17. Kreismeisterschaft LK Osterholz - Ohne Überraschung mit aufgegangenen Konzept

I. Konzept und Organisation im Vorfeld

Am Sonnabend den 24.05.2003 fand nunmehr zum 17. Mal die Kreismeisterschaft (KM) statt. Für das mittlerweile gut aufeinander eingespielte OT (Organisationsteam), bestehend aus Erhard Förster (1. Vorsitzender der SF Lilienthal) und Jürgen Tönjes war diesmal vorrangig und spannend nicht der Turnierverlauf zwischen den einzelnen Teilnehmern, sondern ob ein neu angedachtes Konzept aufgehen würde.

Die administrative Vorarbeit wie Einladungen verschicken, Turnierausschreibung in der LSB Bremen Rochade und potentielle Teilnehmer ansprechen (Jugendliche wie Erwachsene) hatte Erhard Förster zuverlässig und erfolgreich übernommen, sodass sich wie auch im letzten Jahr schon weit über 20 Teilnehmer angemeldet hatten, davon 8 Jugendliche.

Aufgrund dieser Tatsache, den Erfahrungen der vorangegangenen KM (Kreismeisterschaft) und KJM (Kreisjugendmeisterschaft) 2002 und eines Ferienspaßturniers 2002 wurden vom OT Änderungen in Konzept und Durchführung der KM beschlossen. Die wichtigsten Maßnahmen hierbei waren:

  1. 1. KM und KJM werden in getrennten Turnieren ausgespielt
  2. 2. Die KM wird nach Schweizer System und die KJM im Rundensystem ausgespielt. Die Bedenkzeit sollte aber bei beiden Turnieren 30 min/Spieler + Partie betragen.
  3. 3. Der Turnierleiter erhält für die ordnungsgemäße Durchführung der Turniere personelle Verstärkung.

Nachfolgend einige Anmerkungen zu den Änderungen:

  1. (A) Die Trennung von Jugendlichen (und Kindern) und Erwachsenen erfolgte aus 3 wesentlichen Gründen. Einerseits spielen ungeübte Jugendliche (und das waren fast alle TN = Teilnehmer) ihre Partien wesentlich schneller zu Ende, sind dann schnell fertig und langweilen sich weil sie bis zur nächsten Runde warten müssen. Diese kann beim Schweizer System allerdings erst ausgelost werden, wenn alle TN fertiggespielt haben. Durch das lange Warten und die hinzukommende Langeweile werden die Jugendlichen unruhig und laut, stören dann meistens und gehen sich selbst, den noch spielenden TN und dem TL = Turnierleiter auf die Nerven. Der TL muss dann häufig immer wieder für Ruhe sorgen, was auf Dauer an die Substanz gehen kann. Andererseits ist das Leistungsgefälle zwischen ungeübten Jugendlichen und Erwachsenen noch zu groß, sodass Niederlagen von Jugendlichen gegen erwachsene Spieler in großer Zahl vorprogrammiert sind und somit nicht zur Motivation für die Fortführung des Schachspiels bei jugendlichen Nachwuchsspielern beitragen. Dies kann definitiv nicht im Interesse der Schachvereine liegen. Weiterhin wird die Ermittlung des KJM durch Spiele und Niederlagen gegen die Erwachsenen verzerrt und mehr oder minder zum Zufallsprinzip.
  2. (B) Bei 8 vorangemeldeten jugendlichen TN war es natürlich auch unsinnig das Schweizer System anzuwenden, sodass eine Entscheidung für das Rundensystem nur logisch war. Dieses hat auch den Vorteil, dass es schon vorab ausgelost ist und daher flexibler gehandhabt werden kann.
  3. (C) Für die Verstärkung des TL sprachen die Erfahrungen der letzten KM, wo bei ca. 30 TN und hohem Anteil von Kindern und Jugendlichen die Aufrechterhaltung eines geordneten Spielbetriebes durch den TL allein ein recht mühseliges Unterfangen war. Damals spielten Erwachsene und Jugendliche in einer Gruppe nach Schweizer System.

Spannend für das OT war natürlich ob die Änderungen ankommen würden und ob das Konzept aufgehen würde. Auch wie viele TN letztendlich erscheinen würden war von Interesse.

