1. Bundesliga

1. Bundesliga: Ärgerlich, Werder Bremen verpasst am letzten Spieltag Platz 3!

(ug). Am letzten Spieltag galt es für den SV Werder Bremen den Bronzeplatz vor Solingen und Tegernsee zu verteidigen. Die Chancen standen gut, gab es doch mit den Abstiegskandidaten König Plauen und Erfurt zwei vermeintlich leichte Gegner. Doch schon der Sonnabend fiel mit dem 4:4 gegen König Plauen eine negative Vorentscheidung!

Damit schließt Werder Bremen, nach einem deutlichen Sieg über Erfurt in der Schlussrunde, die Bundesligasaison 2001/2002 mit einem sehr guten 4. Platz ab. Obwohl nominell längst nicht die viertbeste Mannschaft in der Bundesliga, überzeugte Werder Bremen, wie schon in den vergangenen Jahren, durch Beständigkeit und Teamgeist. Ob mit Bestbesetzung am Schlusstag - am Sonnabend fehlten Hracek, Schandorff und Knaak - vielleicht auch der Bronzeplatz möglich gewesen wäre, ist unklar. Die beiden Nachrücker Levin und Heissler wussten an diesem Schachwochenende durch Doppelsiege zu überzeugen. Heissler ist es dann auch, der mit neun Punkten (aus zwölf Partien!) die meisten Brettpunkte für die Hanseaten erspielte.

Runde 14
Werder Bremen 4:4 König Plauen
Babula 1/2 Beliavsky
McShane 0:1 Bischoff
Pelletier 1/2 Gdanski
Joachim 1:0 Boensch
Meins 0:1 Kindermann
Levin 1:0 Espig
Heissler 1:0 Kuraszkiewic
Meyer 0:1 Haskamp
Runde 15
Erfurter SK 2,5:5,5 Werder Bremen
Luther 0:1 Babula
Haba 1/2 Schandorff
Paehtz,T 0:1 McShane
Fontaine 1:0 Pelletier
Mueller 1/2 Joachim
Votava 1/2 Meins
Paehtz,E 0:1 Levin
Brüggemann 0:1 Heissler


Bundesliga (Abschlusstabelle)
Pl. Verein BP MP
1. Lübecker SV 74,0 27
2. SG Köln Porz 77,5 25
3. Solinger SG 66,0 20
4. Werder Bremen 66,0 19
5. Hamburger SK 62,0 17
6. TV Tegernsee 62,0 17
7. Godesberger SK 57,5 16
8. SFR Neukölln 55,5 15
9. Stuttgarter Sfr 59,5 14
10. Castrop Rauxel 53,0 11
11. SV Wattenscheid 54,0 9
12. Erfurter SK 50,0 8
13. SK König Plauen 47,5 8
14. Ksp Hamburg SC 31,5 2
15. SG Heiligenhaus 24,0 2
Scorertabelle
Spieler Pkt. Sp Erfolg
Hracek 7,0 12 58%
Babula 8,5 12 71%
Schandorff 7,5 12 63%
McShane 4,5 8 56%
Pelletier 5,5 11 50%
Knaak 4,0 10 40%
Joachim 8,5 14 61%
Meins 7,5 14 54%
Levin 2,0 2 100%
Heissler 9,0 12 75%
Meyer 1,0 3 33%
Asendorf 1,0k 2 50%

1. Bundesliga: Werders Wechselbad in Porz

Die 12./13. Runde der Schach-Bundesliga im Sportzentrum Porz-Wahn hat Werders Spitzenteam ein Wechselbad der Gefühle beschert. Zwar mussten die Bremer vom hohen Favoriten und deutschen Seriensieger Köln-Porz eine deklassierende 6,5:1,5-Niederlage einstecken, aber gegen den Godesberger SK konnten sie sich mit einem 5,5:2,5-Sieg rehabilitieren und so den dritten Tabellenplatz im deutschen Schach-Oberhaus (hinter Lübeck und Porz) wiedererobern.

