SF Lilienthal:
Osterholzer Kreismeisterschaft, Himmelfahrt


16. Kreismeisterschaft: Neue Herausforderungen

I Organisation und Teilnehmer

...erwarteten diesmal die Veranstalter der 16. Kreismeisterschaft des Landkreis Osterholz, die am Samstag den 25.05.2002 im Vereinsheim der Schachfreunde Lilienthal stattfand. In inzwischen altbewährter Manier hatte Erhardt Förster, der 1. Vorsitzende der Schachfreunde Lilienthal, die übrigen bekannten Schachvereine im Landkreis angeschrieben, den Teilnehmern vorheriger Kreismeisterschaften Einladungen zugesandt, die lokale Tageszeitung verständigt und auch noch auf den allerletzten Drücker eine Turnierausschreibung in der LSB Bremen Rochade 06/2002 geschaltet. Damit waren eigentlich alle gängigen Register für Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld eines Schachturniers ausgeschöpft. Allerdings zeigten die vorherigen Jahre deutlich, dass es sich bei der Turnierorganisation im Schach ähnlich wie in der Landwirtschaft verhält:

Stimmen das Wetter und/oder die äußeren Rahmenbedingungen nicht, ist eine Missernte (niedrige Teilnehmerzahl) vorprogrammiert.

Diesmal allerdings schien die Intervention von Schachmuse Caissa beim Wetterverantwortlichen Petrus erfolgreich gewesen zu sein. Ganz nach guter schachtaktischer Methode, dass die Drohung oftmals stärker als die Ausführung einer Aktion ist, war für das Wochenende schlechtes Wetter angekündigt worden. Diese Prognose bewahrheitete sich dann aber nicht. Es hatte aber zur Folge, dass diverse Schachspieler, die sich ursprünglich eine Schönwetteraktion vorgenommen hatten, einknickten und sich zur Kreismeisterschaft im Vereinsheim der Schachfreunde Lilienthal einfanden und nochmals die Teilnehmerzahl in die Höhe trieben.

Überhaupt hatten sich nach und nach im Vorfeld bereits 21 Teilnehmer angemeldet oder latent angekündigt. Durch die vorher beschriebenen Randbedingungen schnellte dann die Teilnehmerzahl noch auf erfreuliche rekordverdächtige 31 Akteure(!!) in die Höhe. Weiterer besonders erfreulicher Nebeneffekt war hierbei die Teilnahme von Jugendlichen aus allen 3 bekannten Schachvereinen des LK Osterholz; so dass diesmal auch wieder eine Jugendkreismeisterschaft innerhalb des Turniers ausgespielt werden konnte. Nachfolgend für statistisch Interessierte die Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes nach Vereinen:

Gesamtteilnehmerzahl: 31 (Vorjahr: 12), davon

Spannend war natürlich die alljährlich aktuelle Frage, wer denn diesmal Kreismeister werden würde. Eine Prognose für die Kreismeisterschaft 2002 war bei 31 Teilnehmern war natürlich wesentlich schwieriger zu stellen als im Vorjahr. Im Gegensatz zu 12 Akteuren mit 2 klaren Favoriten und einem deutlich schwächeren Hauptfeld, wo von vorneherein klar war, dass es letztendlich ein Zweikampf zwischen Claus Meyerdierks und Helmut Lange über 7 Runden werden würde, waren diesmal weitere Akteure einzukalkulieren.

Sicherlich waren diesmal auch Claus Meyerdierks und Helmut Lange wieder favorisiert. Neben diesen beiden Akteuren waren aber noch diverse Schachfreunde aufmarschiert, die von der Spielstärke her bereit und in der Lage waren den beiden Favoriten den einen oder anderen halben oder sogar ganzen Punkt abzunehmen, um bei weiterem jeweilig günstigen Turnierverlauf selbst Kreismeister zu werden. Nachfolgend einige Profile der wichtigsten »Trapper und Fallensteller«:

