Deutsche Jugendeinzelmeisterschaften 2002 in Winterberg

Traditionell standen in der Pfingstwoche wieder die Deutschen Jugendmeisterschaften aller Altersklassen (von der U18 bis zur U10) auf dem Programm, diesmal im nur 15 km vom vorjährigen Austragungsort Willingen entfernten Winterberg im Sauerland (NRW). Leider hatte die DSJ mit der Vergabe der Meisterschaft nach Winterberg keine so glückliche Hand bewiesen wie in den vergangenen Jahren, insbesondere kam aufgrund der dezentralen Ausrichtung (Unterbringung über den ganzen Ort verteilt, 3 verschiedene Spielorte) keine rechte Meisterschaftsstimmung auf.

Photo: Bremer Teilnehmer der DJEM

Bremer Teilnehmer an der DJEM 2002. Foto: Höpfner

Die Unterbringung erfolgte in Ferienwohnungen oder in etwas entfernt gelegenen Ferienparks, wobei zum Spielort ein Busshuttle eingerichtet wurde. Die Bremer Schachjugend hatte bereits im Vorfeld eine Besichtigungsfahrt nach Winterberg unternommen und drei sehr schöne (und vor allem auch ausreichend große!) Ferienwohnungen angemietet, die glücklicherweise in unmittelbarer Nähe zu den Spielorten lagen, so dass auch die jüngeren Teilnehmer den Fußweg alleine bewältigen konnten. So waren dann auch alle Bremer Teilnehmer (12 SpielerInnen, die Betreuer Oliver Höpfner, Tobias Jugelt, Raimund Klein und Ulrike Schlüter sowie die begleitenden Familien Schäfer und Stelter) mit der Unterbringung sehr zufrieden.

Zentraler Treffpunkt für die Meisterschaft war die Stadthalle in Winterberg, in der die U10 und U12 spielten und wo die DSJ zusätzlich ein großes Festzelt aufgebaut hatte, was aber - vielleicht wegen der doch etwas kühlen Witterung - leider nur sehr vereinzelt genutzt wurde. In der Stadthalle wurden auch Mittag- und Abendessen eingenommen - leider ein weiterer großer Kritikpunkt der Meisterschaften, auch wenn es gegen Ende der Woche etwas besser wurde (zur Qualität des Essens sei nur folgendes gesagt: sie war so schlecht, dass sich unser Kassenwart Ohöpf spontan bereit erklärt, die ganze Bremer Delegation zulasten der Haushaltskasse zum Pizzaessen einzuladen!).

Photo von Ulrike Schlüter

Die BSJ-Vorsitzende auf Überholspur?! Foto: Höpfner

Ausgesprochen gut kam dagegen bei den Teilnehmern, Betreuern und Eltern das vom schon bewährten Dr. Freizeitteam (mit dem Delmenhorster Eike Schwede) organisierte Rahmenprogramm an: neben Ausflügen und Wanderungen in die Umgebung, einer Bergwerksbesichtigung, Fahrten zur Sommerrodelbahn und zum Freizeitpark Fort Fun wurden zahlreiche Sportaktivitäten (Schwimmbad, Fußball, Bowling, ...) angeboten und natürlich gab es auch wieder eine tägliche Meisterschaftszeitung »Herzblatt«, die sich großer Beliebtheit unter den Teilnehmern und Eltern erfreute. Neu im Programm der Freizeitplaner war dabei ein Hallenfußballvergleich der Landesverbände, bei dem natürlich auch Bremen vertreten war (übrigens als einzige Delegation mit U10 und U12 - Spielern! - Simon und Freddy waren richtig heiß auf Fußball. Und Dank einer herausragenden Leistung von Gregor in der Abwehr erreichten wir sogar gegen unseren »Lieblingsgegner« Niedersachsen (u.a. mit Karsten Bertram) ein Unentschieden! Sehr gut kam bei den Teilnehmern auch der Besuch im nahegelegenen Freizeitpark Fort Fun an, der wegen des eher durchwachsenen Wetters nur sehr spärlich besucht war, so dass die sonst üblichen langen Wartezeiten bei den Karussells entfielen. Auch der Berichterstatterin hat es dort gut gefallen, insbesondere eine Fahrt mit der Loopingbahn in Begleitung von Stefanie Göllner kann ich jedem nur empfehlen!