II. Turnierdurchführung

Photo: Turnierleiter am Rechner

Turnierüberwachung: Während für die Kreisjugendmeisterschaft Papier und Bleistift (im Vordergrund) ausreichen, muss für die Kreismeisterschaft Atari-Computer und entsprechende Software im Dauereinsatz laufen, weshalb der Riechzinken des TL in Richtung Monitor zeigt. Foto: Förster

Die letzten Vorarbeiten wie Figuren- und Uhrenaufbau wurden zwecks Zeitersparnis bereits am Freitag den 23.05.03 am Ende des Vereinsabends durchgeführt. Auch waren die bei den SF Lilienthal spielenden Jugendlichen von Herrn Förster darauf hingewiesen worden sich während des Turniers möglichst ruhig und diszipliniert zu verhalten. Somit war nun abzuwarten wie das Turnier verlaufen würde.

Einigermaßen pünktlich starteten dann KM und KJM. An der KM selbst nahmen diesmal insgesamt 17 Schachspieler(innen) teil, davon 12 TN aus den 3 Schachvereinen des LK Osterholz Schwanewede, Osterholz-Scharmbeck und Lilienthal, 4 TN vom SK Bremen-Nord mit Wohnsitz im Landkreis Osterholz und Ulf Wokittel vom MTV Tostedt, der aber noch Passivmitglied bei den SF Lilienthal ist. Bei der KJM war das Teilnehmerfeld dagegen homogener zusammengesetzt. 8 der 9 startenden TN kamen von den SF Lilienthal und ein TN vom SK Schwanewede. Eine der Ursachen hierfür war u.a. ein zeitgleich stattfindendes Jugendturnier, welches von diversen Jugendlichen aus Schwanewede besucht wurde, die sonst schon mal bei der KM mitgespielt hatten. Insgesamt waren damit bei beiden getrennt ausgetragenen Turnieren 26 TN am Start. Etwa 20 min nach Meldeschluss starteten dann beide Turniere unter der Obhut des OT, wobei Erhard Förster im Gegensatz zu den Vorjahren die ganze Zeit von Turnierbeginn bis -ende als unterstützende Kraft für TL Jürgen Tönjes anwesend blieb.

III. Turnierverlauf

Der Turnierverlauf der KM war dieses Jahr ohne große Überraschungen. Ebenso wie in den Vorjahren war auch dieses Mal ein starkes Teilnehmerfeld bestehend aus Spielern wie Hartmut Hesse, Thomas Müller, Ulf Wokittel, Claus Meyerdierks, Holger Schröder, Günther Radloff, Jochen Wöltjen u.a. am Start. Auch die Partien waren durchaus spannend und hart umkämpft. Allerdings präsentierte sich der mehrfache Kreismeister Helmut Lange vom SK Bremen-Nord in bestechender Bestform und stellte für alle übrigen TN ein unüberwindliches Hindernis dar. So hatten sich alle seine ernsthaften Konkurrenten bis zur 3. Runde gegenseitig ganze oder mindestens halbe Punkte weggenommen oder im direkten Duell mit Helmut Lange verloren, während letztgenannter unangefochten und ohne Punktverlust führte. Dies änderte sich auch in den folgenden Runden nicht. Nach der 6. Runden war dann auch nur noch Holger Schröder, der für die SF Lilienthal in der letzten Saison an Brett 1 der 1. Mannschaft in der Stadtliga recht erfolgreich aktiv war, als einziger ernsthafter Verfolger mit einem Punkt Rückstand auf den souverän führenden Helmut Lange übriggeblieben. Die einzige theoretische Chance auf einen Stichkampf bestand für Holger Schröder nur noch darin seine Partie in Runde 7 gegen Ulrich Krause zu gewinnen und zu hoffen, dass sein Vereins- und Mannschaftskollege Thomas Müller gegen Helmut Lange für sich den vollen Punkt herausholen würde. Zwar gewann Holger Schröder seine letzte Partie, aber auch Thomas Müller verlor sang- und klanglos, sodass Helmut Lange mit 7 Punkten aus 7 Partien ungeschlagen und unangefochten ohne jegliche Punktabgabe KM 2003 wurde. Kreisvizemeister mit einem Punkt Rückstand wurde Holger Schröder. Den etwas undankbaren 3. Platz belegte Ulf Wokittel, gefolgt Thomas Müller und Hartmut Hesse. Der Vorjahressieger Claus Meyerdierks musste sich sogar mit dem 6. Platz zufrieden geben. Alle übrigen TN schnitten schlechter ab und hatten keinen Einfluss auf den KM-Titel.

