Willingen II - Deutsche Jugendeinzelmeisterschaften 2003

Zum zweiten Mal nach 2001 fanden die Deutschen Jugendeinzel-Meisterschaften (DJEM) - diesmal vom 7.6. - 15.6. - in Willingen/Hessen statt. Insgesamt nahmen 10 Bremer Teilnehmer in den unterschiedlichen Altersklassen den Wettstreit auf den 64 Feldern bei diesem Turnier auf.

Wiederum war das Hotel Sauerland-Stern Austragungsort der DJEM - und auch sonst blieb im Vergleich zu den Meisterschaften von vor zwei Jahren manches gleich:

Das Stammpublikum des Hotels hatte sich in den vergangenen 24 Monaten nicht wesentlich geändert, so daß man sich zu Beginn der Meisterschaft am Wochenende rund um die Uhr an gesanglichen Darbietungen von Fußball- und Kegelclubs erfreuen dürfte. In den ersten Delegationsleiter-Sitzungen war daher das Thema Nummer 1 schon vorprogrammiert - was kann man gegen diese Störenfriede machen? Die Antwort sah genauso aus wie vor 2 Jahren: Man muß damit leben, auch wenn sich manche Delegation offenbar erheblich in ihrem Schlafbedürfnis gestört fühlte.

Von diesen Problemen abgesehen bot das Hotel nahezu optimale Bedingungen für die Austragung einer DJEM. Einziger kleiner Wermutstropfen: Das wunderschöne Erlebnisschwimmbad des Hotels wurde nach 2 Turnier-Tagen wegen Umbauarbeiten geschlossen. Allerdings fand sich hier mit dem Freibad in Usseln (einem Stadtteil von Willingen) ein adäquater Ersatz. Und wie auch vor 2 Jahren, inzwischen fast schon »gewohnter« Standard, war das vielfältige Freizeitangebot der Deutschen Schachjugend zusammen mit der Turnierzeitung »Dschungelbuch« [Website nicht mehr online] absolut erste Sahne.

Die Bremer Mannschaft war diesmal in Willingen nur mit einer Mini-Delegation vertreten. Aufgrund zahlreicher Schwierigkeiten im Vorfeld der Meisterschaft wurden die 10 Bremer Aktiven nur von zwei Begleitern (vor 2 Jahren waren es fünf!) betreut. Die beiden letzten »Mohikaner« waren der Berichterstatter Oliver Höpfner (in Personalunion als Trainer und Delegationsleiter) sowie Wilfried Bode. Hinzu kamen noch die Familie Schäfer sowie das Ehepaar von Wardenburg, die zusammen mit ihren Kindern zur DJEM gefahren waren und sich extern in Apartments einquartiert hatten.

Nun aber chronologisch zum schachlichen Teil der Meisterschaften:

DEM U18

Photo Stefan Walter

Starker Schlußspurt in der U18: Stefan Walter (SK Delmenhorst). Foto: Höpfner

Sehr verhalten startete der Bremer U18 Titelträger Stefan Walter (SK Delmenhorst) in das Turnier. Nur ein halber Zähler aus drei Partien entsprach sicherlich nicht Stefans Erwartungen. Danach allerdings lief es für ihn wesentlich besser und er blieb in den kommenden 6 Begegnungen unbesiegt und er kam durch einen starken Endspurt auf insgesamt 4,5 Punkte. Dies bedeutet in der Endabrechnung Platz 16 und eine Verbesserung gegenüber der Setzliste um drei Ränge. Insgesamt kann Stefan, wie ich meine, mit dem Resultat nach dem verpatzten Start durchaus zufrieden sein. Sieger in der U18 wurde mit dem erst 15-jährigen Arik Braun eines der im Moment vielleicht größten Talente des Deutschen Schachbundes.

In der U18w gab es bedauerlicherweise keine Bremer Vertreterin, da die Meisterin dieser Altersklasse Susanna Ratner (SV Werder Bremen) auf ihren Start verzichtete und leider auch die Vize-Meisterin nicht an dem Turnier teilnehmen wollte. Den Titel errang hier völlig unerwartet die nur an Nummer 12 der Teilnehmerliste gesetzte Olga Vaideslaver aus Brandenburg.

