Mannschaftspokal: Findorff schon in Runde 1 gegen Eystrup ausgeschieden

Es war am Sonntag, 9:12 Uhr. Karsten Ohl, Detlef Ryniecki und Ralf Mulde sammelten ihr erstes Brett Viktor Gesswein am verabredeten Treffpunkt ein. Ein kurzes Kopfnicken, mehr war nicht mehr nötig. Diese Männer wussten, was sie taten. Auch der aufkommende Sturm würde ihren Sieg in Eystrup nicht verhindern können.

So hätte der Beginn eines miserablen Krimis sein können, in dem danach eine erfolgreiche erste Runde des diesjährigen Mannschaftspokals beschrieben worden wäre. Tatsächlich aber fuhren die favorisierten Bremer eine 1,5:2,5-Niederlage ein, an der es auch überhaupt nichts zu deuteln gab.

Detlef Ryniecki hatte als Weißer bei jeweils noch sechs oder sieben Bauern ein Springer-Springer-Endspiel auf dem Brett, das zwar ganz hübsch wirkte, in dem aber jeder echte Durchbruch übel bestraft worden wäre. Klugerweise überzog er nicht - das erste Remis an Brett 4 war damit besiegelt - 0,5:0,5.

Karsten Ohl schien in einen furiosen Start-Ziel-Sieg einzulaufen, wickelte aber mit Schwarz an Brett 2 seine Angriffsstellung in ein schlechtes und dann auch bald verlorenes Turm-Endspiel ab. Damit 1,5:0,5 für Eystrup. Selbst wenn Ralf Mulde jetzt an Brett 3 gewann, musste Viktor Gesswein noch immer an Brett 1 siegen; wegen der Berliner Wertung (beim Endstand von 2:2 wird Brett 1 mit 4 Punkten, Brett 2 mit 3 Punkten usw. gewertet) wäre Findorff / Eisenbahn bei einem Unentschieden aus dem Pokal ausgeschieden.

Die Eystruper, in einem sehr angenehmen Spiellokal residierend, ließen solche Fragen aber gar nicht erst aufkommen. Obwohl Viktor Gesswein Weiß hatte, stand er nach Abschluss der Eröffnung gegen seinen schwungvoll spielenden Gegner seltsam gedrückt. Und gerade als draußen vor der Tür Donner und Blitz sich mengten und ein Furcht erregendes Gewitter niederging, stand auch drinnen Brett 1 in hellen Flammen. Leider kam für die weiße Stellung, mit Dame gegen zwei Türme bei vollem Brett und bedrängtem König, die Feuerwehr zu spät. Der Eystruper siegte gekonnt in makellosem Angriffs-Stil - und es stand 2,5:1,5 für Eystrup.

Nur an Brett 3 konnte Mulde zu guter Letzt seinen ständigen, kleinen Positionsvorteil mit Schwarz in einen größeren und schließlich in Plus-Material verwandeln. Das Endspiel mit Dame und Läufer gegen Dame und zwei Bauern sowie auf beiden Seiten noch ein paar Bauern wurde dann halbwegs sicher zum Sieg geführt.

Es kann keine Rede davon sein, dass der Gegner unterschätzt worden sei. Sicherlich ist auf Bremer Seite nicht die bestdenkbare Mannschaft angetreten, aber mit der einen oder anderen Absage muss man bei solchen Begegnungen halt rechnen. Am Brett hat auch jeder sein (an diesem Tag) Bestes geboten, ein lässiges »So-mal-eben« hat's nicht gegeben. Die Eystruper haben einfach hervorragend gespielt und sich den Sieg vollauf verdient - Glückwunsch!

Ralf Mulde