Partienauswahl
von der Deutschen Jugendeinzelmeisterschaft 2002 in Winterberg


Lichmann,P (2160) - Schlötzer,W (1692) [D35]
DEM U12 Winterberg (4), 20.05.
[Jugendschach 5/2002]

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 d5 4.cxd5 exd5 5.Lg5 Sbd7 6.e3 c6 7.Ld3 Le7 8.Sge2 0-0 9.0-0 Te8 10.f3 h6 11.Lh4 Db6 12.Dd2 c5 13.Tac1 Da5 14.Tfd1 a6?

Weiß am Zug
t.l.t.k.
.b.slbb.
b....s.b
d.bb....
...B...L
..SLBB..
BB.DS.BB
..TT..K.
  ABCDEFGH

Ein Fehler, der die schwarze Dame ohne Deckung auf der Diagonale d2-a5 stehen läßt. 15.Sxd5! Weiß nutzt sofort standardmäßig die ungedeckte Position der schwarzen Dame aus. 15...Dxd2 16.Sxe7+ Das wichtige Zwischenschach! 16...Txe7 17.Txd2 Txe3 18.Lf2 Oder 18.dxc5+- 18...Te6 19.dxc5+- Mit klarem Stellungsvorteil und gesundem Plusbauern, den Weiß nun sicher in einen ganzen Punkt umwandelte. 19...Se5 20.Lf5 Te8 21.Sd4 Td8 22.Te2 Td5 23.Lb1 Sc6 24.Sxc6 bxc6 25.Lc2 Td8 26.La4 Ld7 27.Lh4 g5 28.Lg3 Te8 29.Td2 Sd5 30.Txd5 cxd5 31.Lxd7 Te2 32.c6 1-0

Partie im PGN-Format


Schäfer,S (951) - Endreß,A (1332) [E24]
DEM U10 Winterberg (3), 20.05.
[Oliver Höpfner]

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.a3 Dieser Zug leitet das Sämisch-System ein, benannt nach dem deutschen Schachmeister Friedrich Sämisch (1896 - 1975). Diese Spielweise ist eine der agressivsten Bekämpfungsmethoden der Nimzo-Indischen-Verteidigung. Weiß erhält einen Doppelbauern und gibt ein Tempo, um erstens das Läuferpaar zu erhalten, zweitens die Zentrumsbildung zu forcieren und drittens einen Königsangriff zu inszenieren. 4...Lxc3+ 5.bxc3 Sc6 Theoriezüge sind hier 5...d6; 5...d5; 5...Se4; 5...0-0; 5...b6 und; 5...c5 6.Lg5 h6 7.Lxf6 7.Lh4 sieht logischer aus. 7...Dxf6 8.e4 d6 9.Sf3 b6 10.Le2 Lb7 11.0-0 0-0 12.Dd3 Tad8 13.d5 Se5 14.Sxe5 dxe5 15.De3 Tfe8 16.Tfd1 c6?! Räumt Weiß ohne Not einen Freibauern ein. Besser ist ein Abwartezug wie 16...Te7 17.dxc6?! Fragwürdig. 17.d6 ist an dieser Stelle wohl am stärksten. 17...Lxc6 18.c5 b5?! Gibt Weiß ein Angriffsziel. Nach 18...bxc5 19.Dxc5 Lxe4 20.Dxa7 Dg5 steht Schwarz etwas bequemer. 19.Tdb1 19.Td6! ist sicherlich auch eine Überlegung wert. 19...a6 20.Lf3 Zu passiv. 20.c4! gibt Weiß leichten Vorteil. 20...Dg6 Schwarz hat nun keine Probleme mehr. 21.Te1 Td7 22.Tad1 Tee7 23.h3 f5 24.exf5 exf5 25.Lxc6 Dxc6 26.Txd7 Dxd7 27.f4?! Sicherlich nicht gut, da Schwarz einen gedeckten Freibauern bekommt. Besser ist 27.f3 27...e4 28.Dd4 Dc7?! Schwarz beginnt, planlos zu spielen. 28...De6 hätte den schwarzen Vorteil am sichersten konserviert. Jetzt bekommt Weiß wieder Gegenspiel. 29.Dd5+! Tf7 30.g3 Da5 31.Db3 Dd8 32.Td1! De7 33.c6!