Abgerundet wurde eine schöne - und für die Betreuer natürlich anstrengende Woche - mit einer von der Deutschen Schachjugend wieder großartig dargebotenen 2stündigen Siegerehrung mit jeder Menge Showeinlagen und Wettkämpfen der Deutschen Meister gegen die Schiedsrichter.

Nun aber mal zum schachlichen Teil, denn schließlich waren die Meisterschaften ja der Grund für unsere Reise nach Winterberg: Insgesamt lief es für 12 Teilnehmer überwiegend gut bis zufriedenstellend, herausragend dabei natürlich der Titelgewinn von Peter Lichmann in der U12!

Zu den einzelnen Altersklassen:

U18

Der Bremer Vertreter, der erst 15jährige Markus Lammers (Delmenhorster SK) hatte sich nach zuletzt sehr starken Leistungen (u.a. der 5. Platzg bei der Offenen Bremer EM!) einiges vorgenommen und wollte - obwohl nur an Nr. 20 gesetzt - nach Möglichkeit einen Platz unter den ersten 10 erreichen. Leider erwischte er aber einen sehr schlechten Start mit Niederlagen gegen Ilja Zaragatski und Robert Schlichthaar. Markus, für den es die erste Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft überhaupt war, war wohl von der Spielstärke und vor allem von dem kämpferischen Einsatz seiner Konkurrenten etwas überrascht. Gegen Ende des Turniers konnte er aber noch mal zulegen und sich mit 3,5 Punkten noch deutlich vom Tabellenende absetzen.

Den spannenden Titelkampf entschied in der letzten Runde der 17jährige Ilja Zaragatki (NRW) für sich, da der von vielen als Geheimfavorit gehandelte, erst 14jährige Arik Braun (Württemberg) in seiner Partie nicht über ein Remis hinauskam und sich somit mit Rang 2 begnügen musste.

U18w

In der U18w, in der keine Bremer Teilnehmerin am Start war, konnte die topgesetzte Tina Mietzner (Sachsen) nach verpatzten Beginn (0,5/2) doch noch gut punkten und sich den Titel erspielen. Platz 2 und 3 gingen an Alice Winnicki aus Hamburg und Elisabeth Schlosberg aus Bayern.

U16

Frithjof Fehsenfeld (SF Achim) war der Bremer Teilnehmer in der U16. Im Gegensatz zum letzten Jahr erwischte er einen super Start und schlug nacheinander die an Nr. 2 und 4 gesetzten Martin Alexander Becker (ELO 2178) und Alexander Postojew (ELO 2152). Danach lief es leider nicht mehr so gut, vielleicht weil Friedel jetzt von einigen schon als Geheimfavorit auf den Titel gehandelt wurde und sich dadurch selber etwas zu sehr unter Druck setzte. Insgesamt spielte er aber ein deutlich besseres Schach als im vergangenen Jahr und konnte viermal gewinnen. Der Titel in der U16 ging - für viele überraschend - an Jewgeni Degtiarew aus Magdeburg, dessen ELO von über 2200 leider erst während des Turniers bekannt wurde, da die DSJ schlichtweg vergessen hatte, die im Vorfeld gemachten Angaben zu überprüfen! Ein gutes Turnier spielte auch der Neu-Delmenhorster Stefan Walther (Niedersachsen, SC Ganderkesee), der trotz einer unnötigen Niederlage in der letzten Runde Platz 10 erreichte und von BSJ-Kadertrainer Wilfried Bode gut vorbereitet wurde. (Wie sagte doch Wilfried am Rande des Turniers zu mir: »Nächstes Jahr betreue ich lieber die Bremer, da ist die Erwartungshaltung nicht so hoch!«)

U16w

Photo: Susanna Ratner

Die Bremer U16-Meisterin Susanna Ratner. Foto: Höpfner

Das U16-Turnier der Mädchen wurde dominiert von der vorjährigen U14-Meisterin Maria Schöne aus Sachsen, die souverän den Titel errang vor Helene Romakin aus Niedersachsen und Elvira Mass aus NRW. Für Bremen startete die U16-Titelträgerin Susanna Ratner (SV Werder), die von Anfang an ein recht gutes Schach spielte und auf insgesamt 4 Punkte kam. Leider verdarb Susanna zuweilen noch die ein oder andere gute Stellung in Zeitnot, sonst könnte sie von ihrem Potential her auch noch weiter oben mitspielen.