Als weitere Schachfreunde in zweiter Reihe beim Kampf um den Kreismeistertitel durften natürlich Günther Radloff, Lothar Cordes, Holger Schröder und Jochen Wöltjen ebenfalls nicht unterschätzt werden. Aber auch gegen alle weiteren nichtgenannten SpielerInnen musste erst einmal gewonnen werden. Völlig unklar war natürlich die Lage bei den Jugendlichen. Weil die Ausspielung des Kreisjugendmeistertitels lange verwaist war und nach längerer Zeit nun viele neue Gesichter auftauchten, die sich der Turnierleiter und Artikelschreiber noch nicht merken konnte, war hier natürlich noch gar keine Vorhersage in punkto Favoriten etc. möglich.

II Turnierverlauf

Unter diesen Voraussetzungen startete dann die 1. Runde der Kreismeisterschaft gegen 09:20 Uhr mit leichter Verzögerung. Wieder einmal hatten beim Eingeben der Turnierparameter die Tücken des Auslosungsprogramms zugeschlagen. Dieses erwies sich in Runde 1 auch als tückisch für die Teilnehmer. Während andere Auslosungsprogramme den Favoriten im entsprechenden Modus noch »Aufwärmpartien« zugestehen bevor es zum Showdown kommt, wurden die Akteure hier in Runde 1 bereits zu Vorentscheidungspartien verdonnert. Man sah nun bereits:Müller - Wokittel, Schröder - Lange, H., Wöltjen - Matticzk und auch der amtierende Kreismeister 2001, Claus Meyerdierks, bekam es in Runde 1 gleich mit seiner Angstgegnerin aus dem Vorjahr, Britta Koloski, zu tun.

In Runde 2 setzte das Auslosungsprogramm seine Politik der Härte gegen die Favoriten und ihre Verfolger fort: Meyerdierks - Hesse, Lange, H. - Cordes und Matticzk - Radloff stand nun auf der Tagesordnung. Danach hatte sich das Teilnehmerfeld allerdings soweit durchmischt, dass diverse Schachfreunde mit Außenseiterchancen, die Favoriten und die genannten Titelanwärter mindestens 2 Punkte aus 3 Partien hatten. So waren z.B. die Schwaneweder SF Neumann und Schönberger nach Runde 3 beide im vordersten Feld zu finden.

In Runde 3 zog SF Schönberger gegen Helmut Lange allerdings den kürzeren und SF Neumann wurde in Runde 4 von Thomas Müller in die Schranken gewiesen. Ohne Punktverlust nach Runde 3 waren aber nur die beiden Favoriten Helmut Lange und Claus Meyerdierks geblieben, so dass Runde 4 die Vorentscheidung bringen musste. Entsprechend hart war dieses Treffen dann umkämpft. In der längsten Partie dieser Runde konnte Claus Meyerdierks zwar in ein Turmendspiel mit Mehrbauer einlenken, kam über die Remisbreite aber nicht hinaus. Somit hieß es am Ende Punkteteilung für beide Favoriten und weiter Abwarten. Unter den weiteren Titelanwärtern duellierten sich sonst nur Wokittel und Matticzk, wobei SF Wokittel Revanche nahm und seine Scharte von der KM 2000 ausglich.

Wieder härter zur Sache ging es nach der Auslosung von Runde 5. Die beiden Osterholzer Radloff und Hesse wurden gegeneinandergelost und auch weitere pikante Treffen standen an: Müller - Meyerdierks, Lange - Wöltjen und Wokittel - Schröder machten diese Runde spannend. Hartmut Hesse punktete gegen seinen Vereinskollegen und hielt weiter Anschluss an die Favoriten, ebenso Ulf Wokittel. Weiterhin zeigte sich Jochen Wöltjen dem nominell stärkeren Helmut Lange spielerisch doch noch nicht gewachsen und Claus Meyerdierks wies einmal mehr nach, dass er in der SFL-Mannschaft trotz niedrigerer DWZ-Zahl wohl doch zu Recht vor Thomas Müller an Brett 1 spielt und die größere Turnierhärte und -routine besitzt.

