Rochade Bremen Mai 2003

Inhaltsverzeichnis

Demokratie global und lokal

Liebe SchachfreundInnen,

viele von Ihnen werden in den letzten Tagen und Wochen an der öffentlichen Diskussion zum Irakkrieg teilgenommen haben. Eine Frage fand meines Erachtens zu Unrecht eine unzureichende Beachtung. Wie steht es um unsere Demokratien?

Den Irakern wollen wir jetzt Demokratie beibringen mit allem was dazu gehört (freie Wahlen etc.). Wer könnte da als Vorbild dienen? Die Amerikaner, die sich der UNO »verweigert« haben, wo Schauspieler, die sich gegen den Krieg ausgesprochen haben, mit Repressalien rechnen müssen. Aber Achtung, es wäre engstirnig die Amerikaner jetzt als das Böse zu geißeln. Haben nicht unsere Gerichte schon einige Verwaltungsverbote für Demonstrationen postwendend wieder aufgehoben. Haben nicht die etablierten Politiker die Grünen in Ihrer Gründungsphase als verfassungswidrig diffamiert und werden Mitglieder der PDS nicht noch jetzt vom Verfassungsschutz observiert?

Die Gesellschaft, die Minderheitenmeinungen unterdrückt, beraubt sich selbst ihrer Fähigkeit Irrtümer zu erkennen und einen Wandel einzuleiten. Dies gilt auch für Vereine. Berechtigte Kritik von Vereinsmitgliedern mit dem Hinweis, es dann doch selber zu machen, »abzubürsten« ist zu kurz gegriffen. Es muss auch in einem ehrenamtlich organisierten Gebilde möglich sein, berechtigte Kritik zu üben.

Ulrich Giese

Redaktionsschluß für Heft 06/2003: Sonnabend, 17.05.2003