U14

Photo von Christoph Stelter

Der Bremer U14-Meister Christoph Stelter. Foto: Höpfner

In der U14 vertrat der Bremer Meister Christoph Stelter (SV Werder) die Bremer Farben. Obwohl nur an Nr. 28 gesetzt, zeigte Christoph von Beginn an keinen Respekt vor großen Namen oder hohen DWZ-Zahlen der Gegner und erwischte mit 1,5/2 einen Traumstart! Erwartungsgemäß lief es nicht so weiter, aber Christoph zeigte während des gesamten Turniers gutes Schach, konnte in der stark besetzten U14 mithalten und letztlich neben einer guten Platzierung einen großen DWZ-Zuwachs verbuchen.

Den Titel in der U14 gewann ganz souverän der große Favorit Falko Bindrich aus Sachsen, der bereits vor der Schlussrunde als Sieger feststand.

U14w

Auch der U14-Titel der Mädchen ging nach Sachsen: die vorjährige U10-Meisterin Elena Winkelmann setzte sich vor Susan Großmann und Julia Herkt (beide Sachsen-Anhalt) durch. Da alle drei 7 Punkte erreichten, musste für die Titelvergabe allerdings der DWZ-Gegnerschnitt herangezogen werden, der knapp für Elena sprach. Maike Janiesch (SV Werder) kam auf 3,5 Punkte und Rang 21, womit sie selbst durchaus zufrieden war, während wir doch etwas mehr von ihr erwartet hatten! Einigen sehenswerten Partien standen auch unnötige Einsteller gegenüber; wenn Maike es schafft, diese abzustellen, dann sollte sie von ihrem Talent und ihrer Partieanlage her bei den nächsten Meisterschaften auch weiter oben mitspielen können.

U12

Endlich mal wieder ein Titelgewinn für Bremen (der vom Freistaat Bayern nach der 8. Runde noch schnell eingereichte Protest gegen die Spielberechtigung von Peter hat unser Auffassung nach keine Aussicht auf Erfolg): Peter Lichmann (SV Werder; ELO 2151!) beherrschte das übrige Feld in der U12 nach Belieben und stand nach 9 Siegen in Folge bereits frühzeitig als Meister fest, so dass er in den Schlussrunden noch 2 Remis zulassen konnte. Peter spielte dabei ein sehr sicheres Schach und war seinen Konkurrenten vor allem aufgrund seiner Ausdauerfähigkeit und Rechenstärke hoch überlegen. Den Vizetitel errang Marco Baldauf aus Bayern vor Nikolas Lubbe aus Wilhelmshaven.

Photo Peter Lichman

Der U12-Turniersieger Peter Lichman. Foto: Höpfner

Und auch der Bremer Meister Tim Cammann (Delmenhorster SK) konnte mit seinem 29. Platz und 6,5 Punkten sehr zufrieden sein. Nachdem es für Tim zu Beginn des Turniers noch etwas durchwachsen lief und er einige Probleme mit der Zeiteinteilung hatte (er spielte entweder viel zu schnell oder aber viel zu langsam), war vor allem sein Endspurt mit 4/4 und schönen Siegen gegen Judith Fuchs (Sachsen) und den Hamburger Meister Jan-Hendrik Müller beeindruckend.

Und auch Stefanie Göllner mit 3,5 Punkten und Frederik Stelter mit 3 Punkten enttäuschten in dem auffallend starken Teilnehmerfeld keineswegs. Freddy war bei seiner ersten Deutschen natürlich zu Beginn auch noch sehr aufgeregt, hat aber dafür im nächsten Jahr noch mal die Chance, in der U12 starten zu dürfen. Stefanie zeigte einige vielversprechende Ansätze und könnte bei etwas mehr Motivation in der Vor- und Nachbereitung der Partien in den nächsten Jahren noch weiter vorne landen.

U10

Photo von Simon Schäfer

Der Bremer U10-Meister Simon Schäfer. Foto: Höpfner

Die Titel bei den Jüngsten gingen an Julian Geske (Hessen) und Milana Smolkina (Hamburg).

Bester Bremer Teilnehmer in der U10 wurde erwartungsgemäß der 8jährige Simon Schäfer (SV Werder), der allerdings zu Beginn des Turniers nicht ganz zu gewohnten Spielstärke finden konnte und überraschend aufgeregt agierte. Im Turnierverlauf steigerte Simon sich aber und erreichte am Ende mit 5 Punkten einen guten 57. Platz. Man darf gespannt sein, wie weit er es im nächsten Jahr nach vorne schaffen wird! Auch Eileen Thiele - ebenfalls erst 8 Jahre alt - spielte bei ihrer ersten Deutschen ein gutes Turnier, während Dimitri Jebtchouk die Aufregung während der Partien doch recht deutlich anzumerken war und er sich nach Niederlagen auch selber immer sehr unter Druck setzte. Am Ende konnte er aber auch noch mal zulegen und das Turnier mit einem Sieg beenden. Beide haben sicherlich für die nächsten Meisterschaften viel gelernt.

