Rochade Bremen April 2002

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Landesvertretungen in Berlin

Photo von Ulrich Giese

Liebe LeserInnen,

In meinem neuen Schachverein, dem SC Kreuzberg, traf ich auf einen alten Bekannten. Uwe Bergemann ist sicherlich auch einigen anderen Bremern als Mitglied der SF Osterholz-Scharmbeck und Sachbearbeiter für Mitgliederverwaltung in Erinnerung.

Neben den zahlreichen »inoffiziellen« Vertretern aus den verschiedensten deutschen Ländern, gibt es auch offizielle Ländervertretungen. Ihre Existenzberechtigung ergibt sich aus dem Umstand, das Berlin Bundeshauptstadt und damit Sitz der Bundesregierung ist. Hier gilt es für die Bundesländer Fahne zu zeigen und Länderinteressen zu vertreten.

Man mag es kaum glauben, aber auch Berlin hatte bisher eine eigene Ländervertretung in Berlin! Hierzu wurde ein ehemaliges Direktorenhaus der Charité umfunktioniert. Im Juni 2000 nach zwei Jahren Bauzeit stellte der damalige Regierende Berliner Bürgermeister Diepken fest: »Wir mussten diese Vertretung einrichten, weil das Rathaus viel zu eng geworden ist«. Nun werden die Räumlichkeiten geräumt und die betroffenen etwa 20 Mitarbeiter werden, wie sollte es anders sein, zukünftig ihren Dienst im Rathaus verrichten. Die Kosten für zwei Jahre Landesvertretung Berlin in Berlin sind auf über 2,5 Millionen EUR zu veranschlagen.

Durchaus ein Schnäppchen die 2,5 Millionen EUR. Die Kosten für Bremens Vertretung im ehemaligen Diplomatenviertel in der Hiroshimastraße in Berlin-Tiergarten, auch »Bremens Villa« in der Berliner Presse genannt, wurden zu Startbeginn auf etwa 17 Millionen EUR geschätzt. Wie teuer die Vertretung letztendlich wurde, weiß ich nicht. Es wird wahrscheinlich auch nicht so leicht herauszubekommen zu sein; als Bauherrin sollte die Bremer Investitions-Gesellschaft mbH eintreten, von der Bremen den Bau anmieten wollte. Eine sinnvolle Finanzierungskonstruktion oder lediglich die Schaffung eines Schattenhaushalts? Ich weiß es nicht.

Photo der Landesvertretungen Niedersachsen und Schleswig-Holstein in Berlin

Links die niedersächsische, rechts die schleswig-holsteinische Landesvertretung in Berlin. Verbunden sind die beiden Gebäude durch eine Glaskonstruktion. Bei den hellen Gegenständen an der Glasfront handelt es sich um Strandkörbe; Funktion unbekannt aber nett anzuschauen. Foto: ug

 

Die meisten Ländervertretungen finden sich aber zwischen dem Brandenburger Tor und dem Potsdamer Platz in der Straße »In den Ministergärten«. Auf fünf Neubauten kommen, da sich zweimal Länder zusammengeschlossen haben, sieben Landesvertretungen. U.a. Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben auf ein Grundstück zwei Gebäude errichtet und diese durch ein Glasteil verbunden.

Alle Gebäude sind meines Erachtens architektonische Schönheiten und scheinen im Inneren dem Äußeren nicht nachzustehen, so zumindest mein Eindruck von der Rheinland-Pfälzischen Vertretung, wo ich aus beruflichen Gründen an einer Sitzung teilgenommen habe.



Wenig Freude hat der hessische Ministerpräsident Roland Koch in seiner Berliner Landesvertretung. Angeblich soll man aus dem Fesselballon direkt in sein Büro blicken können. Foto: ug

 

Aufwendiger als alle anderen Residenzen ist die Vertretung des Landes Hessen. Besondere Pikanterie hierbei; wer einmal einen Blick in das Arbeitszimmer von Roland Koch werfen will, sollte das Flugangebot des naheliegenden Fesselballons nutzen. Bisher vergeblich hat sich der hessische Ministerpräsident gegen eine Verlängerung der Betriebserlaubnis für den »Flugverkehr« stark gemacht.

Ulrich Giese