DEM U16

Photo Benjamin Kaufmann

Der erste Spieler des Schachklubs Bremen-West bei einer Deutschen Jugendeinzelmeisterschaft: Benjamin Kaufmann in der U16. Gerold Menze wird es freuen. Einem Sieg und drei Unentschieden standen am Ende fünf Niederlagen gegenüber. Foto: Höpfner

Mit Benjamin Kaufmann in der Altersklasse U16 gab es aus Bremer Sicht eine Premiere bei einer DJEM zu feiern: Erstmals in der Geschichte der Bremer Schachjugend nahm ein Spieler des SK Bremen-West an einer Deutschen Jugendeinzel-Meisterschaft teil! Benjamin schlug sich bei seiner ersten Deutschen sehr achtbar und erzielte mit 2,5 Punkten einen zufriedenstellenden 27. Rang. Gegen nahezu ausnahmslos DWZ-stärkere Gegner konnte er gut mithalten, wenn ihm auch zum Ende immer mehr die Kraft ausging. Man merkte halt, daß es Benjamins erstes schweres Jugend-Turnier auf so hohem Niveau war. Zusammenfassend kann Benjamin sicherlich ein positives Fazit dieser DJEM ziehen. Er hat gewiß in dieser Woche viel gelernt und zahlreiche Anhaltspunkte gewonnen, wie er sein schachliches Niveau in Zukunft noch weiter verbessern kann.

Die U16 gewann knapp der deutsche Internet-Meister im Jugendschach Georg Meier aus Rheinland-Pfalz aufgrund seiner etwas besseren Wertung.

Etwas mehr Routine bei einer Deutschen konnte man dagegen von Maike Janiesch (SV Werder Bremen) in der U16w erwarten. Denn schließlich war es nicht die erste DJEM von Maike. Mit nur 2 Zählern (dabei keinem Sieg!) und dem daraus resultierenden 27. Platz (Maike war immerhin an Nummer 19 der Startrangliste gesetzt) blieb sie ein bißchen unterhalb der in sie gesetzten Erwartungen. Die Umstellung von der U14 zur U16 fiel ihr sichtlich schwer und Maike konnte deshalb ihr gewohntes Leistungsvermögen zu keiner Phase des Turniers abrufen. Den Titel gewann hier souverän Helene Romakin vom HSK-Post Hannover aus Niedersachsen.

DEM U14

Ebenso wie in der U18 gab in dieser Altersklasse mit Tim Cammann (SK Delmenhorst) nur einen Vertreter Bremens bei der Deutschen. Die jungen Bremer Damen dieser Altersgruppe hatten schon keine Interesse an einer Teilnahme an der Bremer Jugendeinzel-Meisterschaft - und erst recht keine Lust, bei einer DJEM mitzuspielen.

Tim belegte hier mit 2,5 Punkten aus neun Partien einen für ihn akzeptablen 26. Rang. Als Nummer 28 der Setzliste konnte er sich nach schwachem Start - drei Niederlagen hintereinander - noch deutlich steigern und zwei andere Teilnehmer hinter sich lassen. Wie fast immer war Tims Spiel durch wenig Konstanz geprägt - gute Partien wechselten sich mit absoluten schachlichen Trauerspielen ab. Sieger der U14 wurde mit einem halben Zähler Vorsprung der Berliner Atila Gajo Figura. Bei den Mädchen dominierte Melanie Ohme aus Sachsen die Konkurrenz deutlich und siegte sogar mit einem ganzen Punkt Vorsprung.

DEM U12

Photo Frederik Stelter

Leistungssteigerung in der U12: Frederik Stelter (SV Werder Bremen). Foto: Höpfner

In den Altersklassen der U12 und U10 wurde die Bremer Schachjugend nur durch Aktive des SV Werder Bremen vertreten.