Negativ anzumerken ist bei den jüngeren Altersklassen das Verhalten einiger Eltern und Betreuer, die - trotz des zu Beginn der Meisterschaft herausgestellten Fair-Play-Gedankens - immer wieder versuchten, durch Tipps oder Gesten in die Partien ihrer Schützlinge einzugreifen und sich teilweise nicht einmal von einem Saalverbot abschrecken ließen! Die Schiedsrichter hatten in dieser Altersklasse wirklich alle Hände voll zu tun und vielleicht sollte die DSJ doch einmal über ein Saalverbot für Eltern und Betreuer nachdenken.

Fazit: Endlich mal wieder ein Titel für Bremen und auch das Abschneiden der übrigen Teilnehmer lässt für die Zukunft des Bremer Schachs hoffe.

Ulrike Schlüter

Tabellen

Deutsche Jugendeinzelmeisterschaften 2002

Endstand U18 (28 Teilnehmer)
Pl. Name Verein Land Pkte. DWZ-G
01. Ilja Zaragatski SG Bochum 31 NRW 7,0 2153
02. Arik Braun SV Backnang WÜR 6,5 2208
03. Robert Schlichthaar SG Magdeburg S-A 6,0 2164
...
22. Markus Lammers Delmenhorster SK BRE 3,5 2042
...
Endstand U18w (24 Teilnehmer)
Pl. Name Verein Land Pkte. DWZ-G
01. Tina Mietzner USG Chemnitz SAC 6,5 1748
02. Alice Winnicki SKJE HH 6,0 1845
03. Elisabeth Schlosberg SF Fürth BAY 6,5 1827
Endstand U16 (28 Teilnehmer)
Pl. Name Verein Land Pkte. DWZ-G
01. Jewgeni Degtiarew SG Magdeburg S-A 7,5 2084
02. Georg Meier SC Trier - Süd RLP 6,5 2067
03. Axel Heinz TSV Bindlach BAY 6,0 2096
...
10. Stefan Walther SC Ganderkesee NDS 5,0 2075
...
21. Frithjof Fehsenfeld SF Achim BRE 4,0 2019
...
Endstand U16w (26 Teilnehmer)
Pl. Name Verein Land Pkte. DWZ-G
01. Maria Schöne SC Großröhrsdorf SAC 7,0 1684
02. Helene Romakin HSK/Post Hannover NDS 6,5 1706
03. Elvira Mass Berghofen-Wambel NRW 6,5 1646
...
20. Susanna Ratner SV Werder BRE 4,0 1562
...
Endstand U14 (28 Teilnehmer)
Pl. Name Verein Land Pkte. DWZ-G
01. Falko Bindrich SC Oberland SAC 7,5 1956
02. Evgenija Shmirina Dresdner SC SAC 6,5 1974
03. Raiko Siebarth SG BW Stadtilm THÜ 6,5 1802
...
20. Christoph Stelter SV Werder BRE 3,5 1760
...
Endstand U14w (28 Teilnehmer)
Pl. Name Verein Land Pkte. DWZ-G
01. Elena Winkelmann Dresdner SC SAC 7,0 1536
02. Susan Großmann SG Magdeburg S-A 7,0 1527
03. Julia Herkt TSG Wittenberg S-A 7,0 1526
...
21. Maike Janiesch SV Werder BRE 3,5 1386
Endstand U12/U12w (102 Teilnehmer)
Pl. Name Verein Land Pkte.
01. Peter Lichmann SV Werder BRE 9,0
02. Marco Baldauf Pang/Rosenheim BAY 8,5
03. Nikolas Lubbe Wilhelmshavener SF NDS 8,0
...
29. Tim Cammann Delmenhorster SK BRE 6,5
94. Stefanie Göllner SV Werder BRE 3,5
99. Frederik Stelter SV Werder BRE 3,0
...
Endstand U10/U10w (90 Teilnehmer)
Pl. Name Verein Land Pkte.
01. Julian Geske SC Höchst HES 9,0
02. Andreas Strunski Stuttgarter SF WÜR 8,5
03. Andreas Heimann SC Dreiländereck BAD 8,5
...
57. Simon Schäfer SV Werder BRE 5,0
82. Eileen Thiele SV Werder BRE 3,5
87. Dimitri Jebtchouk SV Werder BRE 3,0
...