Schwarz am Zug
......k.
....dtb.
b.B....b
.b...b..
....bB..
BDB...BB
........
...T..K.
  ABCDEFGH

Stellt eine raffinierte Falle, in die die Dritte der U10w prompt hineinfällt. 33...Dc5+? Dieser natürlich Zug beschert Schwarz einige Probleme. Nach 33...Kf8 bliebe die Stellung noch im Gleichgewicht. 34.Kg2 Dxc6? Schwarz fügt sich in sein Schicksal. Mit dem überraschenden 34...De3! kann Schwarz noch kämpfen. Zum Beispiel 35.Td8+ Kh7 36.Da2 (Nach 36.Dxf7 hat Schwarz beginnend mit 36...De2+ Dauerschach.) 36...Df3+ 37.Kh2 e3 38.Te8 h5 39.h4 a5 40.Dg2 Dxg2+ 41.Kxg2 Tc7 42.Te6 Kg8 43.Kf3 Kf7 44.Te5 Txc6 45.Txf5+ Kg6 46.Txb5 Txc3 47.Txa5 mit Vorteil für Weiß. 35.Td8+ Kh7 36.Dxf7 Der Rest ist für Weiß jetzt nur noch eine Sache der viel beschworenen »Technik«, die der Bremer U10-Meister hier sehr überzeugend zeigt. 36...e3+ 37.Dd5 Df6 38.Dg8+ Kg6 39.De8+ Kh7 40.Dd7 Dg6 41.De8 Df6 42.Df8 Dc6+ 43.Kh2 Dc7? Beschleunigt die schwarze Niederlage. 44.Dxf5+ g6 45.Td7+ Dxd7 46.Dxd7+ Kg8 47.De8+ Kg7 48.Dxe3 Kh7 49.Da7+ Kh8 50.Dxa6 1-0

Partie im PGN-Format


Stelter,C (1299) - Wenger,C (1696) [A23]
DEM U14 Winterberg (2), 19.05.
[Oliver Höpfner]

1.c4 e5 2.Sc3 Sf6 3.g3 Logisch, dass ein Bremer die Bremer Partie - benannt nach dem Bremer Altmeister Carl Carls (1880 - 1958) - spielt! 3...c6 4.Lg2 Nicht das Genaueste. Als beste Fortsetzung gilt an dieser Stelle 4.Sf3!? Eine mögliche Variante: 4...e4 5.Sd4 d5 6.cxd5 Db6 7.Sb3 cxd5 8.Lg2 Lf5 9.d3 Lb4 10.0-0 Lxc3 11.bxc3 0-0 12.Le3 Dc7 13.Tc1 Sc6 14.c4 Tad8 15.Sd4 Sxd4 16.Lxd4 De7 17.cxd5 Txd5 18.Da4+= nach ECO in der Fernpartie Jezek - Sapundziev, 1973. 4...d5 5.cxd5 cxd5 6.d3 Lb4 7.a3 La5 8.b4 Lb6 9.Lg5 Stellungsgemäßer scheint hier 9.Sf3!? zu sein. 9...h6?! Jetzt erhält Weiß ein bequemes Spiel. Nach 9...Lxf2+!? 10.Kxf2 Sg4+ 11.Ke1 Dxg5 12.Sxd5 Sa6 13.Dc1 Df5 14.Sf3 entsteht eine unklare Stellung. 10.Lxf6 Dxf6 11.e3 d4 12.Sd5 Dd6 13.Se2 Le6 14.Sxb6 Dxb6 15.exd4 exd4 16.0-0 Sc6 17.Sf4 Sd8 18.Te1 0-0 19.Tc1 Tc8?

Weiß am Zug
..ts.tk.
bb...bb.
.d..l..b
........
.B.b.S..
B..B..B.
.....BLB
..TDT.K.
  ABCDEFGH

Ein grober Fehler in etwas schlechterer Stellung. Nach 19...Da6 20.a4 ist Weiß weiter im Vorteil, aber die Partie geht noch weiter. 20.Txc8 Lxc8 21.Sd5! Dd6 22.Se7+ Kh8 23.Sxc8 Dd7 24.Sxa7?! Zu gierig. Leichter gewinnt 24.Se7 24...b5 25.Sxb5 Dxb5 26.Db3 Sc6 27.Lxc6 Dxc6 28.Dc4 Df6 29.Te4 Td8 30.a4 Df3 31.b5 f5 32.Txd4 Te8 33.Dc1 Te2 34.Tf4 Dxd3 35.Dc8+ Kh7 36.Dxf5+ Dxf5 37.Txf5 Ta2 38.Tf4 Tb2 39.Tf7 Tb4 40.Ta7 1-0