Vor Runde 6 waren somit Helmut Lange, Claus Meyerdierks und Ulf Wokittel mit 4,5 Punkten gleichauf, dicht gefolgt von Hartmut Hesse mit 4,0 Punkten. Womit sich unter den genannten Akteuren ein Vierkampf um den Kreismeistertitel abzeichnete. In den titelentscheidenden Duellen der Runde 6 waren nun die Partien Wokittel - Lange und Hesse - Müller am härtesten umkämpft. Ein abgelehntes Remisangebot ließ Thomas Müller in der Folge straucheln und Helmut Lange gab gegen Ulf Wokittel sein zweites Remis ab, so dass Claus Meyerdierks nun mit 5,5 Punkten die alleinige Führung übernahm. Allerdings immer noch dicht gefolgt von Helmut Lange, Ulf Wokittel und Hartmut Hesse mit je 5,0 Punkten.

In Runde 7 hielt das Rundenauslosungsprogramm dann die finalen Kracher Meyerdierks - Wokittel und Lange - Hesse bereit, die aber beide erstaunlich schnell zu Ende gingen. Bei Hartmut Hesse machte sich nach den schweren Gegnerrunden 5 und 6 so etwas wie »Ausbrand« bemerkbar, so dass Helmut Lange leichtes Spiel hatte und die Partie recht schnell für sich entscheiden konnte. Auch in Meyerdierks - Wokittel folgte ein recht schneller Niederschlag. Durch ungenaue Eröffnungsbehandlung hatte sich Ulf Wokittel gegen seinen alten Angstgegner aus früheren Lilienthaler Vereinsturnieren und -tagen in eine schrottreife Stellung manövriert und stand bereits nach 15 Zügen unter einem nicht mehr parierbaren Mattangriff. Damit war die Entscheidung über den Kreismeistertitel 2002 zu Gunsten von Claus Meyerdierks gefallen, der an seinen Vorjahreserfolg bei diesmal wesentlich stärkerem Teilnehmerfeld nahtlos anknüpfen konnte.

Spannend war jetzt natürlich noch die Frage wer bei den Jugendlichen die Nase vorn haben würde. Nach BH1-Punkten führte nach 7 Runden Micha Zöller vor Karsten Kreis bei gleicher Punktzahl. Weil bei den Erwachsenen bereits der Kreismeister feststand und dort eigentlich zur Siegerehrung geschritten werden konnte, war natürlich auf Organisatorenseite einerseits das Interesse vorhanden die BH-Zahl entscheiden zu lassen. Andererseits existierte eine etwas antiquierte Regelung, dass bei Punktgleichheit nach 7 Runden für den Kreismeistertitel ein Stichkampf zu entscheiden habe, dessen genaue Modalitäten aber nicht näher beschrieben sind. Der Artikelschreiber und Turnierleiter plädierte daher für Gleichberechtigung zwischen Jugendlichen und Erwachsenen, setzte sich durch und so wurde auf Vorschlag verschiedener Schwaneweder Schachfreunde nach kurzer Diskussion ein Stichkampf über 3 Blitzpartien mit je 5 min/Partie + Spieler für die Entscheidung angesetzt. Mit diesem waren alle betroffenen Akteure einverstanden. Entsprechend spannend begann die 1. Blitzpartie, da beide Kontrahenten unter den Augen von Turnierleiter und ihrer erwachsenen Vereinskollegen bis aufs Äußerste angespannt waren. Beide schenkten sich nichts, gravierender Vorteil konnte keiner der beiden Kontrahenten bis ins Endspiel herausspielen und so fielen kurz nacheinander beide Platten zum Remis. In Blitzpartie 2 verlor Micha Zöller zuerst die Nerven, büßte beim Übergang vom Mittel- ins Endspiel eine Leichtfigur ein, rannte kurz darauf mit seinem König in ein Schach und ließ diesen auch noch los. Illegaler Zug, Partieverlust und Führung durch Karsten Kreis, bevor es zur 3. Blitzpartie ging. In dieser zeigte aber Karsten Kreis zuerst Nerven und stellte erst eine Leichtfigur und dann die komplette Stellung weg. Nach 3 Entscheidungsblitzpartien also ein Punktestand von 1,5 - 1,5 und immer noch keine Entscheidung gefallen. Dramatik und Anspannung war für beide Akteure und die Zuschauer drum herum kaum zu überbieten. Die nächste gewonnene Blitzpartie sollte nun auf Vorschlag der Schwaneweder Schachfreunde die Titelentscheidung bringen. Auch dieser Vorschlag wurde von Turnierleitung und Akteuren akzeptiert und so begann eine 4. Blitzpartie. Hier zeigte wiederum Karsten Kreis Nerven. Nach einem gravierenden Eröffnungsfehler konnte er mit einem Turm weniger, verdorbener Rochade und deutlich schlechterer Stellung nicht mehr lange weiterspielen und gab auf. Womit nun bei den Jugendlichen ein glücklicher und erleichterter Micha Zöller als Stichkampfsieger und frischgebackener Kreisjugendmeister 2002 feststand. Nachfolgend noch einmal alle Titelträger auf einen Blick:

Kreismeister 2002:
Claus Meyerdierks (SF Lilienthal)
Kreisvizemeister 2002:
Helmut Lange (SK Bremen-Nord)
Kreisjugendmeister 2002:
Micha Zöller (SF OH-Scharmbeck)
Kreisjugendvizemeister 2002:
Karsten Kreis (SK Schwanewede)

III Tabellenwerk

Nachfolgend nun etwas Tabellenwerk und Statistik mit der Punktetabelle und dahinter der Gegnertabelle, aus der alle vorab genannten und nichtgenanten Spielpaarungen hervorgehen:

Punktetabelle Kreismeisterschaft Osterholz
Pl. Name Verein At 1 2 3 4 5 6 7 Pkt.  BH I  BH II
1. Meyerdierks, C. SFL +S23 +W4 +S20 =W2 +S6 +W14 +W3 6.5 27.0 193.5
2. Lange, H. SKBN +S5 +W7 +S14 =S1 +W8 =S3 +W4 6.0 30.5 190.5
3. Wokittel, U. Tostedt =S6 +W22 +S7 +S9 +W5 =W2 -S1 5.0 30.5 182.5
4. Hesse, H. OHZ +W25 -S1 +W11 +S17 +S10 +W6 -S2 5.0 28.5 174.5
5. Schröder, H. OHZ -W2 +32 +W15 +W16 -S3 +W21 +S11 5.0 25.0 154.0
6. Müller, Th. SFL =W3 +S16 +W18 +S12 -W1 -S4 +S14 4.5 27.5 180.5
7. Cordes, L. SFL +W17 -S2 -W3 +S27 +W20 +S9 =W8 4.5 26.0 181.0
8. Wöltjen, J. SFL -W9 +S19 +W27 +W21 -S2 +W10 =S7 4.5 25.0 172.0
9. Matticzk, J. SKS +S8 =W10 =S21 -W3 +S18 -W7 +S22 4.0 24.5 173.0
10. Radloff, G. OHZ +W27 =S9 =W12 +S13 -W4 -S8 +S21 4.0 24.5 167.0
11. Ficken, H. SKS +S31 -W14 -S4 +W23 +S19 +S15 -W5 4.0 23.5 165.0
12. Neumann, D. SKS +S24 +W15 =S10 -W6 -S14 +W20 =S13 4.0 22.5 169.5
13. Krell, A. SFL +32 -W20 +S23 -W10 +S22 =S16 =W12 4.0 20.5 139.5
14. Schönberger, K.-H. SKS +W19 +S11 -W2 =S20 +W12 -S1 -W6 3.5 28.5 177.5
15. Salm, A. OHZ +W30 -S12 -S5 +W26 +S17 -W11 =S19 3.5 23.0 145.0
16. Mleczek, J. SKS =S22 -W6 +W25 -S5 +S23 =W13 =S20 3.5 22.5 162.0
17. Zöller, M. OHZ J -S7 +W24 +S28 -W4 -W15 +S25 =S18 3.5 22.5 153.5
18. Lange, R. SKBN W +S26 =W21 -S6 =W22 -W9 +S24 =W17 3.5 21.0 155.0
19. Kreis, K. SKS J -S14 -W8 +S24 +W31 -W11 +S30 =W15 3.5 20.5 153.0
20. Wilckens, R. SKS +W29 +S13 -W1 =W14 -S7 -S12 =W16 3.0 26.0 163.0
21. Borowski, G. SFL +W28 =S18 =W9 -S8+ W25 -S5 -W10 3.0 24.0 155.5
22. Seebeck, J. SKS =W16 -S3 +W29 =S18 -W13 +S27 -W9 3.0 22.0 157.0
23. Koloski, B. SKBN W -W1 +S29 -W13 -S11 -W16 +S28 +W30 3.0 22.0 142.0
24. Salm, D. OHZ J -W12 -S17 -W19 +S29 +S26 -W18 +W27 3.0 19.5 139.5
25. Oetjen, H. SFL J -S4 +W31 -S16 +W28 -S21 -W17 +S29 3.0 19.0 147.5
26. Wilkens, M. SKS J -W18 -S27 +W30 -S15 -W24 +32 +S31 3.0 15.0 119.0
27. Nagel, G. SFL -S10 +W26 -S8 -W7 +S28 -W22 -S24 2.0 22.0 148.5
28. Emunds, Gerrit SFL J -S21 +S30 -W17 -S25 -W27 -W23 +32 2.0 16.5 125.5
29. Tietjen, S. SKS J -S20 -W23 -S22 -W24 +32 +W31 -W25 2.0 16.0 126.0
30. Punjanski, A. SFL J -S15 -W28 -S26 +32 +S31 -W19 -S23 2.0 16.0 114.5
31. Emunds, Gerhard SFL J -W11 -S25 +32 -S19 -W30 -S29 -W26 1.0 17.5 110.0