Gänzlich andere Voraussetzungen waren dagegen bei der KJM gegeben. Einen direkten Favoriten konnte man hier nicht benennen. Zwar waren dem TL nun schon einige Gesichter aus der KM im letzten Jahr, dem Ferienspaßturnier oder anderen Gelegenheiten bekannt, bzgl. der Spielstärkeeinschätzung der Jugendlichen lässt sich aber immer noch nicht viel vorab sagen. Hinzu kam, dass keine Jugendlichen aus Osterholz-Scharmbeck oder Schwanewede anwesend waren, die in den Jahren zuvor schon den KJM-Titel errungen oder beim Kampf darum eine bedeutende Rolle gespielt hatten. Der Verlauf war hier also völlig offen. Nichts desto trotz hatte das OT auf dieses Turnier besondere Obacht. Denn es musste immer damit gerechnet werden, dass bei diesem Turnier zu viele TN ihre Partien zu schnell beendet haben und somit einen durch Langeweile und längere Wartezeit bis zum offiziellen Beginn der nächsten Runde einen größeren Unruheherd bilden könnten. Das OT entschloss sich deshalb zu Maßnahmen, die durch das Rundensystem möglich waren und etwas an die Viehtreiberarbeit der Cowboys im Wilden Westen erinnerte:

Weil 9 Spieler an der KJM teilnahmen, war natürlich ein Freilos vorhanden, also ein Jugendlicher unbeschäftigt. Dieser wurde dazu vergattert gegen den Erwachsenen mit Freilos aus der KM zu spielen. Sobald nun die erste Partie aus Runde 1 der KJM beendet war wurde der Freilos-Jugendliche von der Trainingspartie abgezogen und gegen einen der beiden freigewordenen Jugendlichen geschickt seine Turnierpartie zu spielen, während der andere freigewordene Jugendliche nun seinerseits eine Trainingspartie gegen den Freilos-Erwachsenen spielen konnte. Des weiteren wurde vom OT zeitgleich mit Argusaugen geguckt, wo weitere Partien von Jugendlichen beendet worden waren, um freiwerdende Jugendliche, die noch nicht gegeneinander gespielt hatten, zum Spielen ihrer Partien einsetzen zu können. Dadurch entstand eine Art fließender Modus, weil z.T. Partien aus z.B. Runde 8 bereits gespielt wurden, während andere Partien aus z.B. Runde 4 noch fehlten. Trotzdem stellte sich diese Maßnahmen des OT als völlig richtig heraus. Wie vorher abgeschätzt war die Spielgeschwindigkeit der Jugendlichen gegenüber den Erwachsenen, trotz vorgegebener gleicher Bedenkzeit und einer Spielrunde mehr für die Jugendlichen, 2-3 mal schneller. Im Interesse eines ruhigen geordneten Spielbetriebes konnten so, durch das Rundensystem bedingt, Partien der KJM in den sonst unvermeidlichen Leerlaufzeiten vorgeholt werden. Die Jugendlichen waren somit größtenteils immer beschäftigt, konzentriert und ruhig. Außerdem war der jeweilige eigene Punktestand für jeden Jugendlichen leicht kalkulierbar und Spekulationen gegenüber gegnerischen Spielaktivitäten wie beim Schweizer System entfielen größtenteils. Im Vorjahr war dies für den TL immer etwas lästig gewesen, wenn nach jeder Runde besonders von den Jugendlichen der jeweils eigene Punktestand und der der Konkurrenten gleich mit bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit abgefragt wurde. Die Entscheidung fiel dann hier naturgemäß auch schneller als bei den Erwachsenen. Bis zur Mittagspause mit dem üblichen gemeinsamen Mittagessen hatten bei der KM die Erwachsenen gerade mal die kalkulierten 3 Spielrunden hinter sich gebracht, während der bei der KJM spielende schnellste Jugendliche, Thorven Arjangui, bereits alle Turnierpartien absolviert hatte und auch der am langsamsten spielende und seine Bedenkzeit am intensivsten nutzende Jugendliche, Alexej Punjanski, hatte bereits 5 Turnierpartien absolviert. Entsprechend klar hatten sich deshalb auch