1. Bundesliga

1. Bundesliga: Mit Doppelschlag auf Platz 3

Die Schachcracks des SV Werder Bremen schnuppern immer mehr Höhenluft in der ersten Liga. Das Team, um die tschechische Doppelspitze Hracek/Babula und Routinier Rainer Knaak in den letzten Jahren auf diversen Posten peu à peu neu formiert, agiert jetzt wesentlich homogener und stabiler als früher. Obwohl es zur absoluten deutschen Spitze noch deutliche Unterschiede gibt, fallen die Bremer Erfolge überzeugend aus.

Photo: Schach-Bundesligamannschaft SV Werder Bremen

Die Schachcracks des SV Werder Bremen in offensichtlich guter Stimmung. Foto: ef

So auch das letzte Wochenende im westfälischen Castrop-Rauxel: Zwei 5,5:2,5-Kantersiege über den Gastgeber und Wattenscheid, die niemals Zweifel aufkommen ließen, haben Werder auf den dritten Rang katapultiert. Zwar stehen die Bremer mit 13:5 Mannschaftspunkten in gehörigem Abstand zu den klaren Favoriten Lübecker SV und Köln-Porz (17:1 bzw. 14:2), aber immerhin noch vor dem x-fachen Meister Solingen. Bremer Schachherz, was willst du mehr?

In glänzender Verfassung zeigte sich in Castrop-Rauxel Jacob Heissler (2:0), aber auch die Leistungen von Hracek, Schandorff, McShane, Joachim und Meins (jeweils 1,5:0,5) können sich sehen lassen. Während der Fighter Vlastimil Babula in einer aufsehenerregenden Begegnung mit Eduardas Rozentalis (Castrop) das Nachsehen hatte, nach wie vor aber Werders Topscorer ist (6,5 aus 9), gelang dem »dänischen Eisberg« Lars Schandorff eine instruktive Positionspartie »par excellence« (siehe nachstehend).

Runde 8
Castrop Rauxel 2,5:5,5 SV Werder
Georgiev 1/2 Hracek
Rozentalis 1:0 Babula
Doettling 0:1 Schandorff
Appel 0:1 McShane
Gallagher 1/2 Pelletier
Watson 0:1 Joachim
Hoffmann 1/2 Meins
Dinstuhl 0:1 Heissler
Runde 9
SV Werder 5,5:2,5 Wattenscheid
Hracek 1:0 Aronian
Babula 1/2 Nielsen
Schandorff 1/2 Rustemov
McShane 1/2 Holzke
Pelletier 1/2 Handke
Joachim 0,5 Ellers
Meins 1:0 Straeter
Heissler 1:0 Thiel


Werders »Partie des Wochenendes« stand unter dem sogenannten »Prinzip der zwei Schwächen«:

Lars Schandorff (Werder) - Fabian Döttling (Castrop-Rauxel)
Damengambit (D 37), Brett 3

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 Le7 5.Lf4 0-0 6.e3 c5 7.dxc5 Lxc5 8.cxd5 Sxd5 9.Sxd5 exd5 10.a3 Sc6 11.Ld3 Lb6 12.0-0 Df6 13.b4 Lf5 14.Tc1 a6 15.Lxf5 Dxf5 16.Ld6 Tfd8 17.Lc5 Lxc5 18.Txc5 De4 19.Te1 Td7 20.Sd4 Sxd4 21.exd4 Df4 22.Te5 Tad8 23.g3 Df6 24.Dg4 Dd6 25.h4 h6 26.h5 Kf8 27.Df5 Kg8 28.Kg2 Kh8 29.g4 Kg8 30.Df3 Kf8 31.Df5 Kg8 32.Df3 Kf8 33.g5 hxg5 34.Txg5 Kg8 35.Dg4

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
. . . t . . k .
. b . t . b b .
b . . d . . . .
. . T b . . T B
. B . B . . D .
B . . . . . . .
. . . . . B K .
. . . . . . . .

35... Kh8? (35...f6!? 36.Tg6 De7 Idee 37.h6 De4+; 35...Df6?/Dh6? 36.Tc3! Plan Tg3) 36.Txg7 Df6 37.Tg5 Te7?