Partien

Zimmermann,H (1901) -
Lammers,M (2081) [A67]
DEM U18 Winterberg (6), 21.05.02

1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 e6 4.Sc3 exd5 5.cxd5 d6 6.e4 g6 7.f4 Lg7 8.Lb5+ Sfd7 9.a4 0-0 10.Sf3 a6 10...Sa6 Ist der eher gebräuchliche Zug. Vor dem Doppelbauern muss man in Anbetracht der b-Linie, dem Läuferpaar und dem Feld b4 keine Angst haben. 11.Ld3 Te8 12.0-0 Dc7 13.Kh1!? Danach sollte Schwarz keinerlei Probleme haben. Auf jeden Fall musste der in Partie folgende Textzug verhindert werden. Deshalb ist nach De2 oder Db3 nicht zu sehen, wie sich Schwarz befreien kann! 13...c4 14.Lc2 Sc5 15.Te1 Weiß hätte mit 15.Sd2!? den Läuferabtausch verhindert. 15...Sbd7 16.Sxc4 Lxc3 17.bxc3 Sxe4 18.Dd4 Sdc5 mit Gegenspiel. 15...Lg4 16.h3 Lxf3 17.Dxf3 Sbd7 e4-e4 ist für längere Zeit verhindert. Schwarz kommt jetzt peu à peu in Vorteil. 18.Le3 Tab8 19.Tad1 b5 20.axb5 axb5 21.Ld4 b4 22.Lxg7 Kxg7 23.Se2 b3?! Nicht die beste Fortsetzung. Weiß erhält das Feld c3. Einfacher war Dd8-f6 um diese Diagonale in Beschlag zu nehmen und zu zeigen, wie schutzbedürftig der Bb2 ist (-/+). 24.Lb1 Sa4 25.Td2 25.Sd4! Sxb2?! 26.Dc3 Sf6 einziger Zug (26...Sa4 27.Sf5+ Kg8 28.Dg7#) 27.Dxb2 c3 28.Df2 unklar 25...Da5 26.Ted1 Tbc8 27.Sd4 Dc7 28.Sc6 Sb8 29.Sxb8 (Zeit) Die einzig gut postierte Leichtfigur hätte dem Abtausch lieber ausweichen sollen (Sd4 zurück). Danach wäre die Stellung immer noch sehr schwer zu gewinnen. 29...Dxb8 30.De3 f6 31.Tc1 Db6 32.Dd4? Dxd4 33.Txd4 Sxb2-+ 34.Kg1 c3 0-1

Partie im PGN-Format

Müller,J (1708) -
Cammann,T (1397) [B18]
DEM U12 Winterberg (11), 25.05.02

1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5 5.Sg3 Lg6 6.S1e2 Sd7?! Dieser Zug passt nur in die Sf3 Variante. Hier bereitet es nur Probleme! Nach Sf4 mit nachfolgenden h4-h5 muss Schwarz schon ideenreich spielen! [6...e6 7.Sf4 Ld6 8.Lc4 Sf6] 7.Sf4 Sgf6 8.Sxg6 Absolut einfallslos. Die Position nicht richtig verstanden. Die Züge Lc4 oder h4 sollten Weiß eine schöne Stellung bereiten! 8...hxg6 9.Le2 Da5+ 10.c3 0-0-0 11.b4?! Dieser Zug ist aufgrund der noch nicht beendeten Entwicklung verfrüht. [11.0-0 e6 12.Lf4 Sd5 13.Ld2+=] 11...Dc7 12.Db3 e6 13.a4 Ld6 Droht Lg3 nebst Th2! 14.0-0 Th7! Dieser unscheinbare Zug bereitet Weiß Kopfzerbrechen! 15.b5 Sb8?! Legt den Rückwärtsgang ein. Mehr als ein laues Lüftchen ist b5 auch nicht. Schwarz sollte konsequent seinen Angriff vortragen! [15...Tdh8! 16.bxc6 bxc6 17.h3 Lxg3 18.fxg3 Txh3-/+; 15...c5!? 16.a5 Tdh8-/+] 16.a5 [16.c4!? mit Deckung der 3. Reihe durch die Dame!!] 16...cxb5 17.Lxb5 Se4 [17...Tdh8! 18.c4 (18.f4 Txh2 19.Ta4 a6 20.Tc4 Sc6-+) 18...Txh2-+] 18.Le3 [18.Lc4!? ...Tdh8 19.Lxe6+ unklar] 18...Sxg3 19.fxg3 Tdh8

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. s k . . . . t
b b d . . b b t
. . . l b . b .
B L . . . . . .
. . . B . . . .
. D B . L . B .
. . . . . . B B
T . . . . T K .

