Blitzschach 33-Stunden-Non-Stop!

(WMAG20). Als Sommer-Nachlese der Werder-Schachabteilung hier ein vergnügliches Schmankerl von Dr. Joachim Asendorf, das in der Tat etwas aus der Reihe fällt ...

Magdeburger Mega Mannschafts Marathon 2002 (MMMM)

Oder: Die komplizierteste Vergeudung menschlicher Intelligenz, die sich außerhalb einer Werbeagentur nur finden lässt (vgl. näher Raymond Chandler: Der lange Abschied, S. 192 zu dieser Charakterisierung des Schach)

Was kann der (einzige) Grund dafür sein, dass sich ein Rechtsanwalt und ein Wirtschaftsprüfer am Samstag morgen um 6.15 Uhr treffen, gemeinsam nach Magdeburg fahren und dort als Team ununterbrochen bis Sonntagabend um ca. 18.00 Uhr geistige (Hoch)Leistungen erbringen? Richtig. Es kommt nur der Magdeburger Mega Mannschafts Marathon im Blitzschach (5-Minuten-Partien) in Betracht, der am 13./14.Juli 2002 zum dritten Mal stattfand, und an dem die Werder »Nachwuchstalente« Joachim Asendorf und Matthias Westphal unter dem Decknamen MAJO teilnahmen.

45 weitere Zweierteams, die (mindestens) ebenso verrückt (auf Blitzschach) waren, starteten gegen 9.40 Uhr zum 36-Stunden-Non-Stop-Turnier, das in diesem Jahr ca. 33 Stunden dauerte. Dabei musste immer ein Spieler der Mannschaft am Brett sitzen. Wir hatten einen 4-Stunden-Turnus vereinbart, der Matthias die Nachtschicht (2.00-6.00) und mir die Spät- (22.00-2.00) und die Frühschicht (6.00-10.00) bescherte... Die schachfreien Zeiten konnten im angenehmen Ambiente des Maritim-Hotel verbracht werden. Ein Doppelzimmer, das naturgemäß abwechselnd genutzt wurde, konnte von Sa 9.00 bis So 18.00 zum Sonderpreis von 104 Euro gemietet werden.

Zunächst spielten sämtliche Teams im üblichen Blitz-Rutsch-System doppelrundig jeder-gegen-jeden, d. h. 90 Partien. Die in der Setzliste an Rang 9 gesetzten Werderaner hatten nach dieser »Vorrunde« (das Ende fiel in die Nachtschicht) 65,5:34,5 Punkte erzielt und lagen auf dem 7. Platz. Die zu diesem Zeitpunkt besten 24 Mannschaften qualifizierten sich für die Endrunde A, in der sie jeweils drei Partien - insgesamt also weitere 69 Partien - gegeneinander austrugen. Die beiden Werderaner mussten dabei dem hohen Anfangstempo ein wenig Tribut zollen und erzielten 35,5:33,5 Punkte, in dem allerdings auch außergewöhnlich starken Feld. Mit insgesamt 101:58 Punkten konnte schließlich der 8. Platz - und damit der letzte Preisrang - in der Endwertung mit einem Vorsprung von 0,5 Punkten vor zwei punktgleichen Verfolgern - u.a. »Die dunkle Seite der Macht« mit Wolfgang Koch (2275) und Andreas Batzar (2328). Die Entscheidung fiel dabei erst in der allerletzten Partie...

Souveräner Sieger des Turniers wurde die Mannschaft »Die linke und die rechte Hand des Teufels« (IM Fabian Döttling und IM Rolf Schlindwein) vor »Lucky Luke und Rantanplan« (IM Duppel/Buhmann) und »Meister/Lehrling« (GM Pähtz/Hänsel). Die Endtabelle und Fotos vom Turnier sind auf der Internetseite www.aufbau-elbe.de.vu veröffentlicht.

Das Turnier war ein guter Spaß und wird denjenigen, die für Verrücktheiten etwas übrig haben - und gerne an ihre Grenzen gehen - hiermit weiterempfohlen. Vielleicht sind ja bei der nächsten Austragung mehr Werderaner am Start?! Und warum sollte man tatsächlich an so einem Turnier teilnehmen? Dazu schließe ich mit den unsterblichen Worten von Philip Marlowe: »Ich schwärme für Alkohol, Frauen, Schach und noch ein paar andere Sachen.« (vgl. Raymond Chandler: Der lange Abschied, S. 96). Über die Reihenfolge ließe sich allerdings trefflich streiten.