32=Freilos, Erklärung: +W3 heißt: mit Weiß gegen den Tabellendritten gespielt und gewonnen

IV Schlaglichter, Manöverkritik und Schlusswort

Presse und Photos - Fotograf und Reporter waren während des Turnier kurzzeitig zwecks Erledigung ihres Berufes anwesend. Es wurde dezent fotografiert und dem Artikelschreiber und Turnierleiter wurden Löcher über Spieler, Spiel, Turniermodus, Regelwerk und viele weitere Dinge in den Bauch gefragt. Das Ergebnis: Ein Pressebericht in der Wümme-Zeitung (Regionalbeilage vom Weser-Kurier) am 29.05.2002.

Informationshunger - war auf verschiedenerlei Weise vorhanden. Besonders bei den aufgeweckten jugendlichen Teilnehmern. Regelmäßig wurde das Computerterminal zwecks Erkundung des aktuellen Tabellenstandes, nächster Auslosungspaarung, Ergebnismeldung (der eigenen oder auch einer fremden Partie), Löcherung des Turnierleiters mit Fragen, ohne das dieser die Invasion unterbinden konnte, gestürmt. Leise keimten beim Turnierleiter Gedanken auf wie: »Vorsitzender gib mir mehr Hilfskräfte.« oder »Viele der jugendlichen Teilnehmer sind zwar noch keine 1A-Schachspieler aber haben bereits das Zeug zu 1A-Turnierhelfern. Vielleicht sollte man sie doch besser als Turnierleiterhilfskräfte einsetzen statt als Turnierteilnehmer?!?«

Ein Drucker - für die Computeranlage war auch diesmal aus bequemlichen Transportfaulheitsgründen nicht eingesetzt worden. Es gereichte bei diesem Turnier, im Gegensatz zu den Vorjahren, aber zum Nachteil für den Turnierleiter. Des öfteren wurde die Computerbastille gestürmt (siehe weiter oben) und die Stimmbänder vom Turnierleiter für das Durchsagen der nächsten Auslosungspaarungen wurden mehr und länger strapaziert. Ganz zu schweigen von dem Informationshunger nach aktuellen Tabellenständen, die ohne Drucker auch akustisch bekannt gegeben werden mussten. Es sprechen also sehr viele Gründe für einen Einsatz dieser nützlichen elektromechanischen Turnierhilfskraft!!

