Deutsche Einzelmeisterschaft: Bericht aus Altenkirchen

Die diesjährigen Deutschen Einzelmeisterschaften wurden auch dieses Jahr, genau wie vor 2 Jahren auch, im schönen Westerwald (Rheinland-Pfalz) durchgeführt. Der dortige schachspielende Bürgermeister Heijo Höfer zeichnete sich für die perfekte Organisation aus.

Die Anreise erfolgte mit der Bundesbahn, Unterbringung in einem durchschnittlichen Hotel, gespielt wurde in der Stadthalle. Alles in allem eine der bestorganisierten Deutschen Einzelmeisterschaften - außer der von Werder Bremen 1998, die ließ nun wirklich keine Wünsche offen). Wie bei jedem großen Schachturnier, es waren immerhin 13 Großmeister am Start, hat man ja seine kleinen Ziele und die hießen für mich IM-Norm und vielleicht einen GM besiegen. Zum schachlichen Verlauf: Mit der Startposition Nr. 19 war ich in der ersten Hälfte des Teilnehmerfeldes und konnte in der ersten Runde auch einen durchwachsenen Sieg mit Weiß gegen den letztjährigen Pokalmeister Karsten Schulz (ELO 2268) verzeichnen. Aber ab nun wurde das Turnier richtig hart. In Runde 2 hatte ich erneut Weiß und musste gegen Deutschlands jüngsten Großmeister, Arkadij Naiditsch (ELO 2540), antreten. Eine aus meiner Sicht interessante Partie endete für mich mit einem Sieg. Wie Martin Breutigam später analysierte, habe ich mit Strategie gespielt und die Stellung besser verstanden. Sieg ist Sieg und nur das zählt. Die Partie ist im Analyseteil, ich habe mich auf nur wenige Varianten, aber dafür mehr Text beschränkt.

Das Turnier hatte super begonnen, in Runde 3 konnte ich dann dem elomäßig besten Spieler des 42er Feldes, GM Christopher Lutz (ELO 2643) trotz guter Vorbereitung nicht standhalten. Eine deutliche Verbesserung seiner Partie gegen Dautov brachte mir eine schlechtere Position, die nach und nach noch schlechter wurde. Aber mit 2/3 darf man ja immer noch mal gegen einen GM antreten und diesmal war es Matthias Wahls (ELO 2580). Mit den schwarzen Steinen spielten wir über Zugumstellung Altindisch. Eine ausgeglichene Position wollte der GM unbedingt weiterspielen und ich konnte ihm in der Zeitnot einen Bauern entlocken (oder hat er ihn eingestellt?) und diesen nach Hause fahren. Mit 3/4 wieder vorne angekommen durfte ich gegen GM Dr. Hübner (ELO 2613) spielen. Wie er mir nach der Partie sagte, habe er die Eröffnung deutlich unter seinen Möglichkeiten gespielt (Ich stand klar besser). Ein interessantes Mittelspiel endete in einem remislichen Turmendspiel, in dem ich aber nach der Zeitkontrolle plötzlich Probleme sah. Ein Gefühlszug im 43. Zug (um Zeit zu sparen) führte direkt zum Verlust, obwohl die Stellung noch ausgeglichen war. Diese Partie musste ich schnell wieder vergessen, denn verschenkten Punkten darf man nicht nachweinen. Ich entschloss mich, in der nächsten Runde knallhart auf Remis zu spielen (mit Schwarz gegen GM Levin - ELO 2531), dies gelang mir auch relativ problemlos. Auch die nächste Runde mit Weiß gegen GM Bischoff (ELO 2541) wollte ich nur noch Remis, um mich etwas nach hinten fallen zu lassen. Das mit dem Remis klappte gut, nur das letztere wurde vereitelt. In Runde 8 sollte ich mit Schwarz gegen GM Jussupow (ELO 2633) nach einer superschlechten Neuerung einfach so baden gehen. Die IM-Norm war immerhin gesichert, in der letzten Runde wollte ich dann schon am Samstag nach Hause und spielte nach 6 Minuten und 3 Zügen Remis gegen FM Bastian (ELO 2353). Immerhin hatte ich 13 ELO Punkte und die Norm im Gepäck. Die anderen beiden Bremer Vertreter (vgl. Tabelle) spielten etwas unter ihren Möglichkeiten.