Positive Überraschung aus Bremer Sicht war in der U12 das Abschneiden von Frederik Stelter. Während Frederik bei seiner DJEM im Vorjahr sehr nervös agierte und ohne jeden Partiegewinn nur 99. wurde, spielte er diesmal ein sehr engagiertes Schach und erzielte mit 5,5 Punkten aus 11 Spielen 50% aller Zähler. Diese Punktausbeute langte zu einem respektablem 52. Platz. Frederik gelang es diesmal, vier Partien für sich zu entscheiden. In einzelnen Partien zeigte er ein nahezu mustergültiges Positionsschach. Leider vergab Frederik eine mögliche bessere Platzierung durch grobe taktische Patzer. Sehr unglücklich spielte bei seiner ersten DJEM der Bremer U12-Meister Jürgen Tschikischew. Jürgen zeigte ein sehr kämpferisches Schach und spielte zumeist am längsten von allen Bremern in der U12. Allerdings wies er große Mängel bei der Verwertung vorteilhafter Stellungen auf und mußte sich so am Ende mit 4,5 Punkten und Rang 70 begnügen. Auch bei Jürgen machte sich zum Schluß deutlich bemerkbar, daß dieses Turnier viel Kraft gekostet hatte. Bedauerlicherweise nur Letzte mit 1,5 Zählern wurde die Bremer U12-Mädchen-Meisterin Kimberley Voß. Dennoch schlug sich Kimberley besser als erwartet. In einzelnen Partien deutete sie durchaus an, daß sie ihr schachliches Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft hat. Kimberley hat bei dieser DJEM einiges an Erfahrungswerten gewonnen und kann auch im nächsten Jahr noch in der U12 mitspielen. Bei den Jungs siegt in der U12 Julian Geske aus Hessen, bei den Mädchen Ekaterina Jussupow aus Bayern.

DEM U10

Photo Simon Schäfer

Schaffte mit Rang 25 in der U10 das beste Bremer Ergebnis bei der DJEM: Simon Schäfer vom SV Werder Bremen. Foto: Höpfner

Photo Eileen Thiele

Kompromißlos: Die Bremer U10-Meisterin Eileen Thiele (SV Werder Bremen). Foto: Höpfner

Die im Verhältnis beste Bremer Platzierung bei dieser DJEM gab es in der U10 zu feiern. Simon Schäfer belegte mit 6,5 Zählern einen sehr guten 25. Rang und erreichte damit eines der besten Ergebnisse eines Bremer Spielers in dieser Altersklasse überhaupt. Simon zeigte ein äußerst sicheres und solides Schach - nur 2 Niederlagen bei fünf Unterschieden und 4 Siegen - belegen diese These eindrucksvoll. Es gab bei ihm - von zwei, drei Ausnahmen vielleicht abgesehen - kaum taktische Schnitzer zu sehen. Insbesondere bei der Vorteilsverwertung agierte Simon enorm clever und effizient und ließ seinen Kontrahenten dort keine Chance. Sehr viel kompromißloser - wenn auch nicht immer ökonomischer - spielte dagegen Eileen Thiele. Fünf Siege bei andererseits auch 6 Niederlagen sprechen hier Bände. Diese insgesamt 5 Punkte reichten in der Endabrechnung zu einem recht ordentlichen 56. Platz. Eileen setzte in ihren Partien die Gegner durch aggressives Spiel stark unter Druck und machte so Punkte. Wenn sie ihre Probleme im taktischen Bereich in nächster Zeit noch weiter reduziert, dürfte sie in Zukunft sicherlich noch bessere Resultate erzielen. Ebenso wie Eileen zeigte auch Jendrik von Wardenburg bei seiner ersten Jugendmeisterschaft attraktives Angriffsschach. Allerdings überspannte er an mancher Stelle auch den Bogen und mußte sich daher zum Schluß mit 3,5 Zählern und Rang 81. begnügen. Dennoch zeigte er bereits, über welch großes Leistungsvermögen er schon verfügt und man wird gewiß noch einiges von ihm hören. Gewinner der U10 war Patrick Zelbel (NRW), Siegerin bei den Mädchen Anna Endreß aus Rheinland-Pfalz.

Fazit der Meisterschaft: Insbesondere die Leistungen der jüngeren Teilnehmer lassen hoffen, daß es für das Bremer Jugendschach auch mal wieder bessere Zeiten gib als im Moment, wo sich die Bremer Aktiven zumeist nur auf den hinteren Plätzen wiederfinden. Und immerhin - die positive Nachricht kommt natürlich ganz zum Schluß - eine Silbermedaille hat Bremen auch bei dieser DJEM errungen: Durch Benjamin und Tim beim Kickerturnier ... .

Oliver Höpfner

Tabellen und weitere Photos der Teilnehmer. [Website nicht mehr online]

2003-09-11