine Mannen präsentiert haben.

Mit 5:3 Mannschaftszählern geht Werder auf dem fünften Tabellenplatz ins neue Jahr, da die Schach-Bundesliga erst im Februar 2002 ihren Betrieb wiederaufnimmt. Vom 01. bis 03. Februar werden die Bremer dann über drei Runden Gastgeber sein.

Hier die Einzelresultate aus Hamburg:

Runde 3
Hamburger SK 4:4 Werder Bremen
Dorfman 1/2 Hracek
Kempinski 1/2 Babula
Ftacnik 1/2 Schandorff
Gustafsson 1:0 Pelletier
Berg 0:1 Knaak
Wahls 1/2 Joachim
Müller 1/2 Meins
Sebastian 1/2 Heissler
Runde 4
Werder Bremen 3,5:4,5 Lübeck
Hracek 1/2 Speelman
Babula 1:0 Epishin
Schandorff 1:0 Hodgson
Pelletier 1/2 Hansen
Knaak 0:1 DeFirmian
Joachim 0:1 Hector
Meins 0:1 Agdestein
Heissler 1/2 Mortensen


Punktliste
Name Pkt. Sp. %
Hracek 2,5 4 63%
Babula 3,5 4 88%
Schandorff 3,0 4 75%
McShane 1,0 2 50%
Pelletier 2,0 4 50%
Knaak 2,0 4 50%
Joachim 2,0 4 50%
Meins 2,0 4 50%
Heissler 1,0 2 50%

Werders »Partie des Wochenendes« bietet diesmal eine spektakuläre Hinrichtung am Königsflügel.

V. Babula (Werder) - V. Epishin (Lübeck)
Grünfeld-Indisch D 92, Brett 2

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.Sf3 Lg7 5.Lf4 0-0 6.Tc1 dxc4 7.e3 Le6 8.Sg5 Ld5 9.e4 h6 10.exd5 hxg5 11.Lxg5 b5?! 12.Df3 c6 13.dxc6 Dxd4 14.Le2 a6 15.0-0 Dc5 16.Le3 Dxc6 17.Tfd1!? e5 18.b3!? b4 19.Sd5 Sxd5 20.Txd5! c3 21.Tc5 e4 22.Dg4 De8? (Ein fataler Fehler, denn nach diesem passiven Damenzug wird das weiße Läuferpaar dominieren und der Anziehende einen überwältigenden Königsangriff erhalten. Angezeigt war 22...De6!?.)

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t s . . d t k .
. . . . . b l .
b . . . . . b .
. . T . . . . .
. b . . b . D .
. B b . L . . .
B . . . L B B B
. . T . . . K .

23.Lc4! Sd7 (Falls 23...Kh7, so folgt 24.Tg5! mit der vernichtenden Drohung Txg6.) 24.Dxg6 (Der »stille« Zug 24.Ld4!! mit der Absicht Dxg6 hätte das Dilemma des Schwarzen drastischer demonstriert: 24...Se5 25.Txe5! +-.) 24...Se5 (24...Sxc5 25.Ld4 Se6 26.Lxe6) 25.Dg3! Kh7 (25...De7 26.Ld4 oder 26.Lh6) 26.Ld4 (auch 26.Lf4 Sg6 27.Th5+ Kg8 28.Dxg6) 26...Sf3+ (Verzweiflung - 26...f6 27.Dh4+ Kg6 28.Lxe5 fxe5 29.Dxe4+) 27.gxf3 Lh6 28.Dh3 Tg8+ 29.Kh1 Tg6 30.Tc7 - 1-0.

Partie im PGN-Format

Claus Dieter Meyer