Aus den Bremer Ligen

43. .. Sxf3+ ein Glückszug? - Betrachtungen zur Partie Wenke - Wittenberg beim Wettkampf DSK 7 gegen SK HB West (1:3) im Januar 2002

Erich am 1. Brett einigte sich nach etwa einer Stunde Spielzeit mit seinem Gegner auf Remis und verbuchte damit einen wichtigen halben Punkt auf unserer Habenseite. Danach hatte er genügend Muße, die Spielstellungen der noch am Brett zerrenden Schachfreunde im Kopf zu analysieren und seine Erkenntnisse den Mitkiebitzen leise kundzutun.

Daniel (Pruss) hatte nach etwa 2,5 Stunden von seinem Gegner ein Remisangebot und frage mich als Mannschaftsführer, ob er annehmen soll. Sehr gut! Er hatte korrekt gehandelt. Ok, damit hatten wir einen Punkt, genauso wie der DSK. Melissa (Domel) ließ nach drei Stunden ihrem Gegner im Endspiel keine Chance und trug mit einem vollen Punkt zum 1:2 Zwischenstand bei.

Nun hatte ich »armer Patzer« es in der Hand, den Sieg nach »Hause zu fahren«. Mannschaftsremis war uns ja schon sicher. Ich hielt nach meiner Meinung eine ziemlich ausgeglichene Stellung. Erich schien auch dieser Meinung zu sein, ich bemerkte jedenfalls eher ein beifälliges, als ein entkräftendes Mienenspiel an ihm. Aber dann kam 36. .. d5? »Jetzt macht er diesen Bauernzug und verliert noch die Partie« hörte ich ihn leise im Hintergrund. Ich hatte natürlich den Fehler (den vorletzten Fehler in der Partie?) auch gemerkt, allerdings zu spät (36. .. Sxc4 kam in Betracht), aber den Zug zurücknehmen kann man ja nicht.

Jetzt im eigenen Verhalten nur keine Schwäche zeigen, so tun als ob der Zug gewollt war, nichts verraten, ging mir durch den Kopf .., der Gegner kann auch noch einen Fehler machen. Wir spielten also weiter, vier Stunden waren längst überschritten, Weiß stand klar auf Gewinn, Schwarz spielte 42 . .. f5 (Diagramm), um Schwarz zu einem Fehler, vielleicht den letzten in der Partie, zu provozieren.

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
..t...k.
......b.
.l.....b
...d.b..
.B.s..S.
B..D.B.B
.....LB.
....T.K.

Schachpsychologisch gut dachte Schwarz, wohin sollte der Springer ziehen? 43. Sh2 mit Vorteil für Weiß ist wohl der beste Zug. Aber Springer am Rand ist eine Schand; 43.Se3 geht aus der Gefahrenzone und greift gleichzeitig die schwarze Dame an, die dann erst einmal ziehen muss! So könnte die oberflächliche Analyse von Weiß bei eigener klarer Gewinnstellung aussehen, dachte Schwarz weiter.

Weiß zog 43.Se3, beseitigte den Bauernschutz und hurra; die Falle klappte zu. Der Sieg ist unser! Es folgte noch 43. .. Sxf3+ 44.gxf3 Dxd3 und Weiß gab auf.

Was könnten anderer Schachgrößen zu dieser Partie gesagt haben? Dr. Tartakower: »Der vorletzte Fehler gewinnt«; Bobby Fischer: »Was für eine Patzerpartie«. Und die Akteure? Heino Wittenberg: »Ein Hammerzug 42. .. f5«; Erich Geide: »Da gewinnt er noch mit einem Glückzug (43. .. Sf3+)«.

Heino Wittenberg
(aus »Der Gröpi«)

2002-10-30