Déjà-Vu - ist grob gesagt laut Lexikon die Wiedererinnerung an eine vergangene Begebenheit. Manchmal auch nur eine rational schlecht erklärbare Sinnestäuschung. Die folgende Stellung in der Partie Wokittel, U. - Lange, H. aus Runde 6 war es allerdings für den Turnierleiter nicht:

Schwarz am Zug
T.......
B......k
.......B
........
........
.K......
........
t.......
  ABCDEFGH

Die Stellung ist definitiv Remis!! Sofern Schwarz am Zug ist darf er nur nicht mittels einer Panikattacke a) 1... Txa7???, b) 1... Kxh6??? 2. Th8+, c) 1... Tb1+?? 2. Ka2! spielen oder den Turm von der a-Linie entfernen. Dann würde Weiß natürlich gewinnen. Pendelt der sT dagegen brav auf der a-Linie außer Reichweite des wK zwischen a1 und a6 hin und her und bietet dem wK nur Schach, wenn er nach dem Schachgebot gefahrlos wieder auf die a-Linie zurückgehen kann, läuft es definitiv auf Punkteteilung hinaus. Ulf Wokittel nickelte aufgrund seiner besseren Zeit noch etwas herum, Helmut Lange ließ sich jedoch nicht ins Bockshorn jagen und so endete die Partie nach fairer Einsicht und Einigung mit Remis. Gewinnversuche mittels »Zeit heben« oder »Zeitquetschung« mit offenkundig bösartigen Hintergrund wären hier durch Veto des Turnierleiters beendet worden. Farbverkehrt war diese Stellung schon einmal 1996 in der Bremer Einzelmeisterschaft in Runde 3 aufgetaucht. Nach 98 Zügen und fast 6 h Spielzeit war die Partie Tönjes, J. - Margraf, D. auch dort Remis ausgegangen. So kann auch schachlich schon einmal ein Déjà-Vu hilfreich zuschlagen...

Brot und Spiele - Der Faktor »Brot« wurde hoffentlich bei allen Teilnehmern durch das im Startgeld enthaltene Mittagessen mit Getränk, durch preiswerte alkoholfreie Getränke für Erwachsene und Freigetränke für die Kinder und Jugendlichen im Vereinsheim in ausreichendem Maß sichergestellt. Für ausreichend »Spiele« und Dramatik sollten eigentlich die eigenen Turnierpartien gesorgt haben. Warm ums Herz wurde dem Turnierleiter jedenfalls beim hochdramatischen Stichkampf um den Kreisjugendmeistertitel. Den betroffenen Akteuren, die sich in der Situation nicht so begeistert zeigten, sei als Trost gesagt, dass der Bremer Vizemeister Ewgeni Gisbrecht sich wahrscheinlich über die Chance eines Stichkampfes gefreut hätte. Bei gleicher Punkt- und Buchholzzahl wurde er nach Feinwertung durch Sonneborn-Berger von seinem Vereinskollegen Gennadij Fish in der Bremer Meisterschaft auf Platz 2 verwiesen. Er hatte keine Chance um den Meistertitel per Stichkampf zu kämpfen!

Schlusswort - Ansonsten hoffen die Veranstalter, dass es allen Teilnehmern gefallen hat und sie nächstes Jahr nach Möglichkeit alle wieder in alter Frische Dynamik und Spielstärke dabei sind und es so spannend wie dieses Jahr wird!!