Die Überlegenheit der Porzer Vollprofis bekamen die Werderaner zur ersten Zeitkontrolle nach knapp vier Stunden heftig zu spüren: Ob nun McShane gegen Ivan Sokolov, Pelletier gegen Rafael Vaganian, Knaak gegen Curt Hansen oder Joachim gegen Alexander Graf (ex Nenasev), alle mussten sich der Übermacht von acht prominenten Großmeistern beugen. Allein Gerlef Meins stand gegen Erik Van der Doel immer etwas besser, doch weil er mehr als das Remis wollte und überzog, hatte auch er in einem Zeitnotdebakel schließlich das Nachsehen. Die nach etwa sechs Stunden hart umstrittenen halben Punkte von Hracek, Schandorff und Heissler zeugten überdies von der Bissigkeit des deutschen Vizemeisters, der im diesjährigen Kampf um die Goldmedaille seine Chancen gewahrt hat.

Weit spannender ging es dann gegen die nominell nur etwas schwächeren Godesberger zu. Nachdem sich Knaak (gegen Breder), Joachim (gegen Jackelen) und Heissler (gegen Schmidt) friedlich trennten, fiel die erste Entscheidung zugunsten der Werderaner zur Zeitkontrolle durch Gerlef Meins, der (mit den schwarzen Steinen) gegen Rüdiger Segers Alapin-Sizilianer einen verdienten Erfolg verbuchen konnte. An den oberen vier Brettern indes wollte sich zunächst nichts Klares abzeichnen. Als dann Hracek und Schandorff, beide mit den Rücken an der Wand (gegen Dautov bzw. Kengis), das Remisufer erreicht hatten, lag alles in den Händen der Junggroßmeister McShane und Pelletier. Gegen Ferenc Langheinrichs Königsinder tat sich Yannick Pelletier erstaunlich schwer, und die Partie wurde in einer etwa ausgeglichenen Situation zu einer reinen Nervensache. Denn plötzlich bedienten sich beide - offenbar von der gefürchteten »Amaurosis scachistica« befallen (Schachblindheit) - abwechselnd mit groben Fehlern. Da dem Werderaner glücklicherweise der vorletzte unterlief, war das Match brutal abrupt entschieden.

Beim Stande von 4,5:2,5 für Bremen legte Luke McShane schließlich noch einen drauf, indem er den litauischen Routinier GM Kveinys, der sich in Passivität eingeigelt hatte, geduldig und sauber »aushebelte« (siehe nachstehend).

(Einzelresultate, Scorerliste und Zwischentabelle fanden sich schon in der Rochade Mai)

Werders »Partie des Wochenendes« bietet diesmal einen zähen Belagerungskrieg mit einer finalen Aushebelung der Festung.

Aloyzas Kveinys (Godesberg) - Luke McShane (Werder)
Sizilianisch (B 31), Brett 3, 14.04.02

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 g6 4.0-0 Lg7 5.c3 Sf6 6.Te1 0-0 7.h3 e5 8.d3 d6 9.Sa3 Ld7 10.Ld2 a6 11.La4 b5 12.Lb3 h6 13.Dc1 Kh7 14.Sc2 Sa5 15.Se3 Sxb3 16.axb3 Lc6 17.c4 b4 18.Sh2 Sg8 19.Sd5 f5 20.Dd1 f4 21.De2 g5 22.Ta2 Se7 23.Tea1 Lb7 24.Sxe7 Dxe7 25.g4 Lf6 26.Df3 Kg6 27.Kf1 Th8 28.Dg2 De6 29.Ke2 Lc8 30.Th1 Ta7 31.Taa1 Tah7 32.Tag1 Kf7 33.Df1 Ld8 34.Dg2 Ke8 35.f3 Kd7 36.Sf1 Kc6 37.Le1 Dg6 38.Kd2 a5 39.Kc2 Kb6 40.Lf2 De8 41.Sd2 h5 42.Th2 Th6 43.Tgh1 T8h7 44.Lg1 Le6 45.De2 Lf6 46.Dd1 Ld7 47.De1 Lc6 48.Sf1 Dh8 49.Kb1 Kc7 50.Dd1 Kb8 51.Dc2 Ta7 52.Lf2 Tah7 53.Le1 Ld8 54.Kc1 Kc8 55.Kb1 Ta7 56.Dd1 Thh7 57.Ld2 Ta6 58.Lc1 a4 59.bxa4 b3 60.Ld2 Txa4 61.Dxb3 Tha7 62.Kc2 Ta1 63.Dc3 La5 64.Dxa5 T7xa5 65.Lxa5 Txa5 66.h4 Ta1 67.hxg5 Dd8 68.Txh5 La4+ 69.b3 Da5 0-1.

Eine reife Leistung des 18jährigen Luke McShane.

C. D. Meyer

2002-06-11