20.Lf4? Lange Zeit auf halten gespielt und dann wieder so ein grober Schnitzer. Der schwarze Angriff ist inzwischen verflogen (mehrmaliges Auslassen von Tdh8, jetzt ist es zu spät!) und mit dem einfachen Zug 20.h3! Lxg3 21.Dc4!! steht Weiß schon auf Gewinn. Der Punkt f7 ist zu schwach! 20...Txh2 21.Lxd6 Dxd6 22.Dc4+ Kd8 23.Dd3 De7 24.Df3 Df6-/+ Jetzt war der schwarze Sieg nur noch eine Frage der Zeit! 25.Dxf6+ gxf6 26.Ld3 Sc6 27.Kf2 T2h5 28.a6 b6 29.Ke3 f5 30.Kf4 Ke7 31.Tfe1 Kd6 32.Lb5 Tc8 33.Lxc6 Txc6 34.Tec1 Kd5 35.Ta4 g5+ 36.Kf3 Tc4 37.Tb4 f6 38.Txc4 Kxc4 39.g4 Th4 40.gxf5 Tf4+ 41.Ke3 Txf5 42.Ta1 Ta5 43.Tb1 Ta3 44.Ke4 Txa6 45.Tc1 f5+ 46.Ke5 b5 47.Tb1 Tb6 48.Ta1 Kxc3 49.Txa7 b4 50.Ta1 Kc2 51.d5 exd5 52.Kxd5 b3 53.Ke5 Tb5+ 54.Kf6 g4 0-1

Partie im PGN-Format

Fehsenfeld,F (2067) -
Krämer,M (2129) [E61]
DEM U16 Winterberg (5), 21.05.02

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.Lf4 0-0 5.e3 d6 6.h3 Sbd7 7.Sf3 b6 8.Le2 Lb7 9.0-0 Se4 10.Dc2 Sxc3 11.Dxc3 Aus einer seltenen Eröffnung ist diese Stellung entstanden. Es gibt hier für Weiß nur einen Plan, der lautet c5 durchsetzen. 11...e5 12.Lh2 De7 13.Tfe1 f5 14.b4 e4 15.Sd2 g5 15...c5 Dieser typische Gegenzug wird einfach cool erwidert mit Sb3 und über kurz oder lang wird Weiß sich auf der d-Linie »breit« machen: 16.Sb3+= 16.Sb3 Tae8 17.Tac1 Weiß hat seinen Plan konsequent vorgetragen und droht nun mit c5 seinen Vorteil auszubauen. Aber auch mit dem Textzug (c7-c5) werden die Probleme nicht weniger (eher mehr!). Eine etwas bessere Stellung erreicht Schwarz nach Sf6 (was der Gabel auf c6 aus dem Weg geht!) 17...c5 18.Dd2 cxb4 19.Dxb4 f4 20.c5!

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
. . . . t t k .
b l . s d . l b
. b . b . . . .
. . B . . . b .
. D . B b b . .
. S . . B . . B
B . . . L B B L
. . T . T . K .

20...dxc5 21.Sxc5 bxc5 22.Dxb7± Und Weiß steht dank des Läuferpaars und der deutlich besseren Königsstellung schon nahezu auf Gewinn! 22...Kh8 23.Lb5 Td8 24.dxc5 Df7 25.Tc2 Se5 26.Dxe4 Sg6 27.exf4? Danach lässt sich Weiß noch wieder etwas in die Enge drängen. [27.c6!?] 27...gxf4 28.Tec1 Td4 29.De1 Sh4 30.c6 Dg6 [30...Sxg2!? 31.Kxg2 Dd5+ 32.f3 Dxb5±] 31.Df1 Sf3+ 32.Kh1 Sd2 33.De1 f3 34.g3 Dh6 35.Lf1 Se4 36.c7 Tc8 37.Tc4 Txc4 38.Txc4 Sd6 39.Tc6 1-0

Partie im PGN-Format