Seriensieger McShane - Triumph beim Lausanne Young Masters

Vom 17. - 22.09.2003 wurde das Lausanne Young Masters Chess Tournament mit einigen der weltbesten Nachwuchsspieler nun zum vierten Mal ausgetragen. Die acht Teilnehmer der diesjährigen Ausgabe waren:

GM Etienne Bacrot (Frankreich, 20 Jahre, Elo 2645)
GM Luke McShane (England, 19, 2619)
GM Shakhriyar Mamediyarov (Aserbaidschan, 18, 2585)
GM Arkadij Naiditsch (Deutschland, 18, 2574)
GM Sergey Karjakin (Ukraine, 13, 2556)
WGM Alexandra Kosteniuk (Russland, 18, 2457)
WGM Elisabeth Pähtz (Deutschland, 18, 2417)
FM Severin Papa (Schweiz, 19, 2372)

Gespielt wurden im KO-System jeweils zwei Partien (Hin- und Rückrunde) mit klassischer Bedenkzeit. Bei Gleichstand gab es Tiebreaks mit verkürzter Bedenkzeit. Die Partien wurden live im Internet auf schach.de übertragen. Der Spieler mit der höheren Elo-Zahl hatte in der ersten Partie Weiß.

Viertelfinale 17.09./ 18.09.
Bacrot 1-0 1/2 Papa
McShane 1/2 1-0 Pähtz
Mamedyarov 1-0 1-0 Kosteniuk
Naiditsch 1-0 1-0 Karjakin


Halbfinale 19.09./ 20.09
Bacrot 1-0 1/2 Naiditsch
McShane 1/2 1/2
Tiebreak 2-0
Mamedyarov


»Trostrunde«
Karjakin 1-0 1-0 Papa
Kosteniuk 1-0 1/2 Pähtz


Finale 21.09./ 22.09.03
Bacrot 1/2 0-1 McShane
Spiel um Platz 3
Mamedyarov 1-0 1-0 Naiditsch
Spiel um Platz 5
Karjakin 1-0 1/2 Kosteniuk
Spiel um Platz 7
Pähtz 1/2 0-1 Papa


Den beiden deutschen Nachwuchsassen Arkadij Naiditsch und Elisabeth Pähtz gelang leider keine Überraschung, sie landeten auf dem vierten bzw. achten Rang. Ähnliches gilt auch für den 13 jährigen Sergey Karjakin, den jüngsten Großmeister aller Zeiten. Gegen den gebürtigen Rigaer Arkadij Naiditsch ging er zwar chancenlos unter, aber gegen den Schweizer Severin Papa und Alexandra Kosteniuk setzte er sich klar durch.

Die Elo-Favoriten und »besten westlichen Junioren« Etienne Bacrot und Luke McShane erreichten erwartungsgemäß das Finale von Lausanne, wobei letzterer den Aserbaidschaner Mamedyarov erst im Tiebreak durch gegnerischen Zeitnotkollaps bewingen konnte.

[Photo]

Das Finale von Lausanne Foto: ef

Indes fast überall wo der junge Londoner zur Zeit auftaucht, siegt er zu guter Letzt auch. Während die erste Finalpartie gegen Bacrot remis endete, gewann Luke die zweite nach etwas bizarrem Eröffnungsverlauf und scharfem Kampf.

[Photo] Luke McShane

Luke McShane: Vom ehemaligen Wunderkind zum Weltklassespieler herangereift. Foto: ef

Philidor-Verteidigung (C 41)
L. McShane (2619)
- E. Bacrot (2645)

4th YM Lausanne/SUI, 2. Finalpartie 22.09.2003

1.e4 e5 2.Sf3 d6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Le7 6.g3 d5 7.exd5 Sxd5 8.Ld2 Sb4 9.Le3 Sd5 10.Dd3 0-0 11.0-0-0 Sxe3 12.Dxe3 Lc5 13.Df4 Ld6 14.Dd2 Lb4 15.Lc4 Sd7 16.a3 La5 17.The1 Sb6 18.La2 c5 19.Sdb5 Df6 20.Sc7 Lg4 21.Sxa8 Sa4 22.Sc7 Sxc3 23.bxc3 Lxc7 24.f3 Lc8 25.De3 La5 26.Dxc5 Lb6 27.De7 Dxf3 28.Ld5 Dh5 29.Te5 Dh6+ 30.Kb1 g6 31.Tf1 Lf5 32.g4 Ld8 33.Dd6 Dh3 34.Tf3 Dxg4 35.Texf5 1-0

Damit hat Werders neuer Spitzenmann wahrlich ein großartiges Schachjahr mit tollen Turniererfolgen hingelegt. Vom ehemaligen Wunderkind und hoffnungsvollen Talent zu einem Weltklasse-Spieler herangereift, wird der 19jährige seine aktive Schachkarriere jedoch im Herbst vorerst unterbrechen und ein 4-Jahres-Studium an der Universität Oxford (Mathematik und Philosophie) aufnehmen. Das Schach wird er dennoch nicht ganz aufgeben, nur viel weniger spielen, u.a. für den SV Werder Bremen in der Bundesliga und gleich im Oktober auf Kreta beim Europa-Pokal für Vereinsmannschaften!

Claus Dieter Meyer