Jürgen Tönjes


Himmelfahrtskommando III

Im Bericht des letzten Jahres über den Himmelfahrtsausflug wurde die Hoffnung geäußert, dass es auch in Zukunft noch viele weitere Ausflüge geben möge. Auch dieses Jahr war wieder unter Federführung des 1. Vorsitzenden der Schachfreunde Lilienthal, Erhard Förster, ein Ausflug mit dem Fahrrad organisiert worden.

Passenderweise herrschte am Donnerstag den 09.05.2002 auch regelrechtes Kaiserwetter, sodass wetterbedingt keine Hindernisse für einen gelungenen Ausflug bestanden. Bei strahlend blauem Himmel, Temperaturen >20 Grad und hellem Sonnenschein startete dann auch gegen 10:00 Uhr ein Pulk Radfahrer vom Vereinsheim der Schachfreunde Lilienthal im Sportzentrum Schoofmoor in Richtung Worpswede. Mit dabei viele Teilnehmer vom letzten Jahr wie Gerd Nagel, Heinz und Marita Rohdenburg, Erhard Förster, Claus Meyerdierks, Ralph Brauer, Jürgen Tönjes und der neu hinzugekommene Ulf Wokittel.

Erster Haltepunkt war diesmal nach etwas über einer Stunde Fahrzeit eine Gaststätte im nahe gelegenen Grasberg. Nach kurzer Rast, bei der die schon etwas trocken geratenen Kehlen wieder etwas angefeuchtet werden konnten, ging es dann weiter zum eigentlichen Endziel: der Gaststätte Neu-Helgoland in Worpswede. Diese Gaststätte ist ein beliebtes Ausflugsziel für Tagesausflügler, Touristen und Kurgäste, von der aus, neben vielen Wander- und Spaziergangsrouten in die malerische Umgebung, auch die beliebten Torfkahnfahrten durch und in das nahe gelegene Teufelsmoor gebucht und unternommen werden können. Zeitig wurde dort kurz nach der Ankunft in Neu-Helgoland die Mittagsmahlzeit nebst zugehörigen Getränken eingenommen. Wie auch im letzten Jahr ging die Rechnung für beides angenehmerweise zu Lasten der Vereinskasse. Wie im letzten Jahr auch wurde dann nach ausgiebiger Verweildauer die Rückfahrt angetreten. Quer durch die Landschaft wurde dann das Gewerbegebiet Klosterweide in Lilienthal angesteuert, wo der offizielle Endpunkt des Himmelfahrtausfluges lag: das berufliche Hauptquartier von Schachfreund Heinz Rohdenburg, ein Fachmarkt für Baustoffe, haustechnische Produkte und Heimwerkerbedarf, den er als selbständiger Unternehmer, Inhaber und Geschäftsführer leitet. Hier wurden dann Küche und Büro- und Besprechungsraum des Marktes für eine nachmittägliche Kaffee- und Kuchentafel für die Ausflugsteilnehmer zweckentfremdet. Ebenso wie an den anderen Haltepunkten der Ausflugsfahrt und während des Radfahrens wurden auch hier noch einmal alle Gesprächsthemen ausführlich erörtert, die während der gesamten Ausflugsfahrt bereits Hauptthemen waren:

Das letztgenannte Thema erstaunte und begeisterte alle Teilnehmer doch immer wieder besonders, da es gemäß weit verbreiteter gängiger Vorurteile eher als frauenspezifisch eingestuft wird. Es wurde aber immer wieder hauptsächlich von den männlichen Teilnehmern der illustren Ausflugsrunde angeschnitten. Was könnte nun daraus gefolgert werden:

Nachdem die Kaffeetafel beendet war zerstreuten sich die Ausflugsteilnehmer in ihre häuslichen Domizile, insgesamt hochzufrieden mit der Ausflugsorganisation, dem Wetter, dem Ablauf des Ausflugs und der reichlichen und zuvorkommenden Bewirtung durch das Ehepaar Rohdenburg. Bleibt zu hoffen, dass es nächstes Jahr ein ähnlich angenehmes Erlebnis wird.

Jürgen Tönjes

2002-08-12