Vor zwanzig Jahren

(ug). Vor zwanzig Jahren stellte der jetzige Präsident des Landesschachbundes der damaligen Ausgabe der »Rochade Bremen« folgende Fernschachpartie mit Analyse zur Verfügung (Quelle: »Der Gröpi« aus der Rubrik »Vor 20 Jahren«).

Scholz (Wuppertal)
Jackwerth (Bremen)

11. BdF-Pokalturnier (Vorrunde)
Kommentar Jackwerth

1.c4 e6 2.Sc3 d5 3.d4 Le7 Ein Aufbau, den Petrosjan und in letzter Zeit auch Karpow anwenden. Er führt letztendlich doch zum üblichen Damengambit. 4.cxd5 exd5 5.Lf4 c6 6.e3 Le6!? Diesen Zug konnte ich in meinen Unterlagen nicht finden. Es muss aber Gründe geben, warum man ihn dort nicht spielt (darum das Fragezeichen). Ich fand diese Gründe jedoch nicht heraus. So ist 6... Lf5 wegen 7.g4 nebst 8.h4 ja schon fast bedenklich. Und 6... Sbd7 schließt den Lc8, wie ja so häufig im Damengambit, für längere Zeit ein. Jedenfalls ist Weiß von nun an ebenfalls zu eigenem Nachdenken gezwungen. Auch er fand den Zug nicht in seinen Unterlagen. 7.Ld3 Sf6 8.Sf3 h6! Um natürlich Sg5 zu verhindern. 9.0-0 Sbd7 10. Dc2 Ein bekanntes Motiv: Weiß will bald e4 spielen. 10... 0-0 11.e4 Obwohl 14.Te1 kommt, könnte man den Textzug noch zurückstellen und erst die Türme in der Reihenfolge Tfe1 und dann Tac1 ins Spiel bringen. 11... dxe4 12.Sxe4 Sxe4 14.Lxe4 Sf6 14.Tfe1 Sxe4 15.Dxe4 Lb4 In ausgeglichener Stelle ein Versuchsballon ... 16.d5? Führt eine für Weiß ungünstige Stellung herbei und letztendlich den Verlust der Partie. Aber das war hier noch nicht vorauszusehen. Auch im Fernschach kann man trotz der enormen Bedenkzeit nicht alles - aber vieles - voraussehen. Es spielt eben auch die Fähigkeit, die Stellung richtig zu beurteilen, im Fernschach eine wichtige Rolle. In diesem Falle muss Weiß sich in dieser Partie geirrt haben. Aber der Irrtum musste erst noch bewiesen werden und kostete mich viele Tage Bedenkzeit. 16... Lxe1!! Zwei Ausrufezeichen, weil auch Spieler unterer Klassen manchmal gute Ideen haben, wie die folgende Abwicklung zeigt. 17.dxe6 Lxf2+ 18.Kxf2 Db6+ 19.Kg3 Dxb2 20.Tb1 Dxa2 21.Txb7 Dxe6 22.Dxe6 fxe6 Die vorangegangene Zugfolge wäre auch im Nahschach durchzurechnen gewesen, denn sie ist ebenso logisch wie einfach. 23.Se5 c5 24.Sd7 Tf7 25.Sxc5 Txb7 26.Sxb7 a5! Dieser Bauer lähmt bald von a2 (37. Zug) aus das weiße Spiel. 27.Ld6 a4 28.La3 Tb8 29.Sc5 Tb1! Der a-Bauer ist wegen Ta1 natürlich nicht zu nehmen 30.Kf3 Kf7 31.g4! Vielleicht zu forsch. Ich dachte eher an h3. 31... Ta1 32.Lb2 Ta2 Die nachfolgenden Züge bis zum 41. Zug (Kg6) kosteten die meiste Bedenkzeit. Schließlich führte es dazu, dass Weiß in eine Art Zugzwang gerät. 33.Le5 a3 34.Sb3 g5 35.Ke3?! Tg2! 36.Kf3 Tg1 Kommentar von Weiß: »O weh«! 37.Sd2 a2 Nun ist er wie erwähnt auf a2 angelangt. 38.Sb3 Te1 39.Lc3 Td1 40.Ke2 Th1 41.Le5 Kg6! Das entscheidende Vorgehen des schwarzen Königs. 42.Sa1 h5 43.gxh5 Kxh5 44.Kf2 Kg4 45.Kg2 Te1 46.Lc3 Te2+ Mit dem Eventualzug: falls Kg1 so Kh3. Danach gab Weiß die Partie auf.