die Titelanwärter bereits positioniert. Thorven Arjangui hatte sich 6 Punkte aus 8 Partien erspielt, 2 Niederlagen eingesteckt und vorübergehend die Tabellenführung übernommen und musste jetzt abwarten, wie sich sein schärfster Konkurrent Stefan Sobel schlagen würde. Dieser spielte mit der Angst im Nacken, dass er nicht alle Partien sauber zu Ende spielen könnte, weil er um 14:00 Uhr an einem Fußballturnier teilnehmen wollte und musste. Bis kurz vor der Mittagspause hatte er allerdings schon 7 Partien absolviert und 5,5 Punkte erspielt. Die letzte Partie musste beim ihm also über Titelgewinn oder nicht entscheiden. Pikant an der Sache: Gegner in seiner letzten noch offenen Partie war sein Bruder Patrick, der noch 2 Partien offen hatte und sich achtbare 3,5 Punkte aus 6 Partien erspielt hatte. Theoretisch konnte Patrick mit 2 Siegen in den verbleibenden Partien noch bis an seinen Bruder in der Tabelle heranrücken und u.U. Vize-KJM werden. Es war also nicht unbedingt von Schiebung oder familiärer Solidarität zwischen beiden Brüdern auszugehen. Entsprechend hart umkämpft und vom TL genauer überwacht war dann diese alles entscheidende Partie. Umgekehrt zum Vorjahr musste der TL nun vereinzelt etwas lautere Erwachsene zur Ordnung rufen, als diese Partie lief. Während alle Erwachsenen und ein Großteil der Jugendlichen bereits zur Pause im Hallenbadrestaurant saßen fiel dann unter Aufsicht des TL die Entscheidung. Stefan Sobel konnte gegen seinen Bruder Patrick im späteren Mittelspiel deutlichen Materialvorteil erzielen und die Partie für sich entscheiden. KJM 2003 mit 6,5 Punkten aus 8 Partien also Stefan Sobel, der nun beruhigt mit gesichertem Titel ebenfalls zum gemeinsamen Mittagessen und anschließend zum Fußballturnier aufbrechen konnte. Etwas kurz angebunden war dann die Siegerehrung bei der KJM nach der Mittagspause. Sieger Stefan Sobel nahm vom 1. Vorsitzenden Erhard Förster Pokal und Urkunde in Empfang und Vize-KJM Thorven Arjangui immerhin noch eine Urkunde. Danach wurde die KJM unspektakulär. Sieger Stefan Sobel beeilte sich rechtzeitig das Fußballturnier zu erreichen, wofür ihn seine inzwischen erschienene Mutter abholte. Sein Bruder Patrick schloss sich beiden an und gab seine letzte noch offene Partie kampflos verloren, während die übrigen Jugendlichen ihre noch offenen Partien zu Ende spielten. Gegen 14:45 Uhr, also etwa 3h vor Ende der KM, war dann die letzte Turnierpartie der KJM beendet und der Tabellenstand komplett.

Photo: Stephan Sobel

Der Kreisjugendmeister 2003, Stephan Sobel, ist hier noch in Aktion beim Kampf um Titel und Pokal. Foto: Förster

Für diesen Fall war jetzt vom OT noch ein freies Schnellschachturnier für die verbliebenen Jugendlichen mit 15 min Bedenkzeit pro Spieler angedacht worden. Hintergrund dieser Überlegung war die Befürchtung, dass es nunmehr unruhig werden könnte, da die KJM offiziell beendet war, die KM noch ca. 3h dauern konnte und es nicht klar war wann welche Jugendlichen von ihren Eltern abgeholt werden würden. Diese Befürchtung erwies sich aber als grundlos. Durch den Dauerspielbetrieb waren die Jugendlichen zu sehr ausgelaugt, um noch markant unruhig werden zu können. Des weiteren trafen nun auch nach und nach die entsprechenden Elternteile ein, um ihre Schützlinge ggf. schon mitzunehmen oder aber um sich beim OT über deren schachliche Leistungen zu informieren. Somit brauchte das angedachte freie Schnellschachturnier als Lückenfüller nicht mehr stattfinden.

IV. Schlussbetrachtung

Ausführliche Tabellen und Schlussbetrachtung erfolgt in der nächsten Rochade Bremen.

Jürgen Tönjes