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . . t . . . k
. b . . t b . .
b . . . . d . .
. . T b . . T B
. B . B . . D .
B . . . . . . .
. . . . . B K .
. . . . . . . .

(Zeitnot) 38.Tcxd5 Txd5 39.Txd5 Te8 40.Df5 Tg8+ 41.Kf1 Dh6 42.De5+ f6 43.De3 Dg7 44.Tc5 b6 45.Tc3 Neben dem Isolani (Bauer d5) war hier die zweite Schwäche der schwarze König. 1-0

Partie im PGN-Format

C. D. Meyer

Nach Redaktionsschluss traf folgender Bericht von der 11. Runde (Werder Bremen war in Runde 10 spielfrei) ein:

1. Bundesliga: Kampfremis nach sechs Stunden

In der 11. Runde der Schach-Bundesliga hatte Werders Spitzenteam einen schweren Stand, musste es doch ohne seine beiden Großmeister Lars Schandorff und Luke McShane gegen die stets gefährlichen Schachfreunde Berlin-Neukölln antreten. Zu guter Letzt nach über sechs Stunden währendem Kampf im Hamburger Iduna Nova-Gebäude kamen die Bremer mit einem auskömmlichen 4:4 sowie einem blauen Auge davon. Platz drei in der 1. Schach-Bundesliga ist zunächst behauptet!

Dabei sah es zur Zeitkontrolle nach vier Stunden für Werder zappenduster aus. Während sich die »tschechisch-slowakische Connection« an den ersten beiden Brettern (Movsesian - Hracek und Stohl - Babula) relativ schnell und friedlich remis trennte, mussten sich Rainer Knaak und Gerlef Meins geschlagen geben. Auch Mannschaftsführer C.D. Meyer konnte sich nach einem von Zeitnot überschatteten Tohuwabohu über seinen halben Punkt nicht beklagen.

Bei einem 1,5:3,5-Rückstand mit zwei besseren und einer schlecht stehenden Partie galt es nun für die Bremer, das ausgemachte Optimum von 2,5 Punkten rauszuholen - und es gelang! Erst siegte Jacob Heissler, der jetzt zusammen mit Babula das beste interne Einzelresultat von +4 aufweist, dann widerlegte Yannick Pelletier mit einem gesunden Mehrbauern die These, alle Turmendspiele sind remis. Schließlich stand noch Schachgöttin Caissa den wackeren Werderanern mit einiger Ausdauer zur Seite, indem sie den drohenden Verlust von Sven Joachim abwendete. Ende gut, alles gut!

Runde 11
Neukölln 4:4 SV Werder
Movsesian 1/2 Hracek
Stohl 1/2 Babula
Berndt 0:1 Pelletier
Borriss 1:0 Knaak
Polzin 1/2 Joachim
Poldauf 1:0 Meins
Thiede 0:1 Heissler
Rudolf 1/2 Meyer
Bundesliga (Stand nach Rd. 11)
Pl. Verein Sp BP MP
1. Lübecker SV 11 59,0 21
2. SG Köln Porz 10 54,0 18
3. Werder Bremen 10 49,5 14
4. TV Tegernsee 11 49,5 14
5. SFR Neukölln 10 44,0 13
6. Stuttgarter Sfr 11 49,0 13
7. Solinger SG 10 46,0 12
8. Hamburger SK 11 47,0 12
9. Godesberger SK 10 41,5 11
10. Castrop Rauxel 10 37,0 9
11. SV Wattenscheid 10 36,5 6
12. Erfurter SK 10 33,0 4
13. SK König Plauen 10 30,5 4
14. SG Heiligenhaus 10 18,0 2
15. Königsspr. HH 10 21,0 1
Scorertabelle
Spieler Pkt./Partien %
Hracek 6,0 /10 60%
Babula 7,0 /10 70%
Schandorff 6,0 /9 67%
McShane 2,5 /4 63%
Pelletier 4,0 /7 57%
Knaak 3,5 /8 44%
Joachim 6,5 /10 65%
Meins 6,0 /10 60%
Heissler 5,5 /8 69%
Meyer 1,0 /2 50%
Asendorf 1,0k/2 50%