Tobias Jugelt

Jugelt,Tobias (2420) - Naiditsch,Arkadij (2540) [A46]
Deutsche Meisterschaft 2001

1.d4 Sf6 2.Sf3 e6 3.Lf4 b6 4.e3 Le7 5.Sbd2 Lb7 6.Ld3 c5 7.Lxb8!? Eine kreative Idee von mir, gegen einen erst 16 jährigen Großmeister auf Struktur zu spielen. Üblich sind hier so langweilige Züge wie h3 oder c3. 7...Txb8 8.c3 Sd5!? Ein Zug, gegen den ich keinen Plan fand, den Springer wieder aus dem Zentrum zu vertreiben. 9.0-0 0-0 10.a3 Noch einen Bauern auf Schwarz stellen ... nur zu g3 konnte ich mich im weiteren Partieverlauf nicht durchringen (Diagonale b7-h1) 10...f5 11.De2 cxd4 Von solchen Zügen bin ich nicht überzeugt. Ich wusste noch gar nicht, ob und wo ich den f1 Turm platzieren sollte. Jetzt ist die c-Linie ein Muss! 12.cxd4 Tc8?! Dieser Zug ermöglicht mir den Läufertausch. Danach denke ich, dass das Springerpaar besser harmoniert. 13.La6 Dc7 14.Lxb7?! Im Nachhinein steht die Schwarz Dame auf b7 sehr bequem und übernimmt die Kontrolle über die weißen Felder. [14.Sb3!?] 14...Dxb7 15.Tfc1 b5 16.Sb3 d6 An dieser Stelle der Partie wurde mir klar, dass ich mit meinen Springern keinen richtigen Angriffspunkt habe. Da aber die c-Linie neutral ist, befindet sich die Stellung im Gleichgewicht. 17.Se1 a6?! Das Manöver Sb6-c4 nebst d6-d5 wäre schön, wird aber nie Realität. 18.Sd3 Sb6 19.Sa5! Da8 20.Sb4+= So langsam wird es für Schwarz schwer, die c-Linie zu behaupten. Nun endlich fassen meine Springer Fuß auf c6! 20...e5 21.Dd2 e4?! Ich denke, e4 wurde nur gespielt, mit der Absicht der Partiefolge, den Springer auf c4 zu stellen. 22.Sbc6 Lf6 23.Db4 Sc4

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
d . t . . t k .
. . . . . . b b
b . S b . l . .
S b . . . b . .
. D s B b . . .
B . . . B . . .
. B . . . B B B
T . T . . . K .

Das Qualitätsopfer auf c4 war für mich während der Partie mein erster Kandidat. Aber da ich ja eher meine solide Position ausbauen wollte spielte ich ... 24.a4 um ggf. auch von der a-Linie zu profitieren. 24...Ld8? Dieser Zug verliert im Nachfolgenden einen Bauern. Versuchen sollte man... [24...Sxa5 25.Sxa5 Dd5 26.axb5 axb5 27.Db3=] 25.Sxd8 Sxa5 26.Dxa5 [26.Se6! war einfacher! 26...Txc1+ 27.Txc1 Tc8 28.Sc7 Sb7 29.axb5 axb5 30.Dxb5+- mit der Idee Txc7 31.Txc7 Da1+ 32.Df1+-] 26...Txc1+ 27.Txc1 Dxd8 28.Dxa6 bxa4 29.Dxa4 h5 30.Db3+ Kh7 31.Dd5 Während der Partie dachte ich, ich hätte hier eine einfache Gewinnstellung (Tb1 und b2-b4 usw.), aber irgendwie kam Schwarz noch mal zur Initiative. 31...Df6 32.b4 Dg6 33.b5 f4 34.exf4 Txf4 35.g3?! (Zeit) h4 36.Te1 h3 37.b6 Dg4 38.Db3 Tf3 39.Dd1 e3?! (Zeit) Trotz beiderseitiger Zeitknappheit wird mir mit diesem Zug und dem nachfolgenden Zwischenschach der Sieg deutlich erleichtert. 40.Dc2+ Kh6 41.Txe3+- [41.fxe3 Txg3+ 42.hxg3 Dxg3+ 43.Kf1 h2 44.Dg2+-] 41...Txe3 42.fxe3 De6 43.Dd3 d5 44.b7 De8 45.De2 Db8 46.Da6+ Kh5 47.Da8 Dc7 48.Dc8 1-0

Partie im PGN-Format

Deutsche Einzelmeisterschaft 2001 Altenkirchen/Ww. (9 Runden)
Pl. Name Tit Verein Pkt. DWZalt Leistg DWZneu
1. Lutz, Christopher GM SG Porz e.V. 7,0 2630-102 2693 2642-103
2. Handke, Florian IM Wattenscheid 6,5 2421- 71 2689 2482- 72
3. Hübner, Robert GM SC Baden-Oos 6,5 2591-146 2646 2603-147
4. Müller, Karsten GM Hamburger SK 6,0 2469- 93 2592 2497- 94
5. Tischbierek, Raj GM SC Kreuzberg 6,0 2479- 69 2591 2506- 70
...
16. Jugelt, Tobias Delmenhorst 4,5 2427- 64 2514 2448- 65
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22. Levin, Felix GM Werder Bremen 4,5 2522- 32 2381 2489- 33
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28. Breutigam, Martin FM Bremer SG 1877 4,0 2413- 43 2360 2401- 44
...

insgesamt 42 Teilnehmer