Partie im PGN-Format


Weber,R (1223) - Jebtchouk,D [C70]
DEM U10 Winterberg (1), 19.05.
[Oliver Höpfner]

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 b5 5.Lb3 Lc5 6.c3 Sf6 7.0-0?! 7.d4 7...Sxe4 8.d4 exd4 9.cxd4 Le7! 10.Te1 Sf6 10...d5!? 11.Sg5 d5 12.Sc3 0-0 13.Lf4 h6 14.Sf3 Ld6? 14...Lg4!=+ 15.Lxd5? 15.Sxd5 Lg4 unklar 15...Sxd5 16.Sxd5 Lxf4 16...Lg4!?=+ 17.Sxf4 Lg4 18.Se2? 18.d5= 18...Lxf3! 19.gxf3 Dg5+ 19...Df6-+ 20.Kh1 Tfe8?! 20...Dd5-+ 21.Tg1 De7 22.Sc3 Tad8 23.d5 Se5 24.Dd4 g6 25.Df4 h5 26.Tae1 Sd3 27.Txe7 Sxf4 28.Txc7 Sxd5 29.Sxd5 Txd5 30.Ta7 Td6 30...Te2-+ 31.Kg2 Td2 31...Te2-+ 32.Txa6 Txb2 33.a3 Te5-/+ 1/2-1/2

Partie im PGN-Format


Janiesch,M (1265) - Hafner,K (1229) [D52]
DEM U14w Winterberg (6), 21.05.
[Oliver Höpfner]

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Sbd7 5.Sf3 c6 6.e3 Da5 Leitet die Cambridge-Springs-Variante ein, die 1904 beim Turnier von Cambridge-Springs in die Turnierpraxis eingeführt wurde. Schwarz entfesselt seine Dame zu einer eigenen Fesselung des Sc3 mit Drohungen wie 7.... Lb4 und 7.... Se4. 7.Sd2 Entfesselt den Sc3, so daß 7.... Se4 hier wirkungslos bleibt. 7...Lb4 8.Dc2 Aber nicht 8.Db3? wegen 8...dxc4! mit Verlust des Lg5. 8...0-0 9.Le2 Se4?! Zweifelhaft. Theorie sind hier 9...e5 ; 9...dxc4 oder; 9...c5 10.Sdxe4 dxe4 11.Lf4 Lxc3+ 12.bxc3 e5 13.Lg3 exd4 14.exd4 c5 15.0-0 b6?

Weiß am Zug
t.l..tk.
b..s.bbb
.b......
d.b.....
..BBb...
..B...L.
B.D.LBBB
T....TK.
  ABCDEFGH

Ein grober Fehler, der ohne Kompensation den Bauern auf e4 verliert. Pflicht ist hier 15...f5+= 16.Dxe4! Tb8? 16...La6 ist hier notwendig. Der Rest der Partie ist eine Pflichtübung. 17.Lxb8 Sxb8 18.Ld3 g6 19.Tfc1 Le6 20.d5 Lf5 21.De3 Lxd3 22.Dxd3 Sd7 23.Te1 Sf6 24.Te2 Da4 25.Tae1 Td8 26.Df3 Kg7 27.Df4?! Interessant ist hier 27.Te7 mit der möglichen Folge 27...Dxa2 28.g3 Dxc4 29.T1e6+- 27...b5? 27...Sxd5! hätte die Partie wieder etwas spannender gemacht. 28.Dc7 Td7 29.Dxc5 bxc4 30.d6 Sh5? 31.Te7 Reicht zum Gewinn, aber 31.g4 gewinnt hier schneller, zum Beispiel A) 31...Sf4 32.Dd4+ f6 33.Te7+ nebst Matt in wenigen Zügen. (Oder einfach 33.Dxf4+- ) ; B) 31...Sf6 32.g5 Sh5 33.Dd4+ f6 34.Te7+ und ein Matt ist nicht mehr fern. 31...Sf6 32.De5 Dc6 33.Txd7 Dxd7 34.De7 a6 35.Dxd7 Sxd7 36.Te7 Sb8 37.Tc7?! 37.d7 Sc6 38.Te8 Kf6 39.Tc8 Ke6 40.Txc6+ Kxd7 41.Txa6 ist ein noch einfacherer Weg zum Sieg. 37...Kf6 38.Txc4 Ke6 39.Td4 Sd7 40.Kf1 Ke5 41.Td3 h5 42.c4 Ke6 43.Ke2 f5 44.Ke3 g5 45.g3 Ke5 46.c5 Sxc5 47.d7 1-0

Partie im PGN-Format